Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten - über MMOGs dafür umso besser. Und gerade jetzt, wo sich abzeichnet, dass drei Hoffnungsträger gleichzeitig um die Gunst der Spielerschaft buhlen, beginnen in den Communitys die ersten Grabenkämpfe. Wiped begibt sich für euch auf brandgefährliches Terrain und falls ihr bald nichts mehr von uns hört, hat es den Kriegsberichterstatter erwischt.

Aller guten Dinge sind drei

Jahr für Jahr drängen unzählige neue MMOGs auf den Markt - die meisten davon sind es nicht einmal wert, dass sie hier namentlich genannt werden. Im vergangenen Jahr haben es eigentlich nur zwei Titel zu einem gewissen Erfolg gebracht - Trions Rift und BioWares Star Wars: The Old Republic. Schade nur, dass bei beiden Titeln die gleiche veraltete Design-Blaupause Anwendung gefunden hat, in der kein Platz für Endgame-Inhalte ist.

Und so verwundert es kaum, dass selbst eingefleischte Fans beider Titel auch schon wieder nach neuem Futter Ausschau halten. Futter, das in diesem Jahr besonders lecker scheint und das in drei völlig verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich sein wird. The Secret World, TERA und Guild Wars 2 durchlaufen allesamt gerade die letzten geschlossenen Beta-Phasen und jedes von ihnen scheint auf seine ganz eigene Art und Weise innovativ zu sein.

Aufmarsch der MMO-Hooligans

Schön für alle, könnte man meinen, doch die Online-Gamer verhalten sich beinahe wie Fußball-Fans und tun, was Menschen immer gerne tun, wenn ihnen ein Hobby überaus wichtig ist: Sie bilden Lager. Zwar ist manch einer noch immer unentschlossen und lässt die drei Spiele erst einmal auf sich zukommen, doch die Mehrheit hat sich schon vorab ein Urteil gebildet.

Und das erlaubt es nicht, einen der anderen Titel oder dessen Spieler zu akzeptieren. Im Gegenteil - für viele Fans ist die Zeit gekommen, die ganz großen Geschütze aufzufahren. Die erste Salve im beginnenden Zockerkrieg bekommen derzeit die Spieler von TERA mit voller Wucht ab, denn die selbsterklärten Gegner belassen es nicht bei der generellen Kritik am Spiel, das möglicherweise nicht ihrem eigenen Geschmack entspricht, sie holen vielmehr mit einer echten Keule zum Rundumschlag auf die Spielerschaft aus.

Wiped! - Die MMO-Woche

- Oversexed and underf...?
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Wahrscheinlich speziell für alle Anime-Fans wurden die Elin erschaffen.
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Verführung oder Kunstform?

Das Spiel, so die harsche Kritik, richte sich ganz besonders an Pädophile. Dabei werden immer wieder die feenartigen Elin zu Felde geführt, deren Gesichter durchaus kindliche Züge aufweisen, wie man sie aus zahlreichen fernöstlichen Manga und Anime kennt. Dass manchen Menschen im Westen für diese Kunstform das Verständnis fehlt, darüber mag man noch hinwegsehen können - über die Art der Kritik allerdings nicht.

Ich kenne viele Menschen, die sich auf TERA freuen - Frauen und Männer. Niemand von denen, die wirklich an dem Spiel interessiert sind, würden jemals auch nur im Entferntesten daran denken, die Elim-Spielerrasse als sexuelle Wesen wahrzunehmen, geschweige denn sie in diesem Zusammenhang obendrein noch als Kinder anzusehen.

Nicht jeder Rollenspieler ist ein Fetischist

Jeder halbwegs erfahrene MMOG-Spieler weiß, dass man sich in einer virtuellen Welt, in der man obendrein in ein politisches System eingebunden wird, bisweilen recht stark mit seinem eigenen Avatar identifiziert und ihn nicht als Spielzeug für irgendwelche sexuellen Phantasien ansieht - derlei Dinge sind ganz anderen Genres vorbehalten.

Niemand wird in TERA gezwungen, einen Elin zu spielen. Und wer es doch tut, ist entweder ein Rollenspieler, der zur Abwechslung mal in keinen schwergewichtigen Ork oder Menschenhelden schlüpfen möchte, oder vielleicht ein Anime-Fan oder allgemein jemand, der etwas mit der fernöstlichen Ästhetik anfangen kann. Vielleicht möchte er oder sie auch nur die Rassenvorteile der Elin nutzen.

Die große Design-Lüge

Welche Gründe auch immer hinter der Auswahl stehen - sie ist nicht sexuell motiviert und es ist auch nicht legitim, die Anhänger solcher Wesen unter Generalverdacht zu stellen oder sie auch nur in einem Atemzug mit dem Begriff der Pädophilie zu nennen. Und wer schon mal einen Blick in südkoreanische Spieleschmieden geworfen hat, weiß auch, dass keine notgeilen alten Kerle für das Design verantwortlich zeichnen, sondern zumeist junge Frauen mit einer entsprechenden ästhetischen Ausrichtung.

Asiatische Spiele hatten es in den vergangenen Jahren nicht leicht auf dem westlichen Markt. Gewiefte Mitarbeiter mancher westlicher Publisher haben es über Jahre hinweg geschafft, sich die Spiele aus Fernost dadurch vom Leibe zu halten, dass sie das Gerücht von der Existenz eines asiatischen und eines westlichen Spielverhaltens und ganz eigenen regionstypischen Vorlieben gestreut haben.

Zocken verbindet

Doch wenn es um unser Spielverhalten geht, so besteht kein Unterschied zwischen westlichen und fernöstlichen Spielern. Der Spieltrieb ist uns allen von Geburt an in die Wiege gelegt - und er ist, das können Genetiker und Soziologen gleichermaßen bestätigen, grundsätzlich weltweit identisch. Folglich gibt es auch kein asiatisches oder westliches Gamedesign. Es gibt nur Design-Traditionen und daraus resultierend letztlich gute und schlechte Spiele.

Die optischen Unterschiede kann man getrost vernachlässigen, sonst käme heute niemand mehr auf die Idee, Schach zu spielen. Ich selbst bin auch kein großer Fantasy-Fan und würde der Science-Fiction jederzeit den Vorzug geben. Wenn allerdings ein Fantasy-Titel ein gutes Gamedesign aufweist, treten derlei Vorlieben auch mal in den Hintergrund, denn letztlich will ich intensiv und lange zocken und nicht nur schauen.

TERA Rising

- Die ersten Stunden in der neuen Welt
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Frogster hat es also doch noch geschafft - die Server laufen und sind bereits proppenvoll. Unser Frank war dabei und hat protokolliert.
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Schlecht ist, wer Schlechtes denkt

TERA ist eines von drei potentiellen Erfolgs-MMOs und bietet mit seinem Action-Gameplay und dem politischen System ein Gamedesign, das auf jeden Fall einen näheren Blick verdient hat. Dabei ist jedem freigestellt, ob er sich dieses Erlebnis selbst vorenthalten will, nur weil es optisch irgendwie exotisch wirkt.

Doch möchte ich darum bitten, dass eine eventuelle Diskussion über das Spiel sachlicher geführt wird als bisher. Die Pädophilie-Keule zu schwingen ist moralisch und rechtlich gleichermaßen bedenklich, und so mancher mag sich letztlich damit selber auf die Nase hauen, denn wie sagt ein Sprichwort so schön: Schlecht ist, wer Schlechtes denkt.

Ausblick

Und bevor ich euch nach diesen ernsten Worten ins verdiente Wochenende entlasse, muss ich vorab noch ein Geständnis ablegen. Nachdem ich vorab schon in TERA und The Secret World mein virtuelles Unwesen treiben durften, gehöre ich nun zu den wenigen Glücklichen, die Guild Wars 2 schon auf ihrem Rechner haben.

Während ihr also diese Zeilen lest, bin ich längst im Spiel unterwegs und verschaffe mir einen ersten echten Eindruck, der weit über das hinausgehen wird, was ich bisher auf Messen und in Videos sehen und erleben durfte. Davon werde ich dann alsbald berichten, damit ihr auch weiterhin im Bilde seid und stets wisst, was im Westen und im Osten so gespielt wird.