Legenden leben länger! Das gilt nicht nur in Show und Politik, sondern genauso im Sport. Auch in den US-amerikanischen Wrestling-Ligen werden alte Idole über viele Jahrzehnte in Erinnerung gehalten. Grund genug also, den alten Kämpfern ein Videospiel zu widmen.

Pünktlich zum 25. Wrestlemania-Event im April haben die Catch-Spezialisten von Jakks deshalb einen Titel abgeliefert, in dem man ein Wiedersehen mit Bret Hart, André the Giant, Jim Neidhart und vielen anderen fleischgewordenen Comichelden feiern kann.

Es war einmal...

Beginnen wir mit den positiven Dingen. "WWE Legends of Wrestlemania" versammelt nämlich nicht nur eine illustre Schar ehemaliger Superstars der akrobatischen Körperathletik, sondern verwöhnt historisch bewanderte Naturen in der liebevoll gestalteten "Hall of Fame" auch mit zahlreichen Ausschnitten legendärer Matches der Achtziger und Neunziger Jahre. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Infos zu den vertretenen Kämpfern und die Möglichkeit, einige ihrer Matches entweder original nachzuspielen oder aber die Geschichte neu zu schreiben.

WWE Legends of WrestleMania - Vokuhila, Popelbremse und Modesünden: Prügel-Zeitreise in die 80er Jahre

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Abgefahren: Der Rückzug von Bahnchef Mehdorn findet im freien Fall statt.
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Genau dies ist im "Wrestlemania Tour-Modus" möglich. Hier geht es um historische Kloppereien, die der Reihe nach frei geschaltet werden. Je nachdem, ob man die Geschehnisse nacherleben oder neu schreiben möchte, werden die Hauereien gemäß ihrer tatsächlichen Begebenheiten abgearbeitet, oder sie bekommen ein alternatives Ende verpasst. Neue Matches werden freigeschaltet, indem man unterschiedliche Aufgaben erfüllt, für die es Punkte zu ergattern gibt. So muss beispielsweise ein Angriff mit einem erfolgreichen Reversal abgewehrt oder eine bestimmte Schlagserie angebracht werden. Oder man muss den Gegner mit einer bestimmten, historisch verbürgten Attacke besiegen.

Auch im Falle der Neuschreibung einer Schlägerei müssen Aufgaben gelöst werden. Natürlich steht in jedem Falle ein Sieg als oberste Bedingung im Mittelpunkt. Doch für Sieg allein gibt’s nur einen Teil der Punkte zu ergattern. Daher empfiehlt es sich, die geforderten Punkte samt und sonders abzuarbeiten.

WWE Legends of WrestleMania - Vokuhila, Popelbremse und Modesünden: Prügel-Zeitreise in die 80er Jahre

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Neu: Diskussionsstrategie, bei der man seinen Gesprächspartner nicht nur um den Finger wickelt, sondern auch um den Ringpfosten.
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Um sich auf die jeweiligen Schlägereien einzustimmen, werden die dazugehörigen Hintergrundgeschichten in kurzen Filmausschnitten erzählt. Zocker, die die zugrunde liegenden Drehbuch-Auseinandersetzungen noch aus eigenem Erleben kennen, sind ein wenig im Vorteil, denn bei einigen der Matches kommen wohlige Schauer der Erinnerung auf. Erwähnt sei hier nur die jahrelange Fehde zwischen Shawn Michaels und Bret Hart, die 1997 im legendären Montréal Screwjob und dem Ausscheiden Harts aus der WWF/WWE endete.

Schnauzbart und Dauerwelle

Wer sich gerne selber ein historisches Denkmal setzen möchte, der wählt im Hauptmenü die Spielart "Legend-Killer". Dabei gilt es, mit einem selbst erstellten Wrestler die Elite der Catch-Komiker nacheinander aufzumischen. Das ist nicht nur deshalb spaßig, weil man die Geschichtsbücher der Wrestlingliga neu schreiben kann, sondern auch, weil der Editor Jakks-typisch zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten bietet.

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Wiederentdeckt: Mitschnitt eines romantischen Männergesangs-Duetts von Freddie Mercury und Gene Simmons anno 1982.
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Mode, Frisuren und Habitus der – leider ausschließlich männlichen – Haukünstler sind ganz auf die jeweilige Zeit abgestimmt. Es ist auch möglich, bereits bewährte Prügelknaben-Designs aus WWE 2009 zu importieren und zu bearbeiten. Wer mag, baut sein digitales Ebenbild nicht nur elegant ins Spiel ein, sondern rückt sich auch gleich mit der passenden Mode der Zeit ins richtige Licht.

Natürlich lassen sich auch die echten Wrestler wieder den eigenen Vorlieben anpassen. Aus dem Vorgänger wurde nicht nur der umfassende Outfit-Editor übernommen; wer mag, entwirft für seinen Liebling wie gehabt eigene Move-Sets, Einzüge und kann dabei – auf der PS3 – ebenfalls wieder seine eigene Musik zum Einsatz bringen.

Vokuhila, Popelbremse und eigenwillige Klamotten – bei soviel 80er Jahre muss man einfach zuschlagen!Fazit lesen

So liebevoll die historischen Matches auch in Szene gesetzt worden sind, so lassen sich doch Defizite am Kampfsystem ausmachen. Zwar wurde die Steuerung gegenüber der WWE-Reihe vereinfacht, jedoch leidet darunter die Vielfalt der möglichen Metzeleien. Die Tätlichkeiten werden überwiegend mit der Vierecks-Taste in Verbindung mit dem linken Stick ausgeführt. Greifen und Halten erfolgen durch unterschiedlich langes Drücken der X-Taste, ebenfalls in Verbindung mit dem linken Stick.

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Herzschmerz: Freddie Mercury und Gene Simmons entdecken ihre Gefühle für einander.
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Je nachdem, für welche Matchart man sich entscheidet, kommen den beiden Tasten noch einige weitere Funktionen zu. Das ist selbst für Wrestling-Fans der alten Schule nicht schwer zu begreifen, hat aber mit dem Steuerungskonzept des Vorgängers der WWE-Reihe nichts gemeinsam. Da man in erster Linie mit dem Absolvieren der Match-Checkliste beschäftigt sein dürfte, um die Höchstpunktzahl zu erreichen, reduziert sich das Schlägern allzu oft auf blindwütiges Dreschen des einen Schlagbuttons. Oder allen gleichzeitig. Von der zarten Ästhetik der lang anhaltenden Gewaltanwendung und dem kreativen Potential des freien Verprügelns in den WWE-Titeln ist dieses Konzept meilenwelt entfernt.

Das ist beleidigend!

Auch das Taunten, sicherlich eine der Lieblingsbeschäftigungen vieler Catch-Kumpels, weil vielfältig und je nach Auswahl brüllkomisch, wurde auf ein lästiges Pflichtprogramm degradiert. Zwar kann man durch Beleidigungen einen Teil seiner Gesundheit regenerieren oder andere positive Aspekte erzielen, doch der Spaßfaktor hat dabei kräftig gelitten. Das Anpöbeln der Gegner gehört außerdem zum Erlangen einer hohen Punktzahl oft dazu, aber Beleidigen auf Bestellung ist eher unlässig.

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Intelligenzbeweis: Steve Austin benutzt seinen Kopf, um sich durchzusetzen.
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Hinzu kommt, dass die lustigen Insultationen beim WWE-Bruder bequem über das Digitalkreuz ausgelöst werden, im vorliegenden Fall aber muss man die Kreis- und Dreieckstaste in Kombination mit dem linken Stick gleichzeitig drücken. Das kann sich je nach Situation als einigermaßen unkomfortabel erweisen.

Ein echtes Highlight hingegen stellen die so genannten Kettenlevels und -griffe dar. Jeder erfolgreiche Angriff sorgt nämlich dafür, dass die Levels ansteigen. Hat man sich genügend Power zusammengeschlagen, kann eine schnelle Abfolge von Schlag- und Griffattacken ausgelöst werden. Auf diese Weise kann man einen Kampf selbst dann noch drehen, wenn man eigentlich schon kurz vor der Niederlage steht.

Davon einmal abgesehen, überwiegen jedoch eher die negativen Aspekte der Bedienungsanforderungen. Warum sich die WWE-Macher bei diesem Spiel von ihrem bewährten Steuerungskonzept verabschiedet haben, ist nicht so ganz nachvollziehbar. Doch bekanntermaßen sind die Geschmäcker verschieden, und für manchen Fan der Serie mag das Wrestlemania-Modell zugänglicher sein.

Die Wahl der Qual

Auch in Sachen verfügbare Match-Typen herrscht bei den Wrestlemania-Legenden leider Konjunkturkrise. Zwar dürfen in der PS3-Version bei einigen Klopp-Arten bis zu sechs Mitspieler aufeinander losgehen, doch dafür hapert es an der Vielfalt. Die beliebten Ladder-Matches beispielsweise können nur zu zweit ausgetragen werden, bei den Handicap-Händeln gibt es lediglich die Möglichkeit, allein gegen zwei oder gegen ein Tag-Team anzutreten. Und den Ringrichter haben die Entwickler kurzerhand komplett weggelassen und das Zählen auf Drei einer Off-Stimme überlassen.

WWE Legends of WrestleMania - Vokuhila, Popelbremse und Modesünden: Prügel-Zeitreise in die 80er Jahre

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Reformen: Das US-Militär hat die Bewerbungsanforderungen für Rekruten überarbeitet.
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Das mag mancher Fan verschmerzen, denn in den WWE-Titeln wie auch im "echten" Wrestlingleben haben die Jungs in den Streifenhemden bestenfalls schmückenden Charakter. Doch immerhin konnte man die Streifenhörnchen in seine Angriffe mit einbeziehen und beispielsweise gegen renitente Gegner schleudern. Hier sorgt der Verlust des Ringrichters in Kombination mit den reduzierten Ringaktionen ungewollt für Steriliät, die sich auch sonst in den Matches zeigt. Puristen mögen sich hieran weniger stören, denn das Geschehen wurde im Vergleich zur WWE-Reihe sehr viel stärker auf die "Kernkompetenz", das eigentliche Catchen, reduziert.

Freunde der leichten Muse hingegen, die schon immer mehr Spaß am Drumherum hatten, werden wohl eher enttäuscht reagieren. Immerhin sind – zumindest in einigen Modi wie zum Beispiel "Submission" – wieder zahlreiche Extra-Aktionen möglich, wie beispielsweise das Verdreschen mit Gegenständen, die man unter dem Ring hervorzieht. Dennoch macht all dies nicht soviel Spaß. Denn da die meisten Angriffs- und Verteidigungsaktionen ein mehrmaliges Hämmern auf die Aktionstasten in Verbindung mit dem linken Stick erfordern, hat man oft genug ein Zeitproblem, aus dem Ring zu gelangen.

Auch das Tutorial lässt, zumindest für Anfänger, zu wünschen übrig. Denn auf 25 Bildschirmseiten wird lediglich angezeigt, welche Aktion mit welcher Tastenreihenfolge ausgelöst wird. Das ist nicht sonderlich einprägsam, und wer schon in der Schule Probleme damit hatte, mehr als den eigenen Namen auswendig zu lernen, hat hier keine Chance. Wer üben möchte, sollte dies mit einem erfahrenen Spielpartner tun, der sich zu diesem Zweck als Prügelpüppchen zur Verfügung stellt.

Buntes Treiben

Technisch präsentiert sich "WWE Legends of Wrestlemania" dagegen auf der Höhe der Zeit. Die Grafik verwöhnt die Augen mit vielen Details und schönen Farben, lediglich die Gesichter der Akteure wirken etwas starr. Einige Kameraschwenks sind sehr abrupt, dennoch verliert man nie den Überblick.

Musikalisch wird, wie nicht anders zu erwarten, alte Kost geboten. Vom guten, ehrlichen Hardrock der Achtziger bis hin zu mehr oder weniger fragwürdigen Gesangseinlagen der Stars vergangener Tage – erwähnt sei hier nur das in die Geschichte eingegangene dreckige Lachen des Ted DiBiase und dessen Sangesversuche – ist alles vertreten, was das Herz begehrt. Selbst die Schriften und Laufbänder wurden den echten Einblendungen jener Zeit nachempfunden, was zur insgesamt stimmigen Atmosphäre im Spiel beiträgt.

Vorurteilsfreie Wrestlingfans, die sich mit dem komplett überarbeiteten Bedienkonzept des Titels anfreunden können, sollten dem Spiel unbedingt eine Chance geben. Unverbesserliche Jünger der WWE-Reihe werden sich mit dem Programm wohl schwerer tun. Aber das macht nichts. Abwechslung ist ja bekanntermaßen das halbe Leben.