Knuddlige Knubbel verbinden sich zu knuffigen Konstrukten. Die Goo leben friedlich in ihrer Welt, bis der Spieler eingreift und sie in absurden Gerüstbauten verwendet. Das macht den kleinen aber wenig aus, denn dazu sind sie ja hier.

Aber was für Geheimnisse erwarten die Goo in uralten verlassenen Fabrikgebäuden, im Cyberspace und an noch seltsameren Orten? Das als Independentprojekt gestartete Spiel kann mit einer einzigartigen Atmosphäre aufwarten. Dem Manko so mancher teuren Großproduktion wird hier ein simples Spielkonzept mit tollem Artdesign entgegengestellt.

Ich gebe zu, ich war am Anfang skeptisch. Ziemlich skeptisch sogar. Ein Spiel, bei dem man kugelige Viecher aneinander heftet, um verschiedene Hindernisse zu überwinden? Bei dem es auf die Konstruktion statisch stabiler Gerüste ankommt? Ein typisches, ödes und nach wenigen Levels viel zu schweres Knobelspiel in einem zugegebenermaßen originellen Gewand, war mein Gedanke beim Anblick der ersten Screenshots zu World of Goo. Doch das unabhängige Entwicklerteam konnte mehr als nur meine negativen Erwartungen übertreffen. Ich wurde regelrecht hineingezogen in die Welt der Goos.

World of Goo - Atmosphäre Trailer

Das Goo und du

World of Goo beginnt bereits abgedreht. Der Ladebildschirm enthält Teilsätze wie: “Challenging Everything… liquefying goo… testing for perfection… bending the spoon”, die in humorvoller Weise sowohl Zitate der Popkultur parodieren, als auch für ein einfaches Schmunzeln herhalten können. Das darauf folgende Menü präsentiert sich als ein Planet, mit überdimensional dargestellten Aufbauten darauf. Soweit so skurril verbirgt sich hinter dem Planeten ein simples sechsteiliges Menü, in dem ihr die nacheinander freischaltbaren Spielabschitte sowie einen freien Baumodus anwählen könnt. Zu Letzterem aber später.

World of Goo - Knuffig, knifflig, knuddelig

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Simpel und schick: Das Startmenü präsentiert sich mehr als nur zweckdienlich.
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Jeder der sechs Spielabschnitte ist mit einem einzigartigen Design versehen. Je nach Umgebung herrschen entweder sommerliche, saftige Landschaften vor oder eine lebensfeindliche Maschinenwelt, in der ihr von Mission zu Mission eurem Ziel näher rückt, ein altes Kraftwerk mit dem Aussehen einer seltsamen Puppe wieder in Betrieb zu nehmen. An anderen Stellen geraten die Goo durch ein Versehen in die Welt der Bits und Bytes, wo man sich in schicker grüner Retrografik an den Grafikprozessor heran arbeiten muss, um wieder in der gewohnten Grafik spielen zu können.

Aber was heißt schon gewohnte Grafik? In der Welt stehen ganze Inseln auf hauchdünnen Erdsäulen, in geschwungenen Formen stellt sich der Horizont dar und einige der Umgebungsmerkmale sehen aus wie riesige Frösche oder abstruse Konstrukte aus Maschine und Lebewesen.

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Dieses uralte Kraftwerk in Puppenform müsst ihr wieder in Gang bringen.
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Unterstützt wird der Eindruck, der einer seltsamen Traumwelt oder einem merkwürdigen Animationsfilm gleichkommt, durch in der Landschaft verteilte Bilder mit teils kryptischen Botschaften des allgegenwärtigen „Schildermalers“. Die Texte dieser fiktiven Begleitpersonen geben Hinweise, machen Andeutungen über spätere Spielinhalte und sind sogar mit einigen Kommentaren gespickt, die auf einen TV-Konsum der Serie „Die Simpsons“ hinzuweisen scheinen („Fliegt, ihr Affen, fliegt!“).

Kugelige Kniffelei

Am wichtigsten aber sind die Goo. Das sind kleine kulleräugige Kugelwesen in verschiedenen Formen und Farben, die über die besondere Eigenschaft verfügen, sich zusammen zu einem Gerüst fügen zu können. Mit diesen Wesen müsst ihr stabile Konstruktionen bauen, um beispielsweise eine Brücke über einen Abgrund zu errichten, eine höher gelegene Ebene zu erreichen oder auch mit dem Gewicht der Goo-Bälle bestimmte Schalter innerhalb eines Levels zu betätigen.

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World of Tron: Später wird das Spiel richtig abgedreht.
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Ihr solltet euren Bau jedoch gut planen. Nachdem ihr in fast jedem Level eine Saugröhre erreicht habt, verschwinden eure noch nicht in der Konstruktion verbauten Goo in dieser. Zum erfolgreichen Abschluss einer Mission benötigt ihr eine Mindestmenge an freien Knubbeln. Wer da zu sicher gebaut hat, startet am Besten die Mission neu. Im Gegensatz zu vielen Genrevertretern, in denen nun wieder mühsam lange herumprobiert werden muss, gestaltet sich World of Goo als fair und intuitiv.

Spielwitz pur. World of Goo macht mich zum megalomanischen Knubbelarchitekten.Fazit lesen

Zum einen sind in bestimmten Missionen kleine Zeitfliegen verfügbar, die beim Anklicken zerplatzen und einen Schritt rückwärts im Gerüstbau ermöglichen. Zum anderen ist keine der Missionen über die Gebühr lang und alle sind mit etwas logischem und auch viel um die Ecke denken gut lösbar, fordern aber gegen Ende durchaus ein paar abstrakte Lösungswege.

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Time flies: Die weißen Fliegen lassen einen Schritt in die Vergangenheit zu.
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Ein weiteres Element, dass euch in World of Goo stetig bei Laune hält, ist der enorm hohe Abwechslungsreichtum. Kein einziges Rätsel wird in einfach nur verschärfter Form wiederholt, stets erwarten euch andere Herausforderungen. Gerade die Kombination unterschiedlicher Goo-Arten macht diese Vielfalt aus. Da gibt es rote Goo, die bei Berührung mit Flammen explodieren, grüne Goo, die sich aus bestehenden Gebilden auch wieder herauslösen lassen, Luftballons, um Teile einer Konstruktion zum Schweben zu bringen, oder auch spezielle Klebegoos, die sich an beweglichen Oberflächen befestigen lassen, um alle eure Goo mitzuziehen. Und diese Aufzählung enthält noch den kleineren Teil unterschiedlicher Goos. Dann gibt es noch Werkzeuge, wie die Zwitscherpfeife, die eure Goos an einen Ort wandern lässt, damit sie nicht die brüchigen oder vom Umkippen bedrohten Teile eures Werks bedrohen. Kurz gesagt, die Möglichkeiten sind mannigfaltig.

Der Turmbau zu Google

Motivierend wirkt in diesem Knobelspiel vor allem das virtuose Ineinandergreifen der Klangkulisse mit den Grafiken. So wie die Goo aussehen, so klingen sie auch. In einzelnen Fetzen einer Fantasiesprache quieken sie mit hohen Stimmchen vor sich hin, wenn man sie aufnimmt und umherschnippt. Die Umgebungsgeräusche sind stets minimalistisch, aber passend. Wenn vor einem roten Sonnenuntergang nur als Silhouetten erkennbare Windräder überwunden werden müssen, kommt eine unwirkliche Stimmung auf.

Das Wehen des Windes und auch die Musik, die passend dazu eine abendliche Melancholie verbreitet erschaffen einen äußerst atmosphärischen Knobelspaß. Die anderen Musikstücke können ebenfalls durch eine unaufdringliche Weise die gezeigten Umgebungen sowohl lebendiger, als auch noch unwirklicher erscheinen lassen.

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Unwirkliche Stimmung. World of Goo hat einen Hang zum Fantastischen.
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Die Bedienung des Spiels scheint ebenfalls aus Designerhand zu stammen, denn sie ist denkbar einfach. Ein Klick auf ein Kügelchen lässt euch das Goo nehmen, bei gedrückter Maustaste zieht ihr es dann an eine Stelle der Konstruktion, an der ihr es verbinden möchtet. Weiße durchsichtige Linien von der Goo-Kugel zu anderen Festpunkten des Gerüsts zeigen dann an, wie sich der Ball mit den anderen verbindet. Wenn sich mehrere unterschiedliche Goo-Arten auf engem Raum befinden, kann aber schon einmal etwas Fummelarbeit vonnöten sein, um das Richtige der umherwuselnden Viecher anzuwählen.

Selbst einen kleinen Multiplayerpart besitzt das Spiel. Im „Tower of Goo Memorial Park and Recreation Center“ könnt ihr euch mit Spielern auf der ganzen Welt darum messen, wer den höchsten Turm aus Goos baut. Je mehr Bälle ihr in den Einzelspielermissionen übrig behalten habt, ohne sie zu verbauen, desto mehr Bälle stehen euch dann in diesem Modus zur Verfügung. Die Türme anderer Spieler seht ihr leider nicht am Horizont. Die Turmhöhen werden für euch zum Vergleich mit Wolken, an denen Herkunftsland und Spielername ablesbar sind, dargestellt.

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Und ab dafür. Hoffentlich fliegen sie einem Nachfolger entgegen.
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So wird die Langzeitmotivation für Tüftler sicher gestellt. Den Einzelspielermodus spielen einigermaßen findige Spieler nämlich vermutlich schon nach drei Tagen durch. Aber bis dahin unterhält euch die in Textbotschaften übermittelte Geschichte sicherlich ordentlich. In dieser wird nämlich ein Wesen namens MOM erwähnt. Wer mag MOM wohl sein? Und hat sie Gutes oder Schlechtes mit euch vor? Und außerdem ist da noch diese seltsame Nachricht, laut der die Goo gar nicht wissen, wie lecker sie sind…