Seid ihr den ganzen sinnfreien Halloween-Unfug leid, der in diesen Tagen über alle Plattformen spukt und wirklich jedes namhafte Spiel verschandelt? Gut, dann könnt ihr getrost weiterlesen, denn unser Kolumnist versucht, die Kolumne in dieser Woche möglichst frei von Gespenstern und Kürbissen zu halten - von ein paar einleitenden Worten zum Fest einmal abgesehen.

Die Zahl 66 ist kein schlechter Halloween-Scherz, sondern das traurige Ergebnis meiner Recherche: Genau 66 gruselige Projekte habe ich tatsächlich gezählt. Von A wie Age of Conan bis W wie World of Warships. Was auch immer man spielen möchte, man wird von einem Halloween-Event belästigt, meist grafisch opulent und aufwendig inszeniert, jedoch spielerisch wertlos, dient es doch allein dem alleinigen Ziel moderner Publisher: den Umsatz in die Höhe zu treiben.

Erst Activision, jetzt Electronic Arts

Und nachdem wir in der vergangenen Woche schon Activision aufs Korn genommen hatten, weil man dort tatsächlich auf die Idee gekommen war, ein Patent anzumelden auf eine besonders dreiste Form von Pay-to-win, bekommt diesmal Electronic Arts sein Fett weg. Der Publisher war in die Schlagzeilen geraten, nachdem man das EA-Studio Visceral Games geschlossen und angekündigt hatte, deren geplantes, lineares Star-Wars-Rollenspiel zu etwas zu machen, das von vielen Kritikern als “nur ein weiteres Pseudo-MMO” bezeichnet wird.

Doch was ist überhaupt so schlimm daran, einen vielversprechenden Titel etwas persistenter und in Bezug auf seine Bevölkerung massiver zu machen? Nun, da kommt es wohl auf die Intention an, die hinter einer solchen Entscheidung steckt. Und EAs Intention bei der ganzen Sache, da ist sich zumindest der ehemalige BioWare-Entwickler Manveer Heir sicher, habe nichts mit der Qualität des Spiels zu tun.

Wiped! - Die MMO-Woche - Süßes oder Saures?

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Die Star-Wars-Community wartet auf neues Futter. Für viele Fans war BioWares MMO eine herbe Enttäuschung.
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Viel eher schon mit den Monetarisierungsplänen, glaubt Heir. Denn wenn EA versucht, ein Solo-Game in Richtung Open World zu entwickeln und zwanghaft in ein Multiplayer-Gerüst zu zwängen, geschehe das nur aus dem Grund, die Spieler möglichst lange mit einem Produkt zu beschäftigen. Beschäftigen, nicht bespaßen, was bedeutet, dass Inhalte künstlich gestreckt werden und nervige Grind-Mechaniken zum Einsatz kommen.

Hört bitte auf, den Mist zu kaufen!

Denn dadurch eröffnet sich die Möglichkeit für den Publisher, dem Spieler mit Mikrotransaktionen Erleichterung auf der künstlich erschwerten Reise anzubieten und Kasse zu machen. Dass die großen Publisher solche Methoden mittlerweile als Standard sehen, ist allerdings auch auf die verstörende Akzeptanz vieler Spieler zurückzuführen, denen offenbar keine Summe zu hoch ist, wenn sie sich Spielspaß erhoffen.

Laut Ex-BioWare-Mitarbeiter Manveer Heir gebe es durchaus Leute, die einfach mal 15.000 Dollar in Multiplayer-Karten zu Mass Effekt steckten. Kein Wunder also, dass sich EA und Konsorten längst nicht mehr um Spielspaß scheren, sondern eher um besonders findige Methoden, die Spielerschaft auszunehmen - mit Blick auf die sogenannten “Wale”, also jene Spieler, die besonders gerne besonders viel Geld investieren.

Wobei es grundsätzlich ja nicht schlimm ist, wenn jemand sein Geld in die Games-Branche steckt, damit Studios finanziert, die tolle Sachen entwickeln können. Doch leider landet der Löwenanteil des Budgets viel zu oft bei den ohnehin schon fetten Publishern, die es eben nicht in Form von Spielspaß an die Community zurückgeben.

The Amazing Eternals - das Aus für die Ewigen

Umso schwerer haben es die kleinen Studios und jene, die eben nicht mit perfiden Methoden abzocken, sondern sich mit vergleichsweise fairen Geschäftsmodellen über Wasser halten. So wie die Jungs von Digital Extremes, denen ich ihren aktuellen Erfolg wirklich gönne: Warframe hat es auf Platz 2 der meistgespielten Free-to-play-Games auf Steam geschafft, gleich hinter Dota 2.

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Gleichzeitig steht es um den zweiten Titel ziemlich schlecht. Der Arena-Shooter The Amazing Eternals hat in der Closed Beta nicht so gezündet, wie sich das die Entwickler erhofft hatten. Entsprechend wird die Entwicklung zumindest vorerst auf Eis gelegt. Schade, denn auf den ersten Blick schien das Spiel durchaus vielversprechend.

Leider fand ich, wann immer ich mich dort in die Arena stürzte, mehr Bots vor als echte Spieler und am Ende gewann das Team, in dem weniger Bots ihr Unwesen trieben. Insofern war die Entscheidung von Digital Extremes, das Projekt vorerst zu pausieren, sicher die richtige. Angesichts der Konkurrenzsituation auf dem Sektor der Arena-Games ist es aktuell nahezu unmöglich, einen neuen Titel in Stellung zu bringen, egal wie gut er auch sein mag.

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