Mit dem verbalen Kommando „Xbox: Anschalten“ erwacht der schwarze Kasten und wirft ein vornehmlich grünes Logo auf den HD-Bildschirm. Eine Blu-ray-Disc surrt kaum hörbar im Laufwerk, anderweitig ist es mucksmäuschenstill. Da ist sie also, die neue Konsolengeneration von Microsoft.

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Man mag sich über viele Designfragen lange und ausgiebig streiten, doch eines kann man kaum ignorieren: Die Jungs aus Redmond haben beim Entwerfen von Konsolen mächtig dazugelernt. Xbox One ist so leise, dass die Surround-Anlage selbst bei Hochbetrieb keine Nachbarn aus dem Schlaf holen muss. Die Kiste läuft nicht heiß, lässt sich komfortabel bedienen und bringt gleich zum Start ein paar interessante Spiele mit.

Wenn jetzt noch der offizielle Systemstart am Freitag sauber über die Bühne geht und jeder willige Käufer eine Konsole abbekommt, könnte man die Liste der Xbox-360-Startblamagen genüsslich ad acta legen: Schnee von Vorvorgestern.

Um so einen Glanzstart könnte man die Redmonder glatt beneiden, wenn nicht sämtliche PR-Desaster der letzten Monate das Bild verzerrten. Angedrohte DRM-Regeln und Online-Knebel, Kinect-Zwang sowie Spekulationen über die verbaute Hardware spielten dem Konkurrenten Sony in die Hand. Selbst panisches Zurückrudern – auch bekannt als der ominöse „Xbox One-Eighty“ - klärten die Wogen nicht.

Trotzdem wollen wir all dies im Rahmen dieses Tests außen vor lassen. Die Kiste steht jetzt hier, und bei aller Kritik können wir nicht leugnen, dass es uns bereits in den Zockerdaumen kitzelt, wenn wir den neuen Controller auf dem Tisch liegen sehen. Ab jetzt zählen nur noch Fakten.

Xbox One - Konsole, Controller, Kinect, Bedienung: Was taugt die dritte Microsoft-Generation?

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Konsole, Kinect, Controller: Wie gut ist die Neue von Microsoft?
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Was ist drin und dran?

499 Euro trennen Interessierte von Microsofts neuestem Flaggschiff mitsamt einem Controller, allen nötigen Kabeln, dem neuen Kinect-Sensor, sowie einer Übersicht der wichtigsten Sprachbefehle. Wie seit längerem bekannt, wird man nicht zur Verwendung der 3-D-Kamera genötigt. Sie lässt sich abschalten oder gar abklemmen, erfüllt aber auch viele nützliche Dienste, wenn man sie an der Konsole lässt.

Einzig der Aufstellplatz für den Sensor könnte ein Problemthema werden. Mit rund 33cm Länge, 27 cm Breite und beinahe 8 cm Höhe nimmt die nicht unbedingt formschöne schwarze Hauptkonsole bereits einiges an Platz auf dem TV-Regal ein. Nicht zu vergessen das voluminöse, wenn auch überraschend leichtgewichtige externe Netzteil. Daneben sind noch einmal 25 x 6,5 cm Stauplatz für Kinect vonnöten, wobei ein extralanges Verbindungskabel viel gestalterischen Freiraum lässt.

Es ist noch immer möglich, die Kamera sowohl über als auch unter dem Bildschirm zu platzieren und entsprechend zu kippen. Dabei reicht es völlig, wenn das Gerät grob in die richtige Richtung schaut, denn der neu konzipierte, hochauflösende Sensor nimmt problemlos ein ganzes Couchgelage in den extra breiten Fokus. Nachjustieren ist auch später unnötig. darum kalibriert sich Kinect nicht mehr selbstständig. Auf einen Motor für das Kippgelenk verzichtet Microsoft diesmal.

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Kinect: Manchem ein Dorn im Auge.
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Viel mehr fällt für den Aufbau nicht an. Xbox One akzeptiert ausschließlich HDMI-Kabel zur Bildversorgung, zumal die Steckerform des Kinect-Kabels netterweise ein völlig anderes Format hat als die ebenfalls verbauten Anschlüsse für optische Audio-Kabel und Netzwerkstecker. Man kann die Formen weder verwechseln noch das Ende eines Kabels falsch einklinken. Bei lediglich zwei Auflösungsoptionen – 720p und 1080p kann man nicht viel falsch machen. Kurzum: Selbst wenn eure Ur-Oma ihre Brille verlegt hätte, bekäme sie Xbox One an einen HDTV angeschlossen. Nur leider kein Stück weiter. Disc einwerfen und losspielen? Schön wär's!

Das Menü

Egal ob man die Maschine nun per Sprachbefehl startet oder nach gewohnter Manier den großen X-Knopf am Controller drückt, Xbox One ist beim ersten Einschalten kaum mehr wert als ein Ziegelstein. Das Gerät benötigt eine Verbindung mit dem Internet, um die einst angedachten Kopierschutz- und Anti-Modding-Maßnahmen per Patch abzulegen. Über W-LAN oder Kabel gespeist, saugt die Konsole 500 MB an neuen Systemeinstellungen, was je nach Netzanbindung unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Selbst der Blu-ray-Player für Filme liegt nicht installiert vor, sondern muss als kostenlose App manuell heruntergeladen werden.

Komplette Einsicht ist auch uns nicht gegeben. Microsoft besteht auf den Hinweis, dass das bisherige Erlebnis mit der Xbox One noch nicht vollständig ist. Systemupdates kommen in der Zeit vor dem 22. November tröpfchenweise rein und schalten nach und nach gewisse Funktionen frei. Einige Angaben in diesem Überblick könnten sich also noch kurzfristig ändern.

Dazu gehört unter anderem der für uns unverständliche Fakt, dass USB-Tastaturen trotz drei entsprechender Buchsen (eine auf der linken Seite, zwei auf der Rückseite) nicht mehr als Eingabegerät akzeptiert werden. Konfiguration des Netzwerkanschlusses samt der Eingabe womöglich elendig langer Passwörtern sind derzeit noch per Controller zu erledigen. Oder per Smartglass-App über Handys und Tablets, wie uns Microsoft für die Zukunft verspricht.

Allerdings ist die Xbox-One-Version der App noch nicht verfügbar, und wir sind uns nicht sicher, ob die Funktion womöglich Kanonen aufrollt, um Spatzen zu erschießen. Viele Leute verwenden Smartphones und Tablets, aber eben nicht jeder. Und wenn das Telefon gerade zwecks Aufladen an der Docking-Station hängt, fällt schnelles Schreiben flach. So eine USB-Tastatur kann praktisch sein, gibt ja auch kleine und kabellose Modelle.

Anderweitig erweist sich die Bedienung jedoch als effizient, weil sparsam angelegt. Wo auf der Xbox 360 noch mehrere nebeneinander liegende Bildschirme benötigt wurden, um allerlei Hubs für Spiele, Videos, Musik und DLC anzupreisen, genügen nun zwei, die alle Hauptoptionen vereinen. Das Setup ähnelt optisch der Kachelstruktur von Windows 8, hat aber praktisch nur wenige Gemeinsamkeiten, denn auf der Xbox One gibt es keine hintergründige Desktop-Ebene.

Stattdessen füllt eine große Hauptkachel einen beachtlichen Teil der Fläche. Sie wird von allen Hauptoptionen der Konsole umringt und zeigt den Inhalt des zuletzt verwendeten Programms, egal ob Film, Spiel oder App. Von hier aus erreicht man alles in Sekundenschnelle, sei es über die klassische Joypad-Eingabe oder per Spracherkennung. Durch ein auffordernd gesprochenes „Xbox“ Richtung Kinect enthüllt das Menü einige Basisbefehle sowie die Namen aller naheliegenden Funktionen, sodass man sämtliche Spracheingaben logisch zusammenbasteln kann.

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Das neue Menü ist etwas zu verschachtelt, aber Microsoft arbeitet noch bis zuletzt daran.
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„Xbox: Gehe zu: Skype“ ist leicht zu merken und bringt uns erheblich schneller zur erwünschten App als das Durchhangeln in den Menüs. Natürlich kommt sich so mancher irgendwie blöd vor, wenn er mit einer Maschine spricht. Aber bei anderen siegt gewiss die Faulheit, zumal das Ganze einen gewissen Star Trek-Touch hat. „Hallo Computer....“

Die Sache birgt allerdings ein paar Haken. Ohne Störgeräusche im Raum lag unsere Erfolgsrate bei geschätzten 70 Prozent. Soll heißen: Im Normalfall erkennt Kinect den Befehl und führt ihn erwartungsgemäß aus. In einigen Fällen analysierte die Software das Gesprochene jedoch falsch und startete eine ganz andere App. Oder ignoriert den Befehl völlig, weil er falsch akzentuiert wurde. Man muss schon einen gewissen Befehlston anlegen und vor dem „Xbox“ eine Pause lassen, sonst passiert nichts. Kommen Störgeräusche wie Straßenverkehr von einem offenen Fenster dazu, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer sinngemäßen Ausführung rapide. Ebenso, wenn mehrere Stimmen hintergründig durcheinander sprechen. Lediglich einige Basisbefehle wie „Xbox: Ausschalten“ oder „Xbox: Zurück“ scheint Kinect zuverlässig herauszufischen.

Immerhin: Lästiges Gefuchtel vor der Kamera wie zu Zeiten der Xbox 360 entfällt in den Menüs völlig, und es hat durchaus Vorteile, sich vor Kinect normal unterhalten zu können, ohne gleich das System auf den Kopf zustellen. In mehreren Versuchen haben wir registriert, dass Microsofts Sensor selbst vermeintliche Spracheingaben wie „gestern wollte ich die Xbox ausschalten, aber ich habe es vergessen“ ignoriert, wenn sie als Teil eines Satzes in normaler Betonung zu hören sind. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es kann durchaus vorkommen, dass ein beliebiger Satz von Kinect als Befehl missverstanden wird. Passiert zum Glück selten.

Multimedia und mehr

Außerdem scheint es zumindest in unserer Raumkonfiguration eine Art toten Winkel für Spracheingaben auf der Rückseite der Kamera zu geben. Eine Ansage von Rücklings wird ignoriert, sofern man nicht direkt vor dem Gerät steht oder der Schall zu stark von der gegenüberliegenden Seite reflektiert. Ein Schutz vor Trollen in der Wohngemeinschaft ist das aber nicht.

Oh nein, Mütter werden gar jubeln. Stellt euch einen Fünfzehnjährigen vor, der lieber an der Konsole hängt, als seine Hausaufgaben zu erledigen. Mutti platzt der Kragen und fordert den Sprössling auf, endlich seinen Pflichten nachzukommen. Natürlich winkt Sohnemann ab und verspricht nur noch den Boss des Levels erledigen zu wollen. Ruft Mutti dann kräftig vom Flur aus „Xbox: Abschalten“ und bestätigt schnell mit einem „Ja,“ ist der Spaß im Kinderzimmer sofort vorbei. Sofern eine solche Gefahr tatsächlich droht, hilft nur das Umgehen der Spracherkennung, bzw. die Deaktivierung des Kinect-Sensors.

Einmal ausgeschaltet, verfällt Xbox One in einen Schlafmodus und versteht nur noch ein einziges Kommando zum Reaktivieren. Diese Bereitschaft kostet konstant eine Versorgung mit 14 Watt Strom, was je nach Anbieter Unkosten von wenigen Cent pro Tag entspricht. Wer Kinect deaktiviert, spart deutlich mehr, denn der echte „Idle-Status“ frisst gerade mal ein halbes Watt. Immerhin: Dafür startet die Konsole sehr schnell und ist bereits nach etwa 15 Sekunden voll einsatzbereit.

Zumindest sofern man sich ohne Passwort einloggt. Inzwischen sind Nutzerprofile auf Konsolen eine alltägliche Sache und die Xbox One macht keine Ausnahme. Ohne Anmeldung ist die Konsole zwar grundsätzlich funktionsfähig, speichert aber keine Spielstände und begrenzt den Zugriff auf viele Inhalte. Die meisten davon sind nämlich von einer Internet-Anbindung samt kostenpflichtigem Xbox-Live-Gold-Account abhängig.

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Der Gamertag und Gamerscore können von der Xbox 360 übernommen werden, getätigte Einkäufe leider nicht.
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Wer bereits einen Windows- oder Xbox-360-Account besitzt, trägt die entsprechenden Daten einfach ein und übernimmt auf diese Weise Freundesliste und Gamerscore. Gekaufte Inhalte anderer Plattformen machen den Sprung jedoch nicht. Weder Xbox-Live-Arcade-Titel noch Games-On-Demand-Einkäufe der letzten Generation sind mit der Xbox One kompatibel.

Schon schade, denn der offizielle Grund dahinter ist die Umstellung der Hardware auf eine PC-übliche x86-Struktur. Allerdings bietet Windows bereits einen x86-konformen Arcade- und App-Store an, der genauso ignoriert wird. Angesichts der wenigen in Deutschland verfügbaren Apps auf der neuen Plattform kein schlauer Schachzug. Während Amerikaner diverse hochinteressante Sportübertragungen und schicke Filmstreaming-Services auskosten, sitzen wir auf acht mehr oder minder standardmäßigen Stream-Apps fest. Eurosport, Watchever, Lovefilm, Zattoo, Machimina, Muzu TV, Twitch und TED sollen es für den Anfang richten. Ein Angebot, das man ohne schlechtes Gewissen ausschlagen könnte.

Microsoft hält zumindest das Versprechen der Multitasking-Option ein. Bestimmte Apps dürfen über ein Seitenfenster betrieben und parallel zum Spielen ausgekostet werden. Skypen, Video-Aufnahmen von bis zu fünf Minuten Länge, Surfen, um etwa auf gamona nach einer Komplettlösung zu suchen – alles kein Problem. Der implementierte Internet-Explorer erweist sich sogar als erstaunlich flink und kompatibel.

Wer Kinect verschmäht, muss sich dabei zuerst an die Bedienung gewöhnen. Der linke Analogstick übernimmt den Cursor des Hauptfensters, während das Steuerkreuz für die angedockte Seite zuständig ist. Am Anfang wirkt das wenig intuitiv. Man möchte ständig in Windows-Manier zwischen den Fenstern umschalten. Mit steigender Erfahrung verfliegt der Effekt.

All in One? Nicht so ganz!

Konzept und Bedienung wirken ausgereift, wenn auch noch ein wenig zu verschachtelt. Die Idee, ein ständig aktives Hintergrundmenü zu betreiben, ist löblich, nur verstehen wir nicht, warum lange Listen, wie etwa die Aufzählung von Achievements, unbedingt riesige Kacheln und Bilder benötigen. Obendrein scrollt man auch noch seitwärts durch den Wust. In Sachen Übersicht leider ein Rückschritt zur letzten Generation, auch wenn uns die Statusbalken unter jedem Achievement positiv aufgefallen sind. So sieht man etwa bei Sammelaufgaben auf einen Blick, wie weit man vom Achievement-Ziel entfernt ist.

Die bislang hohe Verschachtelung einzelner Elemente wirkt sich bereits auf so einfache Dinge wie etwa Systemnachrichten aus. Poppt eine Erfolgsmitteilung auf, genügt ein langer Druck auf den großen Guide-Button, um eine Beschreibung aufzurufen, allerdings wuselt das Menü dafür selbstständig durch vier Unterbildschirme und landet auf einem einzelnen Screen, auf dem ansonsten nichts weiter steht. Scrollen zum nächsten Achievement? Nicht möglich. Zumindest bislang.

Gerade bei solchen Dingen müssen wir darauf hinweisen, dass Microsoft noch am System feilt. Außerdem sind solche Anmerkungen im Gesamturteil weniger von Belang. Im Großen und Ganzen scheint das Xbox-One-Menüsystem durchdacht, und wir sind uns sicher, dass Microsoft noch einigen Ballast abwerfen wird.

Nur eines stößt sauer auf, nämlich die gerade mal 500 GB große interne Festplatte. Spiele müssen vorinstalliert werden und nehmen schon jetzt locker zwischen 20 und 40 Gigabyte ein. Microsoft möchte, dass Kunden möglichst viele Mini-Games, Apps, Filme und Musikstücke aus dem hauseigenen Angebot erwerben. Da sind 500 GB ruckzuck voll.

Selbstverständlich könnten die Redmonder zukünftig USB-Sticks und externe Festplatten unterstützen, aber angesichts der in PR-Kreisen breitgetretenen „Alles in einem“-Philosophie wirkt die kleine Festplatte überaus inkonsequent. Selbst auf dem freien Markt kosten schnelle, zuverlässige Platten mit zwei Terabyte inzwischen fast nichts mehr, das Euro-je-GB-Verhältnis fliegt im Dauertief.

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Ob ihr die "Allin One"-Funktionen nutzt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
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All in One ist sowieso ein leeres Versprechen. Nicht nur weil Microsofts Baby sich für so grundsätzliche Dinge wie Schrifteingaben auf Nebengeräte wie Tablets und Handys verlässt. So kann man den Fernseher - wie versprochen - theoretisch über die Konsole verwalten, inklusive Einblick auf die elektronische Senderliste. Allerdings ist dazu ein externer HD-Receiver nötig, der seine Bildsignale über den rückseitigen HDMI-Eingang zusteuert. Wenn schon „All in One“, dann doch bitte mit Antennenbuchse nebst einem CI+ Kartenslot, sodass ein weiteres Gerät obsolet wird. Wäre nicht nur erheblich praktischer gewesen, es hätte auch ein weiteres Verkaufsargument für die Xbox One sein können. Receiver, Blu-ray-Player, Multimedia-Station und Konsole in einem – das wäre doch mal ein Paket gewesen. Jedenfalls eine bessere Idee als ein zwangsweise beigelegtes Kinect, das viele Spieler grundsätzlich ablehnen, egal wie zuverlässig die zweite Revision nun funktioniert.

Ob Vorurteil oder nicht, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Damit zu skypen beziehungsweise in HD videochatten, ist sicher eine schicke Sache, und bei Spielen dient es ebenfalls der bequemen Kommunikation mit Freunden. Nüchtern betrachtet wären viele Kinect-Funktionen jedoch über ein normales Headset möglich gewesen, das beweisen Spracherkennungsprogramme auf dem PC. Kollege Seb schreibt damit sogar ganze Texte als Diktat und benötigt dafür weder mehrere Mikrofone noch eine 3D-Kamera. Zumal ein Headset offensichtlich Fehlinterpretationen minimiert, die Kinect noch immer nicht ausschließen kann.

Am Ende ist Kinect nichts weiter als eine aufgeblasene Bewegungssteuerung. Ja, sie funktioniert nun besser, sogar wenn man auf der Couch herumlümmelt, Aber was nutzt das, wenn man es den Spielern im Bundle aufzwingen muss und dadurch 100 Euro mehr verlangt als die Konkurrenz?

Denn zum Spielen sind sie da

Wir möchten nicht ausschließen dass Kinect mit der Zeit von den Käufern akzeptiert wird. Wenn das Ding schon mal da ist, kann man es ja auch anschließen, und bekanntlich triumphiert Faulheit des Öfteren über die Moral. Diverse Einstellungsoptionen grenzen Microsofts Rechte beim Auswerten der Kameradaten ein.

Allerdings sind uns die Menüs bei einem solch brenzligen Thema wie Datenschutz ein wenig zu unübersichtlich, und letztendlich kann niemand sagen, ob die NSA im Hintergrund nicht doch die Strippen zieht. So eine Software-Einstellung ist letztendlich nichtssagend, im Stillen kann ja noch immer das Gegenteil passieren.

Wir möchten weder Verschwörungstheorien anheizen noch mündigen Bürgern ihre Entscheidungsfähigkeit absprechen, aber mit einem standardmäßig beigelegten Kinect und einer stetigen Aufforderung, Internet-Dienste zu nutzen, macht sich Microsoft sehr verdächtig. Ein Beispiel gefällig? Obwohl auf den Blu-ray-Discs für Spiele massig Speicherplatz vorhanden ist, greift die andockbare schriftliche Spielanleitung auf Daten aus dem Netz zu. Nicht nur umständlich, nein, unnötig ist das. Und gewissermaßen ein Onlinezwang über die Hintertür wegen simpelster Dienste.

Ob umsichtige Eltern ihr Kind vor so eine Maschine setzen, hängt weniger davon ab, wie viel tatsächlich „spioniert“ und ausgewertet wird, sondern daran, wie vertrauenswürdig sich Microsoft darstellt. Am Ende hilft doch nur Kinect abzustöpseln, um ganz sicher zu gehen.

Es wäre zu verschmerzen, allein schon, weil der neue Standardcontroller einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Punkt eins: Das Steuerkreuz ist endlich auf höchstem Niveau. Sauber klickende Schalter auf eindeutigen Druckpunkten, kurze Wege, hohe Zuverlässigkeit. Selbst den harten Eingabetest mit Killer Instinct besteht das neue Kreuz mit wehenden Fahnen. Punkt zwei: Sämtliche Feuerbuttons sind reaktionsfreundlich platziert und vermitteln ein hervorragendes Gefühl.

An die neuen Analogsticks muss man sich dagegen erst gewöhnen, Sie wirken leider etwas klein für große Daumen und sind sehr empfindlich. Eine Runde Forza Motorsport 5 beweist den Vorteil dieser neuen Feinfühligkeit, denn selbst kleinste Richtungsangaben setzen sie sauber um. Was die neuen Rumble-Motoren in den angenehm breiten und sanft regulierbaren Schulterbuttons angeht: Sie intensivieren das Spielgefühl und vermitteln sogar nützliche Eindrücke wie etwa den Verlust an Bodenhaftung an den Reifen. Schick! Trotzdem: Die Welt hätte sich auch ohne dieses Feature weitergedreht.

Xbox One - Konsole, Controller, Kinect, Bedienung: Was taugt die dritte Microsoft-Generation?

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Bewährt und verbessert: der Xbox-Controller.
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Viel wichtiger erscheint uns, dass der Komfort beim Spielen konstant hoch bleibt. Installationen gehen sehr schnell vonstatten, zumal man das Spiel in der Regel schon ab rund 40% Fortschritt starten darf. Wechsel zwischen Konsolenmenü und Spielinhalt vollzieht Xbox One in einem Wimpernschlag und selbst die Aufnahmefunktion läuft quasi unbemerkt im Hintergrund, wenn man sie zuschaltet.

Deren Ausgabequalität ist übrigens sehr farbecht und scharf, wenn auch auf 30 fps, 720p und maximal fünf Minuten Dauer beschränkt. Wie es nach einem Upload auf öffentliche Server aussieht, ist noch nicht klar – diese Funktion steht vor dem Release noch nicht zur Verfügung.

Fazit

Allen negativen Vorabkritiken zum Trotz ist Xbox One eine attraktive Anschaffung. Grafisch fällt der Sprung von den Last-Gen-Konsolen erwartungsgemäß geringer aus als in der Generation zuvor, aber es besteht genug Steigerungspotenzial. Wir hatten definitiv unseren Spaß. Controller, Bedienungskomfort und selbst unsichtbare Helfer wie der verbaute Hitzesensor, der Totalausfällen vorbeugt, zeugen von Microsofts Lernbereitschaft, andockbare Apps und schnelle Wechsel zwischen den Optionen von der gesammelten Erfahrung. Wer ein rundum taugliches Entertainment System sucht, macht mit der Xbox One nichts falsch.

Das angepriesene „All-In-One“-Konzept hat unserer Meinung nach jedoch einige Lücken, zumal Kinect noch immer keine spielerische Bereicherung darstellt. Außerdem ist uns der ausartende Achievement-Wahn negativ ausgefallen. Inzwischen poppt gefühlt alle zwei Minuten ein Balken auf, der irgendwelche erreichten Meilensteine bestätigt. Das wird allmählich zu viel, zumal es den Wert solcher „lobenden Zeilen“ arg schmälert. Was unter dem Strich fehlt, ist eine größere Festplatte, eine CI+ Schnittstelle samt Antennenbuchse sowie eine Entfernung überflüssiger Menü-Umwege. Letzteres erwähnen wir unter Vorbehalt, denn gerade auf der Softwareseite könnte sich noch einiges vor dem Release am 22. November ändern.