„Dann mach’ ich mir ’nen Schlitz ins Kleid und find es wunderbar“, besang Ingrid Steeger in der 70er-Kult-Comedy Klimbim die gängige Werbemasche, offensichtliche Mittelmäßigkeit hinter sexuellen Indikatoren im Auge des Betrachters verschwinden zu lassen. „Sex sells“ nennen das Marketing-Strategen. „Lara Croft“ heißt es unter Spielern.

„X-Blades“ lautet die neue Referenz dieser Methode im Games-Sektor: Hätte Titelheldin Ayumi noch weniger Textil am Leib, sie wäre faktisch nackt. Ein lediglich hauchdünner String maskiert die Arschritze unter freiem Bauch, und auch der Rest des Körpers ist nur soweit verhüllt, als Sittenwächter keinen Kollaps bekommen. Ein Sex-Blender im Anime-Gewand, also? Mitnichten. Der geradlinige Actiontitel X-Blades gilt unter Genre-Kennern mittlerweile als echter Geheimtipp.

X-Blades - I must kill you TrailerEin weiteres Video

Zwei Brüste für ein Halleluja

Dass X-Babe Ayumi genau wie ihre grabräubernde Kollegin Lara „Archäologin“ als Berufsbezeichnung auf ihrer Visitenkarte stehen hat, dürfte angesichts der einleitenden Worte niemanden mehr verwundern. Zumal sie ebenfalls mit Vorliebe in alten, fallengespickten und von mystischen Monstern bewachten Gemäuern auf Schatzsuche geht, an Mauersprüngen entlang turnt und die Zöpfe physikalisch berechnet im Wind baumeln lässt.

X-Blades - Ganz und gar nicht für’n Arsch

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Nackte Haut, hingeschaut! Ayumi hat die Argumente auf ihrer Seite.
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X-Blades damit aber als den spielgewordenen Blondinenwitz abzuwatschen – schöne Äpfelchen, aber sonst nicht viel in der Birne –, würde dem Titel kaum gerecht. Unter der aufgeblähten Oberweite schlägt nämlich ein zartes Gameplay-Herz – und zwar auf alles ein, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. X-Blades ist klassisches Hack’n Slay in Nicht-nur-sauber-sondern-Reinkultur.

Auffallendstes Alleinstellungsmerkmal dürfte dabei der Cel-Shading-Stil mit Anime-Anleihen sein, der vor allem in den zahlreichen Zwischensequenzen mit spektakulären Kamerafahrten und Actionszenen zur Geltung kommt. Doch auch während des Spiels besticht Ayumi durch eine Optik und Gelenkigkeit, die so manche Akrobatin des chinesischen Zirkus vor Neid erblassen ließe.

Packshot zu X-BladesX-BladesErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Artefakte für eine Fast-Nackte

Schatzjägerin Ayumi findet zu Beginn des Spiels in einem alten Tempel eine Schatzkarte, die den Weg zu zwei unfassbar mächtigen Artefakten weisen soll. Diese wurden dereinst von göttlichen Brüdern erschaffen, um die Kräfte der Finsternis darin gefangen zu halten. Nach Äonen im Verborgenen drohen sie nun, ihr Unheil über die Welt auszuschütten – und nur wir können das verhindern.

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X-Blades spielt inner-, außer- und unterhalb einer riesigen Tempelanlage.
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Das ganze Spiel findet inner- und außerhalb besagten Tempels statt. Was reiselustigen Spielernaturen zunächst ein wenig abwechslungsarm erscheinen dürfte, stellt sich als halb so wild heraus: Außenlevel mit Dschungeleinschlag, luftige Burgzinnen und kathedralenartige Innenräume wechseln sich mit finsteren Höhlen und schummrigen Gängen ab.

Abwechslung und Spieldauer werden sich also trotz Beschränkung auf einen einzigen Schauplatz nicht wesentlich unterhalb des Genre-Mittels wiederfinden. Und nicht zuletzt erwies sich auch schon Indiana Jones’ Reise durch den Todestempel als hinreichend abendfüllend.

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Die Action ist effektreich in Szene gesetzt.
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Im Gegensatz zu den Archäologie-Kollegen greift Ayumi allerdings im Kampf weniger gerne auf moderne Schusswaffen als vielmehr die titelgebenden gekreuzten Doppelklingen zurück. X-Blades spielt sich damit eher wie die Schnetzeljagd vom im Wortsinne Schlage eines Devil May Cry oder God of War. Stupides Gegner-Totklicken ist dabei jedoch nur vordergründig Spielanreiz. Vielmehr fordert das Spiel zum taktischen Einsatz der verschiedenen Kampftechniken, die durch zusätzliche Rollenspiel- und Magieaspekte überraschend viel Tiefgang ins Gameplay tragen.

X-Blades ist nicht nur für’n Arsch: Unter Ayumis üppigem Dekollete schlägt ein feines Gameplay-Herz.Ausblick lesen

So staut Ayumi durch das Sammeln von „Rage“ während der Kämpfe irgendwann genug Wut im Bauch an, bis sie sich in einer besonders spektakulären Attacke entlädt. Zudem lassen sich die Fähigkeiten durch das Einsacken von Münzfragmenten wie in einem RPG kontinuierlich steigern. Nach einiger Zeit entfesselt die adrette Dame so einen tödlichen Wirbelsturm mit ihren Klingen oder holt zum tödlichen Rundumschlag aus.

Bezaubernde Ayumi

Wer seine Gegner lieber auf Distanz hält, muss aber auch auf Fernwaffen nicht verzichten: Mit den nötigen Upgrades verschießt Ayumi magische Projektile aus ihren Klingen, die sich ebenfalls in verschiedenen Kategorien ausbauen lassen: Je nach bevorzugter Spielweise könnt ihr so eine höhere Feuerfrequenz, Streuschüsse oder den aufladbaren Feuerball wählen.

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Die Waffen einer Frau: Messer, Zaubersprüche, Oberweite.
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Höhepunkt eines jeden Fantasy-Spiels sind jedoch zweifellos spektakuläre Zaubersprüche: Gut 20 Stück soll es in X-Blades geben. Darunter übliche Verdächtige wie den Feuerball, flammende Klingen oder spitze Eisdornen, die Ayumi unter den Füßen ihrer Gegner aus dem Boden beschwört. Bei Testspielern besonders beliebt: Ein beinahe schon surrealer Angriff, bei dem Ayumi ihren Gegner in die Luft schleudert, hinterher springt und ihm über den Köpfen des restlichen Geschehens solange Saures gibt, bis beide nach einiger Zeit wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Je nachdem ob sich Ayumi auf ihrem Weg übrigens für helle oder dunkle Magie entschließt, fällt das Ende des Spiels unterschiedlich aus. Denn wie der Held im Anime „Prinzessin Mononoke“ ist die fesche Heldin von einem Fluch befallen, der zusehends aus ihr hervorzubrechen und von ihr Besitz zu ergreifen droht. Der Kampf mit diesem inneren Dämonen weckt die Vorfreude, dass die Schnetzelorgie zumindest im Ansatz mit einer spannenden Geschichte unterfüttert sein könnte. Im neuen Jahr wissen wir mehr, wenn das Testmuster bei uns eintrifft.