XIII (PC-Test)
(von Florian Schröder)

Wie? Was? Der Präsident wurde ermordet? Und das in der Vorweihnachtszeit? Ubisoft schmeißt auf den Markt, was dieses Jahr schon längst überfällig war. Eine wahre Innovation im Shooterbereich mit dem mysteriösen Namen XIII - ein Comic mit ganz eigenen Regeln.

Kopfschmerzen und ein flaues Magengefühl
Strand, die rote Sonne am Himmel, das Rauschen des Meeres, Vögel zwitschern, wunderschönes Panorama. Völlige Ruhe, nur die vertrauten Geräusche der Natur. Eine wohlgeformte weibliche Figur vor dem inneren Auge, lange Beine, straffer Bikini - halt halt, dieses Gerüttel an der Schulter und dieser

XIII - XIII Character Movie No.3Ein weiteres Video

geheimnisvoll-erotische Parfümgeruch sind ein Stück zu real. Ein Blick in ihre dunkelblauen Augen. Auf ihre langen Beine. Auf ihren straffen Bikini. Das ist ohne Zweifel real. Sie weiß nicht, warum ich hier liege. Schlimmer noch, ich weiß selber nicht, warum ich hier liege... Rückblende: Sheridan, Präsident der Vereinigten Staaten ist tot. Erschossen. Ermordet. Ganz offensichtlich eine Verschwörung, in der es um viel mehr als bloß um das Oberhaupt des Landes geht.

Eine Verschwörung, in die Menschen verwickelt sind, die skrupellos töten, um ihre Ziele zu erreichen. Auf meiner Schulter ist XIII eintätowiert, in meiner Hosentasche befindet sich ein kleiner Schlüssel zu einem Bankschließfach. Keine Papiere, keine persönlichen Dinge, keine Identität - nur die unsichere Vermutung, etwas mit dem Mord am Präsidenten zu tun zu haben.

Erste Gehversuche als unbewaffneter Niemand
XIII präsentiert sich von Beginn an nicht als reiner Shooter, bei der sich

der intellektuelle Anspruch auf den Abzug der Pistole beschränkt. Schon allein das einführende Intro - irgendwo zwischen MTV und Comicmagazin - zeigt, dass sich hinter dem Spiel ein Thriller für den PC versteckt. Schnelle Schnitte, nur andeutungsweise wird die Story umrahmt, eine dunkle Stimme erzählt. Die Hintergrundmusik: Nachdenklicher Jazz, der das Ungewisse verkündet. Der Spieler wird mit dem alleine gelassen, was die Person XIII von Beginn an weiß - nichts. Und so findet sich Person XIII am Küstenstrand wieder, geweckt von einer bildschönen Frau, benommen und verwundet, aber noch so weit bei klarem Verstand, um zu wissen, dass er hier nicht sein dürfte. Ein Hubschrauber fliegt gen Abendsonne. "Ein Militärhubschrau-ber." Zack! Alles schwarz-weiß und neblig. Irgendwo Stimmen: "Wo ist er hin, er muss doch hier stecken!" Ein Schiff? Ein Keller? Nur dumpfe, hallende Geräusche überall. Schwankende Gehversuche, Fäuste hämmern gegen die metallene Wand.

XIII - XIII trumpft auf mit innovativer Shooter-Grafik - aber kann auch das Spiel überzeugen?

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Zack! So schnell der Tagtraum kam, so schnell ging er wieder. Was war das? Person XIII weiß es nicht. Auf jeden Fall aufgelöst von diesem eigenartigen Militärhubschrauber. Die Frau nimmt Person XIII mit in ein kleines Strandhaus. Sie telefoniert mit einem Freund, erklärt ihm den seltsamen Menschenfund. Plötzlich wilde Rufe, Gewehrfeuer, die Frau wird durchsiebt und an die Wand geworfen. Da ist der Verstand wieder da, der Überlebenstrieb ist geweckt. XIII muss sich mit bloßen Händen verteidigen - gegen wen auch immer.

Rieche meinen Lauf oder fühle meinen Holzstuhl
Während XIII in der ersten Mission zunächst nur seine Fäuste zur

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Verfügung hat, bekommt er für spätere Level unterschiedlichste Tötungswerkzeuge in die Griffel. Häufig und gerne geht er mit seiner 9mm-Pistole auf Wanderschaft, dann auch mal mit dem wesentlich durchschlagskräftigeren 44er-Colt.

Mit steigender Wut im Verlauf des Spiels steigt auch die Power seiner Knarren: Das Sturmgewehr, die Pump-Gun, die Sniper-Rifle. Für die ganz Ungeduldigen gibt es noch Granaten und eine Bazooka im Programm. Beim Waffenarsenal ist somit der gewohnte Standard zu erkennen, der sich in den meisten Shootern anfindet. Keine Experimente und kein Risiko - Ubisoft stattet XIII für seine Erkundungstour durch die Welt der Verschwörungen mit den Waffen aus, die die Spieler vermutlich selbst bei der abenteuerlichsten Auswahl an Schießeisen auswählen würden. Doch in manchen Missionen ist lautes Geknall und nicht minder hörbare Todesschreie nicht gerade das Gelbe vom Ei. Bei einer Mission gilt es beispielsweise, in eine gut bewachte Militärbasis einzudringen - aber bitte mit möglichst wenigen Verlusten. Das heißt: Armbrust raus und auf die Halsschlagader zielen.

So kommt der Anvisierte auch nicht mehr zum rettenden Alarmknopf, um den Eindringling zu entlarven. Doch was, wenn die Munition ausgeht? Kein Problem. Ubisoft lässt denSpieler nicht in einer starren Umgebung mit festgenageltem Inventar herumirren. Sollten die Kugeln gerade rar sein, das Vorbeikommen an einem oder mehr Gegnern ist aber unumgänglich, so hilft der sichere Griff zum Holzstuhl oder zur Glasflasche. Den oder die dann noch mit ruhiger Hand dem Widersacher über den Hinterkopf ziehen und danke - kein Stress mehr.

Pisa-Test beinahe bestanden
Von Cleverness oder verwunderlicher Intelligenz kann bei den Gegnern allerdings kaum die Rede sein. Sie lassen sich besagten Stuhl oder angesprochene Flasche ohne großen Kommentar am Schädel zerdeppern. Nur in seltenen Fällen kommen sie noch dazu, ihre eigene Waffe zu ziehen. Doch im Sterben noch schnell einen finalen Schuss abgeben - nein, das wollen sie dann lieber doch nicht.

Überhaupt: Auch bei den Schussgefechten stellen sich die Kontrahenten nicht sonderlich geschickt an. Von Max Payne mit inDeckung hechtenden Gegnerhorden verwöhnt, kann man bei den Widersachern in XIII allenfalls ein anfängliches Verstecken erwarten. Danach - etwa gleich einem hyperaktiven Kind - springen sie völlig ungeduldig aus ihrem Schutz hervor und rennen wie wild auf den Spieler zu. Dabei zumeist in den Lauf der gezogenen Waffe. Während die "Bösen" in den ersten Missionen dabei zynisch gesagt nicht mehr als Kaninchen auf einem Selbstmordtrip darstellen, werden sie im Verlauf des Spiels wenigstens zu zurück schießenden und dabei sehr treffsicheren Kaninchen. Ihren Masochismus und ihre Gewehrkugelsucht büßen sie jedoch nicht ein. So häufen sich irgendwann die stylischen Comic-Bilder am oberen Bildschirmrand, die stets einen weiteren Headshot verkünden.

Comic-Grafik weckt falsche Mama-Hoffnungen
Apropos Comic-Grafik: Gerade die bunten Farben könnten besorgte Eltern denken lassen, XIII wäre ein
Spiel für ihre Halbwüchsigen, die sich ohnehin nicht von gewalttätigen Games abhalten lassen. Quasi nach dem Motto: Gib ihnen eine Waffe in die Hand, aber nur eine, die nicht so ganz nach Kanone aussieht. Das ist jedoch ein Trugschluss. Die Grafik ist zwar knallig-farbig und wirkt dadurch selbstverständlich weniger realistisch als in Shootern wie Battlefield 1942 oder Mafia, dennoch ist die Gewalt in XIII einige Spuren zu deftig dargestellt, als dass man das Spiel einem Kind in die Hände geben könnte.

Die USK-Wertung ab 16 ist daher wohl als ein Lob an Ubisoft zu verstehen, die zumindest versuchten, Mord und Totschlag in einem PC-Spiel zu abstrahieren.

Leider wirkt die Grafik teilweise mehr als bloß der Abstraktion ein Stück näher gekommen. Im Spiel selber könnte sich mancher mit grafischen Finessen in Staunen versetzter Hardcore-Zocker leicht unterfordert fühlen, beim Anblick der nicht gerade überwältigenden Figuren und Umgebungsgrafiken.

Ganz im Gegensatz zu den Zwischensequenzen: Dort glänzt die Grafik in ganz anderem Bild - was durch die Videoclip-Atmosphäre noch verstärkt wird.