X-Men Legends 2: Rise of Apocalypse (PC-Review)
(von Sebastian Weidner)

Wenn Feinde ganz plötzlich zu Freunden werden, kann etwas nicht stimmen. Was das im Fall von »X-Men Legends 2: Rise of Apocalypse« bedeutet? Ganz einfach: Die von Professor Xavier geführten X-Men schließen sich mit Erzfeind Magneto

und seiner Bruderschaft zusammen. Der Grund ist schnell gefunden: Oberbösewicht Apocalypse will die komplette Menschheit unterjochen. Nur zusammen haben die beiden Mutantengruppen eine Chance, das Unheil abzuwenden. Einen Preis für innovative Story erhält »X-Men Legends 2« so sicherlich nicht. Doch welches Action-Rollenspiel kann das schon von sich behaupten?

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Action-Rollenspiel? Genau, ihr habt richtig gelesen: »X-Men Legends 2: Rise of Apocalypse« ist wie sein Vorgänger, der übrigens nie für den PC erschien, ein waschechtes Schnetzel-RPG im Stil von Diablo und Co. Statt taktisch ausgetüftelte Stellungskämpfe erwarten euch flotte Metzeleien gegen riesige Monstergruppen. Mit dem Unterschied, dass ihr nicht nur einen Charakter befehligt, sondern derer gleich vier. Wäre ja auch zu schade, sich bei einer Auswahl von 18 spielbaren Superhelden auf einen einzigen beschränken zu müssen.

Im Angebot enthalten sind sowohl Nah- als auch Fernkämpfer. Wolverine etwa fühlt sich im Getummel am wohlsten. Mit seinen ausziehbaren Krallen ist er nicht nur prädestiniert, in der heimischen Küche die Brotschneidemaschine zu ersetzen. Selbst stark gepanzerte Feinde sind mit ein paar gezielt platzierten Hieben schneller Geschichte als Eintagesfliegen.

Cyclops wiederum agiert lieber aus der hinteren Reihe. Von dort kann er mit seinen Augen fette Laserstrahlen

verschießen, um Gegnern so richtig Feuer unterm Hintern zu machen.

Bei der Auswahl eurer Streiter habt ihr meist keine Einschränkungen. Allerdings solltet ihr darauf achten, eine gesunde Mischung in den Kampf zu schicken. Setzt ihr nur muskelbepackte Nahkämpfer ein, werdet ihr mit Distanzschützen eure lieben Probleme haben. Eine reine Fernkampftruppe tut sich wiederum gegen starke "Tanks" schwer.

Schade nur, dass ihr euch keinen eigenen Heroen erschaffen könnt. Wie`s besser geht, zeigt die Freedom Force-Reihe. Diese bietet allerdings nur rein fiktive Superhelden, während ihr in »X-Men Legends 2« haufenweise bekannte Gesichter aus Comics und Filmen steuern dürft.

Diablo light
Was gehört neben dem Schnetzeln von Gegnerreihen noch in ein Action-Rollenspiel? Genau: Erfahrungspunkte und das Erbeuten von Gegenständen. Mit jedem erledigten Feind werden eure Charaktere mächtiger und steigen stufenweise auf. Entweder lasst ihr

X-Men Legends II: Rise of Apocalypse - Mit Wolverine auf Brautschau

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die dadurch erhaltenen Erfahrungspunkte vom Programm automatisch verteilen (klappt exzellent) oder ihr legt selbst Hand an. So entscheidet nur ihr, welche "Statistiken" und "Fähigkeiten" eurer Helden verbessert werden. Die Statistiken sind für alle Einheiten gleich. Dazu gehören die RPG-typischen Eigenschaften "Vitalität" (mehr Trefferpunkte) "Fokus" (mehr Mana), "Angriff" (höherer Nahkampfschaden) und "Geschwindigkeit" (schnellerer Angriff und Verteidigung).

Packshot zu X-Men Legends II: Rise of ApocalypseX-Men Legends II: Rise of ApocalypseErschienen für GameCube, PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Viel spannender sind aber die für jeden Charakter einmaligen "Fähigkeiten", also die exklusiven Mutantenkräfte! Während etwa Cyclops zu Beginn nur den relativ schwachen Standard-Laserstrahl beherrscht, lernt er im Lauf des Abenteuers allerlei vernichtende Alternativen. Oder Wolverine, der erst mit dem "Krallenwirbel" effektiv gegen mehrere Gegner gleichzeitig austeilt. Zwar haben die Entwickler keine verzweigenden Skill-Bäume implementiert. Doch alleine das stetige Ausbauen und Neuhinzugewinnen der Kräfte motiviert enorm, gegen immer neue Gegnerwellen zu kämpfen.

Das Erbeuten seltener Gegenstände ist leider weit weniger motivierend ausgefallen, da nur drei Arten von Items implementiert wurden: Gürtel und Panzerungen verbessern die Verteidigung, Handschuhe den Angriffswert. Hunderte Alternativen wie in ähnlich gelagerten Genrevertretern sind ebenso Mangelware wie besondere Rüstungssets. Auch auf neue Waffen müsst ihr gänzlich verzichten. Immerhin: Im Lauf unseres Abenteuers haben wir einige seltene und einmalige Ausrüstungsgegenstände erbeutet, die besondere Attribute gewähren.

Unsere Steuererklärung
Als Konsolen-Portierung ist »X-Men Legends 2: Rise of Apocalypse« am besten mit Gamepad zu steuern. Wer keinen zur Hand hat, kann aber ruhigen Gewissens auch auf Maus und Tastatur ausweichen. Dann steuert sich das Spiel zwar einen Tick weniger intuitiv, geht aber immer noch locker flockig von der Hand. Mit den

X-Men Legends II: Rise of Apocalypse - Mit Wolverine auf Brautschau

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Richtungstasten (oder alternativ dem linken Mausbutton) bewegt ihr euren Charakter, mit den beiden Maustasten führt ihr Angriffe aus. Ihr selbst steuert immer nur einen der Helden, die restlichen drei Gefährten werden von der CPU übernommen. Das klappt recht gut. Nur äußerst selten haben sich während des Tests einzelne Gruppenmitglieder an Wänden verheddert.

Die einzigen Kritikpunkte in Sachen Steuerung: Je mehr Gegner auf der Bildfläche sind, desto unübersichtlicher wird das Getümmel. Mitunter entstehen dann Einheitenknäuel und ihr schafft es kaum mehr, eure Fernkämpfer aus der Front nach hinten zu beordern. Hier hätte eine Pausenfunktion Wunder gewirkt! Die hat Entwickler Beenox aus Balancinggründen aber bewusst nicht eingebaut. Zum Einen wäre das Spiel an vielen Stellen viel zu leicht ausgefallen und zum Andern hätten das Geschwindigkeitsgefühl und die Action gelitten!

Das hat Stil!
Wie schon der Vorgänger setzt »X-Men

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Legends 2: Rise of Apocalypse« auf trendige Cel Shading-Optik. Die Spielfiguren werden von einem schwarzen Strich umrandet und scheinen direkt aus einem der Comics entlehnt. Gerade aufgrund des Themas passt dieser Stil besonders gut zum Spiel. Das täuscht aber nicht ganz darüber hinweg, dass die Engine im PC- Bereich leicht veraltet wirkt. Die Umgebungen sind oft polygonarm, ebenso fehlt es den Modellen an Details. Diese sind immerhin gut texturiert, was man nicht allen Levels attestieren kann. Beim Heranzoomen machen nicht wenige Oberflächenstrukturen einen matschigen Eindruck.

Umso besser gefallen uns dafür die Animationen. Alle Charaktere und die meisten Gegnertypen haben ganz unterschiedliche Bewegungs- und Angriffsabläufe. Wenn Wolverine wie ein Berserker Gegner niederstreckt und Magneto erhaben reihenweise Roboter umnietet, macht das einen verdammt coolen Eindruck und motiviert zum Weiterspielen!Gemeinsam statt einsam
Wenn schon im Team, dann richtig! Auf Wunsch könnt ihr über Internet das komplette Spiel zusammen mit bis zu drei Freunden angehen. Je nach Spielerzahl steuert ihr einen oder zwei Superhelden und rauft euch durch den Storymodus. Alternativ vergnügt ihr euch im so genannten "Gefahrenraum" und kloppt euch gegenseitig die Birne weich. Wirklich motivierend ist allerdings nur das kooperative Gameplay. Deathmatch-Partien ermüden aufgrund der Klickorgien und der fehlenden taktischen Möglichkeiten schon nach kurzer Zeit!