Beinahe ein Vierteljahrhundert ist es her, dass David Braben und Ian Bell mit der legendären Weltraumsimulation 'Elite' ein bis dahin völlig unbekanntes Genre erschufen. Ein Genre, das im Laufe der Jahre von den Branchengrößen immer wieder für tot erklärt wurde, und das wohl auch längst in Vergessenheit geraten wäre - hätte da nicht jenes kleine Studio, ganz im Westen Deutschlands, beharrlich weiter am großen 'Welt(T)raum' gestrickt – am Spiel ohne Grenzen.

Seit 1999 arbeiten Bernd Lehan und sein Team nun schon an der X-Reihe. In X: Beyond The Frontier verschlug es den jungen Piloten Kyle Brennan damals in einen unbekannten Sektor der Galaxie. Dort war er nicht nur dem Geheimnis vom Ursprung der Menschheit auf der Spur, sondern auch den geheimnisvollen Terraformern. Erbaut von Menschenhand und aus dem heimatlichen Sonnensystem vertrieben, hatten die sich zur Geißel allen Lebens im All entwickelt.

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Never change a winning team!

Schon damals setzten die Entwickler auf die Idee der absoluten Freiheit. Dem Spieler waren weder auf seiner Reise noch in seiner Entwicklung Grenzen gesetzt. Was dann folgte, war die konsequente Weiterentwicklung eines Konzepts, das immer mehr Spieler zu begeistern wusste. In X-Tension konnte man erstmals feindliche Schiffe kapern, in X2: Die Bedrohung ein ganzes Wirtschaftsimperium errichten. Und in X3: Reunion – nun, da wurde es kompliziert.

X3: Terran Conflict - Must-Have für Sci-Fi-Fans

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Für diesen Ausblick muss Richard Garriott 30 Mio. Dollar zahlen.
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So kompliziert, dass selbst so mancher eingefleischter Fan zu Beginn abgeschreckt wurde. Dazu kamen zahlreiche Bugs, die das Weltraumabenteuer zum Albtraum für Fans und Entwickler werden ließen. Egosoft brauchte Wochen, bis die gröbsten Fehler beseitigt waren. Und wie man so patchte, beruhigten sich im Laufe der Monate und Jahre auch die erhitzten Gemüter, die Fans entdeckten die Stärken der komplexen Welt und die Modder-Szene nahm ihre Arbeit auf. X3: Reunion war ein später Erfolg beschieden.

Unverhofft kommt oft!

Doch was hat Bernd Lehan eigentlich in all den Jahren getan? Offensichtlich eine ganze Menge, denn als man im Februar die Meldung vernahm, dass ein Nachfolger in Entwicklung sei, dachte wohl niemand ernsthaft daran, dass man schon im September ins neue Cockpit klettern würde. Eine Erklärung für die zügige Fertigstellung des Nachfolgers gibt es jedoch, denn X3: Terran Conflict ist eigentlich ein Add-on. Irgendwie ist es jedoch auch mehr als das, denn die Software kommt nicht nur ohne den Vorgänger aus, sie wurde auch derart nachhaltig generalüberholt, dass die Kinderkrankheiten der Reihe nun wohl endgültig der Vergangenheit angehören.

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In die überall stattfindenden Kämpfe sollte man anfangs besser nicht eingreifen.
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Wie immer findet sich der Spieler im Cockpit eines eher schwächlichen Jägers wieder – mitten im All. Glücklicherweise handelt es sich dabei um einen recht sicheren Ort. Man bekommt ausreichend Gelegenheit, in aller Ruhe die Steuerung seines neuen Vehikels zu erkunden und die ersten zaghaften Flugversuche zu unternehmen. Sofort fällt die vergleichsweise angenehme Steuerung auf. Terran Conflict lässt sich, im Gegensatz zu den Vorgängern, bequem mit Maus und Tastatur steuern. So bequem, dass selbst Veteranen bald auf ihren geliebten Steuerknüppel verzichten möchten.

Stimmungsvoll und bildgewaltig

Und noch etwas fällt sofort auf: die aufgeräumte Oberfläche. Hier liegen die Verbesserungen im Detail. Sämtliche Optionen wurden übersichtlich in ein Menü am linken Bildschirmrand gepackt, das sich bei Bedarf öffnen oder auch per Hotkey bedienen lässt. Generell scheint das Motto einmal mehr zu lauten: „Freie Sicht aufs All“. Und die will man sich als Pilot auch nicht nehmen lassen.

Wieder einmal haben es die Entwickler geschafft, das Weltall noch realistischer aussehen zu lassen. Noch detailreicher sind die Objekte im All, noch authentischer die Planeten. Was Egosoft hier an Grafikpracht bietet, braucht im gesamten Genre tatsächlich keinen Vergleich zu scheuen. Zwar läuft auch Terran Conflict noch immer auf der gleichen Engine wie sein Vorgänger, doch das technische Feintuning und die neuen Shader-Modelle haben Wunder gewirkt, ohne sich negativ auf die Performance auszuwirken.

Ein Traum für Weltraumtouristen

Mehr als 100 Schiffe aller Größenordnungen wurden neu modelliert. Hatte man beim Vorgänger mitunter noch Probleme, die Größenverhältnisse der Raumer richtig einzuschätzen, fällt das jetzt bedeutend leichter. Nicht selten erwischt man sich dabei, wie man von der eigentlich geplanten Route abweicht, um dicht über die Oberfläche einer riesigen Raumstation zu düsen oder sich an ein Schlachtschiff anzunähern. Immerhin fällt es jetzt leicht, zurück zu seinem Missions-Wegpunkt zu finden, denn der wird stets angezeigt.

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Auf Weltraumspaziergang zwischen den Schiffen – der Raumanzug macht's möglich.
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Wie schon beim Vorgänger gerät der Spieler automatisch in eine Reihe von Missionen, die allerdings jederzeit unterbrochen werden können. Die erzählen nicht nur die Geschichte, sie verschaffen auch einen ersten Einblick in die wichtigsten umliegenden Sektoren und verschaffen dem angehenden Weltraumhändler das wichtige Grundkapital. Auch die ersten neuen Schiffchen für die eigene Flotte erhält man auf diese Weise. Die lassen sich jetzt komfortabel in Gruppen einteilen und können so unkompliziert mit Aufgaben versehen werden. Eine Funktion, die man in dieser Form beim Vorgänger noch schmerzlich vermisste.

Wer von den Sternen träumt, wird dieses Spiel lieben.Fazit lesen

Generell muss man den Entwicklern zugestehen, dass sie in all den Jahren der Entwicklung immer ein offenes Ohr für die Community hatten. Die Kritik im Forum von Egosoft wurde nicht nur zur Kenntnis genommen - Bernd Lehan hat es auch geschafft, sie für den neuen Titel zu nutzen. Schwachstellen wurden ausgebügelt, Bugs wurden beseitigt, fehlende Funktionen ergänzt. So wurde beispielsweise die vorher zeitraubende Versorgung der eigenen Raumfabriken automatisiert. Außerdem lassen sich jetzt Soldaten anheuern. Mitten in der Schlacht schweben die dann in ihren Raumanzügen zum feindlichen Großkampfschiff, um es für den Spieler zu kapern.

Komplex: Angebot und Nachfrage

Einfach ist X3: Terran Conflict allerdings nicht. Das Spiel ist auch in der neusten Fassung eine handfeste Raumsimulation, die dem Spieler einiges abverlangt – vor allem eine gehörige Portion Forscherdrang. Auch Geduld muss man auf jeden Fall mitbringen, denn von heute auf morgen lässt sich kein Sternenreich errichten. Gerade am Anfang ist der Frustfaktor ein ständiger Begleiter. Da will man nur schnell schauen, was hinter dem nördlichen Sternentor ist und schon fällt man dem nächsten Piratenschiff zum Opfer. Speichern ist anfangs nur auf Stationen möglich – das sorgt einerseits für den einen oder anderen Fluch, andererseits aber auch für Spannung.

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Mit viel Liebe zum Detail wurden die Objekte neu gestaltet.
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Der Markt ist äußerst komplex und wirkt auf einen Anfänger etwas erdrückend. Zudem ist er schwierig einzuschätzen, da er in Echtzeit abläuft. Ist ein bestimmter Rohstoff Mangelware, steigt der Preis – bis der nächste Transporter mit den entsprechenden Gütern andockt. Gehen die Rohstoffe aus, steht die Produktion still. Wird eine Fabrik zerstört, entsteht eine Lücke am Markt. Ein cleverer Spieler weiß das für sich zu nutzen, notfalls lässt er dabei auch die Waffenbänke sprechen.

Das All ist dicht bevölkert und befahren. Auch nach der Landung laufen die Geschäfte in der Galaxis weiter und irgendwo wird sicher auch gekämpft. Der Spieler ist immer mittendrin – anfangs unbedeutend und verletzlich, später unvorstellbar mächtig. Wenn die ersten Frachter im Einsatz sind und eine eigene Fabrik ihre Arbeit aufgenommen hat, wird sich kaum ein Sci-Fi-Fan vom Bildschirm lösen können. Dann wird das All nicht nur erkundet, sondern obendrein bebaut und bereinigt. Flotten werden in den Kampf geworfen, Piratennester ausgehoben und außerirdische Großkampfschiffe aus dem Weltraum geblasen. Das Spiel kennt keine Grenzen – zumindest fühlt es sich so an.