Es gibt wieder Haue! So lässt sich wohl am knappsten und treffendsten das alljährlich wiederkehrende freudige Ereignis aus dem Hause THQ beschreiben, das uns die aktuelle Ausgabe des bunten Wrestling-Treibens beschert. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, den Titel insbesondere in Bezug auf die - zum Teil überfälligen - Neuerungen und Verbesserungen zu testen.

Was gibt’s Neues?

Angesichts der Tatsache, dass uns die WWE-Macher alljährlich mit einer neuen Ausgabe ihrer Luxusschlägereien beglücken, dürfte dies sicherlich die meist gestellte Frage sein. Die Antwort lässt sich kurz und knapp umreißen: wirklich neu ist der "Attitude Era"-Modus, der den bisherigen Singleplayer-Part "Road to Wrestlemania" ersetzt und in dem man die historischen Ereignisse der Wrestlingwelt in den Jahren 1997 bis 1999 nachspielt.

Die Älteren unter Euch werden sich erinnern: Die Wrestlingliga WCW drohte seinerzeit, dem Platzhirschen WWE - der damals noch WWF hieß - bei den Quoten den Rang abzulaufen. Der Grund: Medienmogul Ted Turner, Inhaber der WCW, castete mit seinen Millionen eine Crew zusammen, die es in Sachen Promifaktor und Können mühelos mit Vince McMahons Prügeltruppe aufnehmen konnte. Zu allem Überfluss strahlten beide Ligen ihre Hauptsendungen zur gleichen Zeit aus. Damit war der "Monday Night War" geboren.

Um nicht den Anschluss an die WCW zu verlieren, entschloss sich McMahon, einige grundlegende Änderungen in der WWE/F durchzuführen. Dazu gehörten auch neue Storylines, in denen der Firmenchef erstmalig nicht nur offiziell agierte, sondern auch jede Menge Ränkespiele um sich und seine Familie in die Geschichten einbauen ließ und selbst in den Ring stieg.

WWE '13 - Die gute, alte Zeit, als sich noch schwitzende Kerle in Strampelhosen die Rübe poliert haben

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Gewonnen: Im Bikini-Wettstreit mit Lady Gaga konnte Rihanna mit einem gewagten Outfit punkten.
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Die resultierenden Fehden, sowie der Aufstieg und Fall einiger der bekanntesten Gruppierungen der Wrestlingliga verschafften McMahon den nötigen Vorsprung vor seiner Konkurrenz, der schließlich mit dem Aufkauf der WCW endete und - heutzutage - zu einer führenden Stellung im Wrestlinggenre geführt hat. Diese Phase stellt aufgrund ihrer Komplexität für viele Fans deshalb eine der spannendsten und interessantesten innerhalb der WWE-Geschichte dar.

Davon abgesehen hat "WWE 13" leider nicht sonderlich viel Neues zu bieten. Die Matcharten, Online-Angebote oder den - nach wie vor sehr umfassenden - Editor kennt man bis auf wenige Ausnahmen bereits aus den Vorgängern. Das mag für Neueinsteiger in Ordnung gehen, beinharte Fans der Reihe werden dagegen eher enttäuscht.

Packshot zu WWE '13WWE '13Erschienen für PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Eine Ära des Prügelns

Wie oben schon erwähnt, taucht man mit der "Attitude Era" im Spiel in die Geschehnisse der Jahre 1997 bis 1999 ein. Wer also will, kann zum Beispiel den Aufstieg der legendären Gruppierung "Degeneration X" um Shawn Michaels und Tripple H genauso nacherleben wie die seinerzeit epische Fehde zwischen dem Undertaker und Mankind, die im niederträchtigen Verrat von "Manager" Paul Bearer am Undertaker ihren Höhepunkt fand.

Insgesamt lassen sich mehr als 60 historische Matches akkurat nachspielen. Das macht nicht nur Spaß, sondern lässt aufgrund der wirklich gelungenen Präsentation die "gute alte Zeit" lebendig vor Augen auferstehen. Bei so viel historischer Aufarbeitung dürfen natürlich die Stars jener Zeit nicht fehlen: "Stone Cold" Steve Austin, Mankind, Brett "The Hitman" Hart, The Rock (als er noch was konnte) - die Liste der Superstars ist lang. Und alle sind spielbar. Da kommt Freude auf!

WWE 13 macht vieles richtig und weiß mit neuen Features zu begeistern. Dennoch gibt es einiges zu meckern - wenn auch weniger als beim Vorgänger.Fazit lesen

Die Detailverliebtheit der Macher erstreckt sich jedoch nicht nur auf das Abbilden der historischen Ereignisse; echte Fans vergießen eine Träne angesichts der legendären Ringkommentare von Cowboyhut Jim Ross, der seinerzeit zwar nicht immer den richtigen Ton traf, dafür aber den Ringschlägereien eine stimmliche Identität verliehen hat wie niemand vor oder nach ihm (das gilt besonders für Nervbacke Jerry "The King" Lawler, pers. Anm. d. Autors).

Um den Anreiz fürs Nachspielen zu steigern, sind natürlich eine Menge Auszeichnungen und Boni zu ergattern. Außerdem lassen sich nach und nach alle Arenen der damaligen Zeit bespielen. Auf diese Weise sollte nicht so schnell Langeweile aufkommen. Für uns jedenfalls stellt die "Attitude Era" für Alleinzocker die spannendste Neuerung seit Jahren dar.

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Total gemein: die hohen Benzinpreise zwingen immer mehr Arbeitnehmer, auf sparsamen Rasenmähern ins Büro zu fahren.
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Nenn mich Gott!

Davon abgesehen kann man im "WWE Universe" auch wieder als virtueller Vince McMahon seine ganz eigene Liga zusammenstellen, mit selbst zusammengestellten Matcharten versehen und das Ganze unter eigenem Namen dem Fernsehpublikum zum Fraß vorwerfen. Das ist zwar aus den Vorgängern im Prinzip schon bekannt, hat aber nichts von seinem Fun-Faktor eingebüßt.

Ganz im Gegenteil: die Handlungsmöglichkeiten wurden mächtig erweitert. So kann man beispielsweise weitaus öfter in das Geschehen eingreifen als bislang, was unangenehme Überraschungen minimiert. Wer also keinen Bock darauf hat, dass seine Lieblingsfigur immer wieder auf die Fresse bekommt, sorgt einfach dafür, dass die Handlung rechtzeitig eine Biegung in die gewünschte Richtung nimmt. Wer das nicht will und die spontanen Story-Wendungen des Vorgängers mochte, macht von solchen Möglichkeiten natürlich besser keinen Gebrauch.

Auch Statistikfans werden sich freuen: das Programm bietet nun noch weitaus detailliertere Angaben über die Schläger, deren Rankings und die Matches im Allgemeinen. Das finden wir zwar auf Dauer ermüdend, aber es soll ja Menschen geben, die ihre höchste Erlösung im Studium aufwendiger Statistiken finden.

Die aktuelle Steuererklärung

Wer den Vorgänger gespielt hat, wird mit der Steuerung sofort klar kommen, denn die wurde weit gehend übernommen. Das ist Fluch und Segen zugleich, denn wer mit der Buttonbelegung der älteren Versionen besser zurecht kam, sieht sich auch in diesem Jahr mit dem Umstand konfrontiert, dass sich einige Aktionen, wie zum Beispiel Griffkombos, aus unserer Sicht schwieriger steuern als früher.

Leider wurde auch die Kontertechnik des Vorgängers übernommen. Die Abwehr eines gegnerischen Angriffs ist nach wie vor oft eher vom Zufall bestimmt als vom Können des Spielers. Dafür wurden die Möglichkeiten, in denen Konterattacken eingesetzt werden können, erweitert. Wer über eine schnelle Reaktion verfügt, kann also künftig nicht nur einen Angriff einfach abwehren, sondern umfassender als bisher für Folgeaktionen nutzen.

Zudem hat man jetzt - wieder - die Möglichkeit zu bestimmen, ob der Kämpfer schon zu Beginn Finisher ausführen kann. Das mag für puristische Fans ein "No-Go" sein, wer dagegen eher auf die schnelle Nummer steht, wird dieses Feature gern einsetzen. Sehr gut: durch besonders erfolgreiche Kombos erhält man die Möglichkeit, einen Super-Finisher auszuführen.

Der richtet noch mehr Schaden an als die herkömmliche Attacke, muss aber innerhalb von etwa 20 Sekunden durchgeführt werden. Zu erkennen ist der Supermove übrigens daran, dass das bekannte F-Symbol auf dem Bildschirm rot leuchtet, während ein "normaler" Finisher weiß angezeigt wird.

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Saalschlacht statt Saalfrank: nach dem Abgang der Super-Nanny ging es im Heim für schwer erziehbare Mädchen hoch her.
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Bau Dir einen

Nach wie vor unübertroffen: der Selbstbaukasten, in dem man nicht nur willfährige Figuren von fragwürdigem Äußeren erstellt, sondern auch individuelle Movesets sowie Finisher und vieles mehr zusammenklickt. Auch wenn die Bauerei schon seit vielen Jahren bekannt ist, bringt es immer noch eine Menge Spaß, sich gegenseitig mit originell erstellten Schlägern auf die Mütze zu geben.

Ärgerlich ist allerdings die Tatsache, dass die Entwickler dem Do-it-yourself-Prinzip offenbar keine Priorität mehr einräumen. Denn wie schon in den vergangenen Jahren wurden die Möglichkeiten nicht durch zusätzliche Accessoires, Kleidung oder anderes erweitert. Das ist zwar Meckern auf hohem Niveau, aber wenn man, wie wir, das kreative Austoben besonders schätzt, ist es enttäuschend, seit nunmehr vier Jahren auf nahezu unverändertes Equipment zurückgreifen zu müssen. Dazu kommt der von uns ebenfalls schon seit langem kritisierte Umstand, dass selbst erstellte Figuren nicht von einer Version in die nächste importiert werden können.

Gleichfalls schade ist auch der Umstand, dass man - schon seit der 2011er Version - seine selbst gezüchteten Prachtprügler nicht mehr durch gewonnene Kämpfe aufziegeln kann, sondern bereits beim Erstellen sämtliche Fähigkeiten vergibt. Das bremst den Elan ungeheuer, denn nichts ist spaßiger, als einen Eigenbau-Clown vom kleinen Brawler bis zum Superstar hoch zu züchten.

Immerhin: die Möglichkeiten des Arena-Baus wurden deutlich aufgestockt. So kann man jetzt aus zahlreichen historischen und gegenwärtigen Ringsettings seine ganz eigene, persönliche Prügelhalle zusammenklicken - vom spärlich beleuchteten Grabambiente bis hin zum augenkrebsfördernden Quietschpink ist hier alles möglich.

Mach kaputt, was dich kaputt macht

Neu und recht gelungen ist der so genannte WTF-, pardon, "Oh my God"-Effekt. Der sorgt nämlich bei besonders gelungenen Aktionen mit bestimmten Wrestlern für denkwürdige Momente. So kann man beispielsweise mit einem Heavy-Weight-Superstar seinen gebeutelten Rivalen mit Anlauf durch die Absperrung in den Zuschauerraum kloppen, wobei die Bande krachend das Zeitliche segnet. Und wenn zwei besonders schwere Jungs aufeinander eindreschen, kann es schon mal passieren, dass man mit einem gewaltigen Powerslam den gesamten Ring zum Einsturz bringt.

Voraussetzung für das Auslösen der Brutalo-Aktionen ist allerdings, dass man einen Finisher gespeichert hat. Das dürfte versierten Fans jedoch keine Schwierigkeiten bereiten, insofern kann es lohnenswert sein, mit seinem Schläger auf eine solche Superaktion hin zu arbeiten.

Knick in der Optik

Kommen wir zum Schluss zum wirklich ärgerlichsten, was das Spiel zu bieten hat: die altbackene Grafik. Die lässt zwar sentimentale Erinnerungen an längst vergessene Zeiten aufleben, aber für einen PS3-Titel des Jahres 2012 ist sie eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Das mag ein wenig hart klingen, doch wenn man den Umstand berücksichtigt, dass sich bei der WWE-Reihe in Sachen Optik im Lauf der vergangenen vier Jahre nur wenig getan hat, erscheint uns die Kritik angemessen.

Zwar wurde erneut am Feintuning der Wrestler geschraubt, doch sowohl das Publikum als auch die gesamte Umgebung erinnern schmerzlich daran, dass die gute alte Grafik-Engine ihre besten Tage wahrlich hinter sich hat. Hinzu kommen zum Teil massive Clippingfehler. Die sorgen dafür, dass - zumindest selbstgebaute - Figuren im Liegen zur Hälfte im Mattenboden versinken und dann eher an Ophelia im See erinnern als an Kämpfer, die gerade eins auf die Fresse bekommen haben.

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Höhere Gewalt: Rea Garvey (unten) musste die Präsentation des neuen Reamonn-Albums aufgrund von Stuhlproblemen abbrechen.
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Besonders skurril: bei bestimmten Matcharten wurden selbst erstellte Figuren nur noch als schwarze Silhouetten dargestellt. Fehlt nur noch der weiße Kopf, und der Slender-Man lässt grüßen...

Dennoch: aller Schelte zum Trotz bekommt der neue WWE-Titel auch in diesem Jahr wieder eine klare Kaufempfehlung. Das liegt maßgeblich an den wirklich verbesserten Spielinhalten und den nach wie vor umfassenden Eingriffsmöglichkeiten in die Handlung.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Jungs für die 2013er Ausgabe endlich eine neue Grafik zusammenbrauen. Ansonsten empfehlen wir die Präsentation im zeitlosen Look eines klassischen Textadventures. Das kann man wenigstens auch in den kommenden zehn Jahren noch machen!