Der wirtschaftliche Erfolg eines Produktes hängt in den meisten Branchen in nicht unbedeutendem Maße von dessen Qualität ab. Nicht so im Unterhaltungssektor. Dort generieren bisweilen Lieder, Filme, Serien und Spiele Rekordumsätze, obwohl deren Qualität miserabel ist und sie angeblich niemand wirklich mag.

Als ich in den 1980er Jahren zum ersten Mal “Da Da Da…” im Radio hörte, zweifelte ich in jenem Moment am Geisteszustand des Programmchefs. Und hätte man mir damals erzählt, dass Stephan Remmler 13 Millionen Singles von dem üblen Machwerk verkaufen würde, ich hätte es für einen schlechten Scherz gehalten.

Einen Hype kann man nicht erklären

Und diese Erfahrung sollte kein Einzelfall bleiben. Nicht nur im musikalischen Bereich, auch bei Filmen, Serien und Spielen erlebte ich so manch verstörendes Erlebnis. Wie konnte Twilight erfolgreich sein? Wo nimmt Fifty Shades of Grey nur seine Zuschauer her und wer kauft eigentlich die ganzen “Gaumenfreuden-DLC” oder “Coole Küchen Accessoires” für Die Sims 4, nachdem er den ganzen Schrott schon für alle anderen Teile gekauft hat?

Klar ist: In der Unterhaltungsbranche spielen stichhaltige Kriterien eine untergeordnete Rolle und Unterhaltung, das sollte uns allen mittlerweile klar sein, lässt sich in keinem “Testlabor” der Welt analysieren. Wir Kritiker können uns den Mund fusselig reden - am Ende ist da draußen eine Masse von zahlungskräftigen Menschen, die einen ganz eigenen Geschmack zu entwickeln scheinen, die sich nicht für Qualität interessieren, keine Vergleiche anstellen, sondern einfach nur blind und hungrig konsumieren.

“Spiele jetzt das beste MMORPG aller Zeiten: League of Angels II”

Umgekehrt gibt es eine wachsende Zahl grandioser Lieder, Filme, Serien und Spiele, die niemand kennt, denen bedauerlicherweise niemand Beachtung schenkt, weil besagte Erfolgstitel die komplette Aufmerksamkeit aufsaugen und die Nachfrage bestimmen. In der Games-Branche sprechen wir für gewöhnlich von einem Hype.

Den kann ein Hersteller schüren, indem er einem Titel ein stattliches Werbebudget zuweist. Gezielter denn je hauen uns die Firmen also tolle Vorschläge über Google und Facebook um die Ohren, perfekt zugeschnitten, dem eigenen Surfverhalten entsprechend. Kein Wunder, dass ich jeden Tag Dutzende “vorgeschlagene Beiträge” zu diesem und jenem MMO auf Facebook bekomme.

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Destiny 2 - daran kommt niemand vorbei

Aktuell sind es Beiträge zu Mass Effect: Andromeda, mit denen ich überhäuft werde, damit ich das Spiel auch ja nicht verpasse. Und irgendwann im Laufe der nächsten Monaten wird dann auch Destiny 2 immer häufiger in den sozialen Medien auftauchen, bis die Nachrichtenflut kurz vor dem 08. September ihren Höhepunkt findet.

Dann nämlich erscheint die Fortsetzung des irrsinnig erfolgreichen Spiels, das mich ein wenig an die 80er und an “Da Da Da” erinnert, weil es in meinem Freundeskreis beinahe jeder besitzt, obwohl es, wenn man mal nachfragt, keiner so richtig mag und man permanent über die völlig überzogene Preispolitik schimpft und über DLC, die irgendwie stets nicht das geboten haben, was man sich vorab erhoffte.

Und damit diesmal auch wirklich niemand mehr außen vor bleibt, holen Bungie und Activision auch gleich noch die PC-Spieler mit an Bord. Ob die angesichts des betörenden Hypes und der vergleichsweise ebenso guten wie günstigen Alternative Warframe nun etwas cooler bleiben als die Kollegen auf den Konsolen, bleibt abzuwarten.

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