150 Euro sind eine ganze Stange Geld. Dafür bekommt man drei AAA-Spiele, kann sich ein schönes Wochenende mit der Freundin machen. Oder sich den Xbox Elite Wireless Controller kaufen, um auf der Xbox One (oder auf dem PC) so richtig die Hütte zu rocken. Aber lohnt sich das Investment in dieses begehrte Stück Gamer-Hardware tatsächlich? Wir haben das Ding ausgiebig getestet.

Der erste Eindruck des Elite Controllers ist purer Genuss. Das Gamepad entspricht zwar von den Ausmaßen und der Anordnung der Buttons eins zu eins einem normalen Xbox-One-Controller – dort hören die Gemeinsamkeiten aber beinahe schon auf. Er ist entgegen offizieller Angaben nicht nur schwerer, die gesamte Haptik ist um mindestens eine Dimension auf eine andere Stufe angehoben worden. Die verwendeten Materialien sind durchweg hochwertiger und fühlen sich besser an. Ja, natürlich spielt hier auch Gefühl eine große Rolle, nicht allein deshalb, weil es sich um ein Luxusprodukt handelt (bei dessen Kauf wir uns gut fühlen müssen, um ihn uns selbst gegenüber zu rechtfertigen). Wenn man das Standard-Pad im Vergleich dazu in die Hand nimmt, wirkt es beinahe wie ein Billig-Produkt vom Grabbeltisch.

Xbox Elite Wireless Controller - Elitär in jeder Hinsicht

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Neben dem Controller werden auch die Zusatz-Paddles und alternative D-Pads und Analogsticks, sowie ein USB-Kabel für den Anschluss an Windows-10-PCs mitgeliefert.
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Das Kunststoff des Elite Controllers ist an den richtigen Stellen – nämlich dort, wo es am meisten Hautkontakt hat – mit einer griffigen Gummierung verstärkt. Das sorgte zumindest bei meinen Tests (Halo 5: Guardians, Forza Motorsport 5, Star Wars Battlefront) dafür, dass es deutlich weniger in der Hand rutschte. Wobei ich persönlich nicht dazu neige, schwitzige Hände beim Zocken zu bekommen – das mag sich bei anderen noch stärker auswirken. Auch die übrige Verarbeitung des Pads ist super gelungen; neben den rutschfesten Kunststoffen sind Teile des Spielgeräts aus robustem Edelstahl gefertigt. Das sieht vor allem gut aus und hinterlässt einen edlen Eindruck.

Wodurch sich der Elite Controller aber tatsächlich auszeichnet, ist seine Anpassungsfähigkeit. Beide Analogsticks sowie das D-Pad lassen sich im Handumdrehen austauschen, sie sind lediglich magnetisch an den Halterungen befestigt. Microsoft behauptet zwar, dass die Gummiüberzüge des Elite Controllers deutlich länger halten sollen als bei der Standard-Ausgabe. Ob das letztlich wirklich so ist, wird allerdings erst ein Langzeittest zeigen.

Der Clou liegt viel mehr darin, dass dem Paket verschiedene Modelle der Analogsticks beiliegen: Wer lieber gewölbte Sticks verwendet (wie beim PS4-Controller) oder eine andere Größe, kann hier einen oder beide Sticks entsprechend anpassen – auch eine Mischung ist selbstverständlich möglich. Microsoft hat zudem neben dem normalen Steuerkreuz ein Diamant-förmiges Exemplar beigelegt, das vor allem bei Prügelspielen von Nutzen sein könnte. Es erlaubt zumindest feinfühligere Bewegungen, da sich die einzelnen Positionen sehr gut ertasten lassen.

Happiger Preis, ordentliche Features

Was den Elite Controller aber am meisten von seinem Standard-Kumpel abhebt, sind die „Paddel“ (oder wenn ihr es lieber Englisch mögt: „Paddles“). Das sind vier zusätzliche Steuer-Einheiten, die an der Unterseite des Pads angebracht werden können. Auch sie lassen sich magnetisch befestigen oder im Handumdrehen (ebenfalls einzeln) wieder abnehmen. Sie werden mit den Mittel- und Ringfingern bedient und eignen sich insbesondere für Spezialaufgaben, die ich dem Pad via App zuordne. Wenngleich das Halten des Controllers mit den Paddeln zunächst gewöhnungsbedürftig ist, sind die Vorteile sofort erkennbar: In Rennspielen schalte ich mit ihnen, ohne die Zeigefinger von den Triggertasten nehmen zu müssen.

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Äquivalent verhält es sich etwa in Shootern, wo ich weiterballern bzw. die Finger an den Triggern oder Schultertasten lassen kann, während ich mit den Paddles nachlade, Granaten werfe oder andere Funktionen auslöse. Es gibt allerdings auch einen Haken: Wenn ich die Paddel nicht verwende (weil es nicht in allen Spielen sinnvolle Einsatzgebiete gibt), nehme ich die Dinger lieber ab, anstatt sie schlicht zu deaktivieren (indem ich schnell zwei Mal auf die Verbindungstaste drücke). Der Grund: Meine Handhaltung neigt dann dazu, zu verkrampfen, weil ich irgendwie versuche, die Tasten nicht zu drücken. Aber wie gesagt, in wenigen Sekunden sind alle austauschbaren Objekte angebracht oder entfernt – ein richtiger Nachteil entsteht dadurch nicht.

Das war jedoch nicht alles, was die Konfigurierbarkeit des Geräts betrifft. Ein ziemlich sinnvolles Feature ist die Hub-Option für die Triggertasten. Mit einem Kippschalter an der Unterseite des Pads stelle ich für beide Trigger unabhängig voneinander kurze oder lange Laufwege ein. Wenn ich bei Rennspielen lieber mit mehr Gefühl beschleunigen und bremsen will, kann ich das also genau so einstellen wie eher kurze Wege für Shooter und die Trigger entsprechend arretieren. Eine Idee, die in der Praxis gut funktioniert.

Der letzte spezielle Punkt des Controllers ist ein Schalter auf der Oberseite, mit dem ich zwischen zwei auf dem Gerät (oder in der Cloud) gespeicherten Profilen wechsele. Das heißt, ich kann das Teil auch zu einem Freund schleppen und dort mit meinen beiden Lieblings-Profilen zocken, ohne irgendwas herunterladen zu müssen. Kommt heutzutage vermutlich eh selten genug vor, ist aber durchaus ein nettes Nice-to-have-Feature. Zwar lassen sich seit Neuestem auch Optionen für die Standard-Controller anpassen, jedoch sie sind viel weniger flexibel und können außerdem nicht in der Cloud oder auf dem Gerät selbst gespeichert werden.

Gesteuert wird das Ganze von einer App (alternativ lässt sich das in den Konsolen-Einstellungen vornehmen), in der man alle Profile verwalten und entsprechende Einstellungen ändert. Im Prinzip könnt ihr für jedes Spiel ein individuelles Profil anlegen. Die App ist sowohl für Xbox One und Windows-10-PCs verfügbar, am Rechner muss man allerdings ein USB-Kabel verwenden. Ein Wireless-Adapter soll laut Microsoft zu Weihnachten auf den Markt kommen. Wer keine Lust hat persönliche Profile zu erstellen, kann von offizieller und inoffizieller Seite spezielle Mappings herunterladen.

Der Elite Controller verfügt zudem über eine 3,5-mm-Stereobuchse, sodass ihr auf Wunsch eigene Headsets anschließen könnt und nicht auf das Xbox-One-Set angewiesen seid. Wer das Design seines Controllers ändern oder andere Aufsätze verwenden will wird demnächst weitere Sets kaufen können, die von einem Drittanbieter (Scuf Gaming) angeboten werden. Allerdings sind sie – beispielsweise ein Halo-5-Austauschset – nicht ganz günstig (ca. 30 Euro).

Xbox Elite Wireless Controller - Elitär in jeder Hinsicht

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An der Rückseite des Elite Controllers werden die Paddles angebracht, außerdem befinden sich dort die Schalter für die Arretierung der Triggertasten.
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Lohnt sich der Kauf des Xbox One Wireless Controllers?

Haben wollen? Ja, unbedingt! Haben müssen? Nein, nicht unbedingt. Knackpunkt dabei ist natürlich der Preis von 150 Öcken – die schüttelt man in der Regel nicht einfach so aus dem Handgelenk. Das liegt aber nicht an dessen unbestreitbaren Qualitäten, denn Handling, Verarbeitung und auch spielerische Vielseitigkeit sind top! Zumindest gefühlt hat mir der Elite Controller in einigen Spielen Vorteile gebracht, wobei sich hier kaum messen lässt, ob das Einbildung ist oder ein tatsächlicher Vorsprung (dank Technik) eintritt.

Aber allein schon, dass ich in manchen Spielen die Finger nicht mehr von wichtigen Tasten nehmen muss, während ich andere Funktionen mit den neuen Paddles auslöse, ist bereits ein ergonomisches Plus, auf das ich ungern verzichten möchte. Solltet ihr also noch einen Platz frei haben auf eurer Weihnachtswunschliste, ist der Elite Controller sicherlich ein geeigneter Kandidat.