Der Ost-West-Konflikt spitzt sich zu, Russland steckt in tiefen Schuldenbergen, die unzufriedene Bevölkerung hungert. Um nicht in der globalen Bedeutungslosigkeit zu versinken, mobilisiert das Land die in jahrzehntelanger Arbeit aufgerüstete Armee und bläst zum Angriff auf den kapitalistischen Westen. Was folgt, ist der Dritte Weltkrieg, an dessen Ende gar der sowjetische Einmarsch in die USA steht.

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In der Realität konnte dieses Schreckensszenario glücklicherweise abgewendet werden. Als Dank dafür haben wir Deutschen damals sogar die Wiedervereinigung mit der ehemaligen DDR akzeptiert. Im fiktiven Szenario von "World in Conflict" geht der viel zu lange schwelende Konflikt hingegen nicht so glimpflich aus und das eingangs formulierte Szenario tritt ein. Willkommen zum wohl heißesten Echtzeitstrategiespiel des Jahres!

"World in Conflict" als Geheimtipp zu titulieren, würde dem Titel nicht gerecht. Schließlich haben wir in der Vergangenheit bereits des Öfteren über das Spiel berichtet und es in höchsten Tönen gelobt. Die Frage aller Fragen ist nun: Kann der Strategie-Riese den immens hohen Erwartungen gerecht werden und sich im Wettkampf um das Spiel des Jahres weit vorne platzieren? Es kann, so viel sei bereits an dieser Stelle verraten. Das "Warum" erörtern wir für euch im Folgenden.

Personalisierter Krieg

Ein grandioses Spiel braucht sowohl einen fantastischen Einzelspieler- als auch einen ebenbürtigen Mehrspieler-Part. Beides kann "World in Conflict" vorweisen. Die Rezension starten wollen wir mit der Singleplayer-Kampagne. 14 Missionen lang wendet ihr die sowjetische Bedrohung ab. Auf Seiten der Russen selbst dürft ihr leider nicht spielen - schreit uns hier gerade jemand "Addon" ins Ohr?

World in Conflict - Konfliktbewältigung par excellence: WiC bringt Schwung ins festgefahrene Strategie-Genre.

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Vernichtender Bombenteppich über einer typisch amerikanischen Kleinstadt. Undenkbar? Nicht in "World in Conflict".
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Die Einsätze sind jedenfalls schön dramatisch inszeniert, so wie man sich das von einem packenden Strategie-Highlight wünscht. Sämtliche Missionen werden von gewöhnungsbedürftigen und doch motivierenden Standbildern eingeleitet. Die beleuchten einzelne Charaktere des Spiels und schaffen so Nähe zum meist anonymen Kriegsgeschehen. Das Grauen, die physische und psychische Belastung, die an allen nagt, wird dadurch wesentlich besser eingefangen als in den meisten vergleichbaren Titeln. Kompliment!

Bevor die Kontrolle der Truppen schlussendlich an den Spieler übertragen wird, folgt eine weitere Zwischensequenz, diesmal in schicker In-game-Grafik. Hier macht ihr nähere Bekanntschaft mit den Protagonisten von "World in Conflict", lernt deren Stärken und Schwächen kennen. Echte Charaktertiefe entfalten die Burschen zwar nicht. Inkompetente Angsthasen treffen wahre Kriegshelden und stoische Befehlsempfänger. Doch ist auch das noch deutlich tiefgründiger als die Storypräsentation bei der versammelten Genrekonkurrenz.

Packshot zu World in ConflictWorld in ConflictRelease: PC: 3. Quartal 2007
PS3, Xbox 360: 3. Quartal 2008
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Kontroll(punkt)-Freak

Sobald die einleitende Cutscene über den Bildschirm geflackert ist, geht's meist auch schon in die Vollen. Einheiten wollen bestellt und in die Schlacht geschickt werden. Wie bereits in den Previews beschrieben, ist das Stein-Schere-Papier-Prinzip dabei von entscheidender Bedeutung. Hubschrauber verarbeiten Panzer ruckzuck in Altmetall, werden von Luftabwehr aber ebenso schnell vom Himmel geholt. Die Tanks wiederum schrotten spielend die unbewegliche Luftabwehr und sind optimal im Erobern von Kontrollpunkten.

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Ein kleines Panzer-Bataillon in der Nahansicht. Abteilung "superschick": Die Grafik ist selbst eines Ego-Shooters würdig!
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Diese stellen die meisten Ziele innerhalb der Missionen dar. Mal sollen neutrale Punkte eingenommen, dann wieder feindliche erobert oder eigene über einen gewissen Zeitraum gehalten werden. Allzu abwechslungsreich ist das nicht. Doch die Art und Weise, wie die Knotenpunkt-Hatz inszeniert wird, tröstet über die an sich abwechslungsarme Aufgabenpalette hinweg. So sollt ihr etwa einen besetzten Bauernhof aus der Hand der Besatzer befreien, ein Krankenhaus bewachen, bis Zivilisten eskortiert wurden, oder Schützenhilfe für hart umkämpfte Positionen innerhalb eines strategisch wertvollen Dorfes leisten.

Nicht selten ändern sich Missionsziele im Minutentakt. Eben noch steht die Verteidigung des Stadtzentrums auf der Agenda, im nächsten Moment wird vom Oberkommando der Rückzug angeordnet, um einen alliierten General einige Straßenzüge weiter zu unterstützen. Dass ihr nicht ganz alleine auf den großen Maps zugegen seid, treibt die Spannung auf ihren Höhepunkt. Verbündete Kompanien verfolgen ihrerseits bestimmte Ziele und halten euch per Funk auf dem Laufenden. Vorbildlich!

Nieder mit Ivan!

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Das ist in Anbetracht der spannenden Kampagne äußerst schade. Denn spätestens nach zehn bis 13 Stunden ist alles vorbei, der Ivan - wie die Amerikaner die Russen verachtend bezeichnen - ist geschlagen, und der Dritte Weltkrieg fürs erste vorüber. Ein Grund, das Spiel in einem Schrein zu parken und auf ein Addon zu hoffen, ist das freilich nicht. Schließlich wartet ein mehr als ebenbürtiger Mehrspielermodus darauf, von euch beherrscht zu werden.

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Die Russen kommen! Aber nicht über diese Brücke, die wir noch knapp zwei Minuten halten müssen.
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Fast könnte man meinen, der Singleplayer-Part wäre bloße Vorbereitung auf den Kampf "Mensch gegen Mensch". Zur ernsthaften Untermauerung dieser These ist die Kampagne aber definitiv zu gut, zu fesselnd. Die Beherrschung sämtlicher Gameplay-Mechanismen, die euch im Storyverlauf ein ums andere Mal das Leben gerettet haben, ist aber selbstverständlich auch im Multiplayer der Schlüssel zum Erfolg.

Und was alleine wunderbar funktioniert, klappt bei "World in Conflict" genauso gut im Kampf gegen bis zu 15 andere Spieler. Viele der Karten werdet ihr bereits aus der Einzelspieler-Erfahrung kennen, doch zumindest einige der insgesamt 21 Maps sind komplett neu und mehrspieler-exklusiv.

Prinzip Schnick-Schnack-Schnuck im Mehrspieler-Triumvirat

Schere-Stein-Papier: drei Worte, die auch im Multiplayer-Modus die Welt bedeuten. Anders als in der Kampagne reißt ihr euch hier allerdings nicht sämtliche verfügbaren Einheiten unter den Nagel, sondern spezialisiert euch auf eine der vier Kategorien, in die sämtliches Kampfgerät eingeteilt ist. Infanterie verschanzt sich in Wäldern sowie Gebäuden und ist somit vor allem defensiv eine Bereicherung. Hubschrauber beherrschen den Luftraum, Panzer sorgen für die nötige Feuerkraft.

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Die Key Arena kracht in sich zusammen. Das war es dann wohl mit spannenden Basketball-Matches der Seattle Sonics.
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Unterstützungseinheiten wiederum reparieren Verbündete, geben aus der Ferne Feuerunterstützung und transportieren Alliierte über größere Distanzen. Jeder Spieler hat so eine klar definierte Rolle im Schlachtplan. Umso größer der Vorteil bei Teams, die des Öfteren miteinander spielen. Gelegenheitszocker und Traditionalisten haben immerhin die Möglichkeit, Partien zu eröffnen, in denen sie gleich mehrere oder gar alle Kategorien befehligen dürfen. Dann unterscheidet sich "World in Conflict" kaum mehr von herkömmlichen Echtzeitstrategiespielen ohne Basenbau.

Drei Mehrspieler-Modi haben die Entwickler von Massive Entertainment implementiert. "Vorherrschaft" ist der klassischste Vertreter, in anderen Spielen auch bekannt unter dem Pseudonym "Domination". Hier müssen die bereits aus der Kampagne bekannten Kontrollpunkte erobert und gehalten werden. Je mehr ihr davon besitzt, desto schneller füllt sich die Siegleiste. "Angriff" versetzt ein Team in die Rolle der Angreifer, die eine Reihe der begehrten Punkte erobern müssen. Das zweite Team fungiert als Verteidiger und versucht, die Einnahme zu verhindern.

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Keine "Battlefield 2"-Partie, sondern eine typische Nahansicht-Szene aus "World in Conflict".
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"Tauziehen" variiert die Knotenpunkt-Hatz insofern, dass beide Parteien die Punkte nur in einer ganz bestimmten Reihenfolge einnehmen können, um die Frontlinie peu à peu Richtung Feind zu verschieben. Ziel ist, den Gegner immer weiter zurück zu drängen, bis er am Ende kein Stückchen Land mehr unter Kontrolle hat. Aufgrund der Einfachheit und der größten Map-Auswahl dürfte sich "Vorherrschaft" als meistgespielter Modus etablieren. Uns hat aber auch das noch strategischere "Tauziehen" nachhaltig begeistert. Unbedingt ausprobieren!

Viel Feind, viele Möglichkeiten

Was "World in Conflict" entscheidend von der Genrekonkurrenz abhebt, ist die strategische Tiefe in Kombination mit der bereits zum Release unfassbar guten Balance. Sämtliche Truppentypen haben einen Zweck, keine Einheit ist unwichtig. Zudem verfügen sie alle über größtenteils individuelle Spezialfähigkeiten.

Panzer können sich zur Verteidigung etwa in Rauchwolken einhüllen, um nicht ganz so schnell von Hubschraubern aufgerieben zu werden. In der Offensive feuern sie per Knopfdruck Raketen auf gepanzerte Ziele, die besonders viel Schaden anrichten. Die Verwaltung dieser Specials erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit. Gerade bei der Verwaltung zahlreicher unterschiedlicher Kämpfer kommt zu Beginn Stress auf. Habt ihr die Fähigkeiten aber erst einmal verinnerlicht, werden sie schnell zu eurem zweitbesten Freund.

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Diese schicken Standbilder läuten sämtliche Missionen ein. Gewöhnungsbedürftig, aber stilsicher.
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Die Rolle eures erstbesten Freundes ist hingegen den so genannten Taktische-Hilfe-Waffen vorbehalten. Die dafür nötigen Ressourcen gewinnt ihr durch das Erobern von Kontrollpunkten, das Ausschalten von Feinden oder das Reparieren eigener Truppen. Die taktischen Hilfen sind mitunter so mächtig, dass sie ganze Schlachten entscheiden können. Artilleriesperrfeuer setzt ganze Landstriche unter erhebliches Bombardement, Luft-Luft-Angriffe befreien euch in einem gewissen Radius von feindlichen Hubschraubern.

Und setzt ihr gar die Atombombe ein, wächst so schnell kein Gras mehr auf der kompletten Map. Unglücklich nur, dass die schlagkräftigen Waffen nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden und meist sehr genau getimt werden müssen. Definiert ihr das Ziel falsch, kann es euch aufgrund der Vorlaufzeit passieren, dass mobile Ziele längst aus dem Angriffsektor entschwunden sind.

Die Haare in der Suppe

Dass "World in Conflict" uns außerordentlich gut gefällt, dürfte erkennbar sein. Perfekt ist der Titel deshalb noch lange nicht. Gestört hat uns vor allem die mittelmäßige Wegfindung. Gerade auf engen Stadtkarten verkeilen sich Einheiten immer wieder oder nehmen sinnlose Umwege in Kauf, die mitten durchs Feindgebiet führen. Auch kleinere KI-Schwächen von Einheiten, die aus der Distanz angegriffen werden und sich beim Gegner auch noch mit Regungslosigkeit bedanken, sind nervend. Ferner hätten wir uns eine etwas längere Kampagne oder gar einen zweiten Feldzug auf Seiten der Russen gewünscht.

World in Conflict - Konfliktbewältigung par excellence: WiC bringt Schwung ins festgefahrene Strategie-Genre.

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Solch schicke In-game-Zwischensequenzen gehören zum "World in Conflict"-Standard. Und zwar ebenfalls vor jedem Einsatz.
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In grafischer Hinsicht sind unsere Wünsche hingegen alle in Erfüllung gegangen. "World in Conflict" ist nicht weniger als das bis dato schönste Echtzeitstrategiespiel. Dazu verholfen haben dem Spiel die pompösen Explosionen und Spezialeffekte sowie die hoch detaillierten Einheiten, die direkt aus einem Ego-Shooter entlehnt sein könnten. Nicht zu vergessen auch die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Karten und die knackig scharfen Texturen. Fürwahr, "World in Conflict" ist eine echte Schönheit. Nicht nur optisch, sondern auch spielerisch.