Sinkende Spielerzahlen? Kein Problem für clevere Publisher. Wenn man parallel einfach die verbliebenen Spieler mehr blechen lässt, sind auch in schlechten Zeiten und mit miesen Spielen noch Umsatzsteigerungen möglich. Dafür jedoch braucht man ein ausgeklügeltes System, idealerweise samt offizieller Lizenz zum Abzocken.

Während Gamer weltweit noch immer über Sinn und Unsinn sogenannter Lootboxen diskutieren, mit denen die Publisher nicht nur den Spielspaß ruinieren, sondern auch Kinder skrupellos mit Glücksspiel-Psychologie abzocken, steht schon der nächste Skandal ins Haus. Und wieder einmal steht einer der üblichen Verdächtigen im Mittelpunkt.

Da muss man einfach zuschlagen!

Im Hause Activision ist man nämlich auf eine derart perfide Idee zur Monetarisierung digitaler Inhalte gekommen, dass man kurzerhand ein Patent darauf angemeldet hat. Die nunmehr geschützte Idee kurz umrissen: Kauft ein Spieler ein virtuelles Stück Ausrüstung mit besonderen Eigenschaften, haut ihn das clevere Matchmaking direkt in ein Match mit jemandem, der diesen Gegenstand nicht hat.

Wiped! - Die MMO-Woche - Lizenz zum Abzocken

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Bobby Koticks Traum: Wer sich nicht freiwillig im Item-Shop bedient, wird einfach mal zum Kanonenfutter erklärt, bis er Einsicht zeigt und zahlt. Dann darf er auch mal aufs Siegertreppchen klettern.
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Das gezielt herbeigeführte Ungleichgewichtig dient dann als nicht nur sprichwörtliches Totschlagargument, mit dem der zweite Spieler dazu gebracht werden soll, sich den Gegenstand ebenfalls im Shop zu holen. Tut er das, wird er natürlich, der Logik des Systems folgend, seinerseits gegen unterlegene Gegner antreten und sich aller Voraussicht nach überlegen fühlen dürfen. Der Kauf erscheint ihm fürderhin absolut lohnenswert. Bis man natürlich irgendwann auf einen Gegner trifft, der eine noch hochwertigere Ausrüstung besitzt. Dann geht das Psychospielchen von vorne los.

Ein Evolutionssprung im Pay-to-win-Gewerbe also, mit dem Activision seinen Umsatz in neue Höhen treiben möchte. Natürlich nur theoretisch, versteht sich, denn kurz nachdem sich die frohe Kunde über das neue Patent über die einschlägigen Kanäle verbreitet hatte, ließ Activision verlautbaren, dass man das gute Stück Software ja bislang in noch keinem Spiel eingesetzt habe. Dass man es aber auch in Zukunft nicht einsetzen werde, davon ist in dem Statement keine Rede.

LawBreakers - die Letzten werden die Ersten sein

Zugegeben, es ist in diesen Tagen auch sicher nicht ganz einfach, das richtige Geschäftsmodell für einen Titel zu finden. Wer es besonders fair machen möchte, holt sich das nötige Geld gleich am Anfang ab, legt einen Kaufpreis fest, mit dem es sich leben lässt. Dann kann man auf unfaire Mikrotransaktionen verzichten.

Wie schwierig es jedoch mit diesem Konzept geworden ist, ein Spiel zu betreiben, zeigt Lawbreakers. Der Arena-Shooter hat keinen Hype generiert, brachte schon zum Release kaum mehr als 7.000 Spieler in die Lobby. Und seither geht es steil bergab. “Die Unterstützung für die LawBreakers-Community geht weiter”, verkündet da die zuständige PR-Agentur und erzählt etwas von einer Boss-Liga.

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Doch die interessiert längst niemanden mehr. Während ich diese Zeilen tippe, sind gerade mal 87 Spieler in Lawbreakers eingeloggt. Wie soll mit denen ein Liga-System funktionieren? Ein Desaster, angesichts eines ziemlich vielversprechenden und ambitionierten Titels. Wenn Nexon hier nicht endlich die Notbremse zieht und das Spiel kostenlos anbietet, werden auch die letzten paar dutzend Spieler bald verschwunden sein.

Warframe - geht durch die Decke

Dabei hätten die Entwickler von LawBreakers wissen müssen, dass die Konkurrenz im Shooter-Genre gewaltig ist und ein kostenloser Einstieg die einzige Möglichkeit, ein Spiel dauerhaft bevölkert zu halten. So war das schließlich auch bei Warframe, das zu seinem Release vor viereinhalb Jahren noch ein ziemliches Nischendasein führte.

Über die Jahre hinweg ging dann langsam, aber stetig bergauf. Die kleine Community erfreute sich an den kleinen, aber soliden Updates, blieb dem Titel dauerhaft treu und rekrutierte Nachwuchs. Mit rund 60.000 Spielern zählte Warframe bald zu den beliebteren Spielen auf Steam. Und dann wurden die “Plains of Eidolon” aufgespielt.

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Kostenlos, aber nicht umsonst

Jene Erweiterung, die eine ziemlich gewaltige offene Zone ins Spiel bringt und es erstmals in eine Richtung führt, die entfernt an ein MMO erinnert, zumindest an Spiele wie Firefall. Die Zone an sich, das räumen auch die Entwickler ein, ist längst noch nicht fertig, benötigt Feinschliff und Detailarbeit. Und doch scheint sie bei den Fans so gut anzukommen, dass Warframe gerade durch die Decke geht.

Mit über 120.000 gleichzeitig eingeloggten Spielern schiebt sich Warframe einfach mal so auf den vierten Platz der Steam-Charts, noch vor Team Fortress 2. Ein Erfolg, den man weder mit Kaufpreis hätte feiern können, noch mit einer ausgeklügelten Pay-to-win-Mechanik, wie sie sich Activision aktuell ersonnen hat.

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