Wie bastelt man am besten ein MMORPG? Führt der Weg über vergangene Erfolge, die neu inszeniert und technisch anpasst? Fängt man gleich ganz von vorne an zu denken und zu arbeiten, um möglichst frei von Altlasten zu sein? Oder gibt es vielleicht noch einen dritten Weg, an den bislang kaum jemand gedacht hat? Ein paar wagemutige Entwickler scheinen genau davon überzeugt.

Kaum drei Wochen ist es her, dass die Leute von Rockstar Games mit ihrer Ankündigung für Verblüffung sorgten, dass man Grand Theft Auto V weiter in Richtung MMORPG ausbauen werde. Und Red Dead Redemption 2 soll bis zum Herbst 2017 gar zum Fundament einer brandneuen “Online-Multiplayer-Erfahrung” werden.

Plötzlich MMO

Dass die Jungs aus New York damit einen Erfolg landen könnten, ist immerhin nicht ganz unwahrscheinlich, denn nicht nur haben sie genügend Geld für ein solches Projekt beisammen, sie haben überdies das nötige technische Know-how sowie ein wirklich funktionierendes und solides Spielsystem samt Engine. Ob es nun in der Großstadt angesiedelt ist oder im Wilden Westen, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Eine Revolution von unten also, die dem MMO-Genre da möglicherweise bevorsteht, initiiert von einem Publisher, der sich bislang fein zurückgehalten hatte, obwohl wirklich jeder ehrgeizige Entwickler plötzlich unbedingt ein MMORPG entwickeln wollte und damit unweigerlich scheitern musste, weil man einfach überschätzte, welche Arbeit hinter einem solchen Projekt steckt.

Doch könnte der Coup tatsächlich gelingen - eine motivierende Solo-Welt als Grundlage zu benutzen, sie Stück für Stück für mehr Spieler zu öffnen, bis eine Art MMORPG daraus wird? Daran scheint man mittlerweile nicht mehr nur bei Rockstar zu glauben. Auch in unserer Nachbarschaft hat man offenbar ganz ähnliche Konzepte in der Schublade.

Cyberpunk 2077 - doch ein MMO?

Mittlerweile nämlich mehren sich die Hinweise darauf, dass es sich bei Cyberpunk 2077 nicht um ein gewöhnliches Solo-Game handelt, sondern um ein Open-World-MMO. Wir erinnern uns: Im Januar 2013 sorgten die Jungs von CD Project Red mit einem atemberaubenden “Teaser-Trailer” für Aufregung, zu einem Spiel, dessen Titel zumindest eine Menge über die Welt erahnen lässt, in dem es angesiedelt sein wird.

Seither ist es wieder still um Cyberbunk 2077 geworden - zumindest lässt der Publisher nichts mehr darüber verlauten. Und hätte der Teaser mittlerweile nicht beinahe zehn Millionen Aufrufe, das Projekt der Macher von The Witcher wäre wahrscheinlich längst in Vergessenheit geraten. Wie wir nun plötzlich darauf kommen, das Spiel könnte noch in Entwicklung sein und zudem ein MMO werden?

Das Kind bloß nicht beim Namen nennen

Nun, darauf lässt zumindest eine Finanzierungsanfrage des Studios schließen, in der man offensichtlich Gelder für unterschiedliche Technologien sammelt: “City Creation”, “Animation Excellence”, “Cinematic Feel” und eben “Seamless Multiplayer”, jene Technologie, die man für ein gewöhnliches Rollenspiel sicher nicht benötigen würde.

Damit erklärte sich dann auch, warum sich das Studio bislang damit zurückgehalten hat, Cyberpunk 2077 in ein konkretes Genre einzuordnen. Gerade wenn man nämlich noch die eine oder andere Finanzspritze mitnehmen möchte, sollte man die Bezeichnung MMORPG tunlichst vermeiden. Ein Cyberpunk-Rollenspiel mit ordentlichen Multiplayer-Funktionen, basierend auf den Erfahrungen der Witcher-Reihe? Mehr wollen wir doch auch gar nicht.

Lineage Eternal - das Warten hat bald ein Ende

Wobei es jenseits davon schon noch etwas gibt, wonach ich mich sehne: nach einem würdigen Nachfolger zu den beiden Lineage-Titeln, die in mancherlei Hinsicht bis heute unerreicht sind. Umso härter war das Warten in all den Jahren seit Ankündigung von Lineage Eternal. Die Hoffnung stirbt zuletzt, das NCSoft diesen Titel, der nicht Lineage 3 ist, ordentlich umgesetzt bekommt.

Lineage 3 musste nämlich dereinst eingestellt werden, nachdem sich große Teile des Entwicklerteams von NCSoft verabschiedet hatten. Aus den Überbleibseln hat man ein mittelmäßiges Aion zusammengeschustert. Mit Lineage Eternal versucht man, technisch nicht allzu sehr zu klotzen, dafür ein ansprechendes, actionreiches Gameplay zu bieten - isometrisch, wie bei Diablo und Konsorten, mit der Tiefe und den Möglichkeiten eines MMORPG.

Und dennoch dauerte die Entwicklung länger als gedacht. So lange, dass man bisweilen schon befürchtet hatte, NCSoft hätte das Projekt aufgegeben. Doch nun können wir endgültig Entwarnung geben. Lineage Eternal ist auf dem Weg in die Closed Beta, die schon am 30. November starten soll - in Südkorea, versteht sich. Und da NCSoft eine weltweite Veröffentlichung am gleichen Tag geplant hat, könnte Lineage Eternal tatsächlich bereits im ersten Quartal 2017 bei uns aufschlagen.

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