Auch Wochen nach der gamescom herrscht in der MMO-Branche noch immer rege Betriebsamkeit. Die Publisher haben unzählige Spiele online, werkeln nebenbei noch ständig an weiteren Welten und hoffen jeweils auf den großen Hype. Doch der bleibt aus, denn die Fans fragen sich längst, wer das alles noch spielen soll, und befürchten, dass der Trend zur Mittelmäßigkeit weiter um sich greift.
Doch was ist der Grund für die Misere? Warum werfen die großen Unternehmen immer mehr Welten auf den längst übersättigten Markt, statt endlich mal eine davon zu perfektionieren? In den unzähligen Interviews, Screenshot-Sets und Videos ist von grafisch opulenten Zonen die Rede, von unglaublichen Effekten, fantastischen Rassen und Klassen.
Doch all das geht an den Fans vorbei, denn die Entwickler scheinen nicht mehr zu verstehen, dass diese Elemente allenfalls Beiwerk sind und niemals Grund genug für den Spieler, sich auch tatsächlich in die schöne neue Welt zu begeben. Wird heute ein Titel angekündigt, so kann man sich fast sicher sein, dass es auch innerhalb der kommenden zwölf Monate startet. Dabei sollte ein Blick auf die Geschichte der MMOs doch gezeigt haben, dass man mit Schnellschüssen selten den Geschmack der Spieler trifft.
Dass der Spielspaß nachhaltig für den Erfolg eines MMOs verantwortlich ist und nicht irgendwelcher technischer Firlefanz, hat sich in den Studios noch nicht herumgesprochen. Wie auch, denn fragt man die Chefentwickler, was sie privat so spielen, faseln die meisten etwas von einem inaktiven WoW-Account und behaupten danach doch noch dreist, ihre eigenen Machwerke zu zocken. Wer's glaubt...
Rift - Gloamwood Trailer
Und so passiert es dann, dass sich die Welten alle gleich anfühlen. Der Besucher merkt kaum noch, ob er nun in Disneyland oder Disney World ist. Jeder virtuelle Vergnügungspark ist ähnlich aufgebaut. Jeder bietet ähnliche Attraktionen und in keinem verspürt man tatsächlich noch große Lust, länger als ein paar Tage darin zu verweilen. Eine überwucherte Ruinenstadt hier, ein paar schwer bewaffnete Skelette da – und fertig ist das brandneue MMO aus der Retorte.
Auch Jack Emmert von den Cryptic Studios musste sich in der Vergangenheit regelmäßig den Vorwurf gefallen lassen, dass er eigentlich keine große Ahnung von MMOs habe. Dass die Champions Online kein großer Hit wurden, mag man noch auf die Superhelden-Thematik schieben können. Wie Cryptic allerdings das enorme Potential eines Star Trek Online verschenken konnte, verstehen die Fans bis heute nicht.
Dabei scheint der Chefentwickler noch immer nicht begriffen zu haben, was eine wirklich lebendige Onlinewelt eigentlich ausmacht. Und so ist Emmert in all seiner Ahnungslosigkeit aktuell in einen gewaltigen Fettnapf getreten, als er in einem Interview mit den Kollegen von Gamespot das traditionelle MMORPG als eine größere persistente Zone definierte, an die viele kleine Instanzen anknüpfen.
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
Everquest hatte ein Klassensystem, eine große Welt, keine Instanzen (wurden erst sehr viel später eingebaut) und konnte nicht solo gespielt werden.
EQ war erfolgreich, da es sich an den Grundsatz für gutes Design (Pen&Paper) hielt:
"Die Möglichkeit etwas zu erlangen und das Risiko (alles) zu verlieren" (Gary Gygax).
Spiele wie WoW enthalten keinerlei Risiko und man bekommt (fast) alles auf dem Silbertablett serviert. NPCs mit Neonreklame auf dem Kopf, mit Navigationssystem zum nächsten Gegner - das ist nett für den Konsumenten, aber nicht für den echten Spieler.
Jeder Entwickler, der sich an WoW orientiert wird scheitern - dieses Marktsegment ist besetzt.
Ich spiele derzeit EVE Online - da gibt es keine Klassen und der Char lernt 24h am Tag, 7 Tage die Woche, auch wenn ich nicht online bin *g*.
Das Spiel ist anspruchsvoll (der durchschnittliche WoW-Daddler gibt innerhalb der Trial heulend auf *fg*) und Fehler werden hart bestraft, ein Verlust ist ein Verlust.
"EVE is a harsh Mistress" (frei nach Heinlein).
Aber das ist es nicht, der Grind steckt nicht im Spiel, der Grind steckt in der Branche. Das Problem ist nicht, dass man in einem Spiel immer wieder die gleichen Mobs killen muss, sondern dass man in jedem MOG immer wieder die gleichen Klassen hat. Die gleichen Fragezeichen über den Köpfen, dem gleichen Radar hinterherrennt ohne die Texte überhaupt zu lesen. Jedes bekloppte Spiel aus diesem Umfeld ist wie das vorherige. Die ganze dumme Branche ist ein einziger erbärmlicher Grind :(
Hier sollten Patente endlich mal greifen, das wäre begrüßenswert! Kann nicht endlich jemand mal die Klassen Kleriker, Kämpfer, Bogenschütze und Magier patentieren? Dann muss ich die nicht mehr sehn, das hängt mir aber auch mittlerweile sowas von aus dem Halse raus.
Von 50 MOG Firmen die ein Brainstorming zum Thema Klassen machen, verlassen doch tatsächlich 49 davon den Raum mit einem Flipchart auf dem Kämpfer, Magier, Bogenschütze, Heiler steht? Ernsthaft diskutiert wird offenbar nur um die Frage Kostüme, Flügel oder Spitzohren. Von den Flipcharts über Spielinhalte fange ich gar nicht erst an, scheinbar hat mal jemand ein Buch darüber geschrieben und seither kopiern sich alle Firmen daraus die Zusammenstellung!
Dem Computer sind doch keinerlei Grenzen gesetzt. Welten völlig verrückt und absurd, in der die Gesetze der Physik, der Naturwissenschaft oder der Moral völlig ausser Kraft gesetzt sind, lassen sich problemlos realisieren. Spiele sind das Tor zur Fanatasy, aber verdammt noch mal jedes mal wenn ich durch dieses Tor schreite, bin ich ein verdammter Magier mit nem kleinen Feuerball der Fragezeichen hinterherrennt!
Früher haben sich die Entwickler einfach mehr Mühe gegeben. Es gab sowieso weniger Onlinespieler, weil es keine Flatrates gab und die Telefonrechnung dem entsprechend hoch war. Da mußte man schon was Besonderes bieten, um Erfolg zu haben.
Heute kann jedes Kind vom Taschengeld ins Internet, das merkt man leider auch in den Spielen selbst. Ich wäre wirklich für echte Erwachsenen-MMOs, gern auch mit Ausweiskontrolle, Hauptsache kinderfrei. In Wirklichkeit würde ich auch nicht zum Spielplatz laufen und mit den Kiddies eine Sandburg bauen.
Jim
Quests sind da nichts anderes, getarnt als "Vorwand". Und manche machen das sehr gut, wie z.B LotrO, geniales Flair das Game.
Darum finde ich Tera interessant, mal ein
Kampfsystem das ein wenig abweicht.
(in AoC wars ja doch wieder Point and Click)
Egal ob man einfach so 100 Mobs tötet oder dies in einem anderen MMO durch eine Kill-Quest machen muss, der Kern bleibt gleich.
Und Botengang Quest finde ich noch langweiliger, da man dabei eigentlich nichts macht als urlange von A nach B zu rennen. (Wie in LotrO die Hobbitquests am Anfang mit dem Essen hin und her tragen, OMG) ^^