Wenn eine virtuelle Welt endgültig von ihren Betreibern abgeschaltet wird, hat das in der Regel wirtschaftliche Gründe. Meist fehlt es an den nötigen Einnahmen oder eine Lizenz läuft aus. Manchmal hat der Publisher auch schlicht ein neues Produkt in der Pipeline und möchte den alten Titel schnellstmöglich abschreiben. Die verbliebenen Spieler schauen in solchen Fällen regelmäßig in die Röhre. Doch das könnte sich bald ändern, denn ein Gnadenhof für abgehalfterte Onlinewelten ist in Planung.

Kein MMO, aber ein Spiel, von dem MMOs wohl noch einiges lernen können - Kingdom Come: Deliverance.

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Es gibt wohl niemanden, der auch nur einen vagen Überblick darüber hat, wie viele Onlinespiele es da draußen eigentlich gibt. Und die allermeisten, darüber dürften wir uns einig sein, wird auch niemand vermissen, wenn sie irgendwann abgeschaltet werden. Doch es gibt immer wieder traurige Fälle, in denen sich Publisher dazu entschließen, die Apokalypse in Welten einzuleiten, in denen es noch kreucht und fleucht.

Schwerer Vertrauensbruch

Einer der schwersten Fälle war wohl dereinst Star Wars: Galaxies. Die dereinst vorbildliche Sandbox hatte wegen ein paar verheerender Patches über die Jahre hinweg zwar schon ordentlich an Spielern verloren, jedoch hatten die Aussteiger durchaus noch die Hoffnung gehegt, dass die Entwickler irgendwie zu Sinnen kommen und das Spiel wieder auf die Beine stellen würden.

Als dann jedoch noch der Lizenzvertrag auslief, entschied man sich damals bei Sony Online Entertainment, die ferne Galaxie einfach so plattzumachen. Die Community hat dem Publisher das bis heute nicht verziehen. Gleich mehrere Gelegenheiten, sich den Ruf zu ruinieren, nutzte der westliche Ableger des südkoreanischen Publishers NCSoft.

Der Wiederholungstäter

Dort legte man zuerst Auto Assault aufs Eis, dann Richard Garriotts Tabula Rasa. Danach strich man noch Lineage 1, entließ den Support zu Lineage 2 und schaltete mal eben den Strom des ungemein beliebten und wirtschaftlich erfolgreichen City of Heroes ab. Kein Wunder, dass viele Spieler von damals, die unzählige Spielstunden in die jeweiligen Titel gesteckt hatten, bis heute keinen Titel von NCSoft mehr angerührt haben.

Doch nicht jeder Titel wird aus reinem Gewinnstreben der Betreiber eingestellt. Manch einer lässt sich auch einfach nicht ordentlich monetarisieren, weil er schlicht zu wenig Spieler anlockt und man nicht einmal mehr ein Kernteam für den Support beschäftigen kann, geschweige denn Entwickler, die für regelmäßige Erweiterungen sorgen. Oder der Publisher schlittert mal eben komplett in die Pleite.

Marvel Heroes - Rettung in letzter Not?

So wie Gazillion Entertainment, deren Marvel Heroes einst so verheißungsvoll gestartet war. Immerhin hatte Diablo-Miterfinder David Brevik seine Finger mit im Spiel. Doch nachdem Brevik die Superhelden und Gazillion vor gut zwei Jahren hinter sich gelassen hatte, um Path of Exile auf den chinesischen Markt vorzubereiten, ging es bergab mit den Marvel-Helden, die sich zwar gegen Schurken mit Superkräften durchsetzen können, jedoch kaum gegen eine Insolvenz.

Und so schaut eine nicht ganz unbedeutende Community, die sich zum Teil noch aus CoH-Veteranen rekrutierte, schon wieder in die Röhre und trauert um ein Spiel, das im Vergleich zu Path of Exile vielleicht nicht übermäßig gut war, jedoch ziemlich viel ungenutztes Potential hatte, das eine Handvoll kreativer Entwickler mit etwas Einsatz hätten ausbauen können.

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Vom Friedhof ins Labor

Und genau dieses Dilemma ruft jetzt das Enter Paragon Institute auf den Plan, eine Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, herrenlose Titel aufzukaufen und sich ihrer anzunehmen. Für Marvel Heroes ist man bereit, 450.000 Dollar hinzublättern, vorausgesetzt, man kann die Lizenzfrage mit Disney klären. Den Konkursverwalter dürfte das freuen, gelten eingestellte Titel doch zumeist als wertlos. Doch was zum Teufel wollen die Jungs von Enter Paragon mit diesem Spiel und anderen eingestellten Projekten?

Man hat doch tatsächlich vor, ein Test- und Lernlabor aufzubauen, in dem man junge Entwickler ausbilden kann. Die sollen dann anhand von Spielen wie Marvel Heroes lernen, wie man einen Titel betreibt, pflegt, ausbalanciert und kreativ erweitert. Und da Marvel Heroes in der Unreal Engine 3 entwickelt wurde und als isometrisches Action-RPG vom Design her nicht schwer zu durchblicken ist, möchten die Leute von Enter Paragon genau damit beginnen.

Das ist sicherlich besser, als Nachwuchsentwickler während der Ausbildung an komplett eigenen Projekten arbeiten zu lassen, von denen ohnehin die wenigsten jemals ordentlich spielbar sind oder die schlichtweg nichts mit dem zu tun haben, woran sie später im Job mal arbeiten werden. Und mir fiele auf Anhieb ein Dutzend guter Spiele ein, die in einem solchen Ausbildungslabor noch einmal neu aufblühen könnten.

It Lurks Below - Brevik taucht unter

Altmeister David Brevik kümmert das derweil wenig. Er hatte sich schon vor Monaten alleine in den eigenen Keller zurückgezogen. Von dort ist er jetzt wieder aufgetaucht, um uns zu zeigen, was da unten lauert. It Lurks Below heißt der Titel, der in etwa aussieht, als wären Diablo und Terraria geklont worden.

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