Nachdem unser Kolumnist in der vergangenen Woche einen kleinen PokéStop eingelegt hatte, weil die Branche ohnehin ins Sommerloch gefallen war, setzen sich die Publisher aktuell wieder in Bewegung und marschieren stramm in Richtung Gamescom. Die steht in nicht einmal vier Wochen auf dem Terminplan und wird uns auch diesmal wieder jede Menge Knaller bescheren - oder auch nicht.

Auch wenn viele Branchenvertreter dem sicherlich widersprechen möchten und sie in diesen Tagen gerne das Wachstum der Massenveranstaltung unterstreichen, war die Gamescom in den letzten Jahren kein Ort, den man unbedingt besucht haben müsste, um auch wirklich nichts zu verpassen. Neue Titel werden meist schon auf der E3 enthüllt, in Alpha- und Betaphasen kann man sich einkaufen und CGI-Trailer aus der Konserve genießt man ohnehin am bequemsten zu Hause.

Treffen sich Zehntausende am PokéStop

Die Gamescom 2016 wird vor allem von einem Phänomen geprägt sein: Pokémon Go. Dessen Spieler werden den Veranstaltern auf jeden Fall Kopfzerbrechen bereiten, verhalten sich Menschen auf Monsterhatz doch anders etwas als gewöhnlich. Kaum auszumalen, was passiert, wenn man ein paar Messehallten mit Gamern füllt, die allesamt einen regelmäßigen PokéStop an einem ganz bestimmten Ort einlegen wollen.

Doch dieser logistische und sicherheitstechnische Mehraufwand soll nicht unser Problem sein, interessieren wir uns doch weniger für die kleinen Monster da draußen und eher für das, was die wenigen verbliebenen MMO-Studios so in den Schubladen haben - sofern überhaupt noch etwas darin liegt. Aktuell lässt sich auf jeden Fall feststellen: Je größer der Publisher, desto unwahrscheinlicher, dass noch ein Beitrag fürs MMO-Genre zu erwarten ist.

No Man’s Sky - versteh einer die Aliens!

Eine der Hauptattraktionen wird auf jeden Fall No Man’s Sky, der wahrscheinlich heißersehnteste Titel dieses Sommers, dessen Start auf der PS4 in zwei Wochen bevorsteht und für den die Fans in den Kölner Hallen vermutlich Schlange stehen werden. Wobei angesichts des aktuellen Hypes zahlreiche Kritiker zur Vorsicht mahnen: No Man’s Sky ist nur theoretisch ein Multiplayer-Titel und seine Entwickler hielten sich bislang verdächtig zurück, was die Enthüllung wirklich handfester Spielmechaniken betrifft.

Umso erfreulicher, dass man aktuell noch ein Video veröffentlicht hat, das zumindest etwas mehr Licht ins Dunkel des Alls bringt. Sowohl dort als auch auf Planeten gibt es nämlich Ressourcen, die man sammeln und nutzen kann, sofern man die nötige Technologie erlernt hat. Die Vorkommen sind dabei von Planet zu Planet unterschiedlich, sodass Handelsrouten erschlossen werden können. Dabei hilft ein gutes Verhältnis zu den einheimischen Intelligenzen, wodurch unzählige Sprachen als weiteres Element ins Spiel kommen, die man lernen kann, indem man mit besagten Wesen spricht.

Revelation Online - die Enthüllung

Und auch zu Revelation Online gibt es plötzlich mehr Infos und Videos. Das liegt natürlich vor allem daran, dass sich rechtzeitig vor der Gamescom ein Publisher gefunden hat, der sich des ziemlich vielversprechenden MMORPG aus China annehmen will. Dass es der russische Publisher my.com sein wird, sorgt in der Community aktuell jedoch für hitzige Debatten, zudem der Publisher den Produzenten von Skyforge abgezogen hat, um künftig für Revelation Online verantwortlich zu zeichnen.

Ausgerechnet jenen Produzenten, der sich während der Beta-Phase von Skyforge noch als Community Manager verdingte und der vor allem dadurch auffiel, dass er versprach, jeden Spieler zu bannen, der sich an der Pay-to-win-Diskussion zu Skyforge beteilige. Der eine oder andere mag sich an den Skandal erinnern und daran, dass das Schicksal von Skyforge damit bereits besiegelt war. Angesichts der Qualität des Lobby-Games war uns das damals relativ egal. Um Revelation Online jedoch wäre es möglicherweise schade, würde es am Publishing scheitern.

Foxhole - massives Kriegsgeschehen

Dass die Entwickler von Foxhole schon auf der kommenden Gamescom großartig von sich reden machen, ist kaum anzunehmen, denn bei Clapfoot Inc. handelt es sich um ein sehr kleines Studio, das sich wohl keine Präsentation in Köln leisten wird. Und doch zieht man aktuell alle Register, um Foxhole irgendwie ins Gespräch zu bringen, warb unter anderem auch auf Steam für Unterstützung über das Greenlight-Programm.

Und die Vorstellung schlug ein wie eine Bombe. Immerhin wagen sich die Entwickler an etwas, das viele andere Studios gar nicht erst versuchen wollen, weil andere vor ihnen gescheitert waren: In Foxhole steuert man eine kleinen Soldaten aus der Vogelperspektive und versucht in einer riesigen, persistenten Welt, mit seinem Team und allerlei strategischen Möglichkeiten, die Frontverläufe zu verschieben. Der Greenlight-Trailer war mit Sicherheit nicht ganz unbeteiligt am schnellen Erfolg der Kampagne und man darf gespannt sein, was da mit Foxhole auf uns zukommt.

Sunset Rangers - rauchene Colts

Was mit Sunset Rangers spielerisch auf uns zukommt, ist nicht schwer zu erraten, wenn man hört, dass es sich um eine Survival-Sandbox handelt. Und doch hat Sunset Rangers, was Dutzende Spiele dieser Art nicht haben: ein Szenario, das Entwickler seit Jahrzehnten vernachlässigen, weil sie lieber Fantasy- oder Sci-Fi-Games entwickeln.

Der Wilde Westen bietet alles, was Sandbox-Fans lieben: ungenaue Schusswaffen, Banditen, Crafting, Schatzsuche und ganz offensichtlich auch eine aggressive, wenngleich nicht ganz historisch korrekte Wild-West-Fauna. Aktuell ist Sunset Rangers noch in der Pre-Alpha-Phase und dürfte noch ein, zwei Jahre Entwicklungszeit vor sich haben.

Sea of Thieves - Kurs auf ruhigere Gewässer

Thematisch nicht minder interessant und immerhin schon beinahe fertig für die geschlossene Betaphase ist Sea of Thieves, bei dem man tatsächlich ein Schiff bemannt und durch allerlei Abenteuer und Kämpfe steuern und feuern muss. Und mehr als das, denn die Entwickler versprechen Erkundungsfahrten, Schatzsuche und allerlei Aktivitäten jenseits der Kugelhagel.

Ursprünglich hatte das Team von AusGamers ja geplant, Sea of Thieves recht harsch zu entwerfen, mit der Möglichkeit, die Fronten zu wechseln, Freunde zu beschießen und mit dem Risiko eines Totalverlustes des eigenen Kahns. Nach den Erfahrungen, die man während der frühen Testphasen gesammelt hatte, entschlossen sich die Entwickler jedoch, das Spiel auf einen etwas freundlicheren Kurs zu schicken und die Bedingungen zu entschärfen. Bleibt zu hoffen, dass die Änderungen keine allzu großen Probleme bescheren, denn wenn man Schiffe nicht länger verlieren kann, werden andere Bereiche des Spiels, beispielsweise das Crafting, darunter leiden.

Dual Universe - Per Anhalter durch die Galaxis
Auf jeden Fall stark in Richtung Sandbox geht Dual Universe, eines jener Spiele, die früher oder später durchaus noch eine Alternative zu No Man’s Sky werden könnten. In Dual Universe gibt es tatsächlich nichts, was es nicht gibt, denn alles basiert auf Voxel-Technik. Selbst Raumschiffe und Raumstationen lassen sich Baustein um Baustein zusammenbasteln und nutzen.

Angesiedelt ist das alles in einer gewaltigen Multiplayer-Galaxis auf einem einzigen Server. Und damit man sich einen aktuellen Eindruck davon verschaffen kann, wo das Projekt mittlerweile technisch steht, haben die Jungs von Novaquark jetzt ein ausführliches Gameplay-Video von zehn Minuten Länge zusammengestellt. Die Entwickler setzten übrigens auf von Spielern generierten Content - ein gewagter Plan. Ob er tatsächlich funktioniert und Dual Universe wirklich mit No Man’s Land mithalten kann, werden wir wohl erst zum geplanten Release im Januar wissen.

Black Desert - Kalkulation, Vids

In der Zwischenzeit bekommen wir natürlich weiterhin jede Menge kleinere Updates und Erweiterungen zu allen möglichen MMOs nachgeschoben, über die es sich oft nicht einmal zu berichten lohnt, weil sie spielerisch keinen Mehrwert bringen oder der Publisher längst in die Pay-to-win-Ecke abgedriftet ist. Etwas anders ist das zumindest aktuell noch bei Black Desert, in dem es nach dem erfreulich guten Start mit insgesamt über einer Million Spielern zwar spürbar ruhiger geworden ist, das derweil jedoch eine ziemlich stabile und freudliche Community aufgebaut hat, die dem MMO die Treue hält.

Belohnen möchte das der Publisher unter anderem mit einer üppigen Präsentation auf der Gamescom - samt 82 High-End-Computern, auf denen man natürlich Black Desert spielen kann. Und beiher kann man den den Leuten vom Community-Team noch Löcher in den Bauch fragen. Zum Beispiel über die kommenden Updates und Erweiterungen.

Heiter bis wolkig

Die bringen aktuell endlich die wichtigen Möglichkeiten der Kriegsführung ins Spiel - den täglichen Kampf um die wichtigen Knotenpunkte sowie das allwöchentliche Blutbad, in dem sich entscheidet, wer denn für die nächsten sieben Tage das Zepter über eine gesamte Region in den virtuellen Händen halten darf. Und wäre das alles nicht von der Idee des Publishers überschattet, ein 30-Tage-Vorteils-Paket gleich mit anzubieten, das naturgemäß von heftigen Pay-to-win-Diskussionen begleitet wird, man hätte glatt etwas gemeinsam mit der Community zu feiern gehabt.

Und auch der heißersehnte Trailer zur Seefahrt, der uns jüngst aus Südkorea erreicht hat, konnte die erhitzten Gemüter nicht besänftigen, denn erstens hinkt Black Desert in dieser Hinsicht weit hinter dem her, was ArcheAge auf dem Wasser bietet und zweitens sind die FPS-Einbrüche im Video derart krass, dass man bei Kakao, wie sich der Publisher jetzt nennt, lieber noch etwas hätte warten sollen, bevor man auch noch einen Trailer aus dem offensichtlichen Debakel bastelt.