Halbzeit, in mehrerlei Hinsicht. Bergfest für die Adventszeit, für die Last-Minute-Geschenkekäufer unter euch (willkommen im Club) und unsere etwas andere „Was kaufe ich zu Weihnachten?“-Ratgeberreihe. Dieses Jahr überlassen wir coole Gaming-Guides den Kollegen und stellen euch stattdessen jeden Advent andere karikative Gaming-Organisationen vor, weil Nächstenliebe fetzt.

Während der Konzeptionsphase dieser Artikelreihe haben wir uns viele Gedanken gemacht. Wie vermeiden wir einen missionierenden Eindruck? Trifft dieses Thema euer Interesse? Und gibt es überhaupt ausreichend gemeinnützige Initiativen innerhalb der Games-Branche? Ob wir unser erstes Ziel erreicht haben, müsst ihr schon selbst beantworten, doch zumindest die letztgenannten Fragen können wir inzwischen locker mit einem „Aber hallo!“ beantworten – und sind verdammt glücklich über diesen Umstand.

Zum Startschuss vor zwei Wochen haben wir GamesAid und SpecialEffect in den Fokus gerückt, vor sieben Tagen hingegen Desert Bus for Hope sowie Child's Play vorgestellt. Viele dieser Projekte sind miteinander vernetzt, tauschen gleichermaßen Know-how wie Unterstützung untereinander aus, sammeln vor allem aber Geld füreinander. So verstehen sich etwa GamesAid und DBfH zuallererst als Regenschirmorganisationen, die Spenden sammeln und diese weiterverteilen. Um eines der erfolgreichsten wie bekanntesten dieser Projekte geht es jetzt: das Humble Bundle.

Von einer guten Idee zum Millionengeschäft

Für die dreieinhalb unter euch, denen dieser Name nichts sagt: Das Humble Bundle bietet regelmäßig verschiedene digitale Games- und inzwischen auch Entertainment-Pakete nach dem „Zahl was du willst“-Prinzip an. Käufer können selbst entscheiden, wie viel sie für die jeweiligen Spiele zahlen – und vor allem, nach welchem Schlüssel ihr Geld an die entsprechenden Entwickler, wohltätige Zwecke und das Humble Bundle selbst geht.

Wohltätigkeit statt Wunschzettel - Zocken für die gute Sache

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Aktuell feiert Humble Bundle den 25. Geburtstag des Neo Geos. Retro-Spiele zocken und dabei Gutes tun? Klingt nach einem feinen Deal.
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Dem ersten Angebot im Mai 2010 ging jedoch einiges an Planung voraus. David Rosen, Gründer des Indie-Studios Wolfire Games, wurde durch ähnliche Steam-Bundles zu diesem interessanten Distributionskonzept inspiriert, hatte besonders ein Auge auf die häufig virale Verbreitung dieser Angebote geworfen. Rosen wusste auch um die entscheidende Bedeutung der Hemmschwelle beim Kauf eines Bundles. Das Geld muss schnell, zwang- und problemlos über den virtuellen Ladentisch gehen, um die riesige Gruppe der spontanen „Nehm ich mal mit“-Käufer ins Boot zu holen. Deshalb installierte er die Vielzahl verschiedener Zahlungsoptionen, die wir heute nutzen.

Durch seine Tätigkeit als Entwickler hatte Rosen über die Jahre hinweg ein engmaschiges Indie-Netzwerk geknüpft – Kontakte, die ihm bei der Umsetzung des Humble Bundles von großem Nutzen waren. Der endgültige Startschuss fiel jedoch erst nach der Finanzspritze durch die Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft Sequoia Capital in Höhe von 4,2 Millionen Dollar. Zehn festangestellte Mitarbeiter zogen Deals an Land, stellten die notwendige technische Infrastruktur auf und machten ordentlich PR.

In den folgenden Jahren weitete sich das Projekt in alle Richtungen aus: mehr Mitarbeiter wurden eingestellt, größere Bundles in kürzeren Intervallen gestartet. Neben Spielen werden inzwischen auch regelmäßig, E-Books, Comics, Mobile- und sogar Nintendo-eShop-Spiele angeboten. Auch verschiedene Boni wie Soundtracks, Konzeptzeichnungen, Wallpaper und andere Zugaben sind längst keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. Zuletzt waren die Zahlen jedoch stark rückläufig; erst vor wenigen Wochen mussten rund 20 Prozent der zwischenzeitlich 50-köpfigen Belegschaft entlassen werden.

Wer profitiert vom Humble Bundle?

Eine interessante Erfolgsgeschichte bis hierher, aber keine besonders wohltätige – wenn Rosen nicht seit Tag eins Unterstützer von gemeinnützigen Stiftungen gewesen wäre. Neben der wohltätigen Seite an Child's Play schätze er ihren aktiven Kampf gegen die typischen Stigmata, mit denen Videospiele seit jeher behaftet waren.

Um seinen Teil zu Projekten wie diesen beizutragen, entschied sich der Entwickler und Firmengründer dazu, mit dem Humble Bundle auch einen Beitrag zur guten Sache zu leisten. Deshalb können Käufer selbst bestimmten, wie viel ihres Geldes an Hilfswerke, die Entwickler der angebotenen Spiele und das Humble-Team selbst gehen soll. Nur rund 15 Prozent der Einnahmen fließen durchschnittlich an die Mitarbeiter und die notwendige Technik – der Rest soll ausschließlich Vereinen wie Child's Play und Entwicklern zugutekommen. Inzwischen sollen auf diesem Wege bereits Spenden in Höhe von insgesamt 65 Millionen Dollar gesammelt worden sein.

Wie kann ich helfen?

Durch das Kaufen von Videospielen, nichts leichter als das. Auf der offiziellen Humble-Bundle-Seite findet ihr im Schnitt alle zwei Wochen neue Games-Angebote, bestehend aus drei bis fünf Spielen, außerdem die bereits erwähnten Zusatz-Bundles. Den Kaufpreis bestimmt ihr genauso selbst wie dessen Verteilung. Auch gibt es inzwischen diverse ähnliche Angebote wie Indie Royale, Bundle Stars und Indie Gala, die zumeist aber weniger Wert auf Wohltätigkeit legen.