„Du kennst dich am besten mit WoW aus, du schreibst den Cataclysm-Test“. So in etwa klang die Ansage des gamona-Chefredakteurs, als es in der letzten Redaktionssitzung um die Verteilung der kommenden Titel ging. „Prima“, dachte ich, „das geht mir ja leicht von der Hand.“

Weit gefehlt. Bei genauerem Hinsehen und Nachdenken stellt man schnell fest, dass ein Test zu einem der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten alles andere als einfach zu realisieren ist. Denn wie will man den unglaublichen Fanboy-Massen auch nur ansatzweise gerecht werden, wie will man die notorischen Dauernörgler in den Griff bekommen? Wie will man dieses so sehr polarisierende Spiel überhaupt bewerten? Ist es nicht vollkommen gleichgültig, zu welchem Ergebnis man am Ende kommt? Recht machen kann man es weder der einen noch der anderen Fraktion. Oder doch?

Vielleicht. Am besten aber ist es wohl, man blendet all diese Bedenken einfach für eine Weile aus, schließt sich in sein Kämmerlein ein und denkt darüber nach, ob Blizzard mit ihrem neuesten Streich mehr richtig als falsch gemacht hat.

Spielen, bis der Arzt kommt

Der ein oder andere wird sich vielleicht fragen, wie man denn einen Cataclysm-Test veröffentlichen kann, wo doch das Spiel noch gar nicht auf dem Markt ist. Die Antwort lautet „Beta-Test“. Der Autor dieser Zeilen war in der glücklichen Lage, die über fünf Monate dauernde Beta von Anfang bis Ende begleitet zu haben. Und da die Software-Version, die am Ende des Beta-Tests spielbar war, so weit identisch mit der Release-Version ist, kann man guten Gewissens den Test zum Spiel verfassen.

World of Warcraft: Cataclysm - Das beste WoW, das es je gab

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Unvergleichlich schön: Das Design ist wie immer meisterlich.
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Blizzard hat im Vorfeld der Cataclysm-Veröffentlichung clever agiert. So wurden bereits Patch 4.0.1 und Patch 4.0.3a aufgespielt, die das Spiel von Grund auf umkrempelten und im Grunde bereits einen Großteil der Cataclysm-Inhalte bereitstellten. Lediglich das selbstständige Fliegen in der Spielwelt Azeroth, die neuen spielbaren Zonen Hyjal, Vashj’ir, Tiefenheim, Uldum und das Zwielicht-Hochland waren noch nicht begehbar. Die neu hinzugefügten Rassen der Worgen und Goblins kann man ebenfalls erst spielen, wenn man die Cataclysm-DVD einmal in sein Laufwerk geschoben hat (oder das Spiel digital via Blizzards eigenem Battle.net-Service erworben hat).

Was allerdings bereits nach Patch 4.0.3a spielbar war, sind all die neuen Inhalte, die für die alten Gebiete entworfen wurden. Das bedeutet im Klartext: Quests in unglaublicher Menge. Nach Herstellerangaben sind über 3000 (!) neue Quests ins Spiel integriert worden – eine schier unvorstellbare Zahl. Alleine die neuen Zonen beinhalten weit über 100 Quests – pro Zone versteht sich. Das Questdesign ist dabei völlig überarbeitet worden: Es gibt nur noch wenige sogenannte „Grind-Quests“ à la „Lauf dahin, töte 50 Gegner, komm zurück“.

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Man hat konsequent darauf geachtet, möglichst abwechslungsreiche Aufträge zu entwerfen. Und das ist voll gelungen. Da muss man auf einmal selber einen Questgeber spielen, man darf sich in einer genial umgesetzten Plants-vs.-Zombies-Adaption eine singende Sonnenblume erspielen oder auch als Kumpel von Harrison Jones (eine Hommage an Indiana Jones) umherziehen und sich über schrägen Humor amüsieren („Diese Liane erinnert mich an meine Ex-Freundin“).

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Neu ist auch die Technik der Ingame-Cinematics, die recht häufig, aber doch dezent eingesetzt wird. Mittels dieser kleinen kurzen Filmchen folgt man der Story intensiver und ist mit mehr Emotion dabei.

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Kurz gesagt wurde dermaßen viel Inhalt in Cataclysm untergebracht, dass man sich alleine damit schon die lange Entwicklungszeit von zwei Jahren irgendwo erklären kann. Langweilig wird es jedenfalls nicht so schnell, dafür wurde gesorgt.

Gräben graben

Apropos Harrison Jones. Der Freund aller Archäologen spielt eine zentrale Rolle in der Zone Uldum, fungiert aber auch als Lehrer für den neuen Sekundärberuf Archäologie – zumindest auf Seiten der Allianz. Für die Horde übernimmt diesen Job ein anderer NPC-Kollege, aber das tut dem Beruf natürlich keinen Abbruch.

Archäologie kann jedermann erlernen. Bis man seinen Berufsfortschritt allerdings auf das maximale Level 525 geschraubt hat, vergeht eine ganze Weile. Man kann nämlich pro Ausgrabungsstätte nur maximal dreimal graben, danach heißt es rauf aufs Flugmount und ab zur nächsten Zone. Die verfügbaren Ausgrabungsstätten werden zufällig auf der gesamten Weltkarte gesetzt, was zu sehr langen Reisezeiten führen kann.

Dafür wird man aber in höheren Levels mit einzigartiger Beute belohnt. Da gibt es tolle Waffen oder gar epische Mounts. Motivation genug, um diesen Beruf zu verfolgen – allerdings ist wie gesagt Vorsicht geboten: Archäologie verlangt einen enormen Zeiteinsatz.

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Instanzen und Raids
Cataclysm kommt mit insgesamt sieben neuen 5-Spieler-Dungeons daher. Zwei davon sind allerdings aufgewärmt, denn die Burg Schattenfang und die Todesminen gab es bereits vor fünf Jahren in WoW Classic. Nun darf man sie noch einmal spielen – als Level 85 Heroic Dungeon versteht sich. Blizzard hat für alle Instanzen neue Bossgegner entwickelt, die durchaus fordernd sind – weitaus fordernder jedenfalls als noch in Wrath of the Lich King.

Das gleiche gilt auch für die drei zur Verfügung stehenden Raids für 10 oder 25 Spieler. Eine finale Aussage über die Langzeitmotivation dieser Gegner kann man jetzt jedoch noch nicht treffen, dafür braucht es mehr Spielzeit und mehr Erfahrung. Klar ist aber, dass die heroischen Versionen dieser Bosse extrem anspruchsvoll sind – nichts für Gelegenheitsspieler. Die sollten sich dann doch am normalen Schwierigkeitsgrad versuchen.

Grafische Durchschnittsware

Alle Instanzen und Raids sind wundervoll designt und sprühen vor Ideen und detailreicher Ausarbeitung. Grafisch sind sie sicherlich kein Wunderwerk, das gilt auch für die eigentliche Spielwelt. Die wurde zwar generalüberholt, man merkt der Grafik-Engine ihr Alter aber deutlich an. Die Leistung der Designer ist umso höher einzuschätzen, denn was man aus der betagten Grafik herausholt, ist fantastisch. Alle Landschaften glänzen durch Liebe zum Detail und Abwechslungsreichtum. Ein Baum wiegt sich deswegen trotzdem nicht im Wind und ein Wald wirkt von der Seite betrachtet weiterhin platt wie eine Flunder.

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Auch die völlig neu entwickelten Wasseroberflächen sehen toll aus, alle Spiegelungen sind korrekt – genug Hardwarepower vorausgesetzt. Allerdings sind Seen wie Meere zu sehr geglättet. Schon mal was von Wellengang gehört, liebe Entwickler? Das ist dann doch sehr unnatürlich, wenn man nur und ausschließlich eine spiegelglatte Wasseroberfläche erfährt – mitten auf dem tobenden Ozean!

Crafting – was für Crafting?

Ein weiterer Schwachpunkt ist das Handwerk. Hier muss sich Cataclysm weiterhin hinter anderen MMOs verstecken, die bereits bewiesen haben, was alles möglich sein kann (Star Wars Galaxies, Vanguard). Alle Berufe sind eigentlich nur Zierde, denn nur ganz selten kann man Gegenstände herstellen, die auch wirklich nützlich sind und vor allem längere Zeit nützlich bleiben.

Da hätten wir mehr erwartet, denn motivieren können sämtliche Berufe nicht – es geht letzten Endes weiterhin nur darum, so schnell wie möglich auf den Maximallevel zu „skillen“ und wenigstens auf höchster Stufe ein oder zwei Gegenstände herzustellen, die irgendeinen Nutzen mit sich bringen. Als tolles Beispiel sei hier das Flugmount für Alchimisten genannt

World of Warcraft: Cataclysm - Zonen-Preview: Uldum74 weitere Videos


Tretet Gilden bei oder gründet sie!
Blizzard hat (endlich) auf die Spielerschaft gehört und Unterstützung für Gilden eingeführt. Da gibt es nun 25 Level, die eine Gilde erreichen kann, und für jedes erreichte Level winken besondere Goodies und Belohnungen wie billigeres Einkaufen in Städten oder eine Massenwiederbelebung. Am Ende gibt es sogar Gildenmounts für das Reiten und sogar das Fliegen.

Ein jeder Spieler, der Mitglied in einer Gilde ist, hat außerdem noch seinen ganz persönlichen Ruf gegenüber seiner Gilde. Diesen kann er durch das Erledigen von Quests oder Dungeons steigern. Das ist dringend notwendig, denn ein guter Gildenruf ist Voraussetzung, um in den Genuss der eben erwähnten Belohnungen zu kommen.

Und so könnte man…

…ewig weiterschreiben. Ein allumfassender Test, der sämtliche Aspekte des Spieles beleuchtet, würde jeglichen Rahmen sprengen. Das ist nicht sinnvoll machbar, daher beschränkt man sich auf einige Kernelemente des Spieles und versucht schlussendlich nur die Frage aller Fragen zu beantworten: Macht World of Warcraft nach nun sechs Jahren immer noch so viel Spaß wie früher? Oder weniger? Oder gar mehr?

Die Mischung ist es, die dieses Spiel ausmacht. Selbst Freunde des gepflegten PvP-Spieles dürften wieder neue Hoffnung schöpfen, denn bewertete Schlachtfelder, eine neue Arena-Saison und einige andere Mechaniken sorgen für Motivation.

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Ein wenig schade ist, dass es so gar keine versteckten Gimmicks mehr gibt. Wie schön wäre es, wenn man in einer arg abgelegenen Ecke der Spielwelt mal etwas Überraschendes erleben würde. Ein Briefumschlag, der eine Quest startet, oder eine Flaschenpost am letzten Meereszipfel. Fehlanzeige – es darf halt nicht sein, dass ein Spieler etwas erlebt, was ein anderer vielleicht nie erlebt.

Insofern wirkt das Spiel sehr harmonisiert. Das gefällt nicht jedem und dafür kann man Verständnis haben. Auf der anderen Seite kostet World of Warcraft auch weiterhin seine monatliche Gebühr, und dass die Entwickler folgerichtig möglichst jedem Spieler alles ermöglichen wollen, ist nur logisch. Nicht vergessen sollte man dabei allerdings die Minderheit der Hardcore-Spieler. Die nämlich treten meist als Meinungsmacher auf, brauchen dauerhaft Herausforderungen. Wie in einer Kneipe ohne Stammgäste würde ein World of Warcraft ohne diese Spielerschicht nicht funktionieren.

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