Während Millionen Spieler Tag für Tag die gleichen Herausforderungen und Quests absolvieren, um damit satte Belohnungen abzustauben, zweifelt unser Kolumnist an der Sinnhaftigkeit solchen Tuns und baut lieber Mohrrüben an. Klingt verrückt? Dann steigt einfach ein in eine Diskussion, in der das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen ist.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Wenn sich meine Großmutter früher darüber beschwerte, dass sie noch ihre Runde zu machen habe, dann bedeutete das im Klartext: Eine komplette Tour durch den Garten. Hier mal zupfen, da mal schneiden und dort mal wässern. Verstanden habe ich das damals nicht, war es doch ziemlich öde, jeden Tag durch den Garten zu pilgern und die gleichen Dinge zu tun.

Wiped! - Die MMO-Woche - So spannend wie die Hausaufgaben

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 53/551/55
Felder bestellen, ohne einen Fuß vor die Türe zu setzen. Jedes MMO, das etwas auf sich hält, bietet heute diese Option.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Heute bin ich es, der jeden Tag seine Runde machen muss. Zwar nicht im Garten - der wurde längst auf pflegeleichten Rasen umgestellt - sondern in einem Dutzend unterschiedlicher Games, in denen ich irgendwie, ohne extrem viel Geld dafür hinzublättern, up-to-date bleiben muss. Am bequemsten habe ich es noch bei jenen Titeln, die nur von mir verlangen, jeden Tag brav einzuloggen. Je nach Ladezeit ist das in wenigen Minuten erledigt.

Die Pervertierung eines Spiels

Schwieriger wird es dann schon, wenn ich meine virtuelle Ernte einfahren, Felder bestellen und Glücksräder drehen muss oder ich eines dieser Daily-Quests zu erledigen habe. Nur ein paar NPCs abgrasen, Gegenstände von A nach B liefern oder Trashmobs töten - da kommt pro Spiel dann schnell mal eine halbe Stunde zusammen. Ach ja - und dann wären noch die lukrativen Instanzen, die man möglichst permanent im Cooldown halten muss, um bloß keine Chance auf fette Beute in Form von Bonus-Erfahrung, Bonus-Items oder Bonus-Premiumwährung zu verspielen. Also Augen zu und rein da!

Nun könnte man sich darüber freuen, wie großzügig sich die Publisher allesamt zeigen, so viele Boni auszuschütten für so einfache Arbeit. Tatsächlich jedoch ist die tägliche Arbeit allein dadurch schon inakzeptabel, dass es überhaupt Arbeit ist und sie sich auch so anfühlt - in einem Computerspiel, das doch eigentlich die Aufgabe haben sollte, möglichst kurzweilig zu unterhalten.

Die virtuelle Mohrrübe

Umso schlimmer ist das, weil die Publisher uns mit ihren täglichen Quälereien gar keine Boni ausschütten. Tatsächlich nämlich handelt es sich um die Illusion, mittels Schufterei zur Liga derer vorstoßen zu können, die echtes Geld in echte Vorteile stecken. Die vermeintlichen Belohnungen sind längst kein Geschenk mehr.

Vielmehr sind sie der unerlässliche Standard und ein Häppchen mit dem der geplagte Zocker angefüttert werden soll, bis er erkennt, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht aufgeht und er am besten doch mal einen Batzen Echtgeld ins Spielchen investiert. Wer gleich in mehreren Spielen unterwegs ist, verliert, während er mal schnell die Runde macht, locker ein paar Stündchen Zeit. Pro Tag, versteht sich.

Zeit, während der man absout keinen Spaß hat und in der ich mich mittlerweile frage, ob ich stattdessen vielleicht doch noch einmal meinen Garten da draußen bestellen sollte. Da warten dann zwar auch ein paar nervige Dailys auf mich, jedoch kann ich nach der Ernte auch genüsslich an meiner selbstgezüchteten Bio-Mohrrüber knabbern, statt den virtuellen hinterherzulaufen, die mir die Publisher jeden Tag vor die Nase halten. Den Segen meiner Großmutter hätte ich auf jeden Fall.

Perfect World Entertainment - Arc durchschaubar

Und als wäre es nicht genug, wenn man in Spielen mit täglichen Hausaufgaben genervt wird, ist man bei Perfect World Entertainment aktuell noch auf die glorreiche Idee gekommen, auch die hauseigene Plattform Arc mit spielübergreifenden Dailys zu spicken. Der treue und vor allem fleißige Spieler bekommt jeden Tag eine kleine Auswahl davon, in der es unter anderem darum geht, bestimmte Spiele des Hauses aufzusuchen oder die Community-Seiten zu nutzen.

Wiped! - Die MMO-Woche - So spannend wie die Hausaufgaben

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 53/551/55
Arc verlockend oder ziemlich abstoßend? Perfect World Entertainment versucht aktuell, mit allen Mitteln die Statistiken zu pimpen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zur Belohnung gibt es Erfahrungspunkte, mit denen sich der Arc-Quest-Level steigern lässt. Und mit jedem Aufstieg gibt es 500 Arc-Punkte, die man dann in ZEN umwandeln kann, Perfect Worlds Premiumwährung. Für den Publisher mag der Plan sogar aufgehen, schafft man es auf diese Art doch, die eigenen Zahlen gehörig zu pushen und auch tote Welten zumindest nach außen hin als lebendig erscheinen zu lassen.

Das schafft Wachstum an allen Fronten und poliert die Quartalsberichte auf - komplett ohne finanziellen Aufwand. ZEN lässt sich nämlich beliebig generieren und wenn zu viel im Umlauf ist, kommen einfach ein paar neue, teure Gimmicks in den Shop. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Publisher diese Idee für sich nutzen. Doch lassen wir mal die täglichen Wiederholungen hinter uns und schauen, was die Branche so an Neuem aufzubieten hat.

Chronicles of Elyria - 900k für ein Dutzend Entwickler

Da wären die Chronicles of Elyria - ein Spiel, das sich binnen zweier Jahre vom Hobbyprojekt eines Träumers zu einem Projekt entwickelt hat, hinter dem mehr als ein Dutzend begnadeter Entwickler steckt. Und das merkt man den Chronicles of Elyria mittlerweile auch an. Zumindest in technischer Hinsicht braucht sich das Indie-Projekt nämlich nicht hinter den Erzeugnissen großer Studios verstecken, obwohl man noch immer in der Pre-Alpha-Phase steckt.

Doch für den wahrhaft großen Sprung zum fertigen Produkt fehlt es dem kleinen Studio dann doch noch an Mitteln und so hat man sich in den Soulbound Studios dazu entschlossen, das Spiel für einen Auftritt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorzubereiten. Am 03. Mai soll es losgehen - mit einem gesteckten Ziel von stolzen 900.000 Dollar.

Der Avatar bin ich!

Klingt nach einer ganzen Menge, soll laut Entwicklern und deren Fangemeinde allerdings realistisch sein. Immerhin will man mit den Chronicles of Elyria ein längst vergessenes Element neu beleben: Die Zusammenarbeit von Spielern in großer Zahl. Geschehen soll das, wie auch immer, durch ein Vertragssystem sowie eine dynamische, sich fortlaufend entwickelnde Geschichte.

Zudem soll es die Spieler mittels eines “Risiko-Belohnungs-Systems” dazu bringen, bedeutsame Entscheidungen zu treffen und sie mit ihrem Charakter in einer Art und Weise verbinden, wie nie ein MMO zuvor. Klingt ebenso spannend wie abstrakt und wird in Zukunft, spätestens zum Start der Kickstarter-Kampagne, auf jeden Fall einen genaueren Blick wert sein.

AdventureQuest 3D - aus Spaß wird Ernst

Immerhin stolze 368.503 Dollar haben die Entwickler für ihre AdventureQuest 3D via Kickstarter von hoffnungsvollen Fans eingesammelt. Belohnt werden sollen die dann schon im kommenden Oktober, wenn das Spiel veröffentlicht wird. Der Clou: AdventureQuest 3D soll tatsächlich plattformübergreifend spielbar sein - und zwar via Steam, Android und iOS.

Durch diese Verknüpfung der unterschiedlichen Spielergemeinden will Projektmanager Adam Bohn auf jeden Fall die Art und Weise, wie wir miteinander spielen, grundlegend verändern und verspricht, dass AdventureQuest  3D mehr wird, als es auf den ersten Blick vermuten lässt und “mehr als ein springender, drehender, tödlicher Stoß Nostalgie.” Man darf zumindest gespannt sein, was passiert, wenn PC- und Handygamer tatsächlich aufeinanderprallen.

Livelock - Bye Bye Free-to-Play!

Im Gegensatz dazu dürfte sich Livelock vorerst auf den PC beschränken. Zumindest lässt das ein Blick auf das bisherige Portfolio von Perfect World Entertainment vermuten, jenem Publisher, der bekanntlich gerade dabei ist, seine Meta-Plattform Arc mit täglichen, spielübergreifenden Quests zu bestücken. Anders als alles, was sich auf dieser Plattform so tummelt, soll Livelock jedoch nicht kostenlos spielbar sein.

Vielmehr will Perfect World das Spiel gegen einen einmaligen Kaufpreis zur Verfügung stellen - also dem Modell von Guild Wars 2 und Black Desert folgen, das derzeit unter Publishern ziemlich beliebt scheint. Ob die Nachfrage nach dem isometrischen “Robot-vs-Robot-Co-op-Shooter” dafür groß genug sein wird, wird sich zum Release zeigen, das irgendwann für dieses Jahr angesetzt ist.

No Man’s Sky - wo hört Indie auf?

Überhaupt scheint sich die Branche langsam, aber sicher vom Free-to-Play-Konzept zu verabschieden und zum Kaufpreis ohne Abo-Pflicht zurückzukehren. So haben es dann auch die Entwickler des Indie-Titels No Man’s Sky beschlossen, der seit seiner Vorstellung auf der E3 2014 zu den wohl heißersehntesten Indie-Titeln überhaupt gehört und sich allein schon deswegen einen Kaufpreis durchaus erlauben kann.

Ob man als Indie-Studio allerdings einen Kaufpreis von 59,99 Dolar verlangen sollte, wo doch Preise unter 30 Dollar üblich sind, wird derzeit auf allen Kanälen und ziemlich hitzig diskutiert. Zudem längst nicht alle Details der Weltraum-Sandbox bekannt sind - insbesondere in Bezug auf Multiplayer-Mechaniken und echte Persistenz gibt es mehr Fragen als Antworten. Wer nicht mit einem Höchstmaß an Budget, dafür jedoch mit einem Mindestmaß an Geduld gesegnet ist, sollte vielleicht doch lieber das Release am 21. Juni und die dann folgenden Käuferreaktionen abwarten.

The Black Death - Kaufmannsladen inklusive

Wer es derweil etwas düsterer und mittelalterlicher bevorzugt, wird möglicherweise lieber auf The Black Death warten, ein Titel, den wir erst seit wenigen Wochen auf der Beobachtungsliste haben, der uns aber von Woche zu Woche aufs Neue überrascht. Und das liegt nicht einmal an der durchaus beachtenswerten Optik, sondern an ziemlich handfesten Spiel- und Klassenmechaniken.

Während in der vergangenen Woche erst der Bauer als eine Klasse vorgestellt wurde, die sich eher friedlichen Aufgaben widmet und die Bewohner der harschen, virtuellen Welt mit Nahrung versorgt, liegt der Fokus aktuell auf dem Händler, der es wohl ebenfalls zu Ruhm und Ehre bringen kann, ohne ein einziges Wesen zu töten. Und wer sich genau dafür interessiert, sollte unbedingt in der kommenden Woche wieder vorbeischauen - bis dahin dürfte das nächste Klassenvideo zu The Black Death verfügbar sein.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die heißesten MMO-News der Woche

Klicken, um Bilderstrecke zu starten (4 Bilder)