Auf der Gamescom feierte sich die Branche wieder einmal selbst. Objektiv betrachtet hat sie auch allen Grund dazu. Die Umsätze steigen, permanent werden neue Rekordzahlen geschrieben. Und doch ist da irgendwo der Wurm drin, denn wir Spieler gehen immer öfter leer aus. Wenn sich alles nur noch um Gewinnmaximierung dreht, bleiben Innovation und Spielspaß auf der Strecke.

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Liebe Entwickler,
ich kann es durchaus verstehen, dass ihr so richtig gefrustet seid. Ihr habt jahrelang erstklassige Arbeit geleistet für vergleichsweise wenig Geld. Ihr habt brav die Anweisungen der Chefs umgesetzt und jeden Stuss ins Spiel gebracht, den sich die Dilettanten und deren Geldgeber so ausgedacht haben. Wenn die “Crunch Time” ausgerufen wurde, verbrachtet ihr mehr Zeit am Arbeitsplatz als in den eigenen vier Wänden. Beziehungen gingen in die Brüche, die Familie litt mit.

Und wofür das alles? Für das Label, für die große Sache, für das gehypte Endprodukt, den mit Sicherheit geilsten Teil einer 08/15-Reihe, der verkauft, gespielt und vergessen wird, sobald der Nachfolger erschienen ist, an dem parallel schon wieder gearbeitet wird. Eine Tragödie inmitten einer Branche, die doch eigentlich unterhalten soll, von der man sich eine gewisse Lockerheit erhofft.

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Endlich frei!

Ich verstehe den Unmut, den Ärger und den Wunsch, den Schritt in die Unabhängigkeit zu wagen. Endlich selbst ein Studio zu gründen, in dem die Atmosphäre stimmt, in dem man mit den geschätzten Kollegen ein ganz eigenes Projekt zu stemmen kann. Ich würde es wahrscheinlich nicht anders machen, wäre ich ein begnadeter Designer in eurer Situation. Doch es gibt da etwas, das ich nicht verstehe.

Wenn ihr schon die absolute Freiheit habt, warum nutzt ihr sie dann nicht? Warum arbeitet ihr nicht an eurem Traum? Warum ersinnt ihr nicht etwas Großartiges, etwas innovativ Neues? Warum um Himmels Willen macht ihr das, was ihr auch unter dem Joch des Publishers getan habt und baut auch nur eine weitere Version eines Spiels, das es in dieser oder ähnlicher Form schon gibt? Weil ihr glaubt es besser zu können?

Dota? Sowas kann ich auch!

Die Liste der Entwickler, die im Laufe der letzten Jahre in diese Falle getappt sind und generische MOBA- oder Arena-Games auf den Markt oder in den Early Access geworfen haben, ist schier endlos. Und Monat für Monat kommen neue Projekte hinzu, die jeder, der auch nur ein wenig Ahnung von der Materie hat, schon im Vorfeld als gescheitert betrachten kann.

Lawbreakers ist da nur das jüngste Beispiel für ein Projekt, das tatsächlich vieles besser macht als die etablierte Konkurrenz und trotzdem gerade den Bach runter geht, weil es einfach nicht genügend aktive Spieler findet. Auch wenn es einfach scheint und geschmeidiger zu entwickeln ist als eine offene Welt: Gerade ein Arena-Game benötigt eine hohe Zahl aktiver Spieler. Mit 700 Spielern gleichzeitig lassen sich keine ausgewogenen Auseinandersetzungen gewährleisten, weil Anfänger gegen Profis anrennen und nach ein paar Runden frustriert das Handtuch werfen.

Bei Epic fühlte sich Cliff Bleszinski ausgebremst und so entwickelte er auf eigene Faust Lawbreakers. Ein gutes Game, vielleicht besser als Overwatch. Das Problem nur: Niemand will es spielen.

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