Dass der Wrestling-Sport nicht nur in den Köpfen pubertärer Schüler Einzug hält, sondern mittlerweile generationsübergreifend ansteckt, zeigt THQs neuestes Pferd im Stall: WWE Allstars. Das neue Fleischklopsgerangel wird für fast alle Konsolen erhältlich sein. Ob sich der Kauf lohnt und was euch erwartet, haben wir für euch getestet.

WWE All Stars - Launch-TrailerEin weiteres Video

Let's get ready to rumble

Auf muskelbepackten Körpern zerschellende Klappstühle, schmerzverzerrte Gesichter und ein tobendes Publikum im Hintergrund fürs Ambiente. WWE Allstars macht seinem großem Bruder, der Smackdown-vs.-Raw-Reihe, Konkurrenz – und zwar im eigenen Hause. Anders als Smackdown vs. Raw lässt sich WWE Allstars jedoch mehr die klassische Beat-’em-up-Mütze überstülpen.

WWE All Stars - Generation Klappstuhl

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Muskelberge, wohin das Auge blickt - alte wie neue.
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So besticht THQs Neuling mit einer Vielzahl spielbarer Charaktere, wobei man einige erst durch den Path-of-Champions-Modus freischalten muss. Einzugsshows und somit auch lange Videosequenzen sind zwar immer noch fester Bestandteil des Spiels, jedoch so, dass man bereits nach wenigen Minuten mitten im Kampfgetümmel steckt.

Der Clou des Spiels sind die verschiedenen Generationen von Kämpfern, die allesamt in die Fleischklopsmühle gezerrt werden. Von alten Hasen wie Hulk Hogan und dem Undertaker bis hin zu Jungspunden wie Randy Orton und Sheamus ist hier alles vertreten, was Stiernacken hat und nach Schrankwand aussieht. Die Mischung der alten Generation des Wrestlings mit der neuen ist für THQ bei diesem Spiel das Hauptanliegen gewesen und bis dato einzigartig. So ist es möglich, frei Schnauze Match-ups zu erstellen und sich Träume von noch nie dagewesenen Kämpfen zu erfüllen.

Nach einigen Stunden steht fest: THQ legt bei WWE Allstars viel Wert auf Atmosphäre. Hier lautet die Devise: Mehr ist mehr, und viel hilft viel. Vor allem, wenn man einen knalligen Comic-Look hat, der sämtliche Kämpfer noch mehr, noch stärker und übertriebener ausbeult, als sie es ohnehin schon sind – das wirkt alles wunderbar überzogen.

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Übertriebene Effekte gibt's im Überfluss.
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In Gold getauchte Bildschirme, effektvolle Speedlines, die die Bewegungen der Figuren nachziehen, und Spezialattacken, die vor Salti, Luftakrobatik und Power nur so triefen. Die Muskeln der Charaktere stehen hierbei exemplarisch für das gesamte Spiel. Durch den neuen Comic-Look werden Spielfigur und Bewegungen massiver, brachialer und alles in allem mit viel Volumen dargestellt.

Vergleichbar mit einem Wein aus der Mittelklasse: kann gut sein, muss aber nicht. Wer hier zu lange genießt, brauch sich nicht zu wundern wenn's irgendwann fad schmeckt.Fazit lesen

Getreu dem Motto: aufpumpen, bis die Ringglocke läutet! Sprünge werden höher, sodass man vom Ringpfosten schon mal aus sechs Metern Höhe wie ein Raubvogel auf seinen Gegner zurast und ihm mit einem gewaltigen Signature-Move ins Delirium befördert. Anschließend gibt man ihm mit dem Finishing-Move den Rest.

Fast wie Schwanensee...

Von Letzterem hat jeder Charakter seinen eigenen, der genauso einzigartig wie verheerend ist. Der „Diving Elbow Drop“, um nur einen zu nennen, ist solch eine Attacke. Dabei springt der Charakter mit einer doppelten Schraube vom Ringpfosten ab, um dann mit dem Ellenbogen voraus auf dem am Boden liegenden Gegner zu landen. Jeder Finishing-Move ist anders, doch alle haben eine Sache gemeinsam: Wo sie einschlagen, wächst kein Gras mehr!

Die eindrucksvollen Slow-Motion-Animationen der Finishing- und Signature-Moves, kombiniert mit den Effekten beim Aufschlag im Ringboden, den Farbeffekten plus dem Sound, verleihen dem Gerammel die nötige Würze und machen das Spiel sowohl für Neulinge als auch für eingefleischte Fans von Wrestling-Spielen schmackhaft. Je nachdem, wie tief man eintauchen mag und kann. Darüber hinaus glänzt WWE Allstars durch einen reibungslosen Kampfverlauf, da die zahllosen Kombinationsmöglichkeiten und das fürs Wrestling recht hohe Tempo gut ineinandergreifen.

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Bret Hart gegen irgendeinen neuen Schnösel. Der Hitman gewinnt.
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Blocks, schnelle Tritte und Schläge, Würfe und Lock-ups bieten ein facettenreiches Arsenal an Angriffsmöglichkeiten, das es zu meistern gilt. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass sich erfahrene Spieler mehrere Blocks hintereinander um die Ohren hauen, was dem Spielverlauf Dynamik verleiht. Bei all dem Tastengeklimper und der Action im Ring kommt der eigentliche Hintergrund des Sports auch nicht zu kurz, nämlich die Show.

Hier und dort findet man im Spiel ein paar Original-Filmaufnahmen, die Einzugsshows der einzelnen Kämpfer tun dann das Übrige. Als netter Bonus trumpft Allstars mit einem gut strukturierten Spielmenü auf, in dem man zwischen verschiedenen, wenn auch bekannten Modi wechseln kann. Als kleines Gimmik gibt es hier den Fantasy-Warfare-Modus , der im Endeffekt nur eine schöne Umschreibung für den Versus-Modus ist, mit dem die Spieler ihrer Fantasie freien Lauf lassen können und vorher noch nie dagewesene Match-ups erstellen und spielen dürfen.

Das leidige Thema

Trotz viel Show, massig Gekloppe und Gerangels ist WWE Allstars kein Spielvergnügen von langer Dauer. Auf einen Storymodus wurde offensichtlich gänzlich verzichten. Nur der Path-of-Champions-Modus, in dem man ein Turnier mit anschließendem Endkampf, meist gegen eine Legende, über sich ergehen lassen muss, um neue Outfits für seinen Charakter oder gar neue Spielfiguren wie den Undertaker freizuschalten, weist leichte Züge eines Storymodus auf.

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Wo der Dicke hinlangt, wächst kein Gras mehr.
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Die brodelnde Euphorie und Spielbegeisterung bleibt also aus, was wiederum zur Folge hat, dass ich bereits nach zwei bis drei Stunden das erste Mal das Gamepad weglege und leicht apathisch zur Toilette trotte. Nach und nach wird klar: Das Herzblut der Entwickler ist am selben Ort gelandet, an dem ich jetzt mein Geschäft verrichte.

Das Ganze schmeckt dann ungefähr wie Pappmaul am Samstagmorgen. THQs neue Comic-Grafik ist an sich keine schlechte Idee, aber bitte, liebes Entwicklerteam: Macht das doch vernünftig! Sobald man sich etwas eingehender mit dem Menü zum Erstellen seiner eigenen Kampfmaschine beschäftigt, muss man sich zwangsläufig fragen, ob die Entwickler irgendwann einfach keine Lust mehr hatten und sich lieber der eindrucksvollen Vernichtung einer Flasche Vodka hingaben oder ob man bei THQ wirklich nicht erkannte, was so offensichtlich ist.

Keine Frage, dieser Creator-Modus weist eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, jedoch sollte man sich schon die Mühe machen und eine Hose, eins der wenigen Kleidungsstücke, die so ein Wrestler trägt, auch wie eine Hose aussehen zu lassen - und nicht wie ein aufgemaltes Bodypainting. Hinzu kommt das Publikum im Hintergrund, von dem man annehmen muss, dass es gleich kollektiv dem Hungertod zum Opfer fällt. Die Kämpfe an sich sind super inszeniert, doch sie täuschen nicht darüber hinweg, dass sie vor einem stimmungslosen 2-D-Publikum ausgetragen werden.

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Der Macho Man fliegt unter dem Jubeln der Fans aus dem Ring. Toll, alter Junge.
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Man sollte meinen, dass der Fortschritt im grafischem Bereich in der heutigen Zeit nahezu von selbst vonstattengeht, doch weit gefehlt. Immer wieder stechen Patzer ins Auge - wenn auch nur kleine. Spielt man beispielsweise mit einem verhältnismäßig kleinen Charakter gegen einen Riesen, ist beim erstbesten Nahkampf kaum noch was vom eigenen Spieler zu sehen. Und so passiert es schon mal, dass die Arme von Rey Mysterio verschwinden, wenn Andre the Giant in Reys Haltegriff nach Luft japst.

Alles in allem sind dies alles kleine Schnitzer, die nicht hätten sein müssen. Die Spielmodi sind allseits bekannt. Ob im Tag-Team-Battle oder im 1-gegen-1, fast jeder Modus lässt sich als Multiplayer-Sause spielen, was sich wiederum gut auf Partys macht, jedoch ist auch das nicht wirklich neu. Zu guter Letzt die Storyline im vermeintlichen Story-Modus, die den unglaublich kreativen Skriptschreibern der WWE in nichts nachhängt: Hier und dort ein Comeback oder eine kleine Fehde und dem Kampf steht nichts mehr im Wege. So geht’s ab ins Viereck zum Kloppen. Die langen Ladezeiten zwischen den Matches geben der Euphorie über das neue Spiel dann den Rest.