So erbittert auch bisweilen von den Herstellern dafür geworben wurde - für eingefleischte MMO-Fans ist die aktuelle Konsolengeneration keine echte Alternative zum PC. Mit der PlayStation 4 Pro allerdings hat Sony hat ein extrem heißes Eisen im Feuer. Eines, das seinen kurzen Beinamen wohl nicht ohne Grund trägt.

4k für 400?

Zugegeben - sonderlich speaktakulär war Sonys jüngste Pressekonferenz zur neuen Konsole nicht inszeniert. Die Redner wirkten ungemein steif und die präsentierten Spielausschnitte waren schlecht gewählt. Und doch hat die Veranstaltung für jede Menge Wirbel in der Szene gesorgt. Während nämlich einige technisch versierte Kritiker noch darüber diskutieren, ob die Kiste die versprochene 4K-Auflösung überhaupt liefern kann oder sie nur simuliert, schafft die Spielerschaft mit einer wahren Lawine von Vorbestellungen Fakten.

Was auch immer die Pro in Sachen 4K zu leisten vermag oder nicht - sie scheint die erste Konsole zu sein, die mit einem ordentlichen Gaming-PC mithalten kann - für schlappe 400 Euro ein Schnapper, bei dem selbst der eingefleischteste PC-Fanboy schwach zu werden droht. Dabei es ist nicht einmal die Konsole allein, die den Zocker lockt, sondern die verheißungsvolle Peripherie - also ausgerechnet der größte Schwachpunkt bisheriger Konsolen.

Sonys Kampfansage

Denn wenn Sony die PlayStation 4 Pro samt PlayStation VR im Paket für unter 800 Euro anbietet, dann öffnet sich das Tor ins VR-Gaming mal eben für die Hälfte dessen, was wir am PC berappen müssten - von der mutmaßlich narrensicheren Einrichtung mal ganz abgesehen. Den Managern von Oculus und HTC dürfte angesichts dieser Kampfansage der Hintern gerade mächtig auf Grundeis gehen.

Viel zu lange haben sie sich auf ihrer vermeintlichen Marktführerschaft ausgeruht und anscheinend gar nicht realisiert, dass sie mit ihrer vollkommen abgehobenen Preispolitik den Durchbruch der VR-Games  wenn nicht gefährdeten, dann zumindest behinderten. Dass nun ausgerechnet einer der alten Konsolenhersteller mit 4K-VR zum Discounter-Preis im Laufschritt an ihnen vorbeiziehen würde hätten sie wohl kaum geahnt.

Schon wieder ‘ne neue…?

Klar - für Besitzer der PlayStation 4, die gehofft hatten, mit ihrer Konsole noch ein paar Jährchen über die Runden zu kommen, ist die Ankündigung ein schwerer Schlag. Für PC-Gamer, die aktuell schon mit dem Gedanken gespielt hatten, sich für VR fit zu machen, ist es hingegen ein Grund, ernsthaft und erstmals einen Systemwechsel in Betracht zu ziehen.

Damit dürfte dann auch klar sein, warum Sony sein Gaming-Intranet während der letzten Monate bereits vorsichtig geöffnet und für plattformübergreifende Spielereien vorbereitet hat. Mit dem freiheitsliebenden PC-Gamer-Publikum im Blick kann man sich keine allzu restriktive Firmenpolitik erlauben. Wenn man die PlayStation 4 mit der Pro schon zu einer Art Gamer-PC macht, dann muss man wenigstens dafür sorgen, dass dieser fortan den Markt beherrscht - auch wenn man die Kiste samt der so wichtigen VR-Peripherie dafür subventionieren muss.

The Elder Scrolls Online - vom Partner zum Kritiker

Entsprechend bemüht war man bei Sony auch, zu unterstreichen, dass die aufgewertete PlayStation absolut bereit für MMOs ist. Beweisen möchte man das gemeinsam mit einem augenscheinlich starken Partner: ZeniMax Online Studios und deren Zugpferd The Elder Scrolls Online, das auf der neuen Konsole optisch einen durchaus ordentlichen Eindruck hinterlässt.

Und das Glück der neuen Freunde wäre wohl perfekt gewesen, hätte Sony nicht kurz darauf eine Entscheidung getroffen, die ausgerechnet der Schwesterfirma der ZeniMax Online Studios ganz und gar nicht gefällt. Nach monatelangen Diskussionen, so ließ Bethesda aktuell verlauten, habe Sony mitgeteilt, dass man User-Mods auf der PlayStation 4 nicht unterstützen werde - mit direkten Konsequenzen für Spiele wie Skyrim und Fallout 4. Eine Gaming-Plattform ohne Mods also - für viele PC-Gamer und Entwickler absolut undenkbar.

The Void - wo VR nur die halbe Wahrheit ist

Wobei angesichts der rasanten technischen Entwicklung aktuell ohnehin kaum eine Prognose darüber möglich ist, wer nun letztlich den nächsten großen Coup in der Unterhaltungsbranche landet und wie lange der Erfolg dann andauert. Gerade im VR-Bereich ist es aktuell kaum möglich, eine Idee tatsächlich zur Marktreife zu führen, weil die Technik einem viel zu schnellen Wandel unterliegt. Über die klobigen VR-Helme von heute, das ist sicher, werden wir in einigen Jahren nur noch müde lächeln, wenn uns erst digital optimierte Kontaktlinsen die Realität erweitern.

Wohin der Weg führt, darüber machen sich aktuell auch Rollenspiel und Fantasy-Pioniere wie Richard Garriott und Tracy Hickman Gedanken, die auf der jüngsten DragonCon ein ziemlich einzigartiges VR-Erlebnis mit dem Titel The Void präsentierten. Wobei es eigentlich untertrieben ist, von virtueller Realität zu sprechen, denn tatsächlich bewegen sich die Spieler durch eine echte, spür- und fassbare Umgebung.

Diese wird dann mal eben virtuell aufgepeppt - mit Texturen, Geräuschen, Landschaften, Monstern aller Art. Wer schon einmal ein VR-Horror-Erlebnis hatte, kann sich in etwa vorstellen, wie intensiv so etwas auf das Unterbewusstsein wirkt, wenn man nicht mehr an Ort und Stelle steht, sondern tatsächlich durch reale Gänge schlurft.

Doch nützen 4K, VR und andere technische Spielereien rein gar nichts, wenn die Spiele selbst nicht zünden. Denn letztlich ist es das Konzept, das langfristig mitreißt und nicht der schöne Schein. Aber das ist eine Erkenntnis, gegen die führende Köpfe der Branche gemeinhin resistent zu sein scheinen. Wobei es auch ein paar erleuchtete Ausnahmen gibt.

Hero’s Song - das Lied aus guten, alten Zeiten

John Smedley zum Beispiel, dem diese Erkenntnis jedoch möglicherweise auch zum Verhängnis geworden ist. Zumindest konnte er sich nach dem Verkauf von Sony Online Entertainment und der Umstrukturierung zu Daybreak letztlich nicht im Chefsessel halten, zudem er mit seinem Bekenntnis zu Sandbox-MMORPGs ziemlich umstrittene und noch viel schwieriger umsetzbare Ambitionen hatte.

Diese Ambitionen scheint Smedley in seiner neuen Firma Pixelmage noch erbitterter zu verfolgen. Mit Hero’s Song entwickelt Smedley unter dem neuen Dach ein Rollenspiel, wie es ambitionierter kaum sein könnte. Der Spieler, der die Freiheit hat, einen Server für bis zu 200 Spieler zu hosten, bestimmt dabei den Aufbau seiner Welt samt Verteilung der NPCs anhand der von ihm erwählten Gottheiten und deren Vorlieben. Dazu kommen Survival-Elemente und die Möglichkeit, einen Avatar auch permanent in er Unterwelt zu verlieren. Hero’s Song, so die Entwickler, soll ein schwieriges Spiel werden und eines mit Wiederspielwert, wie der aktuelle Trailer erahnen lässt.

Doch es wird auch ein technisch anachronistisches Spiel und wer nicht auf pixeliges Retro-Flair abfährt, wird wohl kaum bereit sein, die 20 Euro zu riskieren, die der Spaß im kommenden Jahr kosten soll. Umso bemerkenswerter wäre es allerdings, wenn es Smedley und seinen namhaften Kollegen tatsächlich gelingen würde, mit dem innovativen Retro-RPG einen Erfolg zu langen und sein neues Unternehmen damit finanziell auf ein solides Fundament zu stellen, auf das sich weiter aufbauen lässt.

Camelot Unchained - “wird niemals free-to-play”

Nicht ganz so retro wie Hero’s Song, wenngleich durchaus einer alten Tradition folgend, soll bekanntlich Camelot Unchained werden. Dessen Team hat sich von ehemals 13 auf mittlerweile 26 Entwickler verdoppelt, was Initiator Mark Jacobs auf der aktuellen DragonCon mit absoluter Zuversicht erfüllt, den Erfolg des MMORPGs betreffend.

Entsprechend sicher ist sich der Altmeister, dass Camelot Unchained keinesfalls jemals free-to-play sein wird - von den üblichen Testphasen mal abgesehen. Für ihn ist dieses Geschäftsmodell einer der Gründe für den Verfall der Branche und er hat wenig Mitleid, mit all jenen, die Spiele mit Begeisterung konsumieren, aber nichts dafür bezahlen wollen.

Augen auf beim Höschenkauf!

Und tatsächlich gibt es kein einziges Beispiel für ein wirklich akzeptables F2P-MMORPG und wenngleich der kostenlose Zugang immer wieder frische Spieler in die Welten spült, verhindert er gleichzeitig, dass sich eine langfristig interessierte, treue Community aufbaut. Eine Community, wie sie Mark Jacobs in Camelot Unchained haben möchte.

Es wäre auf jeden Fall erfreulich, wenn die Ära der F2P-MMOs endlich vorüber wäre, wenn wir Spieler uns nicht länger mit unfairen Mikrotransaktionen herumärgern müssen und sich Entwickler endlich wieder Gedanken über wichtige Spielelemente machen können, statt an der nächsten Unterwäschekollektion mit eingestickten Passiv-Buffs zu arbeiten.

Dual Universe - steht unter einem guten Stern

Ganz ähnlich sehen das übrigens auch die Entwickler der Weltraum-Sandbox Dual Universe, die ihr Projekt aktuell auf Kickstarter vorgestellt haben, in der Hoffnung, dort genügend Unterstützer und 500.000 Euro an Land zu ziehen. Und wer gedacht hätte, dass eine halbe Million ein ziemlich gewagtes Ziel sei, hat die Rechnung wohl ohne die finanzkräftigen Sci-Fi-Fans gemacht. Obwohl noch 30 Tage verbleiben, haben die Initiatoren bereits über 200.000 Euro beisammen und der erfolgreiche Abschluss der Kampagne ist damit überaus wahrscheinlich.

Einerseits liegt das wohl daran, dass Dual Universe das zu bieten scheint, was No Man’s Sky nur angedeutet hat - echte Sandbox-MMORPG-Features eben in einem einzigen Universum. Andererseits kommt auch die Ankündigung gut an, dass Dual Universe eben nicht free-to-play werden soll, wenngleich man auf einen Kaufpreis verzichten will.

Die Entwickler setzen tatsächlich auf die klassische Monatslizenz, die sich auch im Spiel handeln lassen soll. Insgesamt ist Dual Universe ziemlich komplex angelegt und scheint gut durchdacht mit einer ganzen Reihe ziemlich ambitionierter Elemente. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.