Wie viele Lügen darf ein Unternehmen verbreiten, bevor jemand zur Rechenschaft gezogen wird? Wie teuer dürfen funktionslose Kostüme sein? Und wie viel Diablo verträgt der Markt? Das sind nur drei von vielen Themen, mit denen sich die MMO-Community in der vergangenen Woche beschäftigt hat. Grund genug für uns, in die Diskussion einzusteigen.

Funcom - Fehler im System

Erinnert sich noch jemand an Age of Conan und die legendären Auftritte von Funcoms PR-Manager Erling Ellingsen, der in zahlreichen Interviews und Auftritten das Blaue vom Himmel log und Dinge versprach, die nicht einmal im Ansatz im Spiel vorgesehen waren oder die, wie sich nach Release herausstellen sollte, schlichtweg nicht funktionierten? Als wir das damals im Detail aufzeigten, machte sich Funcom bei der Geschäftsführung von gamona dafür stark, sich von dem verantwortlichen Redakteur zu trennen. Ohne Erfolg, sonst gäbe es heute diese Kolumne nicht.

Wiped! - Die MMO-Woche - Lügenbarone

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuWiped! - Die MMO-Woche
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 53/541/1
“Reite zu Pferde oder auf Mammuten und belagere feindliche Burgen in epischen Schlachten.” Das war nur eines von unzähligen leeren Versprechen, mit denen Funcom den Hype um Age of Conan ordentlich geschürt hatte. Versprechen, von denen kaum eines zum Release eingelöst werden konnte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eine ganz ähnliche Propaganda wurde dann noch einmal zum Release von The Secret World betrieben und damals fragten wir uns, wie es überhaupt passieren kann, dass ein PR-Mann solch ein Marketing-Gewäsch von sich geben kann, das nicht im Geringsten im Zusammenhang mit dem Produkt und dessen tatsächlichen Möglichkeiten steht. Erling Ellingsen mit all seiner Kreativität sollte sich vielleicht öfter mit den Entwicklern unterhalten - oder am besten selber einer werden - so wurde damals gewitzelt.

Ellingsen - im Dienste seiner Majestät?

Eine aktuelle Anklageschrift der norwegischen Behörden gegen eine Reihe ehemaliger Funcom-Manager bringt jetzt jedoch ein wenig Lichts ins dunkle Kapitel in der Geschichte des Publishers. Darin wird beschrieben, wie Funcom ein halbes Jahr vor Release von The Secret World zu “unzähligen Anlässen nicht korrekte, selektierte und/oder unvollständige Informationen veröffentlicht” haben soll. Das Ziel: “Erwartungen schüren” und “Umsätze generieren”. Umsätze, von denen die Angeklagten, die mittlerweile nicht mehr für Funcom tätig sind, dann durch Insiderhandel profitiert haben sollen.

Mittlerweile hat sich Funcom von den Verantwortlichen getrennt. Zumindest von denen, die dem Vorwurf nach die Anordnungen gegeben haben, denn Erling Ellingsen, der sie als PR-Manager ausgeführt hat, sitzt nicht auf der Anklagebank, rangiert mittlerweile als Vice President of PR & Marketing bei Funcom und gibt sich seit einigen Jahre auch vergleichsweise brav, was die Pressearbeit betrifft.

Hoffen wir mal, dass er seine Lektion gelernt hat und dass auch andere Vertreter seiner Zunft öfter mal hinterfragen, was sie da eigentlich publizieren. Auch ein PR-Manager hat einen persönlichen Ruf zu verlieren und trägt eine Verantwortung den Empfängern der Botschaft gegenüber. Der allzu blinde Gehorsam der PR-Abteilungen hat in den letzten Jahren zu einem Vertrauensverlust der großen Häuser geführt, der sich kaum wieder reparieren lässt.

The Division - fast so schön wie 2013

Als mindestens grenzwertig müssen derweil auch die PR- und Marketing-Aktionen von Ubisoft zu The Division angesehen werden - beginnend mit dem Trailer aus 2013, der sich später als komplett inszenierte Farce erweisen sollte, weil zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Spiel existierte. Immerhin diente der Trailer später als Blaupause für die Dinge, die mal kommen würden und mittlerweile hat The Division zur Präsentation aus 2013 aufgeschlossen - zumindest optisch, wie der aktuelle, aller Wahrscheinlichkeit nach authentische Trailer beweisen soll.

Und während man sich in der Community noch immer uneins darüber ist, ob The Division nun das bessere Destiny werden oder sich schnell ausgebrannten Feuerwerken wie Evolve, Titanfall und Battlefront anschließen wird, zieht Ubisofts PR-Team Zahlen ohne Aussagekraft aus dem Allerwertesten: 6,4 Millionen Menschen haben während der kostenlosen Open Beta durchschnittlich fünf Stunden im Spiel und zwei Stunden in der Dark Zone verbracht und von dort 63 Millionen Gegenstände mitgebracht. Aha.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis: