Die „Tomb Raider“-Reihe zeigt: Erfolgreiche Archäologinnen sind ebenso sexy und clever wie schlagkräftig und stilsicher. Entfernt man die beiden letztgenannten Attribute, so erhält man nicht etwa eine halbe Lara Croft, sondern Ayumi, ihres Zeichens Protagonistin von X-Blades.

Böse Zungen würden behaupten, Ayumi sei die schlampige kleine Schwester von Lara. Wir sagen stattdessen: Die pralle Blondine ist die weibliche Antwort auf flache Action-Helden der Marke Serious Sam: Schnetzeln statt rätseln, Ballerorgien statt geistreiche Konversationen.

X-Blades - I must kill you TrailerEin weiteres Video

Selbstbewusst ist Ayumi, daran besteht kein Zweifel. Direkt in der Introsequenz behauptet sie doch glatt, „die beste Schatzjägerin, die es gibt“ zu sein. Das hat gesessen, Miss Croft. Wir würden die Aussage alleine aus Respekt zu Eidos‘ Vorzeige-Turnerin so zwar nicht unterschreiben. Dafür können wir Ayumi durchaus attestieren, einmalig zu sein. Wer sonst hüpft und kämpft sich nur im knappen Tanga und ultrakurzen Top durch Hundertschaften abstoßender Kreaturen? Außer unserem Chefredakteur auf seinen Fastnachts-Szenepartys wohl niemand…

X-Blades - Knackiger Po auf Schatzsuche

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Welch wunderschöner Sonnenaufgang – doch kein Vergleich zu Ayumis Pracht-Hintern.
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Auch der Grafikstil der entfernt an eine Pornodarstellerin erinnernden Heldin ist unverwechselbar. Manga-Einflüsse, etwa die großen Kulleraugen der Charaktere, und quietschbunte Effekte verschaffen X-Blades zumindest optisch ein Alleinstellungsmerkmal unter den Action-Prüglern.

In den regelmäßig eingestreuten Zwischensequenzen gehen die Entwickler sogar noch einen Schritt weiter und tauchen Ayumi gänzlich in ein Anime-Korsett im Stil von „Prinzessin Mononoke“. Das muss man nicht mögen. Uns gefällt der Stilwechsel zwischen westlich geprägten In-Game-Schnetzeleien mit leichten Manga-Einflüssen und klassischen Anime-Cutscenes aber gut.

Ein Déjà-vu kommt selten allein

Typisch Frau – Ayumi ist neugierig wie Schmidts Katze. Und stürzt damit die ganze Welt ins Unheil. Zufällig ergattert sie zu Beginn des Abenteuers eine Karte, die zu einer einsamen Insel führt. Legenden zufolge befindet sich dort ein Artefakt göttlicher Macht. Keine Frage, das wird ihr gehören. Kaum auf dem Eiland angekommen, lässt sie die Belehrungsversuche des dort hausenden Tempelwächters über sich ergehen, der über Unheil, Flüche und Tod philosophiert und die angehende Heldin vor dem Kleinod warnt.

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Gestatten, Ayumi. Hier in einer der Zwischensequenzen im Anime-Stil.
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Kurz abgewägt, entscheidet sie sich getreu dem Motto „Der will das Teil doch nur für sich allein“ allerdings gegen die Ratschläge des Oberlehrers und greift zu. Schlecht für Ayumi, denn prompt wird sie verflucht. Gut für uns, schließlich gäbe es sonst kein Abenteuer zu bestehen, das uns 40 Abschnitte lang über die Insel hetzt, damit wir den Fluch brechen und die Welt retten können. Klingt abgedroschen und ist es auch. Tiefe Charakterzeichnung, spannende Story-Wendungen, Intrigen und Überraschungen – all das bietet X-Blades nicht.

Die Abschnitte, in denen sich Ayumi austoben darf, sind allesamt kompakt und architektonisch äußerst hübsch gestaltet. Tempelanlagen mit riesigen Säulen und geschwungenen Brücken müssen ebenso vom Gesindel befreit werden wie unterirdische Verliese und malerische Strandabschnitte.

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Eine Frau sieht rot. Zaubersprüche wie dieser werden eindrucksvoll inszeniert.
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Das Problem an der Sache: Schon nach etwa der Hälfte der Spielzeit recyceln die Entwickler bereits durchquerte Abschnitte dreist und variieren allenfalls die Tageszeit. Das zehrt aufgrund des sowieso äußerst repetitiven Spielablaufs merklich an der Motivation. Immer nur prügeln und ballern – beides beherrscht Ayumi virtuos –, Zwischenbosse erlegen sowie hin und wieder einen Geschicklichkeitsparcours überwinden, das unterhält allenfalls in kleinen Dosen. Erst recht, wenn Spieler beim Level-Design in regelmäßigen Abständen Déjà-vu-Erlebnisse haben.

Sexy Rollenspiele

Die vergleichsweise monotone Dauer-Action wird aufgelockert durch dezent eingestreute Rollenspiel-Elemente. Für jeden erledigten Gegner sowie zerstörte Behältnisse in den Levels hagelt es Erfahrung, hier Seelenpunkte genannt. Damit kauft ihr Ayumi frische Zauber fünf elementarer Ausrichtungen: Feuer, Frost, Blitz, Licht und Tod. Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die den Klassen untergeordneten Sprüche in ihrer Wirkungsweise nur minimal.

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Einmal Geschnetzeltes, bitte! Kein Problem, kommt sofort.
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Ob Ayumi Feinde mit einem Todesstoß oder Eispfeilen beackert, ihre Schwerter mit Blitz- oder Feuermagie verstärkt, das ist zumeist nicht wirklich entscheidend. Wichtig wird die Wahl einer Zauber-Kategorie nur dann, wenn Monster gegen bestimmte Formeln immun sind oder, im Umkehrschluss, besonders sensibel reagieren. Dass Feuer-Phantome etwa rasch Frostbeulen bekommen und Eis-Elemente ungern zu viel Zeit am Lagerfeuer verbringen, dürfte sich von selbst verstehen.

Flacher Action-Porno für den Quickie zwischendurch. Für eine langfristige, ernsthafte Beziehung ist Ayumi aber die Falsche.Fazit lesen

Um bei Spielern den stets geliebten Sammeltrieb zu entfachen, haben die Entwickler in den Levels zudem verschiedene Runen versteckt. Habt ihr davon jeweils drei gleiche eingesammelt, erlernt Ayumi automatisch neue Combos, haut stärker zu oder erhöht ihren Distanzschaden und die Feuergeschwindigkeit. Schade: Auswahlmöglichkeiten zwischen mehreren Fähigkeiten bestehen nicht. Wann die Schatzjägerin welchen neuen Kniff in ihr Repertoire aufnimmt, entscheidet das Spiel.

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Mitten in die Fresse rein: Drei Gegner auf einmal sind quasi nichts für Ayumi.
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Summa summarum ist X-Blades sicherlich kein wahr gewordener Spielertraum. Zu eintönig ist die Spielmechanik, zu eingeschränkt die Tiefe. Allerdings muss es ja auch nicht immer schwere Kost sein. Der kleine Kick zwischendurch, das Abreagieren in der Mittagspause, den Baller- und Schnetzelfinger ölen, all das bietet der Titel zweifelsfrei.