Jeder Entwickler hat so eine Schublade. Versteckt ist sie ganz unten im Schreibtisch des CEO, unscheinbar und fast nicht von den anderen zu unterscheiden. Die Abnutzungsspuren vom vielen Öffnen sind allerdings deutlich sichtbar. Sie ist eine der wichtigsten Orte im gesamten Büro: Ohne sie wäre vieles schwieriger.

Zum Einsatz kommt sie immer dann, wenn ein paar Anzugträger eines Filmstudios vorbeischauen – dann naht die große Stunde der kleinen Schublade und ihr Inhalt wird der Welt preisgegeben: ein generisches Action-Spiel zu einem beliebigen Blockbuster.

Mission: Alles vermöbeln

Das Spiel ist so gehalten, dass man einfach jeden Titel draufkleben kann: Batman, Spiderman oder eben X-Men Origins: Wolverine. Die Machart ist immer die gleiche, das Szenario genauso austauschbar wie der Titelheld. Diesmal trifft es also das Klingenhändchen mit der voluminösen Backenbehaarung.

X-Men Origins: Wolverine - Wolf oder Zwergrehpinscher?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Ewiges Leid: Spiele zum Film.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sein Gesicht ziert damit ein weiteres Game aus der beliebten und offensichtlich nie enden wollenden Reihe „Filmumsetzungen, die keiner braucht“. Die extrem schlechte Reputation der spielerischen Umsetzung von Kinokrachern wird Wolverine nicht retten können.

Das liegt vor allem an dem extrem langweiligen Gameplay. X-Men Origins: Wolverine ist ein typischer Brawler, in dem es um nichts anderes geht, als alles zu verprügeln, was sich auf den Bildschirm traut. Bietet sich natürlich an, denn auch im Kinofilm geht es vornehmlich um Wolverine, seine Klauen und was er damit alles machen kann. Naja, viel ist es natürlich nicht und hat meistens mit jeder Menge Blut zu tun.

Über Kombos werden die Stahlkrallen des X-Men eingesetzt, mehr Kombos bedeuten mehr Schlagkraft, zudem stehen ein paar ausgefallene Spezialangriffe zum Verfügung. Viel zu kombinieren gibt es allerdings nicht, denn die Steuerung beschränkt sich auf sagenhafte zwei Knöpfe: einer für einen schnellen Angriff, der andere für einen langsamen, aber heftigeren Schlag. Aber eigentlich ist es ohnehin egal, was man wann drückt – sinnloses Gehacke auf beide Tasten führt meist genauso zum Erfolg.

X-Men Origins: Wolverine - Wolf oder Zwergrehpinscher?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Die Xbox-Version erscheint in Deutschland gar nicht erst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es gibt auch ein Upgrade-System und einen Rage-Modus – beides ist nicht erforderlich und macht das Game weder spannender noch fordernder. Die speziellen Eigenschaften der Wiimote kommen ebenfalls selten zum Zuge. Zwar kann man ein paar Spezialangriffe nach einer gekonnten Kombo über den Bewegungssensor auslösen und darf dann das weiße Gerät schütteln – sonderlich abgestimmt auf die Möglichkeiten der Wii ist das allerdings nicht. Besser so, denn wildes Tastenhämmern ist mir ehrlich gesagt immer noch lieber als das wilde Armgefuchtel der meisten Wii-Action-Titel.

Kampf gegen die Klonarmee

Die Einfallslosigkeit des Spiels endet jedoch nicht bei den repetitiven und abwechslungsarmen Kämpfen: Auch die Gegnertypen sind eine eindimensionale Angelegenheit. Eine Armee von Klonkriegern ergießt sich über den mürrischen Mutanten und einzig die wechselnde Bewaffnung der fiesen Feinde lässt einen Unterschied erkennen. Zwar lassen die ihre Schrottflinten nach ein paar heftigen Hieben fallen – Wolverine darf sie aber nicht aufsammeln.

Standardkost auf niedrigem Niveau: X-Men Origins: Wolverine für die Wii ist ein simpler Brawler ohne Abwechslung, Tiefgang, Seele.Fazit lesen

Vielleicht weil die Entwickler dachten, dass es cooler ist, mit Wolverines Klingen alles zu zerschnetzeln – so gibt es auch in diesem Bereich einen Mangel an Auswahl. Sonderlich blutig ist das Spiel trotz der scharfen Klingen allerdings nicht geraten und nach getaner Arbeit lösen sich niedergestreckte Gegner einfach auf – vermutlich mit ein Grund, warum die Wii- und PS2- jedoch keine Next-Gen-Version von Wolverine auf dem deutschen Markt erscheinen durfte.

X-Men Origins: Wolverine - Beyond Just Origins2 weitere Videos

Weiteres Argument: die Grafik. Denn nicht einmal die ist eine Zierde für die Wii. Das ständige Gleiten auf Seifenlauge von Wolverine verstärkt den Gesamteindruck eines Schnellschusses. Dasselbe Gefühl gepaart mit einer guten Portion Frust und Hass kommt auf, wenn die Sprünge nicht richtig sitzen, weil die Steuerung einfach grausig schwammig ist. Ein Millimeter daneben und schon heißt es Game Over.

Macht glücklicherweise nichts, man beginnt sofort wieder am eben begonnen Abschnitt. Eine schnelle und komfortable Lösung, nur leider wurde die Möglichkeit vergessen, Cut-Scenes zu überspringen. Den dümmlichen Dialogen ist man so gnadenlos ausgeliefert. Schlimmer noch jedoch sind die stets gleichen Sprüche von Wolverine und seinen Raufkumpanen während eines Gefechts – Schweigen wäre hier Gold gewesen.