In Kalifornien ist gerade die Game Developers Conference zu Ende gegangen. Und wie so oft auf solchen Veranstaltungen philosophierten und debattierten namhafte Experten über die besten Strategien, Konzepte und Mechaniken, über Tiefe und Anspruch. Dabei hat die Branche eigentlich ein ganz anderes Problem: Sie leidet am Erfolg der Oberflächlichen.

Heute geht es unter anderem um PUBG und ein neues Battle-Royal-Spiel:

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Ein wenig können sie einem schon leidtun, jene Entwickler, die sich seit Jahren redlich bemühen, irgendwie ein halbwegs komplexes Spiel auf die Beine zu stellen, eine virtuelle Welt, die sich wie eine echte anfühlt. Sie diskutieren in Foren, reden sich auf Entwicklerkonferenzen die Zungen wund und posten über Jahre hinweg Woche für Woche Entwicklervideos, in denen sie ihre paar Dutzend interessierte Unterstützer über jeden Furz auf dem Laufenden halten, den sie ins Spiel einbauen wollen.

Warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Und wenn es dann erst wird, wenn die gigantische Onlinewelt Formen annimmt, beginnen erst die eigentlichen Probleme. Skills und Klassen müssen ausgearbeitet und ausbalanciert werden, eine virtuelle Wirtschaft muss her, NPC und Monster brauchen ein Mindestmaß an digitalem Hirn, Dungeons, Quests, Story und weiß der Himmel was noch alles. Ach ja - und dann wäre noch das massive Problem eines jeden MMORPG: Wie bringe ich der Engine bei, dass sie die Rechner der Spieler nicht verkokelt, wenn mal 1.000 Leute auf einem Fleck stehen?

Und während man so unverschämt viel Zeit und Geld in all diese Dinge steckt, kommt mal eben ein Mod-Entwickler um die Ecke und zieht mit einem unglaublich oberflächlichen Battle-Royale-Game mit einem verstörend einfallslosen Namen so viele Spieler ab, dass sich einfach niemand mehr für die Nischentitel interessiert.

Zwei feiern, der Rest leidet

Und weil dieser neue Erfolgstitel so ungemein einfach zu basteln ist, schiebt gleich noch ein zweiter Publisher nach nicht einmal zwei Monaten Entwicklungszeig eine eigene, noch massentauglichere Battle-Royale-Interpretation nach, die der Konkurrenz den Rest gibt. Mit anderen Worten: Glückwunsch an die Entwickler von PUBG und Fortnite. Aber bedenkt, wenn ihr die Sektkorken knallen lasst: Ihr seid gerade dabei, die Multiplayer-Szene zu ruinieren.

Tatsächlich leiden gerade alle Multiplayer-Titel am Erfolg der beiden Battle-Royale-Shooter. Und während Dota 2, League of Legends, World of Tanks oder Overwatch ihre aktuellen Spielereinbrüche nach Jahren des Erfolgs verschmerzen können, kranken die kleineren Spiele richtig. Unzähligen Multiplayer-Games fehlt der Spielerpool, um außerhalb der Prime-Time noch eine Arena zu füllen. Sie füllen mit Bots auf, bis auch dem letzten Spieler die Lust vergangen ist.

Es gibt kein Überleben in der Nische

Kleinere MMO-Titel sind schon im Laufe ihrer Early-Access-Phasen so verwaist, dass man eigentlich nur noch Mitleid mit den Entwicklern haben kann. Die arbeiten dennoch stoisch weiter an der Fertigstellung, obwohl das langsame Sterben längst begonnen hat. Sie alle sind dem tödlichen Trugschluss einiger Analysten aufgesessen, die stets auf die wachsende Gesamtzahl der Zocker geschaut und der Branche rosige Zeiten prognostiziert haben.

Doch die Games-Branche funktioniert eben nicht wie andere Wirtschaftszweige. Die Regeln von Angebot und Nachfrage gelten hier nicht, da das Angebot nicht limitiert ist. Entsprechend gibt es keine typischen Preiskämpfe zwischen Unternehmen und schon gar nicht wollen sich die Kunden gleichmäßig auf die Anbieter aufteilen.

“Komm einfach mit, das spielen gerade alle!”

Ihr Verhalten ist oft unvorhersehbar, erratisch. Sie folgen nicht der Qualität, sondern ihren Freunden, was dazu führt, dass irgendwann jeder im gleichen Game hockt und andere, möglicherweise viel interessantere Titel, ignoriert werden. Die Games-Branche ist aktuell größer denn je und es geht ihr schlechter denn je.

Und ja, ich habe PUBG ausgiebig getestet und auch Fortnite, in das die ganze Meute plötzlich gewechselt ist. Beide Spiele hinterlassen mich eher frustriert als begeistert. Ich suche eben nicht das oberflächliche Shooter-Erlebnis, möchte mich eben nicht nur mit 100 anonymen Spielern balgen und nicht im Minutentakt von vorne beginnen.

Ich möchte Kontakte knüpfen, führen, erobern, handeln, etwas Nachhaltiges aufbauen. Also suche ich weiter nach Persistenz, nach echten Welten und spielerischer Tiefe. Und wenn ich damit zu einer sterbenden Randgruppe gehöre, während die Oberflächlichkeit ihren Siegeszug fortsetzt, dann sei’s drum!

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