Eigentlich hätte X Rebirth schon vor zwei Jahren erscheinen sollen, doch Egosoft benötigte noch Zeit, viel Zeit. Doch gerade diese nicht ganz unumstrittene Verschiebung könnte sich im Nachhinein als Segen herausstellen, denn die Sterne für die Wiedergeburt der Reihe und des Genres gleichermaßen könnten kaum besser stehen.

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Es gibt nicht viele deutsche Studios, in denen gute Computerspiele entwickelt werden. Und wenn mal eines einen Hit landet, wird es meist direkt von einem der üblichen Verdächtigen gefressen, ausgepresst und in die Bedeutungslosigkeit überführt. Egosoft, einem kleinem Studio aus Würselen in Nordrhein-Westfalen ist dieses Schicksal bislang erspart geblieben, obwohl man seit 1999 von anspruchsvollen Fans anerkannte Qualitätsware abliefert.

X Rebirth - Die Sterne stehen gut

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Bernd Lehahn und sein Team arbeiten seit den 90ern an der X-Reihe.
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Mainstream geht anders

Für die Industrie jedoch scheint diese Ware absolut toxisch zu sein, denn Egosoft hantiert bei der X-Reihe mit einer äußerst gewagten Mischung, kombiniert Weltraum- und Handelssimulation miteinander und erweitert die vielleicht größte Open-World-Sandbox in der Geschichte der Computerspiele mit jeder neuen Version um ein paar komplexe Funktionen. Mainstream sieht auf jeden Fall anders aus.

Im Laufe der Zeit wurde das Spiel dabei auch noch so komplex, dass zwar die eingefleischte Fangemeinde stets begeistert war, Einsteiger jedoch eher abgeschreckt und von der überladenen Menüführung verwirrt wurden. Ein Problem, das sich für Bernd Lehahn und sein Team nicht mal eben im Vorbeigehen beseitigen ließ - man musste an die Substanz des altehrwürdigen Sci-Fi-Spiels heran, Engine und Mechaniken für die Zukunft rüsten.

Trade, Fight, Build, Think

Und das geht eben nur, wenn man bereit ist, sich der überladenen Teile des Spiels zu entledigen, um sie komplett neu zu strukturieren und von Grund auf neu zu errichten. Für Softwareentwickler ist das für gewöhnlich die Hölle. Dass die Jungs von Egosoft sie trotzdem mutig durchwandern, zeigt, dass man in Zukunft noch Großes mit der X-Reihe vorhat und der nächste Teil genau das wird, was sein Name andeutet: eine Wiedergeburt.

Packshot zu X RebirthX RebirthErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Die Fans der Serie können also aufatmen. Wer die Vorgänger gespielt hat, der weiß, was auf ihn zukommt - nämlich die bewährte Mischung aus: “Trade, Fight, Build, Think”. Weder am Grundkonzept noch an der Komplexität der virtuellen Galaxis soll sich mit der Wiedergeburt etwas ändern. Noch immer findet man sich in einer riesigen Welt wieder, in der man nicht das Gefühl hat, dass sie allein für einen selbst existiert.

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Die Verspätung könnte sich gelohnt haben, den X Rebirth profitiert enorm vom Hype um Star Citizen.
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In den Fußstapfen von Han Solo

Vielmehr soll die virtuelle Umgebung wie gewohnt leben und atmen. Nichts ist gescriptet, jedes Schiff, jeder NPC geht seinen Geschäften nach und wann immer ich als Spieler in diese Geschäfte eingreife, löse ich eine kaum zu kalkulierende Kettenreaktion aus. Doch es gibt auch gravierende Unterschiede zu den älteren Titeln.

Der erste scheint eine Einschränkung zu sein, die bei vielen Spielern auf Ablehnung stößt: In Rebirth wird man mit seinem virtuellen Hintern nur noch in einem einzigen Cockpitsessel sitzen. Das eigene Schiff, die Albion Skunk, erinnert dabei ein wenig an die “Millennium Falke” aus Star Wars und ist weit mehr als nur ein interstellares Transportmittel - sie dient als Kommandozentrale für sämtliche Unternehmungen, ist natürlich aufrüstbar und sie verfügt über eine Copilotin.

So gut gefüllt war die Leere noch nie

Die soll einem in X Rebirth auf Wunsch dabei helfen, Standardaufgaben zu übernehmen und die Übersicht zu wahren. Denn letztere basiert nicht länger auf unzähligen Gruppen von Menüs, sondern auf der Interaktion mit Personen - fast wie im echten Leben. Und wie im echten Leben, haben diese Personen nicht nur einen Namen im Spiel - man wird sie auch besuchen können - auf welcher Station, auf welchem Schiff sie sich auch immer gerade herumtreiben.

Eine Spätgeburt ist immer noch besser als eine Frühgeburt. Zudem diese unter einem verdammt guten Stern steht.Ausblick lesen

Als Spieler wird man also näher ans Geschehen herangeführt - nicht nur beim Handel. Auch die Fliegerei bekommt in Rebirth mehr Raum, denn Egosoft will das Vakuum mehr denn je ausfüllen, die Gefechte näher an die Oberflächen von Stationen und Großkampfschiffe bringen, auf denen allerhand Gerätschaften montiert sind, deren Zerstörung einmal mehr gravierende Folgen für die Sandbox haben können.

Alles dreht sich

Gravierend sind dabei übrigens auch die Eingriffe, die man in Bezug auf die Engine vornehmen musste. Denn wenn so nah an riesigen Objekten gekämpft wird, man sogar auf fliegenden Raumschiffen landen kann, spielt deren Gravitation und Eigenrotation eine große Rolle. Man darf also erwarten, dass X Rebirth den Raumflug, der sich jetzt auch mit dem Controller beherrschen lässt, im Vergleich zu den Vorgängern noch einmal mit einer neuen Physik aufwertet.

Das war wohl auch Grund für die Entscheidung, das Fluggeschehen auf die Albion Skunk zu begrenzen, denn im Cockpit von Großkampfschiffen hätte der Pilot wohl so einiges Chaos auf den Oberflächenstrukturen stiften können, das wohl kaum noch von der Engine zu leisten gewesen wäre - zumindest in der aktuellen Version. Wer weiß, was Egosoft für die Zukunft in dieser Hinsicht noch so plant.

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Großkampfschiffe darf man in Rebirth zwar befehligen – im Kapitänssessel sitzen dort jedoch angeheuerte Kommandanten.
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Auf der Überholspur

Doch so schlimm, wie es anfangs klingt, ist die Beschränkung auf die Albion auch gar nicht, denn auch in Rebirth wird man ganze Flotten kommandieren dürfen - allerdings muss man dafür dann, das ist durchaus realistisch, geeignete Besatzungen anheuern. Und wer dann doch mal ein anderes Vehikel steuern will, kann auf eine Reihe von Dronen zurückgreifen, die sich wie gewohnt steuern lassen - eben ferngelenkt.

Komplett überarbeitet wurde übrigens auch das Reisesystem. Statt auf Zeitverzerrung setzt X ab Rebirth auf öffentliche Verkehrswege im All - die Highways. Die bringen den Spieler in der riesigen Galaxie auf direktem Wege zum Ziel. Sie können aber auch überall verlassen werden, um Rohstoffe aus Asteroiden zu ziehen, nach Artefakten zu suchen oder einfach den Weltraum zu erkunden.

Logistik- und Wirtschaftssimulation inklusive

Schätze und abgeworfenes Frachtgut lassen sich, wie gehabt, aus dem freien All bergen und verkaufen. Der Direktverkauf an NPCs stellt dabei nur eine Variante des überarbeiteten Marktsystems dar, das jetzt noch tiefgreifender sein soll und ein Rabattsystem spendiert bekommt, bei dem sich nicht nur wie gehabt durch das Spiel mit Angebot und Nachfrage ein Profit erzielen lässt, sondern auch dadurch, dass man Händler durch bestimmte Aktionen dazu bewegen kann, ein paar Prozente nachzulassen.

Außerdem kündigt Egosoft an, den Faktor Zeit stärker in die Wirtschaftssimulation einzubringen. Dockt ein Frachter mit Energiezellen an einer Fabrik an, der ebendiese fehlen, fährt die nicht sofort wieder ihre Produktion hoch - schließlich muss die Fracht erst entladen und in die entsprechenden Bereiche der Fabrik gebracht werden - Vorgänge, die man angeblich in Echtzeit überwachen und gegebenenfalls durch beherztes Eingreifen unterbrechen kann.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Derweil werden angesichts dieser Funktionen die typischen Träume aller Weltraum-Fanatiker wach. Städte im Weltall, Handelsflotten, Produktionskreisläufe, Entdeckungen, Cockpit-Action - das ist es, was eine ganze Generation von Computerspielern liebt und worauf man wartet - übrigens nicht nur mit X Rebirth, sondern auch mit dem Weltraum-MMOG Star Citizen.

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Mehr Personen, weniger Menüs – die neue Benutzerführung soll intuitiver werden und neuen Spielern den Einstieg erleichtern.
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Mit dem befreit Chris Roberts gerade das totgesagte Genre aus dem Karbonit-Schlaf und löst eine Welle der Begeisterung aus, die ihm nicht nur ein kleines Vermögen beschert hat, sondern auch eine riesige Fangemeinde, in der auch lebhaft über andere Sci-Fi-Spiele debattiert wird - auch und gerade über X Rebirth, das nach Ansicht vieler Fans gerade recht kommt, um einerseits die Wartezeit auf Star Citizen zu versüßen und gleichzeitig Chris Roberts unter Druck zu setzen, eine ähnliche Komplexität in sein Online-Marktsystem zu bringen, wie es das X-Universum offline bietet.