Oh, Freude schöner Götterfunken! Kein Adventsgebinde darf in Flammen aufgehen, ohne dass nicht vor Beginn des heimeligen Feierterrors eine neue Version des stilvollen Konsolen-Showgemetzels aus dem Hause World Wrestling Entertainment erscheint, die uns den familiären Wahnsinn unterm Kranzgebinde leichter ertragen lässt.
Ich lache und ich weine zugleich. Selten hat ein Spiel gemischtere Gefühle in mir ausgelöst als "WWE 12" - unterm Strich noch ein sehr guter Prügler.FazitNachdem die Programmierer von Yuke's grundlegende Änderungen gegenüber den Vorgängern angekündigt hatte, waren wir natürlich besonders gespannt, mit welchen Neuerungen der aktuelle Titel aufwarten kann.
Um möglichen Ausschreitungen von Hardcorefans vorzubeugen, wollen wir gleich zu Anfang das Wichtigste hervorheben: WWE '12 ist ein gutes Spiel - ein sehr gutes sogar. Freunde der gepflegten Schläger-Soap-Unterhaltung rund um Ruhm und Ränke in der WWE werden sich angesichts der auch in diesem Jahr gelungenen Umsetzung des amerikanischen Prügelzirkus' gegenseitig vor Begeisterung einen Chokeslam verpassen. Doch wer die Vorgängerversion bereits eingehend gezockt hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, das Meiste schon gesehen zu haben.
Muskelberge, die sich schlagen und schwitzen. Alles wie immer also. Die Veränderungen liegen im Detail.Von echten Neuheiten dagegen fehlt, bis auf einige Ausnahmen in Sachen Feintuning und Grafik, jede Spur. Gerüchten zufolge will THQ in den kommenden Wochen deshalb eine weihnachtliche Sonderedition von "WWE '12" in den Handel bringen. Die enthält in einer opulenten Box neben dem eigentlichen Spiel eine Lupe, mit der routinierte Zocker die Veränderungen leichter finden können.
Doch genug der Polemik. Fairerweise muss ich zugeben, dass die Enttäuschung sicherlich zu einem gewissen Maß aus einer womöglich zu hohen Erwartung resultiert. Wer jedoch weder den Vorgänger gespielt noch die Reihe seit Jahren begleitet hat, wird fraglos begeistert sein.
Augenscheinlichstes Merkmal nach dem Start von "WWE 12" ist die überarbeitete Grafik-Engine. Die war in den vergangenen Ausgaben nämlich schon reichlich in die Jahre gekommen. Und so haben sich die Jungs von Hersteller Yuke's hingesetzt und dem Spiel eine neue Fassade in Form der martialisch "Predator" genannten Engine spendiert. Die ermöglicht nicht nur eine realistischere Darstellung der Edelschläger, sondern zaubert auch schönere Effekte auf den Fernseher als zuvor.
Warum das Publikum aber immer noch eher an Playmobil-Männchen erinnert als an echte, lebende Fans, bleibt ein Rätsel. Auch den Prügelmutanten der Marke Eigenbau wurde kein optischer Aufheller spendiert; sie kommen im gleichen Gewand daher wie im Jahr zuvor - schade eigentlich, denn der Selbstbau von Figuren ist bekanntermaßen eine der großen Stärken des Spiels.
Insgesamt wirkt die Darstellung des romantischen Ringelreins im quietschbunten Arena-Ambiente aber durchaus ansprechend. Die Animationen laufen flüssiger ab, die Gesichter der Figuren wirken lebendiger, und auch das Umfeld erstrahlt in besserem Glanze als noch im Jahr zuvor. Und wenn die Prügelknaben in der kommenden WWE-Ausgabe nicht mehr so laufen, als hätten sie die Windeln voll, gibt’s für die Grafik auch garantiert einen Award.
Manchmal liegen sie auch nebeneinander und schlingen sich die Beine um den Hals.In Teilen neu, aber nicht grundlegend besser ist die Steuerung von "WWE 12". Zwar blieb die eigentliche Button-Belegung erhalten, doch nahezu alle Aktionen werden jetzt über eine Kombination von linkem Stick, Schulter-Buttons und Aktionstasten ausgeführt. Der rechte Stick, bislang wichtigster Auslöser für das gesamte Griffsystem, fungiert jetzt nur noch als Zielhilfe für das Anvisieren bestimmter Körperteile. Wer den Gegner umklammern möchte, bewegt stattdessen den linken Stick - eigentlich für die Richtung zuständig - und zugleich die X-Taste.
Lässt man sie zu spät los, läuft der eigene Held gern mal am Objekt der Begierde vorbei, drückt man sie dagegen zu früh, bleibt er stehen und greift ins Leere. Ärgerlich. Doch die Steuerreform hat auch ihre Vorteile. Durch das Anvisieren eines Körperteils sind jetzt nämlich präzisere Angriffe möglich als bislang. Wer beispielsweise die linke Schulter seines Gegners bereits geschwächt hat, kann auf diese Weise gezielt weitere Attacken, auch aus unterschiedlichen Richtungen und Positionen, auf die verletzte Stelle ausführen. Dabei sollte man aber nicht zu sehr auf die immer gleichen Angriffe setzen, denn die gute Gegner-KI erkennt Wiederholungen und stellt sich darauf ein.

kalle05.04.2012 17:55
rayman_9505.12.2011 00:31
T-AGE04.12.2011 19:19
gerdabecker04.12.2011 18:54
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