Dass mit dem Cloud-System SpatialOS endlich wieder richtige virtuelle Welten entwickelt werden könnten, hat uns unser Kolumnist in der vergangenen Woche erklärt. Nun legt er noch einmal nach und träumt davon, dass uns Elon Musks KI bald nicht nur in Dota 2 besiegen, sondern das Spielerlebnis an sich revolutionieren wird.

Als Elon Musk auf der vergangenen Dota-Weltmeisterschaft vorstellig wurde, um seinen Bot gegen die ukrainische Dota-Legende Dendi antreten zu lassen, rechnete kaum jemand damit, dass es der künstlichen Intelligenz gelingen könnte, den begabten Menschen zu schlagen. Wie auch - immerhin darf man Dota 2 getrost als eines der kombinationsreichsten Spiele überhaupt ansehen und Kombinationsmöglichkeiten waren bislang das Problem gängiger Bots.

Intelligenzbolzen der Vergangenheit

Bisher nämlich verdienten künstliche Intelligenzen diese Bezeichnung eigentlich gar nicht, denn sie sind nicht intelligent. Einem herkömmlichen Schachcomputer wurden schlicht die richtigen Antworten auf unzählige Problemstellungen einprogrammiert. Er arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und spielt die gewinnbringendste Variante aus. Das funktioniert beim Schach recht gut, bei Dota 2 hingegen nicht.

Denn dort kommen durch die unterschiedlichen Situationen, Helden, Skills und aktive Gegenstände so viele Unwegbarkeiten ins Spiel, dass keine IT-Armee der Welt einen herkömmlichen Bot darauf vorbereiten könnte. Zudem führt der schnellste und logischste Weg bei Dota 2 eben regelmäßig nicht ins Ziel, sondern zur Niederlage, während Bauchgefühl und Intuition ungemein wichtig sind. Dinge also, über die sich eine künstliche Intelligenz nicht verfügt.

2 weitere Videos

Ein Computer mit Bauchgefühl?

Und doch gelang es Musks OpenAI schon im vergangenen Jahr, die E-Sportler in ihrer Paradedisziplin zu schlagen. Dabei ging sie eben nicht nur logisch vor. Sie bewies Gespür für die Bewegungen des Gegners, sie täuschte an, zog sich zurück, um dann so unerwartet und hart zuzuschlagen, dass sie für ihre künstliche Kunst des Krieges sicherlich Sunzis Lob geerntet hätte.

Von der Fachpresse erntete Open AI ebenso Respekt wie von der Dota-Community. Dennoch blieb der große Begeisterungssturm aus, schließlich spielte die KI nur gegen einen einzigen Gegner. In Dota 2 spielen jedoch insgesamt zehn Helden in zwei Teams gegeneinander. Das ist noch mal eine andere Hausnummer und für einen Bot sicher nicht zu meistern.

Die KI lernt langsamer als ein Mensch, aber doch so viel schneller!

Doch OpenAI ist eben kein Bot, sondern eine künstliche Intelligenz. Sie wird nicht programmiert, sie lernt selbstständig. Während ein talentierter Profispieler zwischen 12.000 und 20.000 Spielstunden benötigt, um auf dem erforderlichen Niveau zu spielen, hat OpenAI einen Vorteil, den eben nur eine KI für sich nutzen kann: Sie spielt das Spiel beschleunigt gegen sich selbst und kann jetzt schon auf einen Erfahrungsschatz aus 180 Jahren Dota 2 zurückgreifen.

Entsprechend hält Musk seine KI jetzt für bereit, gegen ein Team aus E-Sportlern anzutreten. Zwar wird es dabei wohl noch einige Einschränkungen geben, was Heldenauswahl und Item-Bau betrifft, jedoch wäre es schon eine unglaubliche Leistung, würde die KI das eingespielte Gespann aus Profis auch nur phasenweise ins Schwitzen bringen. Doch warum ist das für jemanden interessant, der gar kein Dota 2 spielt?

Skynets Geburtsstunde?

Wenn OpenAI nicht nur die Regeln von Dota 2 lernen kann, sondern in Jahrhunderten im Schnelldurchlauf auch so etwas wie Intuition entwickelt und diese dann auch noch in einem KI-Team ausspielen kann, sind die Möglichkeiten, die daraus erwachsen, ebenso faszinierend wie beängstigend. Ohne jetzt über die unzähligen Aufgaben zu spekulieren, die OpenAI mit ihren Möglichkeiten im Alltag übernehmen könnte - sie dürfte auch virtuelle Welten der Zukunft auf den Kopf stellen.

Die werden wohl in Zukunft immer häufiger von Systemen wie SpatialOS geboostet, die von der Cloud aus Berechnungen zu allen erdenklichen Vorgängen in der Welt anstellen. SpatialOS lässt Gras wachsen, Pfützen verdunsten und Bäme vom Wind entwurzeln. Es lässt Wölfe nach Schafen jagen, die ihre gerade geworfenen Jungtiere gerade zu einem kleinen Teich führen, dessen Eisdecke in der ersten Frühjahrssonne zu tauen beginnt.

2 weitere Videos

Die glorreichen Sieben

Stellen wir uns nun vor, dass in dieser, von SpatialOS in allen Details simulierten Welt nun noch Wesen ausgesetzt werden, die von Musks OpenAI beseelt sind. Wesen, die eben nicht nur von A nach B laufen, sondern die dort arbeiten, essen, schlafen, sich waschen und die sich darüber wundern, wenn ihr Alltag vom Auftreten eines seltsamen Avatars ordentlich durchgerüttelt wird.

Oder, um es noch etwas spannender zu machen: Stellt euch eine marodierende Bande aus OpenAI-Persönlichkeiten vor, die marodierend durch die friedliche Welt zieht und nicht nur die arglosen Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt sondern auch den Spieler, der Mittel und Wege finden muss, diese Gefahr zu beseitigen.

Und was spielt ihr im Juli?

Bilderstrecke starten
(9 Bilder)

Auf den ersten Blick mag es anders aussehen, doch was die Gaming-Welt in den letzten Jahrzehnten erleben musste, war ein erschreckender Stillstand. Entwicklungen gab es fast ausschließlich in Sachen Optik. Hübsch anzusehen, aber spielerisch kaum relevant. Klar, bis nun SpatialOS und OpenAI in dieser Hinsicht Standards werden, dürfte es noch ein paar Jahre dauern, in denen Musk seine KI-Armee zur Dota-Weltmeisterschaft entsendet.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis: