Wir gratulieren Microsoft zu zehn Jahren Xbox 360. Und was für zehn Jahre es waren, gefüllt mit vielen positiven Denkanstößen für die Branche und einem spannenden Kampf gegen zwei starke Mitbewerber. Nicht alles lief wie geplant, aber vieles erheblich besser als nach dem ersten Jahr zu erwarten. Wir blicken zurück.

Xbox 360 - New Xbox Experience2 weitere Videos

Kaum eine Firma polarisiert so sehr wie Microsoft. Obwohl (oder gerade weil) viele PC-Benutzer vom Monopol-Betriebssystem Windows abhängen, gibt es Menschen, die pauschal Microsoft-Produkte ablehnen. Das Bild des amerikanischen Über-Konzerns und die ein oder andere unglückliche Entscheidung bei der Windows-Gestaltung zementierten ein Feindbild der Computerindustrie, dem so mancher mit automatisiertem Beißreflex gegenübersteht. Das war vor 14 Jahren nicht anders, als die erste Xbox in den Läden stand. „Was wollen ausgerechnet die hier bei den Konsolen“, war eine durchaus berechtigte, wenn auch nicht ganz durchdachte Frage. Tatsächlich hatte Microsoft schon länger Pläne für die Eroberung des Wohnzimmers geschmiedet. Windows 95 und Windows 98 verwandelten den PC überhaupt erst in ein alltagstaugliches Gerät für jedermann.

Mit der Veröffentlichung einer Spielkonsole bewies Microsoft Konsequenz, machte Nägel mit Köpfen. Ein gutes Aushängeschild für die Überlegenheit der Direct-X-8-Schnittstelle war die Kiste noch dazu. Aber der erste Anlauf wollte nicht so recht fruchten. Zu klobig, zu stromhungrig, zu unkonsolig, so lautete das Fazit nach vier Jahren. Warum sollte man sich so etwas antun, wenn die eisern regierende PlayStation 2 doch so viel mehr zu bieten hatte?

Moment, hatte sie das wirklich? Sony kannte faktisch kein hauseigen verwaltetes Online-Gaming, stattdessen machten Dritthersteller, worauf sie gerade Lust hatten. Es war ein einziges unzuverlässiges Chaos. Festplatten kamen nur in Japan zum Einsatz, weil sie einen wunden Punkt für Raubkopien offenlegten. Fakten, über die Xbox-Besitzer nur schmunzeln konnten. Auf der Xbox war sowas unterster Standard.

10 Jahre Xbox 360 - Die Berg- und Tal-Konsole

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 233/2381/238
Die Spielauswahl war anfangs eher durchwachsen, startete aber nach kurzen Anlaufschwierigkeiten voll durch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten. Xbox stand auf Augenhöhe mit dem GameCube, konnte aber nicht ansatzweise am Sony-Thron kratzen. Für die Redmonder ein nicht hinnehmbarer Fakt. Schlusslicht auf dem Markt sein? So etwas kannten, ja akzeptierten sie nicht. Umso plötzlicher kam dann der Umschwung zum Nachfolgermodell mit dem Anhängsel 360, das alles besser machen sollte. HD-Ready-Grafik in 720p-Auflösung, noch anspruchsvollere Online-Features, ein Belohnungssystem für Spielerfolge (Achievements), ein verbesserter Controller… Die Liste der Optimierungen für die Xbox 360 war lang und zog allerlei Konsequenzen aus den Fehlern, die beim Vorgänger unterlaufen waren.

Problem an der Sache: Es juckte niemanden. Premiere als erste weltweit etwa gleichzeitig veröffentliche Konsole? Pah, sinnlos, wenn auf jedem Kontinent so wenige Exemplare verfügbar sind, dass selbst schmerzfreie Early-Adopter zu kurz kommen. Tolle Online Features? Im Jahre 2005 ein Luxus, da bei weitem nicht jeder potenzielle Kunde über Breitband-Internet verfügte. Und überhaupt: Was sollte man auf dieser Konsole spielen, was es nicht schon bei Sony oder auf dem PC gab. Perfect Dark Zero etwa? Nee, das lief den eigenen Ansprüchen hinterher, so wie beinahe jedes andere Spiel aus dem Startsortiment der Xbox 360.

Aber es dauerte nicht lange, bis die erste Hype-Welle über das Internet schwappte. Gears of War sollte ein Jahr nach Veröffentlichung der Konsole alle Zweifel beseitigen. Es ging um ein grafisch überaus pompöses, wenn auch spielerisch arg simples Ballergemetzel, angereichert mit allem, was Mittzwanziger-Zockern Freude bereitete. Dicke Wummen, markige Hauptdarsteller, ein apokalyptischer Plot und eine ordentliche Portion Splatter-Effekte. Kleinere Unzulänglichkeiten wie die für Unreal Engine 3 übliche matschige Farbgebung bei den Texturen und eine faktisch starre Umwelt übersah man Ende 2006 geflissentlich. Zurecht, denn so simpel das Spiel auch gestrickt war, an Stimmung und grafischem Brimborium mangelte es keinesfalls.

10 Jahre Xbox 360 - Die Berg- und Tal-Konsole

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 233/2381/238
Sony ging als haushoher Favorit ins Konsolenrennen, verlor jedoch lange Zeit den Anschluss.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Plötzlich stand eine Frage im Raum: Warum sollte man als Konsolero noch gefühlte Ewigkeiten auf die PlayStation 3 warten, wenn Microsofts Baby schon jetzt alles erfüllte, was die Japaner nur in Form von Versprechungen liefern konnten? In der Tat trieb Sony höchstpersönlich Kundschaft zur Konkurrenz. Mit arrogantem Verhalten, unrealistischen Ankündigungen und einer schieren Ignoranz gegenüber dem heranwachsenden Gegenspieler. Allein die Meldung, die neue Konsolengeneration beginne erst dann, wenn es Sony verkünde, kostete die Japaner womöglich viel Rückendeckung, denn die Xbox 360 mag nicht jedermanns Geschmack entsprochen haben, aber grob falsche Pauschalisierung zeugten von Verblendung.

Passend dazu: Die Geschichte der Sony PlayStation

Zweifler wurden spätestens bei der Veröffentlichung der PS3 in ihren Annahmen bestätigt. Sonys Kiste war erheblich teurer und bei weitem nicht um so viele Längen leistungsfähiger, wie Sony es versprochen hatte. Tatsächlich sahen alle Startspiele schlechter aus als Ihre X360-Pendants, trotz nativer 1080p-Auflösung. Ridge Racer 7 zum Beispiel, das faktisch nicht mehr war als Ridge Racer 6 mit ein paar Bonusstrecken und einer Handvoll ergänzender Partikeleffekte. Dafür allerdings mit Texturen, deren heruntergedrehte Auflösung mit bloßem Auge zu erkennen waren. Dazu fehlte Sprachchat-Unterstützung und das reibungslose Matchmaking, das man von der 360 kannte.

Bilderstrecke starten
(17 Bilder)

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis: