Viele „World of Warcraft“-Spieler ertappen sich in letzter Zeit dabei, über andere Online-Rollenspiele nachzudenken. Schließlich gibt es deren einige, zuletzt diskutierte man über Aion, und besonders in den Free2Play-Bereich ist eine Menge Bewegung gekommen. Spiele wie Metin2, Last Chaos oder Flyff verzeichnen Rekordspielerzahlen. Sie kosten nichts, man kann sie also risikolos herunterladen und ausprobieren, und bei Gefallen kauft man sich halt mal ein Item oder auch zwei. Oder drei. Free2Play finanziert sich über den Kauf von Items oder Inhalten.

World of Warcraft wird heute, am 23. November, fünf Jahre alt, zumindest dann, wenn man die Veröffentlichung in den USA zu Grunde legt. Ein wenig geschummelt ist dieser Geburtstag hierzulande ja schon, denn in Deutschland erschien Blizzards Erfolgsprodukt erst am 11. Februar 2005. Der Autor dieser Zeilen erinnert sich nur zu gut an dieses Datum, denn damals saß er als verantwortlicher Blizzard Community Manager in Paris, hatte schweißnasse Hände und ärgerte sich zusammen mit seinen Kollegen über den kompletten und stundenlangen Ausfall der Accountverwaltung – am ersten Tag der Veröffentlichung überhaupt wohlgemerkt.

Wer nicht an einem Mitternachtsverkauf teilgenommen hatte, sondern wie der gemeine Bürger das Spiel bei amazon bestellt hatte oder in der Mittagspause kurz in den MediaMarkt um die Ecke gehuscht ist – der schaute in die Röhre. Ab frühem Vormittag ging nämlich nichts mehr, man konnte keinen Account erstellen, die Webseite war wegen technischer Probleme über acht Stunden nicht zu erreichen. Was herrschte da für eine Niedergeschlagenheit in den Büros in Paris, Weltuntergangsstimmung wäre noch übertrieben, die Foren explodierten vor lauter wütender Kommentare und ein jeder Nicht-Techniker stierte krampfhaft in seinen Monitor – bloß niemanden zusätzlich ansprechen oder aufregen.

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Aber man musste kein Prophet sein, um zu wissen, dass man diese Probleme in den Griff bekommen würde. Genauso wie die Warteschlangen auf den Servern, an die sich heute kaum noch jemand erinnern kann. Da gehörte es fast schon zum guten Ton, nach dem Einloggen 10 oder 15 Minuten warten zu müssen – oder sogar länger. Bestimmte Realms wie „Eredar“ taten sich dort besonders hervor mit Warteschlangen von ein bis zwei Stunden.

Es wäre interessant zu wissen, wie viele Spieler der ersten Stunde heute noch dabei sind. Um uns herum haben viele Menschen aufgehört, World of Warcraft zu spielen. Aber vermutlich haben noch mehr angefangen. Wie oft trifft man auf den Servern Spieler, denen man von den guten alten Zeiten im Geschmolzenen Kern vorschwärmt, um sogleich ein „hab erst mit BC angefangen“ zu hören. Es ist wahrlich erstaunlich, wie wenig Spieler überhaupt wissen, dass es einmal 40-Mann-Schlachtzüge zu organisieren galt und man doch tatsächlich Wochen, ja Monate, an unserem guten Freund Valeastraz scheiterte. Das war übrigens der freundliche Drache im Pechschwingenhort, der sich dauernd entschuldigte, wenn er einen Spieler tötete.

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Und heute? Heute ist es vielen Schlachtzügen schon zuviel, wenn sie auch nur drei Stunden an einem Gegner scheitern. Der schnelle Erfolg ist Programm geworden, die Welt dreht sich weiter und das schneller als je zuvor.

Früher war alles besser?

Man wird sehr leicht nostalgisch und bekommt glänzende Augen, wenn man an früher denkt. Der Blick wird leicht verklärt und ein „früher war alles besser“ kommt nur zu leicht über unsere Lippen. Doch ist dem wirklich so? Blizzard Entertainment hat sicherlich während der Entwicklung viele Fehler gemacht, aber sie hatten ihr Ohr meist am Puls der Zeit und haben richtig reagiert.

Man denke nur an die „Farce“ Naxxramas, die damals von allen gefeierte gigantische 40-Mann Instanz – die auf Grund des unglaublichern Schwierigkeitsgrades gerade einmal gefühlte 2-3% aller Spieler überhaupt je zu Gesicht bekamen. Naxxramas war ein Mythos, weil es für unsereins unerreichbar schien, das war wirklich nur etwas für die ganz Hartgesottenen. Und weil das so war, hat Blizzard gelernt und Naxxramas wurde mit dem Lich-King-Addon wieder eingeführt. Für jedermann spielbar übrigens.

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Mythen schaffen kommt an. Aber ist es auch effizient und wirtschaftlich? Nein, ganz bestimmt nicht. Es hat keinen Sinn viel Geld, Zeit und Arbeit in die Entwicklung von Inhalten zu stecken, die viele gar nicht sehen oder erleben können. Und das ist ein wichtigter Punkt: Heute, vier oder fünf Jahre später wird bei Blizzard darauf geachtet, dass man Inhalte schafft, die prinzipiell jedermann sehen kann. Vielleicht nicht auf höchstem Schwierigkeitsgrad, aber immerhin.

Der Ansatz ist sicherlich richtig und mit Wrath of the Lich King hat man diese Änderung in der Designpolitik konsequent verfolgt und durchgezogen. Man war somit in der Lage, mehr Spieler anzusprechen, zu motivieren und zu gewinnen.

World of Warcraft - Fünf Jahre WoW - Happy Birthday! Mit großem Gewinnspiel

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Wartet immer noch auf seinen Bezwinger: Lichkönig Arthas.
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Trotzdem aber beschleicht viele WoW-Liebhaber heute das Gefühl, mehr Einheitsbrei vorgesetzt zu bekommen, als das früher der Fall war. Es gibt kaum Individualität, es gibt nicht mehr diese Überflieger, zu denen man aufschauen konnte und die man für ihre Disziplin und ihre Organisation bewunderte. Es ist ein Spiel für jedermann geworden. Insofern heißt es nicht mehr easy to learn, difficult to master, sondern eher easy to learn, easy to master.

Packshot zu World of WarcraftWorld of WarcraftErschienen für PC kaufen: ab 12,50€

Aber wie schon gesagt: Das ist der effizientere und wirtschaftliche Weg. Der Hersteller kann und will nicht Rücksicht nehmen müssen auf einige wenige sogenannte Hardcore Gamer. Die sind zwar oftmals Meinungsführer in Foren und Communites, aber sie sind eben nicht die breite Masse. Die will das Spiel einfach nur spielen und sich nicht wissenschaftliche Abhandlungen über die bestmöglichen Ausrüstungsgegenstände durchlesen.

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Cataclysm steht bevor.
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Ganz entziehen kann sich aber auch ein Blizzard der Historie nicht. So will man mit dem nächsten Add-on „Cataclysm“ (2010) nicht etwa einfach nur einen neuen Kontinent ins Spiel integrieren, sondern hat sich entschlossen, die alte Welt von 2004/2005 komplett zu überarbeiten. Ein mutiger Schritt. Denn viele Spieler haben diese „alte Welt“ liebgewonnen und vielleicht nimmt man den ewig Gestrigen damit etwas weg, was sie mögen und was sie lieben. Etwas, woran viele Erinnerungen hängen.

Die Welt spricht WoW

Was ist nicht alles passiert ist in den vergangenen fünf Jahren… Nicht nur innerhalb des Spieles, sondern auch die Menschen dahinter sind älter geworden: Entwickler, Designer und auch die Spieler. Wenn man sich einmal vor Augen führt, dass ein 15-jähriger Teenager im Jahre 2004 mit WoW angefangen hat und vielleicht heute immer noch spielt: Der gute Mann ist 20 oder 21 Jahre alt, studiert oder arbeitet und hat vielleicht sogar schon geheiratet.

Das Spiel hat uns alle – Spieler wie Entwickler - über all die Jahre begleitet, es hat in seiner Dimension ganze Wirtschaftszweige verändert, es hat gedruckten Spielemagazinen Auflage gekostet (wer WoW spielt, liest in der Regel keine Gamestar mehr – wozu auch), Internetseiten mehr Aufmerksamkeit beschert, es hat Gold- und Itemsellern Millionenumsätze beschert, es hat Ebay nicht gerade geschadet, und nicht zuletzt hat es dem Hersteller ermöglicht, sein Personal auf fast 4000 Mitarbeiter aufzustocken, regelmäßig eine eigene Messe abzuhalten und sich im Fankult zu baden.

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Und das alles trotz der neuen Modedroge Free2Play. Davon scheinbar unberührt zieht World of Warcraft weiterhin seine Kreise. Und irgendwie vertraut man trotz aller Kritik schon jetzt dem Cataclysm, der da kommen wird.

„World of Warcraft“-Spieler klammern sich nicht zuletzt wegen der unglaublich großen Community auch weiterhin an „ihr“ Spiel, an ihr digitales soziales Netzwerk. Und sie jammern sicherlich auch weiterhin in all den Foren da draußen, aber eben auf enorm hohem Niveau und das Beste ist: Sie sind im Grunde doch zufrieden. Mit ihrer Community. Mit ihrer Gilde. Und ihrem Hobby.

Auf weitere fünf Jahre World of Warcraft. Auf weitere fünf Jahre Community. Alles Gute!

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