So sehen sie aus, die strahlenden Spiele-Helden: groß, muskulös und strahlend schön! Nichts ist unmöglich für sie, die Frauen liegen ihnen zu Füßen, Männer betrachten sie als ihr großes Vorbild.

Dass es auch anders geht, zeigt bhv Software mit "World of Chaos". Hier rettet ihr mit keinem Herkules-Verschnitt die Welt, sondern mit einem hässlichen, von der Welt verschmähten Halb-Ork.

Der Rest vom Schützenfest ist wesentlich traditionsbewusster. Standardisierte Fantasywelt und Story, Rundenkampfsystem und technische Tristesse - willkommen in der "World of Chaos".

World of Chaos - Trailer 2Ein weiteres Video

Nackedei gibt Sterbehilfe
Euer "World of Chaos"-Held ist vorgegeben. Statt selbst Namen, Aussehen und Charakterklasse zu bestimmen, schlüpft ihr in die Haut des erwähnten Halb-Orks. Skandar Graun, so der Name des liebenswerten Geschöpfes, muss ein magisches Artefakt finden und einen bitterbösen Magier vernichten, der seine Eltern auf dem Gewissen hat. Besondere Spannung vermittelt die Rahmenhandlung nicht. Im Rollenspiel-Genre haben wir aber auch schon wesentlich flachere Storys über uns ergehen lassen müssen. Insofern geht die Standard-Kost in Ordnung.

World of Chaos - Ein Halb-Ork als Held? Das kann doch nichts Halbes und nichts Ganzes werden!

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Skandar im Nahkampf gegen ein ekliges Monster.
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Sehr gut gefallen hat uns der Einstieg ins Abenteuer. Fast nackt befindet ihr euch vor den Toren einer Hafenstadt und bittet um Einlass. Der wird euch allerdings nicht gewährt. Schließlich seid ihr nicht gerade eine hübsche Blondine, sondern erregt eher öffentliches Ärgernis. Zufälligerweise erspäht ihr am Hafen vor den Stadttoren einen Ork, der seinem traurigen Dasein ein Ende bereiten und sich mit Gewichten ausgestattet in die Fluten stürzen will. Mit ein wenig Überredungskunst ergaunert ihr euch seine Kleidung. So könnt ihr die Stadt doch noch betreten und das eigentliche Abenteuer beginnt!

Was nun folgt, fällt qualitativ leider stark ab. "World of Chaos" wirkt in vielen Bereichen schlicht unfertig. Auf den Straßen tummeln sich nur wenige Nichtspielercharaktere, die zum größten Teil nicht einmal angesprochen werden können. Außerdem dürft ihr nur eine Handvoll Gebäude selbst betreten. Der Großteil der Bauwerke ist wie in Filmen reine Kulisse. Die Quests, hauptsächlich "Hole Gegenstand X und bringe ihn Person Y"-Aufgaben, sind trotz ihrer Profanität verwirrender als bei den meisten Genre-Konkurrenten. Grund: Der Titel hält sich nicht an gewisse Standards wie Quest-Markierungen auf der Karte oder Detailinfos zur jeweiligen Mission. Das macht das Lösen derselben unnötig schwer und frustrierend.

Packshot zu World of ChaosWorld of ChaosErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Die volle Magie-Dröhnung
Die Charakterentwicklung, von den Machern als skillbasiertes Free Development System beschrieben, unterscheidet sich kaum von der Masse. Festgelegte Berufe gibt es nicht. Stattdessen baut ihr Skandars Fähigkeiten aus, wie euch beliebt. Ob Krieger, Magier oder eine Mischung aus beiden Klassen - was aus dem Halb-Ork wird, bestimmt ihr durch geschickte Skillverteilung dynamisch selbst.

World of Chaos - Ein Halb-Ork als Held? Das kann doch nichts Halbes und nichts Ganzes werden!

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Unsere tapfere Gruppe bereitet sich auf einen laaaangen Rundenkampf vor.
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Ob betäubende Hiebe, lähmende Schläge oder dicke Feuerbälle: "World of Chaos" serviert, was Rollenspieler erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Besonders üppig präsentiert sich in diesem Zusammenhang das Magiesystem. Über 200 Sprüche, aufgeteilt in diverse Schulen wie Feuer, Wasser, Erde, Natur oder Tod, dürfen erlernt und abgefeuert werden. Nachvollziehbar und doch schade, dass sich bei dieser stattlichen Anzahl viele Zauber nur unmerklich voneinander unterscheiden.

Immer schön langsam!
Im Mittelpunkt des Spiels steht wie so oft der Kampf gegen allerlei fiese Gestalten. Hier schlägt "World of Chaos" in die Kerbe alter Rollenspiel-Perlen à la "Pool of Radiance". Denn statt Drachen, Goblins und Co. in (pausierbarer) Echtzeit die Rübe zu versohlen, wird hier rundenweise gekämpft.

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Darf in keinem Fantasy-RPG fehlen: ein dicker fieser Drache.
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Skandar und seine Gruppenmitglieder - im Laufe des Abenteuers schließen sich euch bis zu zwei weitere Helden an - verfügen über ein bestimmtes Kontingent an Aktionspunkten. Sämtliche Kampfhandlungen zehren an dem Konto. Ob ihr euch bewegt, Zauber wirkt, die Teamkameraden heilt oder mit der Breitaxt zuhaut, alles verbraucht unterschiedlich viele der wertvollen Punkte. Das Rundensystem erhöht den taktischen Anspruch, bremst zugleich aber auch die Spielgeschwindigkeit merklich ein. Immer wieder die gleichen Gegner Schnetzeln wird auf Dauer monoton. Außerdem ist der Kampf mitunter frustrierend schwer. Selbst gegen einfache Gegner seid ihr schneller tot, als ihr um Hilfe rufen könnt. Ständiges Speichern und Laden ist an der Tagesordnung.

Fantasy-Geisterstädte
Technisch enttäuscht "World of Chaos". Die Welt ist leblos, die Animationen sind abgehackt und die Texturen matschig. Unverständlich, wieso diese Tristesse selbst auf leistungsstarken Rechnern immer wieder ruckelt. Gerade noch haben wir "Command & Conquer 3" auf dem 3,8 GHz-PC mit über 2 GB RAM in höchster Auflösung mit 30 Frames pro Sekunde genossen. Kurz darauf legen wir die "World of Chaos"-CD ein und die Kiste stottert nur noch. Nervig auch die zickige Kamera. Ständig wird eure Spielfigur von Bäumen oder ähnlichem verdeckt, Transparenz-Effekte sind der Engine unbekannt.