Mobile Games, die schnelle digitale Unterhaltung für unterwegs, haben sich in den letzten Jahren merklich weiterentwickelt. Fast möchte man meinen, die Zeit der Retro-Pixel-Vorherrschaft und billigen Zeitverschwender ist auf den modernen Smartphones und Tablets vorbei, während qualitativ immer hochwertige Produktionen Schritt für Schritt unseren Speicherplatz erobern. Wargamings Portierung “World of Tanks Blitz”, das taktische Kriegsspiel rund um die rollenden Panzerhorden, gibt sich größte Mühe, diese Entwicklung voranzutreiben.

Nach dem Erfolg der “World of Tanks”-Serie lag es offensichtlich nahe, auch die sogenannten Mobile Devices, in diesem Fall das Tablet, zu erobern - auch wenn die Entwickler hier mit wahren Gamedesign-Alpträumen zu kämpfen hatten: Schlüssel zum Erfolg der Portierung würde nicht die Grafik oder der Spielinhalt, sondern in erster Linie die Anpassung der Steuerung an die Touch-Oberfläche sein. Und diese ist, wie es direkt in den ersten Minuten auffällt, gelungen.

Während Linkshänder zur großen Freude das Interface spiegeln können genießen beide Spielergruppen unabhängig von der favorisierten Hand das gute Handling der unterschiedlichen Panzerklassen, die sich - im Rahmen der gewollten Schwierigkeiten - präzise steuern lassen. Die unterschiedlichen Fahreigenschaften der vier Panzerklassen sind sehr differenziert ausgefallen und auch das Kräftegleichgewicht der verschiedenen Kriegsparteien (Russland, Amerika, Deutschland) hält sich im Gleichgewicht - das für diese Art Spiel so wichtige Balancing scheint gelungen.

World of Tanks - Blitz - Blitzkrieg für die Hosentasche

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Die Eigenheiten der verschiedenen Klassen sind leicht erlernbar.
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Wer es noch nicht erraten hat, soll hier kurz aufgeklärt werden: World of Tanks dreht sich nicht um eine überragende Story oder vielschichte, komplexe Charaktere, sondern schmeißt Spiele Runde um Runde in Echtzeitkämpfe, wo es darum geht, feindliche Panzer auszuschalten und dabei selbst möglichst lange am motorisierten Leben zu bleiben. Gefechte der bis zu 14 Panzer dauern maximal 7 Minuten an, werden aber durch das Erobern strategischer Flaggenpunkte bereits früher entschieden. Das klingt simpel, birgt in Wahrheit aber viel taktische Tiefe in sich.

So müssen Geländevorteile möglichst sinnvoll ausgenutzt und die Stärken der verschiedenen Panzer ausgespielt werden: Wendige Panzer sollten einen Flankenangriff versuchen während beispielsweise dicke Kolosse mit großer Munition lieber weit hinter den eigenen Linien bleiben und ihr Glück mit weitreichenden Schüssen versuchen sollte. Manche Panzer können ihren Geschützturm drehen, andere müssen umständlich neu maneuvrieren - dennoch gibt es keine übermächtige Klasse, das Schere-Stein-Papier-Prinzip greift hier sehr gut und gründlich.

World of Tanks - Blitz - Blitzkrieg für die Hosentasche

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Ganz so hübsch wie die PC-Fassung sind die Landschaften auf dem iPad leider nicht..
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Insgesamt ist das strategische Inventar ein wenig entschlackt worden, doch die abgespeckten Light-Kämpfe machen trotzdem/deswegen viel Spaß.

Der Wegfall der Artillerie mag auf den ersten Blick erschrecken, funktioniert aber in der Realität sehr gut: Der Fokus wandert vom Markieren der Gegner zu den kleineren, schnellen Scharmützeln, die zum Gesamtpaket der Portierung sehr gut passen. Mutige Vereinfachung - aber mit Erfolg.

Neben der vor allem für Anfänger frohen Botschaft, dass PC-Spieler nicht ihre erspielten Goldmünzen zum Freischalten neuer Features oder Aufrüstungen auf das iPad mitnehmen können und so jeder am gleichen Punkt startet, wurde auch das Menü angenehm entschlackt: Es gibt nur wenige direkt anwählbare Befehle wie “Nachladen,” “Abschuss” und “Reparieren” - die meisten Anweisungen verstecken sich in kleineren Untermenüs an den Rändern, die leicht und schnell aufrufbar sind.

Ein weiteres Video

Allerdings wurden auch Chancen verpasst: Weder an eine Sprachsteuerung über das eingebaute Tablet-Mikrofon noch an eine angemessene Ausgestaltung der Landschaften und Umgebungen wurden gedacht. So müssen wir stumm die Panzerhorden durch karge, fast schon lieblos dekorierte Grautöne kurven. Schade!

Von einigen kleineren Problemchen abgesehen eine Volltreffer-Portierung.Fazit lesen

Eine kluge Entscheidung war hingegen die Implementierung der Scharfschützen-Funktion. Mit dieser kann an das Zielobjekt herangezoomt werden und so Schwachstellen ausgemacht werden - und gleichzeitig wird so die einzige Schwäche des Tablets, der verhältnismäßig kleine Bildschirm, sinnvoll ausgeglichen.