Immer wenn ein Spielkonzept gut funktioniert, wird in der Community der Ruf nach Multiplayer-Optionen laut. Das gleiche Spiel sollte man entwickeln, nur eben online. Am besten gleich ein MMO - das kann doch nicht so schwer sein. Umso besser, dass die Entwickler von No Man’s Sky gleich von vornherein diesen Weg gegangen sind. Oder so ähnlich.

Es kann nicht immer online sein

Sid Meier’s Pirates!, Mount & Blade, State of Decay - drei an sich schon geniale Games, die man dadurch noch toppen könnte, dass sie zum MMORPG würden. Das gleiche Spielprinzip, jedoch für Zigtausende Mit- und Gegenspieler aus aller Welt. Und doch haben sich deren Entwickler bislang zu keinen voreiligen Aktionen verleiten lassen und halten sich mit allzu massiven Umsetzungen der Konzepte zurück. Aus gutem Grund.

Denn gerade geniale Spiele samt Sandbox-Welt und Gruppenmanagement lassen sich eben nicht so einfach zu Multiplayer-Spielen umkonzeptionieren, wie sich das manch ein Laie oft vorstellt. Erschwerend kommt hinzu, dass gewöhnliche Studios gar nicht über das technische Know-how und versierte Spezialisten verfügen, wie man sie für die Entwicklung eines massiven Multiplayer-Games benötigte.

Ist Science Fiction online oder online Science Fiction?

Nachdem nun No Man’s Sky quasi über Nacht einen irrsinnigen Hype erfahren hatte, erwarteten die Spieler natürlich, dass ein solch interessanter Titel auch online spielbar sein würde, eine Art MMO also. Doch statt Klartext zu reden und zu sagen, dass No Man’s Sky so etwas nicht werden würde, gaben sich die Entwickler kryptisch, sprachen davon, dass es eher unwahrscheinlich sei, sich in den unendlichen Weiten des Alls zu begegnen - ließen damit im Umkehrschluss aber unglaublich viel Raum für Spekulationen.

Spekulationen, die den Hype anheizten und dafür sorgten, dass sich No Man’s Sky weit besser verkauft, als man das für gewöhnlich von so einem Spiel hätte erwarten dürfen. Dabei deuten schon die überwiegend negativen Bewertungen auf Steam an, dass die Stimmung zum Release gekippt ist und die Sache ein gewaltiges Debakel zu werden droht.

» Ob der Hype tatsächlich gerechtfertig ist, erfahrt ihr in unserem No-Man's-Sky-Test.

Spielekultur - Die Geschichte der Multiplayer-Spiele

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In jedem siebten Ei...

Denn weder ist No Man’s Sky ein MMO, noch hat es überhaupt funktionierende Online-Funktionen. Es ist ein klassischer Titel für Solisten. Und das hätte man so auch sagen müssen, statt auf der Hype-Welle zu reiten, No Man’s Sky als Online-Game zu vermarkten und die Kunden derart hinsichtlich der Beschaffenheit des Produktes zu täuschen.

Zwar bildet Hello Games in dieser Hinsicht keine Ausnahme in der Branche, jedoch war selten zuvor ein Entwickler derart dreist und hat eine mutmaßlich grandiose, aber irre seltene Mechanik einfach mal weggelassen, weil man davon ausgegangen ist, dass es eh kein Spieler jemals merken würde. Dann hätten auch die Entwickler von Pirates!, Mount & Blade und State of Decay getrost behaupten können, dass mir in ihren Spielen in ganz seltenen Fällen ein menschlicher Gegner untergejubelt werden könnte, ohne dass ich Gewissheit darüber hätte.

Of Kings and Men - Mount & Blade Online?

Gewissheit darüber, ob ein Spiel überhaupt so funktioniert, wie es vorab gerne mal behauptet wird, hat man natürlich nie. Auch und gerade nicht in der Indie-Ecke, wo die Fantasie der Entwickler oft weiter reicht als die tatsächlichen technischen Möglichkeiten. Und vor diesem Hintergrund weckt auch der erste Trailer zur neuen Mittelalter-Sandbox “Of Kings and Men” Hoffnung und Sorgen gleichermaßen, zudem er insbesondere das ausspart, womit man in der Beschreibung wirbt:

Riesige Schlachten mit über 200 Spielern soll es in der Mittelalter-Sandbox geben, wie man sie nie zuvor erlebt hat - dazu der Bau von Dörfern und Festungen, Belagerungen, berittener Kampf, eine persistente Onlinewelt und ein Kampfsystem, das dem historischen nachempfunden sein soll, so wie es in mittelalterlichen Manuskripten überliefert wurde.

Als Inspiration hat hier, von den Entwicklern unbestritten, eingangs erwähntes Mount & Blade gedient, das man dereinst als aktiver Teil der Modder-Community unterstütze, dessen Möglichkeiten jedoch schlicht nicht weit genug gehen, insbesondere was Multiplayer-Mechaniken betrifft. Ob die eigens entwickelte Engine dafür genügt und die ehemaligen Modder talentiert genug sind, um ein vollwertiges Projekt zu stemmen, werden wir am 28. August zumindest erahnen können, wenn das Spiel, hoffentlich nicht zu früh, in den Early-Access startet.

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