Ihr möchtet wissen, wie es Wolfenstein immer wieder gelingt, völlig absurde und dennoch packende Geschichten zu erzählen? Wir auch – also haben wir die Macher gefragt!

Taucht in die Welt von Wolfenstein 2: The New Colossus ein:

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Irene Engel ist in ihrem Element. Erst beschimpft sie ihre übergewichtige Tochter aufs Übelste, dann köpft sie eine Gefangene und wedelt mit dem abgetrennten Kopf herum. Ja, in Wolfenstein 2: The New Colossus stellt Frau Engel in Sachen Brutalität selbst ihren alten Mentor General Totenkopf in den Schatten. Hass und Wahnsinn flackern in Irenes Augen und man fragt sich ständig, welcher Zustand gerade dominiert.

Wolfenstein 2: The New Colossus - Verrückt, aber gut!

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Irene Engel ist unberechenbar - und damit auch einer der interessantesten Charaktere im Spiel
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Das Interessante an Irene Engel, ist ihre Ambivalenz. Einerseits wirkt sie total irre und lässt auch mal dämliche Statements vom Stapel, dennoch bleibt sie eine extrem bedrohliche und furchteinflößende Figur. Wobei das irgendwie auf die gesamte Inszenierung der Wolfenstein-Serie zutrifft. Story und Charaktere sind crazy und überzogen, aber das Ganze driftet nie ins Lächerliche ab. Es ist eine düstere Vision, die uns da vermittelt wird, auch wenn die Geschichte ihre witzigen Momente hat.

Wir lieben es, völlig verrückte Situationen, aber auch sehr intime und herzergreifende Momente zu inszenieren, um unsere Charaktere zu erden. So entsteht ein spannender Konflikt, denn die Figuren verhalten sich nicht immer so, wie man es von ihnen erwartet. In einem Spiel wie Wolfenstein erwartet man das Übertriebene und die haarsträubende Action, aber man erwartet keine Charaktere, die mit Zwischenmenschlichem kämpfen oder das Gefühl haben, ihre Liebsten zu enttäuschen.“, erklärt Narrative Designer Tommy Tordsson Björk.

Alternative Realität

In der Tat: William „B.J.“ Blazkowicz wirkt nachdenklicher und zerbrechlicher als jemals zuvor. Könnte natürlich auch daran liegen, dass er die ersten Minuten des Spiels im Rollstuhl verbringt, bevor er eine Art Exo-Skelett anlegt, um Vertretern des Regimes in den Hintern zu treten. Nicht, weil es ihm Spaß macht, sondern weil es seine Pflicht ist. Schließlich unterdrücken die arisch angehauchten Invasoren die guten alten Vereinigten Staaten von Amerika. Für Machine Games war es sicherlich nicht einfach, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen und dabei respektvoll mit den Themen Krieg und Faschismus umzugehen. Wie geht man mit diesem Konflikt um?

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Wolfenstein 2: The New Colossus zeigt eine alternative Realität, die jedoch Parallelen zu den Gräueltaten unserer Vergangenheit aufweist
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Tommy Tordsson Björk: „Unsere historische Recherche diente als Sprungbrett in eine alternative Realität. Während das Endprodukt also keine Geschichtsstunde darstellt, zeigen Story und Figuren sehr viele Parallelen zu den schrecklichen Dingen, die tatsächlich passiert sind. Ein wichtiger Aspekt: Wir versuchen immer, das Menschliche in allem zu beleuchten. Ich denke, das ist wirklich wichtig, um eine Geschichte glaubwürdig und die Handlungen der Figuren nachvollziehbar zu machen. Der Unterhaltungsaspekt ist größtenteils dem kathartischen Gefühl der Rache geschuldet. Es fühlt sich einfach richtig an, diesen Bodensatz der Menschheit zu bestrafen. Schließlich will das Regime Millionen von Leben auslöschen, nur weil sie einer anderen Rasse angehören. Es motiviert ungemein, solchen Monstern das Handwerk zu legen!“ Da stellt sich natürlich die Frage, welche Charaktere des Wolfenstein-Universums auf realen Vorbildern basieren. Der Narrative Designer gibt sich zurückhaltend: „Natürlich haben wir uns auch an realen Persönlichkeiten orientiert, aber ich glaube es ist besser, wenn ich diese Inspirationen geheim halte…

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B.J. Blazkowicz ist nicht mehr der strahlende Held der Geschichte - und das ist gut so
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Die Verwandlung des B.J. Blazkowicz

Früher war Captain Blazkowicz eine furchtlose Kampfmaschine. Eine Oldschool-Type, die erst schießt und dann fragt. Ein cooler Spruch auf den Lippen und eine Patrone im Lauf. Das war einmal. In The New Colossus wirkt er stattdessen wie ein gebrochener Mann, der des Kämpfens müde ist. Man könnte auch sagen, dass der strahlende Held mittlerweile menschliche Züge angenommen hat. Beim Spielen empfindet man stellenweise Mitleid mit ihm. „Unsere Philosophie lautet, eine starke emotionale Bindung zwischen den Spielern und dem Helden herzustellen. Es bereichert die Spielerfahrung ungemein, wenn man sich wirklich mit der Figur identifizieren kann. Wenn du dem Helden keine Emotionalität oder Tiefe verleihst, werden die Spieler keine echte Beziehung zu ihm aufbauen können.“, so Tommy Tordsson Björk.

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Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Wer hat sich die ganzen deutschen Namen einfallen lassen? Wieso heißt die Antagonistin ausgerechnet Irene Engel? „Nun, das kommt ganz auf die Figur an. Manchmal ist es am einfachsten, etwas Google-Recherche zu betreiben, denn es gibt großartige Namensdatenbanken im Netz. Man sucht natürlich gezielt nach Namen, die irgendwie altmodisch klingen oder zu einem bestimmten Thema passen. Irene Engel habe ich nach einem Pilz namens "Destroying Angel" (Zerstörerischer Engel) benannt. Dank meiner Frau, weiß ich sehr viel über Pilze. Sie ist eine wahre Expertin. Es ist einer der tödlichsten Pilze der Welt und wächst direkt vor unserer Haustür.“, lässt Tommy uns wissen. Klingt ziemlich verrückt und passt somit perfekt zu den Entwicklern von Wolfenstein 2: The New Colossus, nicht wahr?