Mitten im Sommer dreht die Branche plötzlich wieder auf und haut uns ein paar Erweiterungen um die Ohren, über die es zu diskutieren lohnt. Und das sind längst nicht alle Neuigkeiten, scheint es doch so, dass ein echter Global Player seinen ersten großen Auftritt vorbereitet - in einem Genre, in dem sonst niemand mehr wirklich zu investieren wagt.

World of Warcraft: Legion - weniger Rummel, mehr Spaß?

Blizzard hat es mal wieder getan und die nunmehr sechste Erweiterung zu World of Warcraft veröffentlicht. Und die war wohl auch lange überfällig, bedenkt man den Spielerverlust, den der Martführer in den letzten Monaten und Jahren doch hinnehmen musste. Legion trifft, so scheint es zumindest im Augenblick, den Nerv der Spieler weit besser als sein Vorgänger.

Während Blizzard für Warlords of Draenor teils heftige Kritik einstecken musste, wirkt Legion auf den ersten Blick ausgereifter und stimmiger. Dass es insgesamt etwas leiser zugeht als bei früheren Erweiterungen, mag wohl auch daran liegen, dass Blizzard selbst mittlerweile einen Gang runtergeschaltet hat, deutlich weniger Marketing-Rummel veranstaltet und einen allzu großen Hype möglicherweise sogar vermeiden möchte.

Maximal 44,99 Euro kostet das Vergnügen, wenn man sich über die offizielle Seite einkauft. 59,99 Euro fallen für die digitale Deluxe-Edition an. Insgesamt ein stolzer Preis, den echte Fans jedoch kaum kritisieren werden. Auf die Stunde gerechnet, so liest man immer wieder in Foren, komme man bei World of Warcraft auf jeden Fall ungleich günstiger weg als bei einem Kinogang oder anderen vergnüglichen Tätigkeiten.

ARK: Scorched Earth - verbrannte Erde

Selbiges behaupten auch ARK-Fans von sich und ihrem geliebten Survival-Game, das, je nach Angebot, zumeist für unter 20 Euro auf Steam verfügbar und ohne Abo spielbar ist. Und weil auch die Updates und Erweiterungen bislang immer kostenlos reinkamen, gab es wenig Grund zur Beschwerde. Das allerdings änderte sich schlagartig, nachdem jetzt ARK:Scorched Earth auf Steam aufgeschlagen ist.

Die Erweiterung wird für 20 Euro angeboten und kostet damit mehr als das meist reduzierte Hauptspiel. Ein kostenpflichtiger DLC also zu einem Spiel, das noch immer im Early-Access-Programm steckt. So etwas hat es bislang noch nicht gegeben, sagen Kritiker, werfen dem Team hinter ARK Abzocke vor und fordern, dass man erst einmal das Spiel reparieren solle, bevor man für DLCs zur Kasse bittet.

Wann ist ein Spiel fertig?

Diese Ansicht ist nachvollziehbar, wird jedoch zumeist von Kritikern vorgetragen, die ARK wenig oder gar nicht spielen, weil sie gehört haben, dass die Dino-Survival-Sandbox schlecht optimiert und unfertig sei Early Access eben. Tatsächlich aber ist es eher die unglückliche Benennung, die tatsächlich Grund zur Kritik gibt und weniger das Spiel an sich.

ARK: Survival Evolved ist unbestritten eines der erfolgreichsten Spiele auf Steam - auch und gerade was die Spielstunden betrifft. Die Mehrheit der Spieler hat Hunderte, oft Tausende Stunden in ARK verbracht und bewertet das Spiel als ziemlich komplex und vollständig. Fertiger auf jeden Fall als alles, was sich sonst so im Survival-Genre tummelt. Die Kritik an der schlechten Optimierung ist mittlerweile eher auf schlechte Server zurückzuführen als auf das Spiel an sich. Hätte Wildcard ARK aus dem Early-Access-Programm in ein Release überführt, niemand hätte sich über einen kostenpflichtigen DLC beschwert.

Durststrecke bis zum Release?

Umso bedauerlicher, weil Scorched Earth wirklich gut ist. Es setzt den Spieler auf einer alternativen Karte aus, in der Wasser längst nicht so üppig vorhanden ist wie in den Vanilla-Landschaften. Entsprechend hart ist der Kampf ums Überleben, der auf den anderen Karten doch ziemlich schnell gemeistert ist. In Scorched Earth hingegen kämpft man länger und härter, jeder Versuch, etwas zu ernten oder abzubauen, zehrt am Flüssigkeitsvorrat und die Hitze macht einem zusätzlich zu schaffen.

Doch der DLC ist mehr als nur ein Wetterupdate, um die Durststrecke bis zum Release zu überbrücken. Scorched Earth bringt eine komplett neue Flora und Fauna mit ins Spiel, neue Landschaften und Monster, die sich natürlich wie gewohnt zähmen, züchten und sogar mit in die anderen Karten umsiedeln lassen. “Pay to Win” also, so der ziemlich absurde Vorwurf mancher Kritiker, die noch keinem der neuen Wesen begegnet sind und die niemand dazu zwingt, sich den harschen finanziellen und ökologischen Bedingungen von Scorched Earth auszusetzen, mit dessen Veröffentlichung auch das Hauptspiel von ARK ein ziemlich fettes und für Besitzer kostenloses Update bekommen hat.

Sim Khaleesi

ARK: Survival Evolved hat eine Menge Geld eingespielt, daran besteht kein Zweifel. Einen Teil davon hat Wildcard genutzt, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren - für alle Abteilungen. Dass die Weltendesigner extrem schnell gearbeitet haben und eine ziemlich interessante neue Welt veröffentlichen konnten, sollte den anderen Teams nicht zum Schaden gereichen und den Spielern erst recht nicht, bekommt doch auch die starke Modder-Community noch Zugriff auf die mit Scorched Earth ins Spiel gekommenen Inhalte.

Für mich, der ich einige hundert Stunden in ARK verbracht habe, ohne dass auch nur ein einziges Mal Langeweile aufgekommen wäre, sind die 20 Euro, die Scorched Earth kostet, perfekt angelegt, zudem es noch einmal ein ganz anderes Abenteuer mit Fantasy-Einschlag eröffnet - Drachenritt inklusive. Early Access hin oder her - es juckt mich wenig, wie man den Status von ARK einordnet, solange das Spielerlebnis rund ist und mein Geld auf die Stunden gerechnet gut angelegt ist. Und bei ARK ist das der Fall wie selten zuvor, zudem sich das Spiel eben nicht über Monatsgebühren oder grenzwertige Mikrotransaktionen finanziert.

EVE Online - der Weltraum ist frei

Etwas anders bei EVE Online, dessen Entwickler in all den Jahren stets an der Monatsgebühr festgehalten haben, obwohl man Vielspielern durchaus die Möglichkeit eröffnet hat, sich die Pilotenlizenz unproblematisch auf dem Spielermarkt zu ersteigern. Dass die Einstiegshürde für Neulinge dennoch zu groß war, das hat man bei CCP mittlerweile eingesehen.

Entsprechend hat man sich jetzt entschlossen, Spieler auch ohne Pilotenlizenz fliegen zu lassen, also free-to-play, wenngleich man das nicht so nennen möchte. Eine Einschränkung gibt es für die Abolosen allerdings doch: Ihnen steht eine eingeschränkte Skill-Liste offen. Bis die rund fünf Millionen Skillpunkte belegt sind, wird allerdings ein Weilchen vergangen sein und der Spieler wird längst die Möglichkeit haben, sich eine Pilotenlizenz am Markt zu erwerben.

Aktuell wird hitzig darüber diskutiert, welche Vor- und Nachteile die alte Sandbox nun durch diese Option zu erwarten hat. Wird New Eden zu einer Zweiklassengesellschaft? Werden Farmer und Bots über die Galaxie herfallen? Wird das Gleichgewicht der virtuellen Wirtschaft komplett aus den Fugen geraten? Werden sich die Grenzen der Reiche schneller verschieben als bisher? Das sind Fragen, über Gelehrte aktuell streiten und mit denen wir uns in Zukunft sicher noch befassen werden.

Firmen im Fokus

Überhaupt ist die Monetarisierung von MMORPGs aktuell ein gewaltiges Problem für all jene Studios geworden, die unter dem Dach eines Publishers residieren oder eine üppige Infrastruktur zu unterhalten haben. Das Abonnement gilt als überholt, kostenlose Geschäftsmodelle sind selten fair genug, um Core-Gamer anzulocken und die ‘Wale’ unter den Spielern sind längst nicht mehr so investitionsfreudig wie in vergangenen Tagen.

Das Nachsehen haben Firmen wie Funcom, deren Geschäftsbericht vermuten lässt, dass der Gürtel künftig noch enger geschnallt werden muss. Das alles in der Hoffnung, dass man noch rechtzeitig das Survival-Game Conan Exiles veröffentlicht bekommt und zwischendurch vielleicht noch einen weiteren Adventure-Ableger von The Secret World, um die Portokasse zu füllen. The Park war ja immerhin nicht schlecht und halbwegs erfolgreich.

Ähnlich schlecht scheint es Trion Worlds zu gehen, die von einem recht anständigen Publisher irgendwann zu einem Unternehmen geworden sind, dessen Titel nicht einmal mehr eine Erwähnung verdient haben, weil die Geschäftsgebaren aus Spielersicht als dreiste Abzocke durchgehen. Umso kurioser, dass Trion mit der nächsten Erweiterung zu Rift versucht, von kostenlosen wieder auf kostenpflichtige Inhalte umzuschwenken - wohl in der Hoffnung, im Kielwasser der neuen WoW-Erweiterung noch den einen oder anderen über Bord gegangenen Spieler aufzusammeln.

World of Amazon

Umso interessanter, dass ein neuer Global Player möglicherweise gerade daran arbeitet, das in Trümmern liegende Spielfeld zu betreten. Amazon nämlich, von denen wir ja bereits wissen, dass sie an einer eigenen Engine und einem Gaming-Service arbeiten. Anlass zu Spekulationen aller Art hat aktuell ein Twitter-Beitrag gegeben, in dem Steve Fowler auf den 29. September verweist und darauf, dass die Amazon Game Studios auf der TwitchCon etwas Großes enthüllen wollen.

Dass es ausgerechnet Steve Fowler ist, der hier plappert, lässt zudem ahnen, dass es sich tatsächlich um ein MMO handeln könnte, das man an jenem Abend ankündigen möchte. Immerhin hat Amazon im Laufe der letzten Monate jeden MMO-Entwickler rekrutiert, dem man habhaft werden konnte - darunter erfahrene Leute wie Jon Peters, Jeff Grubb, Eric Flannum und eben Steve Fowler - allesamt vorher bei ArenaNet beschäftigt. Aber das ist dann schon wieder ein anderes Thema und soll in vier Wochen erzählt werden, wenn Amazon die Katze aus dem Sack gelassen hat.