Dass Abenteurer gerne mal in die Rolle eines echten Helden und Weltenretters schlüpfen, ist kein Geheimnis. Doch was in Solo-Games vortrefflich funktioniert, bringt Mehrspielerwelten ins Wanken und zerstört die Immersion. Dort backen die Spieler lieber mal kleine Brötchen. Eine Marktlücke, die es dringend zu füllen gilt.

Metal Gear Survive ist neu auf dem Markt und basiert zu großen Teile auf dem Multiplayer-Modus:

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Wer regelmäßig auf Twitch unterwegs ist, dem wird aufgefallen sein, dass ein recht betagtes Spiel aktuell dabei ist, zu den ganz großen Titeln aufzuschließen. Dabei ist der jüngste Erfolgsschub von Grand Theft Auto V weniger den Entwicklern selbst zuzuschreiben, sondern fleißigen Moddern. Die haben eine Solo-Map multiplayer-tauglich gemacht und es privaten Serverbetreibern ermöglicht, Server nach ganz eigenen Vorstellungen aufzusetzen.

Admins, Mods und hohe Hürden

Wer mitspielen will, muss viel Geduld aufbringen, Volljährigkeit nachweisen, ein hartes Bewerbungsprogramm durchlaufen und eisern Rollenspielregeln büffeln. Auf Außenstehende klingen die bisweilen befremdlich, doch sie sorgen auf den Servern für Ordnung. Zusätzlich verhindert eine stattliche Truppe aus Admins und Moderatoren, dass Trolle und Cheater die Immersion zerstören.

Fast 10.000 Zuschauer sind allein bei Top-Streamer Shrolox dabei, seine Partnerin Tinkerleo bringt es noch einmal auf rund 3.000 Zuschauer. Damit schauen dem Gespann bisweilen mehr Leute zu als Twitch-Größen wie DrDisRespect. Und anders als der Doktor, der sich selbst gerne als das Gesicht von Twitch und als ultimativen Helden bezeichnet, bieten die deutschen GTA-Streamer kein Heldentum zum Besten, sondern erstaunlich Alltägliches.

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Klar, auch auf den privaten RP-Servern wie Klaerwerk oder Alternate-Life gibt es Gangster, Psychopathen und zwielichtige Gesellen, denen man besser nicht im Weg stehen sollte. Die Mehrzahl der Spieler ist jedoch vergleichsweise friedlich, verarbeitet und verkauft lieber Rohstoffe, fährt als Cop Streife oder verarztet als Rettungssanitäter verletzte Bewohner. Selbst Abschleppdienste und Busfahrer gibt es in der virtuellen Welt, dazu ein ganzes Rechtssystem mit Rechtsanwälten, Staatsanwälten und Richtern.

Kommunikation ist der Schlüssel

Kommuniziert wird, und das ist der Clou, über einen mit dem Spiel verkoppelten Teamspeak-Server, der Charaktere, die in unmittelbarer Nähe stehen oder sich im Spiel anrufen unmittelbar und in herausragender Qualität miteinander sprechen lässt. Wer aus der Rolle fällt und Real-Life-Anspielungen macht, wird sofort verwarnt und bei schwereren Vergehen gebannt. Das fällt umso leichter, weil unzählige Streamer am Werke sind und die Server quasi rund um die Uhr live auf Twitch.

Das Spielerlebnis selbst hat kaum noch etwas mit GTA zu tun. Die Modder nutzen lediglich die moderne Spielwelt, die wundervoll detaillierten, anpassbaren Fahrzeuge und die unzähligen Animationen, die für ein Rollenspiel wie geschaffen sind. Einziger Wermutstropfen: Regelmäßige Abstürze und volle Server zu Stoßzeiten. So voll, dass einige Server die Aufnahme neuer Bewerber bisweilen aussetzen.

Und der Andrang ist so gewaltig, dass man davon ausgehen kann, dass ein professionelles Spiel, das die gleichen Möglichkeiten bieten und mehr Spieler bei höherer Stabilität aufnehmen könnte, zum garantierten Blockbuster aufsteigen würde. Kurz gesagt: In den privat gemoddeten GTA-RP-Welten steckt mehr MMORPG als in Spielen, die sich so nennen.

Identity - der professionelle Anlauf

Eine Entwicklung, die zumindest das Team von Asylum Entertainment schon lange verfolgt. Immerhin versucht man dort, einen eigenen Real-Life-Simulator auf die Beine zu stellen, ganz ähnlich jener GTA-RP-Server, jedoch mit weit höherer Bevölkerung und stabilerer Technik. Um das zu gewährleisten, hat man sich eine Unreal-Lizenz gesichert und bastelt seit einigen Jahren an einer interessanten Welt.

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Selbstverständlich können Spieler auch dort in die Rollen von Cops oder Drogendealern schlüpfen, um zum Beispiel ein typisches “Breaking-Bad-Erlebnis” zu bekommen. Wie das konkret aussehen könnte, haben die Entwickler in einem kurzen Video angerissen. Und die vielleicht beste Nachricht: Asylum Entertainment hat sich externe Hilfe geholt, damit man die erste Inkarnation von Identity, ein Modul namens Town Square, bald im Early Access auf Steam anspielen und das Projekt unterstützen kann.

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