Schon mal was von B.J. Blazkowicz gehört? Genau, das war der amerikanische Superagent, der vor vielen Jahren in dem erfolgreichen, wenn auch umstrittenen Ballerspiel *indiziert* die Hauptrolle gespielt hat. Und in *indiziert* und *indiziert* konnte man ihn auch antreffen.

Seine Aufgabe war es, finstere Nazischergen daran zu hindern, den 2. Weltkrieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. Dabei traf der taffe Typ immer wieder auf okkulte Stätten und überirdische Kräfte, mit denen ihm seine Gegner das Leben buchstäblich zur Hölle machten. Jetzt kehrt B.J. in "Wolfenstein" auf den Monitor zurück - mit altbekannten Storyelementen und frischzellenerneuerter Technik in einem Shooter für Erwachsene. Ob die Zutaten allerdings für ein gelungenes Comeback ausreichen, zeigt unser Test.

Wolfenstein - Graphic Novel Trailer 46 weitere Videos

Okkultes Blut

Die Story von "Wolfenstein" könnte kruder nicht sein. Im Spiel haben die Nazis eine nie versiegende Energiequelle weitgehend in ihre Gewalt gebracht, die so genannte schwarze Sonne. Mit deren Hilfe könnten sie den digitalen Weltkrieg doch noch gewinnen - keine sehr angenehme Vorstellung. Das finden auch die Alliierten, die einmal mehr ihren besten Agenten nach Europa schicken, um den grausen Gesellen den Garaus zu machen.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 14/231/23
Vattenfall hatte es mit der Sicherheit seiner Atomkraftwerke mal wieder nicht so genau genommen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Laufe seiner Missionen in der - fiktiven - deutschen Stadt Isenstadt macht B.J. dabei Bekanntschaft mit rätselhaften Artefakten, die zur Kontrolle der Energiequelle benötigt werden. Denn die schwarze Sonne liegt natürlich nicht auf der Straße zur freien Verfügung für Jedermann, sondern ist in einer Paralleldimension angesiedelt, über welche die Nazis (im Spiel "Wölfe" genannt) noch nicht die völlige Kontrolle haben.

Eine der ersten Aufgaben des agilen Agenten besteht deshalb darin, eines der als "Thule-Artefakte" bezeichneten okkulten Medaillons zu erbeuten, um mit dessen Hilfe zwischen den Dimensionen zu wechseln und jede Menge Blut zu vergießen - nach Möglichkeit allerdings nicht das Eigene.

Interdimensionale Ballerorgie

Trotz der übersinnlichen Elemente handelt es sich bei "Wolfenstein" um einen reinrassigen Shooter. Und das bedingt, aller mystischen Vorgänge zum Trotz, ein eher konventionelles Vorgehen: Tür auf - alles wegblasen - Tür zu. Das ist einfach und auch für simple Gemüter nicht schwer nachvollziehbar.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Schlechtes Beispiel: Rauchende Computerspiel-Figuren - wenn das Frau von der Leine wüsste...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwar gibt es in das Spiel integrierte Quests, die man zwischen den einzelnen Hauptmissionen lösen kann, doch fallen diese eher unter die Rubrik "nett gedacht", als dass sie einen ernst zu nehmenden RPG-Charakter erfüllen. Immerhin kehrt man nach einer erfolgreichen Mission stets wieder nach Isenstadt zurück und kann sich dort in aller Ruhe umsehen beziehungsweise ohne konkrete Aufträge um sich ballern. Doch es gibt einige Faktoren, die das Programm tatsächlich von anderen Ego-Schießereien abheben.

Da wäre zunächst einmal der ständige Dimensionswechsel, der es B.J. beispielsweise ermöglicht, Gegner schneller zu erkennen, durch interdimensionale Türen zu wechseln oder auch auf Knopfdruck das Geschehen zu verlangsamen. Da sich der Energievorrat des Medaillons jedoch schnell leert, ist stets Eile geboten, wenn man "auf die andere Seite" wechselt.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 14/231/23
Begeisterung nach der Gamescom: während der Abschlussfeierlichkeiten schoss man etwas über die Stränge.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwar finden sich an vielen Stellen leuchtende Schleier, an denen man sein Wundersteinchen wieder aufladen kann, doch im Eifer des Gefechts reicht die Power oft nicht aus, zumal besonders die Zeitlupenfunktion die Energie schneller leer nuckelt als ein kurzer Porno den Akku eines iPhones. Deshalb ist es auch notwendig, stets über ein gut gefülltes konventionelles Waffenarsenal zu verfügen.

B.J. Blazkowicz ist zurück - der smarte Ami tritt wieder gegen Nazihorden an und zeigt ihnen, wo der Hammer hängt. Kann man den Mann auch mieten?Fazit lesen

Das bringt uns zum zweiten interessanten Aspekt des Spiels. In Isenstadt gibt es nämlich einen gut funktionierenden Schwarzmarkt, auf dem man nicht nur Munition erwerben kann, sondern auch diverse Upgrades für die konventionellen Knarren und das Thule-Artefakt. Doch Qualität hat ihren Preis.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Aus der Reihe "gamonas lustige Bilderrätsel der deutschen Redewendungen" - heute: "Ich bin total in Dich verschossen!"
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sofern man nämlich während einer Mission nicht genügend Kohle zusammengeschossen oder Gold und Geheimdokumente gefunden hat, bleibt die Küche kalt. Und da man sich auch trotz reicher Beute grundsätzlich nicht alle Verbesserungen leisten kann, sollte man gut überlegen, in welche Waffenverbesserungen man seine Kohle investiert. Taktische Naturen werden vielleicht einem Schalldämpfer und Zielfernrohr den Vorzug geben.

Damit kann man Gegner aus größerer Entfernung präzise erledigen und die leisen Schüsse machen es den Fieslingen schwerer, die eigene Position zu entdecken. Rambo-Fans bevorzugen wohl eher schnellere, prall gefüllte Magazine und Kugeln mit mehr Wumms, um sich im schnellen Duell gegen die Nazihorden durchzusetzen.

Wunderwaffen: Es gab sie doch!

Egal wofür man sich entscheidet, grundsätzlich hat die gerade ausgewählte Kanone zu wenig Schuss, und häufiges Nachladen gehört zum Balleralltag dazu. Natürlich kann man viel Munition von getöteten Gegnern aufsammeln. Da diese mit unterschiedlichen Mordinstrumenten zu Werke gehen, wird auch nahezu jeder eigene Waffentyp bedient. Insofern hat man zumeist genug Munition bei sich - das lästige Nachladen fällt dadurch allerdings nicht weg. Insofern empfiehlt es sich, vor einer Spezialisierung der Knarren als erstes deren Kugelkapazität zu erhöhen.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 14/231/23
Um die wachsende Zahl von Einbrüchen zu bekämpfen, greifen Hausbesitzer vermehrt zu ungewöhnlichen Maßnahmen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es ballert sich nun einmal deutlich beruhigter, wenn man 50 statt 30 Schuss in seiner Wumme zur Verfügung hat. Neben den hinlänglich bekannten - und nebenbei gesagt sehr detailliert modellierten - Kanonen wie MP 40 oder Karabiner finden sich auch einige sehr abgefahrene Meinungsverstärker im Spiel. Die Tesla-Kanone beispielsweise verteilt mächtige Energieblitze und röstet Gegner hordenweise.

Unser Lieblings-Phantasie-Entleibungsinstrument ist jedoch die Leichenfaust 44. Die löst Schergen buchstäblich in Luft auf - und das mit nett anzusehenden Effekten. Derlei Waffengedöns findet sich natürlich nicht zu Beginn, sondern wird nach und nach mit steigendem Schwierigkeitsgrad verfügbar und kann dann ebenfalls ganz normal im Schwarzmarkt aufgewertet werden.

Die wichtigste übernatürliche Eigenschaft des Thule-Artefakts besteht in der Erzeugung eines so genannten Schleiers. Einmal aktiviert, befindet man sich in einer zwischendimensionalen Ebene, die das Sichtfeld deutlich verändert. So kann man nicht nur Gegner auch im Dunkeln schnell erkennen, sondern sieht auch bei einigen Unholden deren wahre fiese Visagen.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Forscher warnen: Infolge des Klimawandels werden die Gewitter im Westen Deutschlands heftiger.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Außerdem sorgt der Schleier dafür, dass man verborgene Türen findet, die dem normalen Blick entzogen sind. Außerdem schwirren in der Zwischendimension viele kleine Geister herum, die entfernt an den beliebten grünen Schleimling aus "Ghostbuster" erinnern und bei Beschuss explodieren. Dass dies Auswirkungen auf in der Nähe befindliche Nazis hat, muss wohl nicht extra betont werden. Dennoch sollte man sich nicht allzu sehr auf die Möglichkeiten des Schleiers verlassen. Denn trotz aller Vorteile bleibt man natürlich verwundbar, und im heftigen Schlachtgetümmel kann es schon mal passieren, dass man aufgrund des verstärkten Lichtes durch Mündungsfeuer der gegnerischen Waffen förmlich geblendet wird.

Hinzu kommt, dass das Artefakt Energie saugt ohne Ende und man in stressigen Situationen nicht immer die Zeit findet, das Teil aufzuladen. Und so kann es passieren, dass dem Artefakt plötzlich die Puste ausgeht. Das wäre an sich nicht schlimm, sorgt aber für böse Überraschungen, wenn das mitten in einem Durchgang passiert, der ohne den Schleier gar nicht existiert.

Und jetzt das Ganze noch mal von vorn

Was uns zum Punkt "Speichern" bringt. Denn freie Savegames sind leider nicht möglich. Ganz nach alter Konsolentradition speichert das Spiel stattdessen an vorgegebenen Checkpoints automatisch. Verliert man kurz vor Erreichen des nächsten Punktes sein Leben, heißt es zurück auf Anfang, respektive auf den zuletzt erreichten Zwischenstand.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 14/231/23
Beim letzten Manöver Bundeswehr wurde diese Innenstadt geringfügig in Mitleidenschaft gezogen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Anfangs stört dieser Umstand kaum, doch mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad und steigendem Gegneraufkommen hangelt man sich im späteren Verlauf des Spiels an einigen Stellen von einem Checkpoint zum nächsten. Scheitert man, müssen auch bei jedem Anlauf die bis dahin bereits erbeuteten Geheimdokumente und Goldstücke von neuem eingesackt werden. Das ist, je nach Temperament des Zockenden, mehr oder weniger nervig. Denn wenn man aufgrund widriger Umstände einen bestimmten Abschnitt zum wiederholten Mal vergeigt, kommt Frust auf. Und das bedeutet Gebissabdrücke in der Tastatur oder verstauchte Handknöchel.

Warum die Entwickler auf das Prinzip des freien Speicherns verzichtet haben, ist für uns jedenfalls nicht nachvollziehbar und auch nicht damit zu begründen, dass das Spiel sowohl für den PC als auch für Konsolen erschienen ist. Viele Shooter, die für einen der wohnzimmertauglichen Spaßspender konzipiert sind, bieten diesen Service schließlich auch.

Wie eingangs erwähnt, kann man sich zwischen den Missionen jederzeit in Isenstadt bewegen und Gold und Geheimdokumente gegen Waffenupgrades eintauschen. Das ist auch bitter nötig, denn der Schwierigkeitsgrad steigt leider nicht sehr moderat an, sondern eher sprunghaft, weshalb man stets so viele Erweiterungen erwerben sollte, wie das Portemonnaie hergibt.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Köln: Nach einem Stromausfall wird die benötigte Energie nun wieder per Bote ausgeliefert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch selbst das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwickler offenbar der Ansicht waren, die Schwierigkeit müsse schnell und hart ansteigen, um das Spiel interessant zu gestalten. Empfindliche Naturen und Menschen mit dem Reaktionsvermögen einer Schlaftablette werden dies nicht zu schätzen wissen, Hardcore-Zocker mit hypertonischer Hand-Augen-Koordination hingegen werden damit weniger Probleme haben - falls die überhaupt noch mit irgendetwas Probleme haben sollten.

Die Gegner-KI ist einfach gestrickt, funktioniert aber zufrieden stellend. Die Bot-Burschen gehen selbstständig in Deckung, geben sich Feuerschutz und ballern koordiniert auf den Spieler. Da um eines höheren Realismus-Grades willen auf eine Gesundheitsanzeige auf dem Bildschirm verzichtet wurde, sollte man deshalb öfter mal den Kopf einziehen und auf eine Feuerpause warten, als sich darauf zu verlassen, irgendwie durchzukommen. Denn - wie oben angemerkt - der digitale Tod ist schmerzhaft, weil man einen Abschnitt neu beginnen muss.

Wolfenstein - Es war einmal in Zombie-Deutschland...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 14/231/23
Trotz altmodischem Gamedesign sprang beim Test der Funke über.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Übrigens: wem die - auch in Sachen deutsche Synchronisation - technisch saubere Ballerorgie allein langweilig wird, dem bietet "Wolfenstein" auch einige Multiplayer-Varianten. Je nach Laune trifft man sich online oder im LAN zu klassischen Team-Deathmatches oder attackiert beziehungsweise verteidigt bestimmte Punkte. Der Fokus des Spiels liegt jedoch eindeutig auf dem Kampagnenmodus für Einzeltäter. Denn hier spielt das Programm seine wirkliche Stärke aus: atmosphärisch dicht inszenierte und unkomplizierte Ballerspektakel für den kleinen Actionspaß in der Abenddämmerung.