Die Menschheit ist schon ein ziemlich verrückter Haufen, aus dem immer mal wieder ein paar ganz besonders merkwürdige Gestalten herausragen wollen. Und natürlich ist auch die Unterhaltungsbranche ist nicht vor solchen Typen sicher, die besonders gerne mitten im Sommerloch zuschlagen, um wenigstens einmal im Leben vom Rest der Welt wahrgenommen zu werden.

Das Internet ist ein Ort der Freiheit und der schier unbegrenzten Möglichkeiten. Das ist auch gut so, solange man dabei beachtet, dass es kein rechtsfreier Raum sein darf und man sich an die Gesetze und Gepflogenheiten halten sollte, die auch im echten Leben gelten. Doch was eigentlich selbstverständlich sein sollte, scheint insbesondere für Gamer kaum nachvollziehbar.

Angekündigter Besuch

Denn wenn sich bei denen erst einmal der Unmut angestaut hat, vergessen sie durchaus schon mal ihre gute Kinderstube. Die häufigsten Delikte sind Drohungen gegenüber anderen Spielern, Journalisten oder Entwicklern. Und das sind, auch wenn sie irgendwo im virtuellen Raum stattfinden, längst keine Kavaliersdelikte mehr. Entsprechend wachsam sind mittlerweile die Strafverfolgungsbehörden - nicht nur hier bei uns in Deutschland.

So hat sich ein besonders eifriger Blizzard-Fan aus den Vereinigten Staaten aktuell selbst ins Gefängnis manövriert, nachdem er gedroht hatte, den Studios einen Besuch abstatten zu wollen, um mit einem Sturmgewehr für eine “Störung” zu sorgen. Ihm drohen nun fünf Jahre Knast. Im Dienste der Community, versteht sich, denn es besteht kein Zweifel daran, dass der Rächer der Rechtlosen mit seinem beherzten Eingreifen nur dafür sorgen wollte, dass bei Blizzard wieder alles rund läuft.

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Lieber rein, statt nur vorbei...

Derweil unternahm in Asien ein Fan einen viel konkreteren Versuch, nicht nur das Sommerloch zu füllen, sondern auch noch das Hauptquartier des südkoreanischen Publishers Nexon. Der Fan, ein chinesischer Staatsangehöriger mit etwas Restblut im Alkohol, fuhr tatsächlich mit dem Auto seines Bruders nicht nur bei Nexon vorbei, sondern gleich mitten hinein ins Gebäude.

Als Grund für sein unangekündigtes Eindringen gab der Mann an, Nexons Spiele hätten ihn süchtig gemacht und sein Leben ruiniert - eine selbsterfüllende Prophezeiung, denn tatsächlich ist davon auszugehen, dass er für den Rest seines Lebens für den Ausgleich der entstandenen Schäden ackern muss - mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Südkoreanischen Gefängnis. Immerhin wird er dort von seiner Sucht entwöhnt.

Lawbreakers - Nexon macht ernst

Wobei es ja eigentlich eine Auszeichnung für einen Publisher ist, wenn es ihm tatsächlich gelingt, den einen oder anderen Spieler süchtig zu machen. Die Mehrheit von uns wartet möglicherweise sogar darauf, dass sich endlich mal wieder so etwas wie eine Suchtwirkung einstellt, während der generische Schrott da draußen aktuell den Suchtfaktor einer mittelschweren Ferienhausarbeit hat.

Nexons gerade auf Steam in die offenen Tests geschicktes Ghost in the Shell: Stand Alone Complex - First Assault Online fällt eher in letztere Kategorie. Kein extrem schlechtes Spiel, jedoch auch kein sonderlich gutes und kaum das, was sich Fans des Franchise im Vorfeld erhofft hatten. Da ist selbst Nexons Dirty Bomb weit besser gelungen, das für Nexon von jenem Studio entwickelt wurde, das aktuell am Multiplayer-Modus zu Gears of War 4 werkelt.

Derweil arbeitet Cliff Bleszinski, früherer Design Director bei Epic und einer der Köpfe hinter Gears of War, aktuell für Nexon an Lawbreakers. Dieser Arena-Shooter schlägt, ähnlich wie schon Dirty Bomb, offensichtlich in die selbe Kerbe wie Blizzards Overwatch und macht dabei sogar noch eine ziemlich gute Figur. Zumindest hat das Spiel einen augenscheinliche Feinschliff, den man sich auch mal fürs MMO-Genre wünschen würde, das unter viel zu vielen Kompromissen und technischen Problemen zu leiden hat.

Riders of Icarus - das Monster-Update

So wie Nexons Riders of Icarus, das sich mit dem Release vor einem Monat leider nicht stark genug von all den anderen Titeln da draußen abgehoben hat und das sich eben nicht feingeschliffen genug anfühlt, um durchweg zu begeistern. Doch immerhin kann man Nexon nicht nachsagen, dass man den Kopf in den Sand steckt und das Spiel vernachlässige.

Mit Blight of the Frost Keep hat der Publisher ein in jeder Hinsicht fettes Update hinterhergeschoben. Leveln darf, kann oder muss man ab sofort bis 35. Dazu gibt es Möglichkeiten der Allianzenbildung - ein wichtiger Schritt hin zu dem, was irgendwann einmal der Kern von Riders of Icarus werden könnte: PvP-Schlachten in großem Stil.

Doch so groß die Hoffnung darauf auch sein mag - die Reihenfolge, mit der die Features kommen, ist die falsche. Wenn ein Publisher tatsächlich ein MMO mit bedeutsamen Massen-PvP etablieren möchte, so muss dieses Element zuerst stehen - dann kann man den Rest drumherum basteln. Gerade ein PvP-Fan möchte eben nicht monatelang für ein Element schuften, von dem er nicht einmal genau weiß, wann es kommt und ob es überhaupt funktioniert.

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