Die Ankündigungen im Rahmen der diesjährigen Electronic Entertainment Expo haben unter Fachjournalisten und Spielern gleichermaßen einen Freudentaumel ausgelöst. Manchem Kollegen sind sogar die Freudentränen über die Wangen gekullert. Wird jetzt endlich alles gut? Bekommen wir von der Industrie bald geliefert, worauf wir seit Ewigkeiten warten? Unser Kolumnist ist sich da nicht so sicher.

Lasst uns über den BioWare-Multiplayer-Shooter Anthem reden - und sein Schicksal, das am 22. Februar 2019 beginnt:

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In den letzten Jahren schien sie ja schon ein wenig zu straucheln, die Electronic Entertainment Expo, besser bekannt unter dem Kürzel E3. Gerade im Vergleich zur Gamescom scheint sie mit knapp 70.000 Besuchern, meist Geschäftsleute und Journalisten vom Fach, doch recht klein. Und wenn dann noch der eine oder andere Publisher auf einen Auftritt dort verzichtet, packen Kritiker gerne mal die branchenübliche Grabrede aus.

Ein Feuerwerk für Gamer

Doch aktuell scheint die E3 andere als tot. Das liegt weniger an der Organisation der Veranstaltung selbst, als an den teilnehmenden Häusern. Die haben sich einmal mehr Mühe gegeben, größere Ankündigungen für die Veranstaltung aufzusparen, um sie dann mit ordentlich Tamtam auf großer Bühne zu inszenieren.

Dass die E3 eben keine Publikumsmesse ist, sondern eine Fachbesuchermesse, spielt plötzlich auch keine Rolle mehr, denn durch die Einbindung von Twitch saßen die Gamer plötzlich in der ersten Reihe, gleich neben ihren favorisierten Streamern. Von den waren die meisten zwar nicht ganz freiwillig angereist, doch mit ein wenig Zuckerbrot und Peitsche schafften es die Sponsoren dann doch.

Hat viel Geld verloren, weil er seine unaufgeräumte Bude für die E3 verlassen musste: Twitch-Streamerkönig Ninja.

Von verarmten Ninjas und zerstörten Akkus

Ganz billig kam das die Veranstalter sicher nicht, verlor Twitch-König Ninja durch seine 48 Stunden Streampause nicht nur rund 40.000 Abonnenten, also 100.000 Dollar Monatseinnahmen, er konnte in der Zwischenzeit auch keine neuen gewinnen, von den entgangenen Werbe- und Spendeneinnahmen ganz zu schweigen. Umso mehr gewann die E3 an Zuschauern und man wird sicherlich in Zukunft weiter daran arbeiten, die Messe zu einer virtuellen Show auszubauen, für deren Genuss man sich eben nicht vom Gamer-Sessel erheben und in die schwitzenden Massen stürzen muss wie zur Gamescom.

Doch was gab es nun für krasse neue Sachen auf der E3 zu bestaunen? Zuerst einmal eine Unmenge an Titeln für iOS und Android, von denen ich den meisten sowohl die Existenzberechtigung als auch die Bezeichnung “Game” absprechen möchte. Zugegeben, ich gehöre nicht unbedingt der von den Publishern angepeilten Zielgruppe an, doch für mich zerstören die meisten dieser Titel zwei kostbare Dinge gleichzeitig, ohne ausgleichenden Spaß zu liefern: Zeit und Akku.

The Elder Scrolls: Blades, EVE Online und Final Fantasy XIV

Entsprechend werde ich bei The Elder Scrolls: Blades passen, das irgendwie von einem aufwendigen Spiel auf Telefonformat runterskaliert wurde. Technisch mag dieses Spagat ja durchaus beeindrucken, doch vertreibe ich mir auf dem Handy lieber mit Sammelkartenspielen die Zeit und warte mit anspruchsvollerem Zeug, bis ich wieder an meinem ordentlichen Gamer-PC sitze.

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Der bietet mir ein weit besseres Spielgefühl und warnt mich auch nicht am laufenden Band, dass mein Akku mal wieder auf Sparflamme läuft, obwohl ich ihn doch gerade erst aufgeladen hatte. Gleiches gilt auch für die Handy-Variante von EVE Online, an der NetEase aktuell in Kooperation mit CCP arbeitet. Klar - EVE ist ein Spiel, bei dem man in weiten Teilen wenig tun muss. Dennoch wage ich zu bezweifeln, dass die Handy-Variante auch nur annähernd die Tiefe der Vorlage erreichen kann.

Recht sinnvoll erscheinen mir derweil all jene Applikationen, die ergänzend zum eigentlichen Spiel entwickelt werden. So zum Beispiel die App zu Final Fantasy XIV, die unterwegs Zugriff auf nützliche Dinge wie das Inventar bieten soll, den Chat, den Spielermarkt und auf die Events, die man sonst vielleicht vergessen hätte.

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