World Tour Soccer - PSP Review von Jörg Pitschmann

Fußball und kein Ende: die WM findet natürlich nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf allen nur erdenklichen Konsolen statt. Aber während es bei den meisten Programmen darum geht, mit seiner Truppe die Weltmeisterschaft für sich zu entscheiden, indem man möglichst viele Tore erzielt und

rechtzeitig die Brasilianer aus dem Rennen wirft, kochen die Entwickler von »World Tour Soccer 2« ihr eigenes Süppchen und haben Sonys kleinem Schwarzen ein Fußballspiel der besonderen Art beschert. Das Motto: wichtig ist nicht, was man vorne reinmacht, sondern was hinten rauskommt. Oder anders ausgedrückt: nicht Tore sind wichtig, sondern attraktive Spielzüge.

Schade, dass solche Regeln nur in Computerspielen möglich sind. Sonst wären die Jungs von der Elfenbeinküste garantiert nicht schon in der Vorrunde rausgekegelt worden. Aber wir wollen nicht abschweifen, denn hier soll es ausschließlich um das neueste Produkt aus Sonys Softwareküche gehen. Das versucht nämlich, den Markt der etablierten Fußballsimulationen aufzumischen - und hat damit sogar bedingt Erfolg.

Kick mich!

World Tour Soccer 2 - Fußball mal anders: Über den Sieg entscheiden nicht die Tore, sondern ein schönes Spiel.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 14/181/18
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das wichtigste sei gleich an dieser Stelle vermerkt: »World Tour Soccer 2« bezieht seinen Reiz nicht aus einer besonders gelungenen Simulation des taktischen Geschehens auf dem Grün, sondern aus einem hohen Fun-Faktor.

World Tour Soccer 2 - Fußball mal anders: Über den Sieg entscheiden nicht die Tore, sondern ein schönes Spiel.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 14/181/18
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Außerdem geht es nicht primär um das Spielen einer eigenen WM, sondern um weltweite Länderspiele im Allgemeinen. Tore werden natürlich auch hier geschossen, doch entscheidend für einen Sieg ist der Weg dahin. Denn Spiele werden ausschließlich durch Punkte gewonnen.

Je gelungener der Ball zwischen den eigenen Leuten hin und her gedribbelt wird, desto lauter klingelt die virtuelle Kasse. Jagd man der gegnerischen Mannschaft das Leder ab, gibt's ebenfalls mächtig aufs Punktekonto. Ballverluste hingegen führen zu sofortigen Abzügen, gleiches gilt auch für Blutgrätschen à la Wayne Rooney.
Um ein Spiel zu gewinnen, braucht man stets eine Mindestanzahl von Punkten. Erreicht man die nicht, hilft auch kein Törchen, sondern nur eine Wiederholung der Partie.

Die wichtigsten Spielmodi, in denen man sein Glück versuchen kann, sind die Welttournee und die Herausforderungen. Bei der Tournee versucht man sich nach und nach an immer stärker werdenden Gegnern quer über den Erdball.

Erfolgreich abgeschlossene Turnierabschnitte werden dabei mit neuen Modi oder Allstar-Mannschaften belohnt. Das ist nett, denn es stärkt die Motivation, auch die besten Gegner zu besiegen. Spannender als die Tournee sind aber die Herausforderungen. Dabei handelt es sich um insgesamt elf unterschiedliche Challenges, die ganz unterschiedliche Aufgabenstellungen beinhalten.

Wie zum Beispiel die »Elf Freunde«-Challenge. Bei der geht es nicht etwa darum, mit zehn Kumpels saufen zu gehen, sondern es müssen erst alle elf Spieler der eigenen Mannschaft den Ball berührt haben, bevor man Tore schießen darf.Etwaige Ballabnahmen durch die Gegentruppe, die natürlich gleiches im Sinn hat, führen natürlich zu einer Unterbrechung dieses Vorhabens. Erobert man das Leder zurück, zählt der Bodycount weiter. Ganz anders die Vorgaben dagegen bei »Schneller Abschluß«. In dem Modus muss man nämlich innerhalb möglichst kurzer Zeit zum Torerfolg gelangen - was nicht eben leicht ist. Gelingt das nicht schnell genug, ist es Essig mit dem Sieg.

Ein weiterer Spielmodus ist das schnelle Freundschaftsspiel. Bei dem geht man mit festgelegten Mannschaften an den Start und trainiert in erster Linie seine Fähigkeiten. Das ist insofern wichtig, als dass es kein Tutorial gibt, in dem man sich mit der Steuerung vertraut machen könnte. Zwar beschränken sich die meisten Spielzüge auf einige wenige Buttonkombinationen, doch eine weitergehende Einführung der durchaus vorhandenen zahlreichen Kombos wäre für Anfänger sehr hilfreich gewesen.Never mind the Ballacks

Wer mag, kann übrigens auch an der Taktik und an seiner Aufstellung herumdoktern. Die Taktik lässt sich vor, während oder nach einem Spiel ganz einfach über den Select-Button ändern.

Je nachdem, ob man zum Beispiel mehr Druck über die Flügel ausüben, eine ausgewogene Spielweise an den Tag legen oder womöglich den Druck auf das Mittelfeld erhöhen möchte, lässt sich das problemlos einstellen.

Außerdem hat man vor Beginn einer Partie ausgiebig Gelegenheit, wild in die Zusammensetzung seiner Truppe einzugreifen. Aber Vorsicht! Da grundsätzlich jede Aufstellung innerhalb der Mannschaft möglich ist, sollten sich Anfänger besser nicht an das Verändern heranwagen, sondern die vom Spiel vorgeschlagene übernehmen. Ansonsten gibt's einige heitere Überraschungsmomente in Bezug auf das Verhalten der KI-Kollegen.

World Tour Soccer 2 - Fußball mal anders: Über den Sieg entscheiden nicht die Tore, sondern ein schönes Spiel.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 14/181/18
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer sich allerdings im Fußballgeschehen auskennt, der wird seine Zidanes und Beckhams nach Herzenslust in den unterschiedlichsten Positionen ausprobieren können.

Leider funktioniert das nicht mit der deutschen Nationalmannschaft, denn anstelle von Ballack oder Klose finden sich hier so illustre Namen wie Pollack oder Holz. Richtig geraten, für die hiesigen Kicker hat Sony keine offizielle Lizenz bekommen. Leider gibt es auch keinen Editor, mit dem man dieses Manko beheben könnte.

Wer also Deutschlands echtem Nationalteam zu Ehren verhelfen möchte, muss zu einem anderen Spiel greifen und zum Beispiel EA's Portokasse füllen.Aber da »World Tour Soccer 2« mit seinem sehr eigenen Spielprinzip sowieso keine klassische Fußballsimulation sein will, dürften die fehlenden deutschen Namen vielen Zockern egal sein. Oder etwa doch nicht? Wir jedenfalls fanden es sehr schade, dass wir die Challenges nicht mit »unseren« Jungs angehen konnten.

Strafstoß

Und wenn wir schon mal beim Meckern sind, dann wollen wir damit auch gleich weitermachen. Denn nationale Ligen bleiben beim Spielgeschehen völlig außen vor. Ok, dieser Umstand mag angesichts der Tatsache, dass reales Fußballgeschehen im Spiel eh eine untergeordnete Rolle einnimmt, noch zu verschmerzen sein.

Schließlich handelt es sich hier um ein actionorientiertes Ballkicken, bei dem man auch gewinnen kann, wenn man tormäßig im Rückstand liegt. Denn was zählt, sind ausschließlich die Punkte, siehe oben. Wer eine echte Simulation für die PSP sucht, ist hier allerdings definitiv am falschen Platz.

Schwerer wiegt der Umstand, dass bei den meisten Challenges und dem Turnier eher ein wildes Buttongeklicke im Vordergrund steht als eine vernünftige Taktik. Denn je nachdem, in welchem Modus man sich befindet, hat man zumeist auch noch mit massiven Zeitproblemen zu kämpfen.

Wenn man erst alle seine eigenen Spieler mit dem Ball in Berührung bringen muss, bevor man aufs Tor schießen darf, dann hat das mit Taktik nur noch sehr wenig zu tun, und auch die Action leidet ein wenig darunter.Dafür ist die Grundsteuerung des Programms sehr eingängig. Passen, Angriff und Verteidigung lassen sich bequem über die vier Buttons der PSP steuern.

Die Richtungstasten des Digitalkreuzes oder der Analogstick geben Lauf- und Schußrichtung vor, und die Kombination von einer der Schultertasten mit den Buttons führt situationsabhängig zu weiteren Manövern.

Und dann ist da noch die Sache mit der Blutgrätsche. Die erreicht man zuverlässig durch gleichzeitiges Betätigen von Dreieck und linker Schultertaste. Aber Vorsicht! Jede Grätsche bringt, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg, Punktabzug. Und wenn's der Schiedsrichter sieht, gibt's obendrein noch gelb oder rot. Also immer schön Zurückhaltung üben, ansonsten wird's nichts mit dem Highscore.

World Tour Soccer 2 - Fußball mal anders: Über den Sieg entscheiden nicht die Tore, sondern ein schönes Spiel.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 14/181/18
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Um bei »World Tour Soccer 2« zum Erfolg zu gelangen, sollte man sich daher besser eingehend mit den grundlegenden Manövern vertraut machen. Zocker mit großen Händen könnten dabei allerdings leicht das Nachsehen haben, denn infolge der oftmals hektischen Manöver, die man ausführen muss, kann es passieren, dass man sich auf den zierlichen Tasten der PSP verklickt.

Außerdem reagiert der Analogstick ein wenig zickig, wenn es um die korrekte Richtungsangabe geht. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn man einen möglichst präzisen Torschuß unterbringen möchte.Balltechnik

Technisch gibt es an »World Tour Soccer 2« nicht viel zu meckern. Die Grafik haut niemanden vom Hocker und bringt die PSP nicht an ihre Leistungsgrenze, geht aber in Ordnung. Auch an der Akustik gibt's nichts zu mäkeln - wenn man den Umstand berücksichtigt, dass die dünne Soundausgabe von Sonys Handschmeichler von Hause aus sowieso nicht gerade als Kracher zu bezeichnen ist.

Die Kommentare sind professionell, der Sprecher allerdings ein Unbekannter. Das ist nicht weiter schlimm, denn die Sprüchlein dienen zumeist nur der Erbauung. Praktisch: Zu Beginn einer Partie fasst der Kommentator die Spielziele kurz zusammen.

Das ist durchaus sinnvoll und allemal besser, als wenn Beckmann'sche Fußballphilosophie auch hier Einzug halten würde. Von Nachteil sind die langen Ladezeiten, die dem enthusiastischen Spieler so manches Geduldsmantra abverlangen.

Bevor ein Spiel startet, sind erst mehrere Ladebildschirme zu absolvieren. Ungeduldige Naturen seien also vorgewarnt.

Natürlich darf bei einem Action-Sporttitel eine gute Multiplayer-Integration nicht fehlen. Bis zu vier Kombattanten können sich im Ad-Hoc- oder dem Infrastruktur-Modus zu einer spannenden Partie treffen. Möglich sind dabei alle Spielmodi, wobei die Challenges auch hier am meisten Spaß bringen.

Besonders der »Elf Freunde«-Kick hat sich als echte Spaßkanone herausgestellt, von echtem Fußballfeeling war er allerdings meilenweit entfernt. Wer für sich und sein kleines Schwarzes einen echten Schnellkick sucht, der sollte sich das Spiel näher anschauen. Wer jedoch auf längere und komplexere Nummern steht, für den bietet »World Tour Soccer 2« vermutlich nicht genügend Befriedigung.Balltechnik

Technisch gibt es an »World Tour Soccer 2« nicht viel zu meckern. Die Grafik haut niemanden vom Hocker und bringt die PSP nicht an ihre Leistungsgrenze, geht aber in Ordnung. Auch an der Akustik gibt's nichts zu mäkeln - wenn man den Umstand berücksichtigt, dass die dünne Soundausgabe von Sonys Handschmeichler von Hause aus sowieso nicht gerade als Kracher zu bezeichnen ist.

Die Kommentare sind professionell, der Sprecher allerdings ein Unbekannter. Das ist nicht weiter schlimm, denn die Sprüchlein dienen zumeist nur der Erbauung. Praktisch: Zu Beginn einer Partie fasst der Kommentator die Spielziele kurz zusammen.

Das ist durchaus sinnvoll und allemal besser, als wenn Beckmann'sche Fußballphilosophie auch hier Einzug halten würde. Von Nachteil sind die langen Ladezeiten, die dem enthusiastischen Spieler so manches Geduldsmantra abverlangen.

Bevor ein Spiel startet, sind erst mehrere Ladebildschirme zu absolvieren. Ungeduldige Naturen seien also vorgewarnt.

Natürlich darf bei einem Action-Sporttitel eine gute Multiplayer-Integration nicht fehlen. Bis zu vier Kombattanten können sich im Ad-Hoc- oder dem Infrastruktur-Modus zu einer spannenden Partie treffen. Möglich sind dabei alle Spielmodi, wobei die Challenges auch hier am meisten Spaß bringen.

Besonders der »Elf Freunde«-Kick hat sich als echte Spaßkanone herausgestellt, von echtem Fußballfeeling war er allerdings meilenweit entfernt. Wer für sich und sein kleines Schwarzes einen echten Schnellkick sucht, der sollte sich das Spiel näher anschauen. Wer jedoch auf längere und komplexere Nummern steht, für den bietet »World Tour Soccer 2« vermutlich nicht genügend Befriedigung.