Nachdem Kultentwickler Bernd Lehahn mit dem Release von X3: Terran Conflict die legendäre Science-Fiction-Serie sowohl technisch als auch inhaltlich für beendet erklärt hatte, trauerten die unzähligen Fans. Doch mit der Trauer ist es jetzt vorbei. Pünktlich zur FedCon 2011 meldete sich Lehahn mit einer frohen Botschaft zurück: X wird gerade neu geboren.

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Welcher Sci-Fi-Fan denkt nicht mit Wehmut an die 90er-Jahre zurück, als der Weltraum noch Thema Nummer eins war und jeder namhafte Publisher mindestens einen Sci-Fi-Titel im Programm hatte? Doch dann, irgendwann um die Jahrtausendwende herum, vermeldeten Branchenexperten ganz plötzlich, dass Science-Fiction ‘out’ sei.

Selbst ist der Pilot

Bis heute ist nicht ganz klar, welcher Depp dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat und warum die gesamte Branche darauf reingefallen ist. Im Nachhinein ist man sicher: Gute Sci-Fi-Titel hätten sich auch in den letzten zwölf Jahren verkauft wie geschnitten Brot, sofern es sie denn gegeben hätte. Doch die passionierten Weltraumpiloten schauten in die Röhre oder suchten sich in der Modderszene neues Futter.

X Rebirth - Mehr als eine X-beliebige Fortsetzung

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Noch schöner und noch größer - die Oberflächen der Raumschiffe und Stationen bieten sich für eigene Einsätze und Minispiele an.
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Ein kleines, unbeugsames Studio aus Würselen bei Aachen allerdings widersetzte sich dem neuen Hype und ließ sich nicht von Orks und Elfen verführen. Im Gegenteil: Bernd Lehahn trat mutig das Erbe von Elite-Schöpfer David Braben an und erfüllte sich mit der X-Reihe nicht nur seinen eigenen Traum, sondern auch den von all jenen Spielern, denen ein Weltraumspiel gar nicht komplex genug sein kann.

Ein kleiner Schritt zurück, ein großer Sprung für das Genre

Seit über zwölf Jahren bastelt man bei Egosoft nun schon an der X-Reihe, die mit jedem Teil moderner und umfangreicher wurde, wobei man sich immer am gleichen Grundkonzept orientiert hat: “fight, trade, build, think, explore” - das ist der Stoff, mit dem Egosoft die Sandbox stets ordentlich gefüllt hat.

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Doch warum zum Teufel hat man sich dann dazu entschlossen, nach Terran Conflict all das über den Haufen zu werfen, was man sich so mühselig erarbeitet hatte? Diese Frage kann wohl niemand außer Bernd Lehahn selbst beantworten. Für uns Grund genug, ein etwas ausführlicheres Gespräch mit dem Altmeister zu führen.

X ist tot, es lebe X! Gut war die X-Reihe schon immer. Wenn die Wiedergeburt jetzt noch die alten Zipperlein bereinigt, könnte es perfekt werden.Ausblick lesen

Der beruhigt uns gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem Versprechen, dass Egosoft dem Genre, das man selbst so stark geprägt hat, auch nach Terran Conflict weiter treu bleiben wird, und dass man nicht etwa auf Orks und Elfen schielt. Doch damit man mit X zu neuen Quantensprüngen ansetzen kann, ist es wohl nötig, vorher einen Schritt zurück zu machen.

Kritik am eigenen Werk

Es hat vor allem technische Gründe, dass es mit X nicht einfach so weitergeht, erklärt uns Bernd Lehahn, der ganz offensichtlich noch immer seinen großen Traum von dem perfekten Spiel träumt. Rebirth wird ein derart brachialer Schnitt für das X-Universum, dass sowohl technisch als auch inhaltlich alles umgekrempelt werden muss. Deshalb musste man auch die Serie erst zu Grabe tragen, damit sie eine Wiedergeburt ohne Altlasten erleben kann.

Dabei geht der Altmeister mit seinem bisherigen Werk durchaus hart ins Gericht. Die Reisen zwischen den Sprungtoren hält er für langweilig, die Möglichkeit, den Zeitablauf im Spiel zu beschleunigen, war für ihn immer nur eine unschöne Notlösung. Außerdem ist es im Leerraum oft langweilig. All das sind Dinge, die man in Rebirth anders machen möchte.

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Für X: Rebirth wurde selbst die Engine von Grund auf neu gebaut.
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Dafür lässt Egosoft nicht nur einige Jahrzehnte im X-Universum verstreichen, sondern auch eine Sonne explodieren. Die Supernova sorgt dafür, dass die Sprungtore, einst wichtigstes Transportsystem für interstellare Reisen, plötzlich nicht mehr funktionieren. Die einzelnen Sektoren sind voneinander abgeschnitten und die Völker müssen neue Wege finden, den interstellaren Handel aufrechtzuerhalten.

Den Gordischen Knoten durchtrennt

Welche das sind, behält Bernd Lehahn vorerst noch für sich. Die Tage des Zeitraffers sind jedoch, so scheint es, nach der Wiedergeburt endgültig gezählt. Auch das Durcheinander der Menüführung soll durch einen kompletten Neuaufbau beseitigt werden. Mit jedem neuen Feature, das Egosoft in seine Simulation einbaute, wurde das Spiel für Einsteiger schwieriger zu durchschauen.

Schon das Motto von Rebirth zeigt, dass man sich bei Egosoft, was die Einsteigerfreundlichkeit betrifft, Gedanken gemacht und auf seine Fans gehört hat: “It gets personal; It gets fast; It gets big; It gets easy...at first.” Vor allem die beiden nachgeschobenen Wörter im neuen Konzept sind wichtig, denn in Sachen Tiefgründigkeit und Langzeitspielwert soll die Neuauflage keinesfalls schlechter dastehen als seine Vorgänger.

Hübsche Hilfe

Im Gegenteil, denn erstmals in der Geschichte von X bekommt der Raumfahrer eine Co-Pilotin an seine Seite gestellt, die immer wieder mehr oder weniger aktiv in Erscheinung tritt. Überhaupt scheinen sich künstliche Intelligenzen langsam, aber sicher im X-Universum auszubreiten.

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Erstmals dürfen auch NPCs zur Verwaltung von eigenen Raumstationen eingesetzt werden - ein Feature, das bisher nur in Mods zur Verfügung stand.
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Das gesamte Interface soll an Charakteren ‘aufgehängt’ werden und die bislang eher sterile Welt lebendig werden lassen. Überall bewegt es sich, überall wird gearbeitet - eben wie im großen Traum vom bevölkerten Weltraum, den der Spieler nach Belieben formen und prägen kann.

Erstmals in der Geschichte von X lässt sich dann auch Personal einstellen, das beispielsweise gewisse Arbeiten auf den Stationen übernimmt und den engen Terminplan eines Weltraummoguls etwas entlastet. Auch für die Geschichte, die einen wesentlich größeren Stellenwert als bisher bekommen soll, bleibt so mehr Freiraum.

Hand in Hand mit den Moddern

Einige der Ideen, die Egosoft in Rebirth verwirklicht, stammen aus der Fan-, insbesondere der Modderszene. Schon immer hat Egosoft das Universum offen genug gestaltet, damit sich private Tüftler über das eigentliche Spiel hinaus austoben können. Unzählige Mods sind dabei herausgekommen, bei denen sich auch Lehahn und sein Team wieder neue Inspirationen holen.

Denn wirklich viel Konkurrenz, bei der sich etwas abschauen ließe, gibt es im Bereich der Sci-Fi-Sandkästen nicht, erklärt Lehahn und klingt dabei durchaus etwas wehmütig. Konkurrenz täte dem Genre gut, allerdings müssten die Publisher vorher erkennen, welches Potenzial noch in der Science-Fiction liegt.

Angst vor der Zukunft?

Denn obwohl Egosofts mit seinem x-ten Alleingang mittlerweile bewiesen haben dürfte, dass man auch mit einem verhältnismäßig kleinen Team in diesem Genre große Erfolge feiern kann, scheinen sich Investoren und Publisher noch immer vor dem großen leeren Weltraum zu fürchten. Das ist auch der auch Grund, warum X noch nicht online gegangen ist.

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Lieber heute als morgen würde Bernd Lehahn ein MMOG basteln - wenn Egosoft das nötige Kleingeld hätte.
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Denn “lieber heute als morgen” würde Bernd Lehahn sein Universum zu einem MMOG umbauen, in dem Tausende Spieler kämpfen, handeln, bauen, denken und erkunden. Doch wenn sich der Altmeister eines Tages wirklich an die Arbeit begibt, ein MMOG zu bauen, dann will er es perfekt machen. Und das bedeutete einen gigantischen Aufwand, der momentan einfach nicht zu finanzieren wäre.

Doch wer weiß - vielleicht schlägt Rebirth ja auch derart am Markt ein, dass Egosoft die Finanzierung eines MMOGs aus eigenen Kräften stemmen kann. Und bis dahin vergnügen wir uns einfach mit den bisherigen Teilen von X und freuen uns auf die Wiedergeburt, die noch für dieses Jahr vorgesehen ist und die dem Anhänger komplexer Sandkästen wahrscheinlich auch offline wieder Hunderte von Stunden Spielspaß bieten wird.