Es darf wieder geprügelt werden! Und das ganz legal und ohne Nebenwirkungen. Denn mit "Smackdown vs. Raw 2009" hat THQ das alljährliche Update seiner WWE-Wrestling-Schlägeridylle auf den Markt gebracht.

Nachdem die 2008er Version nicht gerade überzeugend ausgefallen war, knüpften sich an die Neuauflage natürlich viele Erwartungen. Haben die Entwickler aus ihren Fehlern gelernt, oder erwartet die Fans womöglich ein Desaster? Wir haben uns in der Redaktion gegenseitig auf die Glocke gegeben, um es herauszufinden.

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Verhauen mit Frauen

Oft werden bekannte Marken durch stetige Wiederholung buchstäblich zu Tode geritten. Diese Redewendung mutet zwar ein wenig makaber an, trifft aber leider zu. Frei nach dem Motto "kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht noch reiten kann" finden sich bei jährlich wiederkehrenden Reihen nur allzu häufig fade Aufgüsse bekannter Ideen. Ähnliche Befürchtungen waren auch im Falle der WWE-Reihe durchaus angebracht, denn immerhin hatten sich die Entwickler mit der 2008er-Ausgabe nicht gerade mit Ruhm bekleckert und Vieles gegenüber den Vorgängern verschlimmbessert.

WWE SmackDown vs. Raw 2009 - Verhauen mit Frauen

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Kürzungen im Gesundheitssystem sind schuld: Pflegepersonal entpuppt sich immer häufiger als Flegelpersonal. (Xbox 360)
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Doch zum Glück gibt es auch in Zeiten von Rezession und Bankenkrise noch positive Überraschungen. "Smackdown vs. Raw 2009" gehört dazu. Denn die Entwickler von Yuke's haben sich offenbar viele Gedanken gemacht, wie sie die Scharte des schwachen Vorgängers wieder auswetzen könnten. Und so finden sich im aktuellen Titel endlich einige Forderungen verwirklicht, die Fans schon seit Jahren anmahnen.

Da ist zum einen die deutlich verbesserte KI, die jetzt ein effektives Kloppen auch im Tag-Team mit einem Computerpartner ermöglicht. Außerdem kann man nunmehr auch weibliche Charaktere durch den Karrieremodus zu virtuellem Glück und Reichtum führen. Die prügeln sich anfangs nur mit anderen Frauen, dürfen aber im weiteren Verlauf auch gegen die männlichen Muskelberge ran. Und wer glaubt, dass die armen, zarten Geschöpfe keine Chance gegen Schwergewichte vom Schlage eines Kane hätten, der sieht sich getäuscht.

Packshot zu WWE SmackDown vs. Raw 2009WWE SmackDown vs. Raw 2009Erschienen für DS, PS2, PS3, PSP, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Auch die Vertreterinnen des schönen Geschlechts können in diesem Spiel gewaltig zulangen, wenn auch mit Einschränkungen. Denn die meisten Exhibition-Sondermatches wie "Money in the Bank" bleiben nach wie vor den Männern vorbehalten.

Vermöbeln mit Möbeln

Neu im Programm ist diesmal unter anderem der "Road to Wrestlemania"-Modus, bei dem man den Schläger seiner Wahl auf dem Weg zu Wrestlemania XXIV begleitet. Leider ist dieser abwechslungsreiche, mit reichlich schrägem Humor versehene Storymodus nur mit sechs vorgegebenen Charakteren spielbar. Das ist schade, denn sicherlich hätte so manch ein Fan gern seinen selbst gebauten Prügelknaben zu Ruhm und Ehre geführt.

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Bekommt Stuhlprobleme, für die ausnahmsweise mal nicht Fastfood verantwortlich ist: Randy Orton (links im Bild). (PS2)
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Der "normale" Storymodus hingegen wurde gegenüber den Vorgängern spürbar eingedampft. An die Stelle einer Hintergrundgeschichte reiht sich hier Match an Match bis zu den alles entscheidenden Titelkämpfen in der jeweiligen Liga. Auch die Talentpunkte werden automatisch zugeteilt, so dass eine Spezialisierung der Figur auf bestimmte Techniken nicht mehr stattfindet.

Die Kämpfe selbst sind in hohem Maße einsteigerfreundlich gehalten, bieten allerdings echten Fans erst im hohen Schwierigkeitsgrad echte Herausforderungen. Das mag viele Freunde des gepflegten Show-Verhauens verdrießen, ist aber für Gelegenheitszocker oder ungeduldige Naturen, die ihren heiß geliebten Star schnell nach oben schlagen wollen, von Vorteil.

Die Prügelknaben der WWE sind zurück – und das mit durchschlagendem Erfolg!Fazit lesen

Wie schon erwähnt, wurden viele Fehler des unglücklichen Vorgängers beseitigt. Dazu gehört auch das stark verbesserte Kampfsystem, das sich in vielem eher an der überaus gelungenen 2007er Ausgabe des Spiels orientiert als an der letztjährigen. Angriffe werden wie gewohnt in schneller Abfolge mit der Schlagen-Taste in Kombination mit dem linken Stick abgefeuert. Je nachdem, in welcher Position zum Gegner sich die eigene Figur befindet, traktiert man den anderen mit Fäusten, Tritten, Griffen oder jeder Menge unfairer Attacken, die man für die verschiedenen Tastenkombinationen im Einstellungsmenü nach Belieben vorgibt.

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Vom Leidtragenden zum Leitertragenden: Rey Mysterio (re.) reagiert nachtragend auf Matt Hardys Körpergeruch. (Xbox 360)
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Besonders spaßig sind wie üblich Attacken mit Stühlen oder das Hämmern des Gegners durch Tischplatten. Vorausgesetzt natürlich, man hat eine entsprechende Matchart ausgewählt.

Tag-Team-Aktionen sind dank verbesserter KI weitaus öfter von Erfolg gekrönt als beim Vorgänger. So wird der Computerkamerad beispielsweise selbsttätig aktiv, während er außerhalb des Rings auf seinen Einsatz wartet. Je nach Bedarf versucht er den Ringrichter abzulenken, dem Gegenspieler ein paar saftige Ohrfeigen zu verabreichen oder zieht an den Seilen, wenn der Konkurrent ihm entgegenstrauchelt. Da jedoch die verehrten Mitbewerber ähnliches auf dem Kasten haben, ist Vorsicht geboten.

Doch im Vergleich zu früher, wo die Kumpels weitestgehend teilnahmslos an der Ringecke ihres Schicksals harrten, ist dies ein echter Fortschritt.
Sehr elegant ist auch der so genannte Hot-Tag. Ist man angeschlagen, kann man durch einen beherzten Sprung in die eigene Ecke den Partner ins Rennen schicken, der dann in einer Sequenz durch den Ring pflügt und alles platt macht, was in seinem Weg steht. Der Hot-Tag ist eine feine Sache, funktioniert jedoch nur als letzter Ausweg, kurz bevor man virtuell die Glocken läuten hört.

Karriereknick

Der Weg zum WWE-Championtitel ist lang und steinig. Das gilt in besonderem Maße für das Aufziegeln der selbst erstellten Spielfigur. Zwar werden für alle gewonnenen Matches gleichmäßig Talentpunkte vergeben, doch bis man seinen Charakter auf Werte über 90 Prozent geprügelt hat, vergehen einige durchzockte Nächte. Und darin liegt leider eine kleine Schwäche des Spiels.

Denn bedingt durch den Wegfall der Hintergrundgeschichte hangelt man sich nur von Klopperei zu Klopperei. Je nachdem, für welche Gewichtsklasse man sich entschieden hat, richten die eigenen Kombos dann mehr oder weniger Schaden an. Wer mit einem Superschwergewichtler antritt, hat dabei von Anfang an die besten Karten, wird allerdings auch spätestens nach dem Erringen des dritten Titels mit argen Motivationsproblemen zu kämpfen haben.

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Misslungen: getanzte 69er Performance in der Gay-Tabledance-Bar. (PS2)
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Da man sich auf die Taktik der Gegner sehr gut einstellen kann, erinnern die meisten Kämpfe eher an Sparringrunden als an echte Wettbewerbe. Am meisten Abwechslung erzielt man, indem in schöner Regelmäßigkeit die Move-Sets im Editor ausgetauscht werden. Dadurch kann man nicht nur an der Effizienz des eigenen Kampfstils feilen, sondern entdeckt auch wieder einige hinreißend komische Kombos wie beispielsweise den "Dog Butt", der schon in der 2007er Ausgabe für manche Heiterkeit gesorgt hatte. Da man seinen Charakter zu jedem Zeitpunkt beliebig manipulieren darf, lohnt sich das Experimentieren mit den verschiedenen Schlägen, Tritten oder Aufgabegriffen.

Ebenfalls eine segensreiche Neuerung ist der Finisher-Editor, mit dem man seinen eigenen Abschluss-Move zusammenklicken kann. Dabei kombiniert man wie in einem Filmeditor unterschiedliche Sequenzen zu einer fließenden Bewegungsabfolge. Jede einzelne Teilbewegung verursacht unterschiedlich schweren Schaden in den verschiedenen Körperregionen des Gegners. Wer mag, konstruiert sich auf diese Weise einen Finisher von einer gefühlten halben Minute Dauer, denn die meisten Bewegungsabläufe können mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten integriert werden.

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Batista macht dem Undertaker einen umwerfenden Vorschlag. (PS2)
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Um den Finisher auszulösen, muss man, wie aus den Vorgängern bekannt, seine Momentum-Leiste durch erfolgreiche Angriffe auffüllen. Gleiches gilt übrigens auch für die so genannten "Signature Moves". Das sind spezielle Aktionen, die als individuelle Markenzeichen eines jeden Wrestlers gelten. Die Signatur-Kloppereien bringen nicht nur die Volksseele der Zuschauer im Saal zum Kochen, sondern verursachen natürlich auch viel Schaden beim Gegner, weshalb man sie so oft wie möglich anwenden sollte.

Wir haben Sie im Blick

Während der Ausführung diverser Kombos wechselt die Kamera zeitweise häufig den Blickwinkel. Das sieht zwar sehr gut aus und erinnert an die TV-Sendungen der WWE, hat aber den entscheidenden Nachteil, dass die Übersicht darunter leidet. Besonders im Einzelspielermodus ist es sehr ärgerlich, wenn die Kamera auf Bodenhöhe ganz nah an den Ring heranzoomt, während man auf den Gegner zu läuft.

Das führt nicht selten dazu, dass man sich in der Entfernung verschätzt und beispielsweise ein Clothesline zu früh ansetzt, so dass der Gegner ausweichen kann.
Gleiches gilt auch für schnell ausgeführte Schlagabfolgen, bei denen die Kamera nach jedem einzelnen Treffer wechselt. Unruhige Naturen sollten daher vor dem Konsum dieses Spiels möglichst wenig Kaffee oder andere anregende Substanzen zu sich nehmen.

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Sind sich nicht immer einig in der grünen Parteiführung: Fritz Kuhn (li.) und Cem Özdemir. (Xbox 360)
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Einer der reizvollsten Aspekte von Wrestlingspielen war von jeher der Mehrspielermodus. Das gilt natürlich auch in diesem Falle. Bis zu vier kloppwütige Zocker versammeln sich auf der heimischen Couch oder online und geben sich auf die virtuelle Birne, bis es wackelt. Eine Besonderheit stellt dabei die PS3-Version dar, denn dort ist es bei bestimmten Matcharten erstmalig möglich, dass sich bis zu sechs Kombattanten an einer Konsole versammeln.

Das funktioniert auch hervorragend, hat allerdings einige grafische Ruckler und minimale Verzögerungen bei der Steuerung zur Folge. Grundsätzlich ist aber die Möglichkeit, sich zu sechst die Kauleiste zu massieren, ein echtes Erlebnis und unbedingt empfehlenswert.

Um unnötigen Frustmomenten vorzubeugen, kann man nicht mehr minutenlang sinnlos auf einen Gegner eindreschen. Zum einen wurden die Kontermöglichkeiten erweitert, zum anderen liegen die Jungs und Mädchen nach schweren Treffern nicht mehr minutenlang regungslos am Boden, sondern erholen sich relativ schnell. Zudem gibt es eine Verteidigungsstellung, die man zu dem Zeitpunkt einnehmen kann, in dem die Figur zwar nicht mehr liegt, aber noch benommen kniet.

Der Defensiv-Modus führt dazu, dass gegnerischen Angriffen automatisch ausgewichen wird. Das erhöht zusätzlich die Konterchancen und vermindert das Risiko blindwütiger Angriffsorgien der Mitspieler.

Wer sich für Wrestling interessiert, für den gibt es auch in diesem Jahr keine ernsthafte Alternative zu THQs WWE-Mopperei. Grafisch kann der Titel zwar auf keiner Konsole mit der Midway-Konkurrenz von TNA mithalten, doch das ist der einzige Vorteil, den die Neulinge gegenüber den alten WWE-Hasen haben. Die Jungs von Yuke's haben sich als absolut lernfähig erwiesen und mit der aktuellen Ausgabe ihres Titels einen blitzsauberen, technisch ausgereiften Spaßklopper aufs Parkett gelegt. Wer auch nur den Hauch von Interesse am amerikanischen Showcatchen verspürt, kommt an diesem Spiel nicht vorbei.