Die Katze ist aus dem Sack, die drei Titel, an denen die Amazon Game Studios arbeiten, haben offizielle Namen und drei doch recht unterschiedliche Konzepte. Ob Amazon mit denen tatsächlich die Chance hat, einen Fuß in den umkämpften Markt zu bekommen, darüber lässt sich nach der Enthüllung vortrefflich streiten. Und den Anfang macht, wie so oft, unser Kolumnist.

Breakaway - Rugby meets Dota

Die Personalbewegungen der vergangenen Wochen und Monate hatten es bereits vermuten lassen - in den Amazon Game Studios wird nicht nur eine benutzerfreundliche Engine auf Cry-Basis entwickelt. Man werkelt dort längst auch an eigenen Spielen. Und seit der jüngsten Konferenz wissen wir auch, dass es derer drei sind: Breakeaway, Crucible und New World.

Halbwegs ausführlich wurde aktuell allerdings nur Breakeaway vorgestellt, augenscheinlich eine rasante Mischung aus einem kontaktreichen Ballspiel und einem heldenbasierten Arena-Game. Spaßig soll es laut Amazon sein, kurzweilig und einsteigerfreundlich. Das Ziel: Den Ball, den man augenblicklich verliert, sobald man Schaden nimmt, in der gegnerischen Basis zu versenken.

Raus aus der Passivität

Und möglichst soll es auch im E-Sport zünden - immerhin hat man Töchterchen Twitch auf seiner Seite, das endlich mal sinnvoll ins Amazon-Netzwerk eingebunden werden muss. Die aktuelle Entscheidung, Prime-Kunden zu Premium-Usern auf Twitch zu machen. ist ganz nett, interessiert die Mehrheit des Twitch-Publikums jedoch nicht sonderlich und wird kaum jemanden dazu verleiten, Amazon Prime zu buchen.

Noch wichtiger als die Symbiose zwischen Amazon und Twitch ist allerdings die zwischen Twitch und den Spielen selbst. Eine neue Generation von Games ist überfällig, die sich besser in die Streaming-Plattformen integrieren lassen, die den nächsten Schritt erlauben. Gemeint ist echte Interaktion zwischen Streamern und Zuschauern.

Spielekultur - Die Geschichte der Multiplayer-Spiele

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Denkbar sind beispielsweise Wettsysteme, für die man aktuell noch externe Hilfsmittel benötigt oder die Möglichkeit für Zuschauer und Fans, aktiv ins Spielgeschehen einzugreifen, dem Streamer im Wettstreit gegen andere Streamer zu helfen oder ihm Steine in den Weg zu legen. Möglichkeiten, an denen der jüngste Twitch-Konkurrent Beam.pro derzeit gemeinsam mit Eigner Microsoft arbeitet.

Crucible - Wetten, dass..?

Auch Crucible, Amazons zweiter Titel, geht in diese Richtung, zudem er vom Design her noch stärker auf die Solisten unter den Streamern abzuzielen scheint. Crucible soll ein Survival-Shooter werden, in dem insgesamt zwölf Kombattanten versuchen, die Gegenspieler zu eliminieren. Doch Spiele dieser Art gibt es mittlerweile zuhauf und so hat sich Amazon für Crucible ein neues Element ausgedacht.

Der Clou: Während der laufenden Runde ist es dem Spieler möglich, Allianzen zu bilden und spontan die Seiten zu wechseln, sei es nun, weil er dort größere Chancen auf einen Sieg verortet, es ihm ein Spieler auf der anderen Seite besonders angetan hat oder weil er Streamer ist und ihn seine Zuschauer zum Wechsel nötigen. Wie genau Crucible funktioniert und wann genau der finale Überlebenskampf beginnt, aus dem am Ende nur einer als Sieger hervorgehen wird, werden wir wohl demnächst erfahren.

New World - also doch ein MMORPG

Ähnlich vage, wenngleich für unsereins ungleich interessanter ist Amazons dritter Titel. Aus New World soll nämlich tatsächlich mal werden, wovon wir kaum noch zu träumen gewagt hätten: ein waschechtes MMORPG mit ordentlich Budget im Rücken, entworfen und gezimmert von erfahrenen Entwicklern, sofern man die von ArenaNet abgeworbenen Jungs als solche sehen mag.

New World spielt im Amerika des 17. Jahrhunderts. Magie, Naturgeister, Aberglaube, Wildnis - alles, was auf dem damals noch kaum erkundeten Kontinent nicht unmöglich schien, ist im Spiel real. Dazu kommen die Spieler in einer massiven, virtuellen Welt - oder sollen wir sie Siedler nennen? Denn der Bau von Siedlungen soll ebenso zur deklarierten Sandbox gehören wie Landwirtschaft, Erkundungen, Banditentum und Kriege.

Der Streamer als neue Instanz

Das alles soll dann noch tief mit Twitch verwoben werden. Ein MMO, in dem Streamer Events starten können, Herausforderungen in Gang setzen und Belohnungen verteilen, in dem sie verfeindete Lager im Krieg unterstützen oder Konflikte diplomatisch lösen können. Die volle Ladung sozialer Interaktion also und genügend Stoff für eine ebenso herzzerreißende wie motivierende Dramatik.

Nun streame ich selbst schon lange genug auf Twitch und Beam, um die theoretischen Möglichkeiten, die eine echte Einbindung eines Spiels in den Stream bietet, nicht zu unterschätzen. Ein MMORPG, in dem der Streamer und sein Publikum eine eigene Instanz im sozialen Gefüge einer lebendigen Sandbox darstellt, das wäre durchaus mal etwas Großartiges.

Gleichzeitig kenne ich die Tücken, die insbesondere Sandbox-MMOs für uns Streamer bereithalten. Die permanente Einbindung des Chats nagt an der Konzentration, dazu kommen Trolle im Chat und Stream-Sniper, die jeden Schritt verfolgen, um im perfekten Augenblick hart zuzuschlagen und größtmöglichen Schaden anzurichten. Wer einmal versucht hat, ARK: Survival Online auf einem offiziellen PvP-Server vor größerem Publikum zu streamen, weiß, was ich meine.

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