Wenn sich ein einziger Artikel um Themen wie Aliens dreht, um das Schicksal und den Mars und wenn über allem noch Charles Darwin thront, dann muss es sich dabei wohl um unsere Kolumne Wiped! handeln, in der unser Autor einmal mehr versucht, etwas Ordnung ins wöchentliche Genre-Chaos zu bringen.

Heute geht es unter anderem um Destiny 2:

Destiny 2 - Bis zum Knall! - Die ersten 28 Minuten Gameplay2 weitere Videos

Für die großen Publisher der Branche gibt es seit einigen Jahren eine einheitliche Strategie: Man knöpft sich dabei einen erfolgreichen Titel vor, für den sich unkompliziert und ohne allzu tiefe Eingriffe in die Mechaniken ein neuer Teil basteln lässt. Das übernimmt eine vergleichsweise kleine Kernmannschaft, die sich der vorhandenen Engine bedienen, möglichst wenig verändern und um Himmels Willen keine neuen oder tiefgreifenden Mechaniken ins Spiel packen soll. Warum nicht? Nun, das wäre ebenso teuer wie riskant. Immerhin sind die genialen Schöpfer des Originals doch längst entlassen worden oder, frustriert über mangelnde Anerkennung, abgewandert.

Das wird ganz groß!

Parallel zu den drastisch reduzierten Entwicklungskosten wird beim zweiten Teil das nunmehr überschüssige Geld ins Marketing gepumpt. Die Werbung wird dabei möglichst unverbindlich gehalten. Das regt die Fantasie der Fans an, die sich alle erdenklichen Verbesserungen ausmalen und sich Elemente ins Spiel träumen, die für sie als Kenner des Titels und seiner Stärken naheliegend wären und die ein würdiger Nachfolger einfach aufweisen müsste.

Für uns läuft das dann etwa so: Wir erzählen all unseren Freunden davon, die sich dann durch die Werbung auf allen Kanälen und den gleichzeitig anhaltenden sozialen Druck genötigt fühlen, den kommenden Top-Titel möglichst früh vorzubestellen - im Idealfall als Mega-Booster-Founders-Edition für den dreifachen Kaufpreis, dafür mit streng limitiertem, virtuellen Regenbogenpony. Doch wer rechnet schon genau nach, wenn es ums eigene Hobby geht, nicht wahr? Außerdem lässt sich die Vorfreude so noch steigern, wenn man weiß, dass man eine gute Investition getätigt hat.

Hört nicht auf die Hater!

Die letzten Tage vor Release sind dann besonders spannend. Die Fachpresse bestätigt die Grandiosität des zweiten Teils mehrheitlich. Die wenigen kritischen Stimmen, die man hier und da von angeblichen Experten und selbsternannten Journalisten auf Bild-Niveau vernimmt, stammen eigentlich von Hatern, die keine Ahnung haben. Clickbait, nichts weiter. Auf dass sie im eigens entfachten Shitstorm untergehen - haben sie sich selber zuzuschreiben. Was fällt denen auch ein, uns unser Hobby madig machen zu wollen?

Dann kommt das Release. Der Tag der Wahrheit. Wir haben genügend Alkohol am Start, Knabberzeug und Freunde, mit denen wir in den heiß ersehnten Nachfolger einsteigen. Alles fühlt sich vertraut an und die ersten Stunden vergehen wie im Fluge. Das Regenbogenpony sieht wirklich episch aus. Das Spiel ist jeden Cent wert. Oder?

Zwei Wochen sind vergangen. Ein paar der Freunde zocken noch, die meisten sind jedoch weitergezogen oder inaktiv. Der nächste Titel wartet auch schon - der dritte Teil einer genialen Reihe. Wir haben ihn vorbestellt. Die Luxus-Box, versteht sich. In nicht mal vier Wochen soll er erscheinen. Chips und Drinks sind noch vom letzten Mal übrig, weil ein paar Leute fehlten. Diesmal sind wir noch ein paar Mann weniger. “Keinen Bock auf das Game”, haben einige Spalter gesagt. Aber von denen lass’ ich mir die Vorfreude nicht vermiesen!

Vertrauen verspielt

So in etwa ist die Szene gestrickt, die EA, Ubi, Activision und Konsorten das Leben über Jahre hinweg zum Schlaraffenland gemacht hat. Der erste Teil war gut, der zweite schlecht. Trotzdem verkaufte er sich besser und war zudem billiger in der Produktion. Entsprechend töricht wäre es doch, in Innovation zu investieren und in wirklich neue Titel. Oder?

Was macht Bruce Willis und Jean Reno besonders in ihren Spielen? Erfahrt es in unserem ausführlichen Artikel von Hy Quan Quach:

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Doch was mittelfristig funktioniert, höhlt ein Unternehmen langfristig aus. Man zehrt von Quellen, die irgendwann versiegen und je schlechter der Ruf wird, desto schwieriger wird es, die Kundschaft zu halten. Wenn die erst einmal erkannt hat, dass sie abgezockt wurde, wenn dem Ausstoß von Glückshormonen die Ernüchterung folgt, hat man als Publisher ein Problem. So wie aktuell Activision.

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