Lange Zeit schien es so, als sei die Begeisterung der Spieler fürs Crowdfunding abgeflaut. Immer mehr Kickstarter-Projekte verfehlten ihr Ziel, wurden eingestellt oder im Notbetrieb weiter vorangetrieben. Mittlerweile jedoch gibt es wieder Erfolge zu vermelden und die Lust der Spieler auf persistente Online-Unterhaltung ist neu entflammt und damit auch die Spendierlaune.

Ashes of Creation - das Vorzeige-MMO

Angesichts der herben Enttäuschungen, die so mancher Indie-Entwickler in jüngster Zeit auf Kickstarter erleben musste, hätte man es sich bei Intrepid wohl kaum träumen lassen, dass Ashes of Creation einen Rekord aufstellen würde. Entsprechend bescheiden war die Vorgabe: 750.000 Dollar sollten gesammelt werden - angesichts der hübschen Grafik durchaus im Bereich des Möglichen.

Doch die Entwickler hatten die MMO-Gemeinde auf Kickstarter unterschätzt. Die Fans sind ziemlich gut organisiert und erkannten hinter der ansprechenden Optik obendrein ein komplexes MMORPG mit überdurchschnittlich viel Potential. Schnell verbreitete sich die frohe Kunde, dass da ein ziemlich ambitionierter Titel auf der Werkbank liegt und finanzielle Unterstützung gebrauchen könnte. Und so kam es, dass Ashes of Creation nun mit über drei Millionen Dollar Kapital auf einem ordentlichen finanziellen Fundament steht.

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Wobei es durchaus Kritik gibt, wurde das Projekt doch von einigen YouTube-Größen beworben, die zeitweise 15 % der investierten Summe als Provision kassierten. Dennoch ist der Erfolg beachtlich und sorgt aktuell für eine spürbare Motivation in Studios und bei Publishern, sich wieder mal mit dem verloren geglaubten Genre zu beschäftigen. Intrepid nutzt die kommende Finanzspritze auf jeden Fall sinnvoll und rekrutiert gleich fünf neue Entwickler, allesamt ziemlich erfahren und von Studios wie Psyop Games, SOE, Obsidian und Amazon abgeworben.

Star Citizen - 150 Millionen für den Rekord, 400.000 für die Katze im Sack

Dabei wird der Geldstrom mit Abschluss der Kickstarter-Kampagne kaum versiegen. Im Gegenteil - Projekte wie Star Citizen haben gezeigt, dass viele Fans sogar bereit sind, ein monatliches Budget für ihren virtuellen Traum bereitzustellen. Chris Roberts Sci-Fi-MMO hat es auf diese Weise zu über 150 Millionen Dollar Budget gebracht. Herzlichen Glückwunsch schon mal dafür.

Das ist mehr, als ihm irgendein Publisher jemals für ein Großprojekt hätte, zudem das Geld keine Leihgabe ist, sondern quasi ein Geschenk der Fans, die nichts weiter dafür bekommen werden als eine digitale Version des Spiels - ein Publisher hätte seinen Beitrag natürlich als Investition verstanden und hinterher jahrelang das Geld wieder aus dem Projekt herausgemolken.

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Mit 327,25 $ ist die Aegis Eclipse ein echtes Space-Schnäppchen und von Chris Roberts knallhart kalkuliert, wie man an der krummen Summe erkennen kann.
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Doch so begrüßenswert es für das Projekt insgesamt auch sein mag, bisweilen ist es verstörend, wie viel Geld die Fans immer und immer wieder für Star Citizen hinblättern. Allein die Aegis Eclipse, ein Bomber, den man sich ohnehin später auch im Spiel verdienen kann, hatte aktuell über 400.000 Dollar eingespielt, bevor überhaupt Details zu dem Schiff bekannt waren. Stolze 300 Dollar auszugeben für ein virtuelles Raumschiff aus einem Spiel, das vielleicht in zwei oder drei Jahren mal veröffentlicht wird, erinnert doch stark an den Kauf des berühmten Kilrathi im Sack.

Stationeers - im Weltall hört dich niemand schreien

Einer, dem man die Katze im Sack wahrscheinlich nicht mehr abkaufen würde, ist Dean Hall. Immerhin hat der Schöpfer von DayZ die Fangemeinde ziemlich verärgert, als er dem Projekt auf halber Strecke den Rücken gekehrt hat. Und doch versucht der legendäre Modder weiterhin sein Glück und ist sich, nach einigen Blindgängern, mittlerweile überzeugt, ein Projekt gefunden zu haben, das er über die Ziellinie bringen kann.

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Dean Hall legt nach - aber nicht für DayZ, sondern für sein Stationeers, ein Weltraum-Survival-Sim, das entfernt an das EA-Projekt Hellion erinnert, jedoch längst nicht so gut aussieht.
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Das trägt den Namen Stationeers, soll als “Multiplayer-Survival-Sim” durchgehen und läuft aktuell wohl immerhin schon mal mit 28 gleichzeitig Spielenden, bei “ausgezeichneter Performance”. Aktuell arbeitet Dean Hall wohl daran, ein “großartiges Kernspiel” zu erschaffen, wie man es von erfolgreichen Early-Access-Titeln wie Prison Architect und Rimworld her kennt. Dean Hall will seine Katze auf jeden Fall noch im Laufe des Jahres im Sack verschnüren und auf Steam stellen.

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