Da ist sie endlich: die neue, schlankere Xbox One. Mit stolzen 399 Mücken Ladenpreis muss man etwas tiefer in die Tasche greifen als bei den jüngst erhältlichen Modellen, im Ausgleich dafür bekommt man aber auch das ein oder andere Schmankerl geboten, das der „normalen“ Xbox One fehlt. Lohnt sich die Anschaffung?

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Nach der Ankündigung der mit „Project Scorpio“ betitelten Hochleistungs-Variante der Xbox One konnte man Zahnräder in den Köpfen unserer Redaktionsbande ticken hören. Die große Frage lautete: Wozu taugt dann noch das S-Modell? Nun, eine Sache liegt auf der Hand: Gewaltige 40 Prozent weniger Volumen verschlingt die geschrumpfte Kiste auf dem Fernsehschrank, was auf den ersten Blick nicht nach viel aussieht. Aber schauen wir doch mal genau hin. Wo ist denn nur der schwarze Klotz von Netzteil? Simsalabim, weg isser, unauffällig versteckt im Gehäuse, wodurch unterm Strich sogar noch mehr Platz im Rack bleibt. Allein dafür sei den Jungs von Microsoft das Erstgeborene versprochen. Aber auch die verbaute Technik ist gar nicht mal so übel und könnte Besitzern eines UHD-Fernsehers durchaus das nötige Geld aus den Rippen leiern. Aber eines nach dem anderen.

S wie schlank

Modell S ist zurzeit nur in einer Variante verfügbar, nämlich mit einer intern verbauten Zwei-Terabyte-Festplatte und einem kleinen Standfuß, der eine Hochkant-Positionierung ermöglicht. Gerade in dieser Konstellation merkt man, wie schlank die Kiste geworden ist. Wer die Anschaffung der Varianten mit 500 Gigabyte oder einem Terabyte bevorzugt, kommt zwar ab Oktober mit einem bis zu 100 Euro günstigerem Anschaffungspreis davon, muss dann aber auf den praktischen Standfuß verzichten. Oder ihn für 20 Tacken nachkaufen.

Von edel ist nicht unbedingt die Rede, denn der etablierte schwarze Klavierlack musste mattem weißen Plastik weichen. Halb so wild. Erspart wenigstens das Entfernen immer neuer Fingerabdrücke und Fettflecken. Gilt übrigens auch für den Netzschalter, der nun mechanisch eingedrückt werden muss und nicht mehr auf schlichte Berührung mit dem Finger reagiert. Wie gesagt, weniger edel, aber merklich praktischer, wenn man bedenkt, dass sich die alte Xbox One auch gerne mal ungewollt aktivierte, wenn man mit der Hand nur in die Nähe des Schalters kam.

Xbox One S - S wie schlanker, schöner und stärker

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Die neue Xbox ist nicht nur kleiner, auch bei den Anschlüssen hat sich einiges getan. Der dedizierte Kinect-Port ist weg und der seitliche USB-Anschluss liegt nun vorne.
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Schlanker werden konnte die Kiste natürlich nur durch eine Schrumpfung der internen Komponenten. Wo zuvor 28-Nanometer Leiterbahnen das Innere der Chips füllten, werkeln nun Bahnen mit 16 Nanometern Dicke, wodurch sämtliche Chips erheblich kleiner ausfallen und energieeffizienter arbeiten. Aus genau demselben Grund bleibt auch der Geräuschpegel gewohnt niedrig. Dank weniger Hitzeentwicklung auf kleinerer Fläche muss nicht zusätzlich gekühlt werden. Im Betrieb ist die Konsole beinahe unhörbar und bedeutend leiser als der Konkurrent PlayStation 4. Zumindest solang keine Blu-ray-Scheibe oder eine DVD im Laufwerk rotiert, denn in dem Fall hört man die Bewegung der Laser-Ausrichtung durchaus.

Ist aber zu vernachlässigen, denn wie zuvor liest die Kiste Blu-ray-Filme am Stück, sodass das Laufwerk nicht ständig nach neuen Sektoren sucht. Zudem müssen sämtliche Spiele wie üblich auf der Festplatte installiert werden. Im Spielbetrieb bleibt das Laufwerk normalerweise stumm.

S wie schön

Apropos Blu-ray: Das Abspielen der hochauflösenden Silberlinge gehört zu den besonderen Stärken des S-Modells, denn nach dem obligatorischen Firmware-Update der Ersteinrichtung sowie dem Herunterladen der kostenlosen Blu-ray-Player-App aus dem Xbox-Store kann die Xbox One S sogenannte 4K-Blu-rays in nativer Auflösung wiedergeben. Auch das Streamen von 4K-Inhalten (etwa über Netflix) stellt für Microsofts neue Kiste kein Problem dar. Heißt nicht nur erheblich schärfer als in normalem HD dank 3840 x 2160 Bildpunkten, sondern auch kontrastreicher dank High-Dynamic-Range-Farbgebung (HDR). Um diesen Vorteil zu nutzen, sollte die heimische Glotze sowohl die nötige Anzahl an Pixeln auf die Mattscheibe zaubern als auch HDR 10 darstellen können. Und nicht vergessen: Auch der Xbox One S muss man in den Einstellungen zuflüstern, dass sie gefälligst UHD ausgibt, sonst bleibt sie standardmäßig auf 1080p.

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Der verbesserte Controller ist dank rauer Oberfläche etwas griffiger. Abseits der separaten Kopfhörer-Klinkenbuchse an der Unterseite bleiben jedoch alle Funktionen gleich.
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HDR 10 ist eine bislang sehr gute, aber freilich nicht ultimative Farbraum-Interpretation, da die Kontrastspanne nur auf einer begrenzten Bandbreite agiert. Firmen wie Panasonic arbeiten mit Hochdruck an noch dynamischeren Farbräumen, die dann exklusiv über komplizierte Chips in sündhaft teuren Standalone-Blu-ray-Abspielgeräten entschlüsselt werden. Dass Microsofts Xbox One, die einen Großteil der Video-Auslesung per Software erledigt, jemals an die kommenden HDR-Standards heranreicht, darf bezweifelt werden. Gleiches gilt für die kommenden Varianten der PlayStation 4. Chip-Hersteller für Blu-ray-Player wollen sich ja nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Doch für den Augenblick reicht das Gebotene allemal. Ein Test mit der 4K-Version von Deadpool ließ keine Wünsche offen. Ein gestochen scharfes und dank toller Ausleuchtung herrlich kontrastreiches Heimkinovergnügen samt 7.1-Klang verzückt Augen und Ohren.

Netter Nebeneffekt: Damit die Xbox One S überhaupt HDR in Filmen und Spielen darstellen kann, musste Microsoft den Grafikchip und den Arbeitsspeicher des Systems von Haus aus übertakten. Heißt im Klartext: Das neue Modell ist ein wenig flinker als die Standardausführung. Da der Flaschenhals im System aber weiterhin beim Hauptprozessor liegt, ist der Vorteil beinahe nur bei der Farbberechnungen von Vorteil. Nun ja, fast.

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