Er lieferte sich eine eine erbitterte Fehde mit dem mittlerweile in Hollywood als Actionheld etablierten Dwayne „The Rock“ Johnson, zischte im Ring stets ein paar kühle Dosen Bier und war der Albtraum für die WWE-Cutter, die aufgrund der prüden amerikanischen Medienrichtlinien stets seine Mittelfinger und Schimpfwörter unkenntlich machen mussten – beides Markenzeichen des glatzköpfigen Steve Austin. Vor einem Randy Orton, der mittlerweile als Internet-Meme mit seinem RKO-Finisher die halbe Welt ausgeknockt hat, schickte Stone Cold Steve Austin mit seinem Stone Cold Stunner schon 15 Jahre vorher seine Feinde mit diesem Finisher auf die Ringmatte. Und nun wird ihm der diesjährige 2K Showcase gewidmet. „I'm gonna walk right into the Smack Down Hotel, check into room 3:16, and burn the son of a bitch to the ground!“ - Stone Cold Steve Austin

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Wurde im letzten Jahr noch der stark beschnittene Karrieremodus kritisiert, hat man diesbezüglich offensichtlich auf die Fans gehört und diesen nun ordentlich aufgepeppt. Nachdem man sich seinen individuellen Ring-Gladiator erstellt hat, beginnt man in der Talentliga „NXT“ und kämpft sich dann sukzessiv die Rangliste nach oben, bis man nach erfolgreichem Titelmatch in die WWE wechselt und sich dort dann mit den bekannteren Größen des Sports misst. Der Editor ist hierbei umfangreicher als noch im letzten Jahr und lässt wieder mehr Raum für Individualisierungen – auch wenn es mir ein absolutes Rätsel ist, warum ich für meine Wrestler ein Maximumkontingent an zu verbrauchenden Gestaltungspunkten habe. Wer einen der Vorgänger besitzt, der weiß, was ich damit meine.

Die Zeit des 3:16 und die eigene Karriere

Nach erfolgreichen Matches erhaltet ihr Erfahrungspunkte und VC (Virtua Coins). Die Erfahrungspunkte investiert ihr anschließend entweder in die unterschiedlichen Eigenschaften eures Wrestlers oder ersteht mit diesen neue Moves. Mit den VC wiederum könnt ihr euch Manager an die Seite stellen, die euch dann im Match zur Seite stehen oder ihr schaltet damit Talente frei. Für beide Währungen entscheidend ist, wie gut ihr euch im Match schlagt. Je mehr Moves ihr benutzt, desto höher klettert eure Sterne-Wertung, die bis zu fünf an der Zahl erreichen kann. Je mehr Sterne ihr in der Abschlussbewertung erhaltet, desto mehr Geld und Punkte erhaltet ihr.

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Die Kämpfe sind natürlich gut inszeniert und spaßig.
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Neu ist in diesem Jahr, dass ihr eigenständig an Rivalitäten und Bündnissen basteln könnt, indem ihr gezielt in die Matches von verhassten Kontrahenten eingreift und diese vor oder während des Matches attackieren könnt. Natürlich nimmt sich auch euer Rivale das Recht dafür raus und so entwickeln die Rivalitäten eine unterhaltsame Dynamik. Neben der Art der Rivalität sind auch Interviews ein Indikator dafür, ob ihr ein „Face“ (Fan-Liebling) oder ein „Heel“ (Fan-Bösewicht) seid. Je nachdem, wie ihr euch in den Interviews nach und vor den Matches präsentiert, wirkt sich das auf eure Eigenschaften aus.

Seid ihr kühn oder feige, diszipliniert oder aggressiv, stolz oder egoistisch? Das liegt in eurer Hand, wie ihr abseits des Rings, aber auch in ihm mit dem Gegner umgeht, denn auch unsaubere Aktionen oder der Gebrauch von Gegenständen wirkt sich negativ auf euren Ruf aus. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde in die Karriere merklich mehr Liebe reingesteckt. Sie weiß nach langer Zeit mal endlich wieder zu gefallen und über einen längeren Zeitraum zu motivieren, auch wenn sich hinsichtlich des langfristigen weiterführenden Tiefgangs von Fehden in der kurzen Zeit des Tests natürlich nicht sehr viel sagen lässt.

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Wem die Karriere nicht liegt, der darf sich in die späten 90er begeben, sich dem Beginn und den Höhepunkten aus Stone Cold Steve Austins Karriere widmen und dabei nicht nur Matches gegen Bret „The Hitman“ Hart erneut durchleben, sondern auch Matches aus Austins ECW- und WCW-Zugehörigkeit nachspielen oder ganz neu interpretieren. Wie schon im vergangenen Jahr werden die Matches mit den Original-Kommentaren und Ausschnitten der damaligen Matches unterfüttert und fangen die Atmosphäre super ein. Wer mit Stone Cold Steve Austin allerdings nie so richtig warm wurde, der wird sich leider trotzdem durch das Showcase prügeln müssen, wenn er Outfits und Wrestler des mit 120 Kämpfern größten Rosters der letzten Jahre freischalten und nutzen möchte.

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In Interviews dürft ihr die Außenwahrnehmung eures Charakters selbst bestimmen.
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Abgesehen von den beiden Modi-Zugpferden lassen sich alle bekannten und ausgefallenen Matchtypen spielen – auch offline für bis zu vier (PS4), bzw. sechs (Xbox One) Spieler vor dem heimischen Flimmerkasten austragen. Im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Modi kommt der Universe-Modus in diesem Jahr übersichtlicher, aber auch abgespeckter daher, was die Möglichkeiten der Matchgestaltung betrifft und für Hobby-General-Manager sicherlich eine kleine Enttäuschung darstellen dürfte.

Der technische Stillstand hat Einzug gehalten

Noch enttäuschender ist nur die technische Umsetzung – zumindest im Vergleich zum Vorjahresableger. Denn grafisch hat sich so gut wie gar nichts getan. Zwar wurden einige Bugs im Bereich der Kollisionsabfrage behoben – dafür sind an anderen Stellen neue hinzugekommen. Beim Einmarsch des eigenen Fighters nebst ManagerIn wirkt das verwirrte Umherstaksen des Managers, der offensichtlich seinen Platz an der Ringecke sucht, schon unfreiwillig komisch.

Die motivierende Karriere und das diesjährige Stone-Cold-Showcase bieten deutlich mehr als im letzten Jahr, was sich von der technischen Umsetzung leider nicht sagen lässt.Fazit lesen

Auch in Punkto Wiedererkennungswert verhält es sich aufgrund kaum merklicher Verbesserungen bezüglich des Vorgängers wieder so, dass einige Athleten wirklich gut getroffen sind, andere wiederum aussehen, als wäre ihr gruseliger Zwilling in das Spiel implementiert worden. Es fallen aber auch Probleme beim Aufnehmen von Gegenständen auf, die manchmal so ungünstig im Ring liegen, dass kein Platz für die Aufnehm-Animation des Wrestlers bleibt und er somit völlig verwirrt vor dem Stuhl steht und nicht in der Lage ist, ihn zu ergreifen. Oder die ungenaue Abfrage an prekäreren Punkten wie den äußeren Ecken des Ringes, die einem das einfache Auf-die-Matte-Steigen grundlos erschweren.

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Die Charaktere sind entweder extrem gut modelliert oder sollten euch lieber nicht im Dunklen begegnen.
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Die Minispiele, die beim Pinnen von Gegnern, Submissions und dem aus dem Vorgänger bekannten Kettenwrestling ausgetragen werden müssen, funktionieren in einem fairen Rahmen und passen zu den entsprechenden Situationen – auch, wenn ich in Sachen Griff- und Submission-Mechanik nach wie vor EA Sports' UFC als Referenz nehme, da diese doch ziemlich schwierig umzusetzenden Kampfsportmechaniken titelübergreifend einen schwierigen Kompromiss aus Authentizität, Zugänglichkeit und Herausforderung abverlangen.

Schön, dass die Entwickler die Geschwindigkeit etwas rausgenommen haben, so dass der im Vorgänger mitunter schon comichaft-hektische Bewegungsablauf nun mehr Zeit zum Taktieren lässt. Apropos Taktieren: Dem Spieler stehen nun erstmals nur eine begrenzte Anzahl an Kontern zur Verfügung, die sich im Laufe des Matches immer wieder neu auffüllen. Die Konter müssen nun also mit Bedacht gewählt werden. Lieber einen Tritt auf den eigenen am Boden liegenden Recken einstecken, dafür dann aber einen Konter für den folgenden Wurf nutzen? Das will nun wohlüberlegt sein.

Dieses Haushalten überträgt sich auch auf die Ausdauer, die dosiert eingesetzt werden will, so dass die Matches auch mit einer taktisch geprägten Tempoverlagerung arbeiten und dem ganzen einen realistischen Touch verleihen. Das funktioniert auch gut, aber in Matches mit mehr als einem Gegner wird das limitierte Kontersystem mitunter zum Flaschenhals, da die verfügbaren Möglichkeiten zum Reversal in dem Fall relativ schnell aufgebraucht sind und dann das wilde Drauflosmöbeln zur Tagesordnung wird.